Sasha hat geschrieben: Sa 10. Mär 2018, 12:48
Mina hat geschrieben: Sa 10. Mär 2018, 08:31
Womit ich aber große Schwierigkeiten habe, das es Menschen gibt welche sich einsetzen und sich Gedanken machen wie es gelingen kann, viele andere Menschen unter einen Hut zu bekommen, selbe aber auf den Betonblock der gesellschaftlichen Weiterentwicklung stossen.
Hallo Mina,
ich bin bei dieser Aussage ganz bei Dir, und ebenfalls der Meinung, daß die unser Anliegen betreffenden Sprachelemente schnellstmöglich zur allgemeinen Selbstverständlichkeit gehören müssen.
Das Problem, das ich aber dabei sehe, sind Begrifflichkeiten wie
Für mich sind Bemühungen, die Sprache derart zu brechen, akademischer Humbug, weil es a) den Betroffenen nichts nützt und b) die Sprache zu einem unbrauchbaren Werkzeug verkommen läßt. Aber typisch deutsch: ja nicht das Problem pragmatisch lösen, sondern Arbeitskreise gründen, dilettantische Ergebnisse mit Staatsgeldern produzieren lassen und mit immer neuen Verordnungen und nachgeschalteten Ausnahmen alles dermassen verkomplizieren,daß niemand, also wirklich niemand mehr durchblickt und die große Masse der Menschen abgestoßen wird.
Ich war ja drauf und dran, eine einfühlsame, sachliche Reaktion zu schreiben, aber sorry, gelingt bei der Vorlage nicht.
Mal konkret. Das Nibi-Wiki ist eine freie Wissenssammlung. Die Sprachseite sammelt Vorschläge und Ideen, die andere Menschen mal irgendwo überlegt und aufgeschrieben haben. DAMIT WIR DAMIT SPIELEN, AUSPROBIEREN und GUTE NEUE LÖSUNGEN FINDEN KÖNNEN. Nichts davon wird irgendwem aufgedrückt.
Zu Deinen Argumenten: a) ich fühle mich betroffen und mir hilft es. Ich fühle es jedes Mal mehr in der Magengrube, wenn jemand "Herr" zu mir sagt (oder "Frau"), oder mich mit "er" (oder "sie") bezeichnet. Noch habe ich keine schöne Alternative, die ich wenigstens anbieten könnte. Aber ab und zu, unter gleichfalls Betroffenen, wo wir solche Sprache experimentell benutzen, fühle ich mich wohl.
b) Sprache ist nicht nur _ein_ Werkzeug. Wie haben nicht bloss nen Bohrhammer, sondern ganze Baumärkte voll mit unterschiedlichsten Werkzeugen für die unterschiedlichsten Aufgaben. Und ein Mikrotom oder Röntgenlaser wirst du nicht mal dort finden. Heisst: Es gibt viele, kontextbezogene Sub-Sprachen allein im Deutschen. Schau mal, für wie viele Begriffe es allein bei Wiki Ambiguitäts-Seiten gibt. Fachsprachen für tausende Hobbys und Gebiete mit teilweise gleichen Begriffen. Jedes Jahr kommen hunderte hinzu und andere verschwinden in der Versenkung, ohne dass die Welt untergeht. Und in Laboren für genderdiverse Sprache reifen in Petrischalen ein paar neue Kreuzungen und Züchtungen für künftige Anwendungen. Niemand wird gezwungen, da mitzumachen.
Also nochmal: Hier sind keine Staatsgelder, keine Arbeitskreise, keine Verordnungen zu finden. Nichts davon wird irgendwem von irgendwem aufgezwungen. Verweise auf Steuereformen oder BER könnten vielleicht auf nem Wutbürger-Stammtisch zünden, haben aber nullkommagarnichts mit solchen Sprachexperimenten zu tun.
Eines aber noch. Viele von "uns", das meint sämtliche gender-diversen Menschen, die mit den Cis-Begriffen "Mann" oder "Frau" nicht richtig beschrieben sind, wollen langsam nicht mehr sprachlich untergebuttert werden. "Wir" möchten Pronomen und Formulierungen, die uns als eigenständige Wesen anerkennen. Wir haben bisher noch keine tollen Lösungen, aber wir nehmen auf jeden Fall wahr, ob sich jemand Mühe gibt, wenn er.sie mit oder über uns spricht. Ich persönlich kann mit konstruktiver Kritik an irgendwelchen Ideen gut leben. Aber pauschale Abwertung sämtlicher Ansätze als unnötig erzeugen in mir das Gefühl ausgegrenzt zu werden. Und das ist nicht okay.