Re: Und plötzlich brach meine Welt auseinander...
Verfasst: Do 31. Okt 2019, 12:21
Guten Morgen ihr Lieben,
zuerst einmal ein riesiges Dankeschön für die zahl- und facettenreichen Antworten, damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Jetzt muss ich mich erstmal durch den "Antworten- Dschungel" ackern und hoffe, dass ich nichts Wichtiges vergesse.
Am Rande möchte ich erwähnen, dass der erste Beitrag noch nicht die ganze Geschichte ist, aber es gibt so viel zu erzählen, sodass mein Text wohl sonst kilometerlang geworden wäre und dann kann man das nur schwer lesen. Außerdem habe ich noch Schwierigkeiten mit den Begriffen, ebenso mit den Pronomen, ich möchte da niemandem zu nahe treten, daher bitte ich Neulings- Fauxpax zu entschuldigen und nicht persönlich zu nehmen.
Kurz vorweg möchte ich noch ein paar generelle Gedanken los werden. In einigen Antworten kam etwas Kritik an meinem Beitrag auf im Sinne von "überleg bitte, ob du DAS in diesem Forum so schreiben möchtest". JA, genau SO, wie mein Text steht, möchte ich es schreiben und auch stehen lassen, denn es sind meine Emotionen, wie ich sie erlebt habe. Ich möchte aber keineswegs mein Gegenüber "klein machen" oder respektlos erscheinen. Ich rechne es jedem Menschen sehr hoch an, wenn er sich seinem Herzensmenschen öffnen kann. Es erfordert verdammt viel Mut und Kraft, einen solchen Schritt zu wagen und wie ich hier lesen kann, ist es bei weitem nicht selbstverständlich. Das hier im Forum ist "eure" Welt, ihr seid hier untereinander mit Gleichgesinnten (args, ich weiß gerade nicht, wie ich das formulieren soll... ich hoffe, ihr könnt es zwischen den Zeilen lesen), aber wenn ihr euch outet, sitzt euch gegenüber auch nur ein Mensch. Ein Mensch mit tief sitzender, sich noch entwickelnder Identität, aber auch ein Mensch, geprägt von seiner Lebenserfahrung, die ihm widerfahren sind und gezeichnet von Begegnungen mit Menschen, die ihn zu dem gemacht haben, was/ wer er heute ist. Identität und Biografie verschmelzen zu meinem heutigen ICH. Natürlich kann ich nur von mir selbst sprechen, aber mich haben seine Nachrichten einfach aus den Socken gehauen, denn ganz im Ernst: ich habe mich damals bewusst für einen Mann entschieden und den auch jahrelang gehabt (wenn auch mit latenter/ unterdrückter Weiblichkeit, was mir ja aber nicht sooo deutlich aufgefallen ist). Auch, wenn man da mal was ahnt oder ein komisches Gefühl hat, aber wenn man dann vor Tatsachen gestellt wird, ist das einfach nochmal eine andere Hausnummer. Man macht sich Gedanken für die Zukunft und Pläne, man möchte zusammen (so wie man es über Jahre gewohnt war) alt werden, hat zusammen ein Haus gekauft und macht sich ein hyggeliges Nest für seinen Lebensabend zurecht- und dann geht dieser Traum/ Vorstellung einfach von einer Sekunde auf die nächste kaputt. Paff. Es zerspringt wie eine Seifenblase, plötzlich ist alles neu und so anders. Mir hat es einfach schlichtweg Angst gemacht, das ist wirklich die Emotion, die ich am meisten fühle.
Angst...
... dass in der Vergangenheit vielleicht nicht alles so war, wie es gesagt und dargestellt wurde
... vor der Zukunft, was noch kommen mag
... wohin sein Weg ihn führen wird und ob ich damit zurecht komme
... dass er jemanden auf seinem Weg findet, der ihn vielleicht besser verstehen kann und ich dann doch nicht mehr in sein Leben passe
... vor dem Alleine sein
... vor weiteren Veränderungen
... ob ich das alles so schaffen kann und ihm eine Stütze und keine Last sein kann
... dass er vielleicht noch mehr Dinge für sich behält
Das klingt vielleicht auf den ersten Moment alles sehr egoistisch und auch negativ, aber mein bisheriges Leben wird es so einfach nicht mehr geben. Seins natürlich auch nicht, es gibt ja immer zwei Seiten auf einer Münze. Ich möchte nur klar machen, dass es für beide Seiten alles andere als leicht ist und hoffe daher auf Rücksicht meinerseits, wenn ich schreibe, dass mein Welt an dem Tag zu Konfetti wurde.
