Sabrina Verena hat geschrieben: Mi 28. Feb 2024, 10:38
Magdalena hat geschrieben: Do 11. Jan 2024, 16:11
Sicher wurden über Jahre gravierende Sorgen und Ängste verharmlost oder verdrängt. Niedriglohngebiet, damit wurde geworben.
Unzufriedenheit mit der eigenen Leben machen Einige an den etablierten Parteien fest. Dies konnte ich bei einigen Gesprächen heraushören.
Und dann kommt eine Partei und bietet einfache Lösungen an. Es fällt auf fruchtbaren Boden. Und es folgen Einige ohne weiter nachzudenken. In Umfragen kommt die Kanzlerpartei in Sachsen nicht mehr über die fünf Prozenthürde.
Was Du beschreibst, kann ich bestätigen.
Da gibt es durchaus Parallelen zur Weimarer Zeit, und das ist keine Verharmlosung von Naziverbrechen, sondern ein Alarmschrei!
Also so ganz kann ich das Sachsen-Bashing nicht teilen. Ja, da ist sicher ein Anteil Frust der Zurückgelassenen; egal ob aus Altergründen, oder weil sie nicht so mit zeitgemässen Tätigkeiten und Umgebungen klar kommen, um es mal freundlich auszudrücken. Wenn ich die Statistiken richtig mitbekommen habe, gibt es in Sachsen zwei wichtige Trends: Das Land überaltert, und wer kann zieht wegen Moderne in die Großstadt, ggf auch in ein anderes Bundesland. Darunter viele Frauen. Viele haben einfach Sachsen abgeschrieben. Auch viele der dagebliebenen. Ganz interessant: Die
Bevölkerungsstruktur.
Das sind aber bei Weitem keine Weimarer Verhältnisse. Es gibt keine Massenarbeitslosigkeit, keine Massenverelendung, keine Hungersnot, keine zusammengebrochene Wirtschaft, und trotz einiger seltsamer Vorgänge bei Polizei und Justiz kann auch nicht von einer demokratiefeindlichen, in alter Monarchie o.ä. verhafteten Oberschicht die Rede sein. Ah, und der
"Ausländeranteil" liegt wie in allen 5 Ostländern bei nur 7%. Budesdurchschnitt 14%.
"Mit Migrationshintergrund": 5 Ostländer 8-9,5%, nächstes Westland (SH) 18%, Bremen 38%. Also auch hier kein wirklicher Anlass für Extremismus, sondern eher eine Art virale Stimmung.
Die
Wahlumfragen spiegeln das meines Erachtens. 30% CDU, Grün und SPD je ~7% (also nix von wegen 5%-Hürde). Deren Verluste ggü 2019 sind nicht sonderlich groß. Linke dürften auch "drin" sein und haben am meisten verloren und die FDP, nunja. Fehlerquote bei den Umfragen übrigens im Mittel 2%.
Interessant auch die Wahlergebnisse von 2019, wer wie gewählt hat
hier. Die 45-60 jährigen sind die entscheidende Gruppe. Höchster Bevölkerungsanteil, sehr hohe Wahlbeteiligung, höchster Rechtsaussen-Anteil.
Also. Die tatsächlichen Verhältnisse im Vergleich zu anderen Ländern erklären in keiner Weise die afd Zahlen. Die bisher plausibelste Idee bisher ist: Sächsische Leute jenseits der Midlife-Crises (45+) schieben Frust. Dass ihnen die Frauen weglaufen (Abwanderung), dass keinein was mit ihnen zu tun haben will, dass ihre Erwartungen nicht so erfüllt wurden, wie sie es zu verdienen meinen. Und dann jammern sie mit anderen zusammen, gehen in eine Art Trotzphase und suchen sich Sündenböcke, auf die sie alles schieben können, von keinerlei Fakten getrübt - und ohne das Programm der afd verstanden zu haben, bei dem nämlich gerade sie am meisten verlieren würden. Dazu wachsen zu wenig jüngere nach (oder wandern ab), um rein praktisch und auch durch Wahlergebnisse diesen Frust "alter weisser Männer"(1) zu kompensieren.
Ist zugegeben alles etwas polemisch, aber wirklich: Was die da wählen ist in jeder Hinsicht selbstschädigender Unfug. Reine Emotion. Und wie das eingefangen werden kann; keine Ahnung.
(1) "alte weisse Männer" müssen weder alt, noch weiss, noch Männer sein. Es ist ein Mem einer rückwärtsgewandten Idealisierung einer nicht existierenden Vergangenheit und überzogener Zukunftsversprechen.