Liebe Inga
da ich an meinem Fahrrad keinen Gepäckträger habe, hatte ich einen Rucksack auf meinem Rücken, der gleichzeitig auch ein Sonnenschutz war.
Der 4. Tag.
Vor dem Frühstück ging ich im Jeansrock und schwarzem Top mit Spaghettiträgern in die neben dem Hotel gelegene Scheune, wo die Fahrräder untergebracht waren. Es war noch sehr bald und ich dachte, dass ich niemanden begegnen werde. Umso mehr war ich überrascht, dass vor dem Haus ein Mann seine Zigarette rauchte. Ich wünsch ihm einen guten Morgen und ging unbekümmert weiter. Er schaute mir zwar etwas überascht nach, grüßte mich aber auch freundlich. Es ist wirklich wahr: Je öfter ich enfemme anderen begegne, desto einfacher wird es. Im Rock zum Frühstück zu gegen traute ich mich dann aber doch noch nicht.
Die Radtour ging dann vom Pfronten nach Reutte. Es ging überwiegend bergab und am Schluss am Lech entlang. Landschaftlich sehr schön.
Von Reutte aus gings dann zum Plansee rauf. 14 % Steigung stand auf meiner Landkarte und ich hatte schon vor, das Rad den Berg hinauf zu schieben. Wider Erwarten schaffte ich die Steigung und erfreute mich oben an dem einzigartigen Gebirgsee zwischen Reutte und Oberammergau.
Ich fuhr auf der kurvigen Straße am Ufer entlang Richtung Schloss Linderhof. Ein Juvel des Barocks. Dort musste ich wider Willen eine längere Pause einlegen, denn es regnete stark. Nach dem Regen fuhr ich überwiegend bergab, Richtung Ettal, wo das berühmte Benediktinerkloster steht. Auch hier ein kurzer Halt zum Fotografieren. Dabei musste ich feststellen, dass sich auf der letzten Strecke der Bezug mit Posterung von meinem Fahrradsattel gelöst hatte und verloren ging.
Auf nasser Straße fuhr ich weiter nach Garmisch. Jetzt ging es einige Kilometer steil bergab und ich musste viel bremsen, damit ich nicht schneller als die Autos vor mir fuhr. Das machte viel Spaß - der Lohn für dem Anstieg nach Reutte.
In Garmisch angekommen endete vorzeitig meine Tour. Es regnete jetzt ununterbrochen und ich entschloss mich, zum Bahnhof zu fahren. Wenn ich heute noch einen Zug bekomme, so dachte ich mir, fahre ich nach Hause, wenn nicht, dann warte ich, ob das Wetter am Samstag besser wird. Ich war um 16 Uhr am Bahnhof und um 16:07 Uhr im Zug nach München.
Es war eine sehr schöne Radtour. Erst am Rhein und dann am Bodensee entlang, ein Weg ohne schwierige Steigungen. Dann von Lindau nach Pfronten und von dort nach Garmisch schon etwas anstrengender aber landschaftlich und kulturell auch reizvoller. Insgesamt waren es 420 km.
Meine Erlebnisse enfemme haben mir gezeigt, dass wir in einer doch toleranten Gesellschaft. Die größten Hindernisse sind die Ängste in meinem Kopf. Die Tour und der Zwang, nur wenig Sachen mitnehmen zu können, halfen mir, einen Teil der Ängste zu überwinden.
Zum Schluss nochmal ein Entschuldigung an alle, die sich von mir "verarscht" fühlten, weil ich meiner Phantasie in Schaffhausen freien Lauf ließ