Prinzipiell denke ich aber auch, dass meine Synapsen nicht alle explodiert wären (oder zumindest nicht in diesem Ausmaß), wenn wir ein Gespräch gehabt hätten oder eben per Briefform, aber beide zusammen in einem Raum, sodass ich ihn hätte direkt fragen können. So, wie es bei uns gelaufen ist, war das eher suboptimal: ich fühlte mich belogen und hintergangen, verzog mich in meine Welt, in der ich mir alles sehr extrem ausmalte und war darin in meinem Hamsterrad gefangen. Ich malte mir die schrägsten und skurrilsten Dinge aus, sah plötzlich eine Olivia Jones oder Ru Paul neben mir an der Seite stehen- und das bin wiederum nicht ich. Ja, ich bin eine biologische Frau, aber bedingt durch Beruf und Hobbys bin ich eher leger gekleidet und erlebe meine weibliche Seite auch nur selten (Schminke vertrocknet bei mir, zu Anlässen muss ich meist vorher shoppen gehen, weil meine eigentlich mal "Ausgeh- Klamotten" mittlerweile doch alle im Stall bei den Pferden waren, weil ich "nur mal kurz" misten oder füttern wollte...). Und jetzt erfahre ich, dass mein Mann weiblicher ist als ich bzw Weiblichkeit nochmal ganz anders erlebt und das Exterieur, was mir nicht so wichtig ist, für ihn eine große Bedeutung hat.. puh... das war auch ein Stück weit Identitätskrise für mich. Fragen wie "Bin ich ihm weiblich genug? Was macht das alles mit meiner Weiblichkeit" kamen noch dazu. Ihr wisst selbst, wie multifaktoriell die ganze Thematik ist, das muss ich euch nicht erklären
Nun habe ich doch etwas mehr ausgeholt als ursprünglich gedacht, sorry wieder für so viel Text. Ich hatte mittlerweile ja schon ein paar Tage mich mit dem Thema auseinanderzusetzen und werde daher auch später noch berichten, wie es bei uns weiter ging. Was ich eigentlich nur hier versucht habe zu sagen, ist, dass für meinen Mann sicher auch seine Welt kaputt gegangen ist, aber meine eben auch. Veränderungen bereiten Angst, wohin führt uns der Weg? Ich versuche die Veränderungen jetzt nicht negativ zu sehen, sondern sie als Chance zu betrachten. Ich glaube, das klappte in den vergangenen Tagen mal mehr, mal weniger gut. Ich falle einfach noch sehr oft in meine Schockstarre zurück und fühle die Welt über mir zusammenbrechen, aber hinter dem Schutthaufen sehe ich es: das warme Licht der Hoffnung und Zuneigung, was uns nach wie vor verbindet und mich wieder an seine Seite zurückführte. Wege entstehen erst, wenn man sie geht und ich glaube, dass wir gerade unsere Reisekoffer packen und auf Weltreise gehen.
zuerst einmal ein riesiges Dankeschön für die zahl- und facettenreichen Antworten, damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Jetzt muss ich mich erstmal durch den "Antworten- Dschungel" ackern und hoffe, dass ich nichts Wichtiges vergesse.
Am Rande möchte ich erwähnen, dass der erste Beitrag noch nicht die ganze Geschichte ist, aber es gibt so viel zu erzählen, sodass mein Text wohl sonst kilometerlang geworden wäre und dann kann man das nur schwer lesen. Außerdem habe ich noch Schwierigkeiten mit den Begriffen, ebenso mit den Pronomen, ich möchte da niemandem zu nahe treten, daher bitte ich Neulings- Fauxpax zu entschuldigen und nicht persönlich zu nehmen.
Kurz vorweg möchte ich noch ein paar generelle Gedanken los werden. In einigen Antworten kam etwas Kritik an meinem Beitrag auf im Sinne von "überleg bitte, ob du DAS in diesem Forum so schreiben möchtest". JA, genau SO, wie mein Text steht, möchte ich es schreiben und auch stehen lassen, denn es sind meine Emotionen, wie ich sie erlebt habe. Ich möchte aber keineswegs mein Gegenüber "klein machen" oder respektlos erscheinen. Ich rechne es jedem Menschen sehr hoch an, wenn er sich seinem Herzensmenschen öffnen kann. Es erfordert verdammt viel Mut und Kraft, einen solchen Schritt zu wagen und wie ich hier lesen kann, ist es bei weitem nicht selbstverständlich. Das hier im Forum ist "eure" Welt, ihr seid hier untereinander mit Gleichgesinnten (args, ich weiß gerade nicht, wie ich das formulieren soll... ich hoffe, ihr könnt es zwischen den Zeilen lesen), aber wenn ihr euch outet, sitzt euch gegenüber auch nur ein Mensch. Ein Mensch mit tief sitzender, sich noch entwickelnder Identität, aber auch ein Mensch, geprägt von seiner Lebenserfahrung, die ihm widerfahren sind und gezeichnet von Begegnungen mit Menschen, die ihn zu dem gemacht haben, was/ wer er heute ist. Identität und Biografie verschmelzen zu meinem heutigen ICH. Natürlich kann ich nur von mir selbst sprechen, aber mich haben seine Nachrichten einfach aus den Socken gehauen, denn ganz im Ernst: ich habe mich damals bewusst für einen Mann entschieden und den auch jahrelang gehabt (wenn auch mit latenter/ unterdrückter Weiblichkeit, was mir ja aber nicht sooo deutlich aufgefallen ist). Auch, wenn man da mal was ahnt oder ein komisches Gefühl hat, aber wenn man dann vor Tatsachen gestellt wird, ist das einfach nochmal eine andere Hausnummer. Man macht sich Gedanken für die Zukunft und Pläne, man möchte zusammen (so wie man es über Jahre gewohnt war) alt werden, hat zusammen ein Haus gekauft und macht sich ein hyggeliges Nest für seinen Lebensabend zurecht- und dann geht dieser Traum/ Vorstellung einfach von einer Sekunde auf die nächste kaputt. Paff. Es zerspringt wie eine Seifenblase, plötzlich ist alles neu und so anders. Mir hat es einfach schlichtweg Angst gemacht, das ist wirklich die Emotion, die ich am meisten fühle.
Angst...
... dass in der Vergangenheit vielleicht nicht alles so war, wie es gesagt und dargestellt wurde
... vor der Zukunft, was noch kommen mag
... wohin sein Weg ihn führen wird und ob ich damit zurecht komme
... dass er jemanden auf seinem Weg findet, der ihn vielleicht besser verstehen kann und ich dann doch nicht mehr in sein Leben passe
... vor dem Alleine sein
... vor weiteren Veränderungen
... ob ich das alles so schaffen kann und ihm eine Stütze und keine Last sein kann
... dass er vielleicht noch mehr Dinge für sich behält
Das klingt vielleicht auf den ersten Moment alles sehr egoistisch und auch negativ, aber mein bisheriges Leben wird es so einfach nicht mehr geben. Seins natürlich auch nicht, es gibt ja immer zwei Seiten auf einer Münze. Ich möchte nur klar machen, dass es für beide Seiten alles andere als leicht ist und hoffe daher auf Rücksicht meinerseits, wenn ich schreibe, dass mein Welt an dem Tag zu Konfetti wurde.
Prinzipiell denke ich aber auch, dass meine Synapsen nicht alle explodiert wären (oder zumindest nicht in diesem Ausmaß), wenn wir ein Gespräch gehabt hätten oder eben per Briefform, aber beide zusammen in einem Raum, sodass ich ihn hätte direkt fragen können. So, wie es bei uns gelaufen ist, war das eher suboptimal: ich fühlte mich belogen und hintergangen, verzog mich in meine Welt, in der ich mir alles sehr extrem ausmalte und war darin in meinem Hamsterrad gefangen. Ich malte mir die schrägsten und skurrilsten Dinge aus, sah plötzlich eine Olivia Jones oder Ru Paul neben mir an der Seite stehen- und das bin wiederum nicht ich. Ja, ich bin eine biologische Frau, aber bedingt durch Beruf und Hobbys bin ich eher leger gekleidet und erlebe meine weibliche Seite auch nur selten (Schminke vertrocknet bei mir, zu Anlässen muss ich meist vorher shoppen gehen, weil meine eigentlich mal "Ausgeh- Klamotten" mittlerweile doch alle im Stall bei den Pferden waren, weil ich "nur mal kurz" misten oder füttern wollte...). Und jetzt erfahre ich, dass mein Mann weiblicher ist als ich bzw Weiblichkeit nochmal ganz anders erlebt und das Exterieur, was mir nicht so wichtig ist, für ihn eine große Bedeutung hat.. puh... das war auch ein Stück weit Identitätskrise für mich. Fragen wie "Bin ich ihm weiblich genug? Was macht das alles mit meiner Weiblichkeit" kamen noch dazu. Ihr wisst selbst, wie multifaktoriell die ganze Thematik ist, das muss ich euch nicht erklären
Nun habe ich doch etwas mehr ausgeholt als ursprünglich gedacht, sorry wieder für so viel Text. Ich hatte mittlerweile ja schon ein paar Tage mich mit dem Thema auseinanderzusetzen und werde daher auch später noch berichten, wie es bei uns weiter ging. Was ich eigentlich nur hier versucht habe zu sagen, ist, dass für meinen Mann sicher auch seine Welt kaputt gegangen ist, aber meine eben auch. Veränderungen bereiten Angst, wohin führt uns der Weg? Ich versuche die Veränderungen jetzt nicht negativ zu sehen, sondern sie als Chance zu betrachten. Ich glaube, das klappte in den vergangenen Tagen mal mehr, mal weniger gut. Ich falle einfach noch sehr oft in meine Schockstarre zurück und fühle die Welt über mir zusammenbrechen, aber hinter dem Schutthaufen sehe ich es: das warme Licht der Hoffnung und Zuneigung, was uns nach wie vor verbindet und mich wieder an seine Seite zurückführte. Wege entstehen erst, wenn man sie geht und ich glaube, dass wir gerade unsere Reisekoffer packen und auf Weltreise gehen.