Hallo Theresa,
Theresa hat geschrieben: Di 3. Okt 2017, 01:10
Und doch erschreckte mich die Tatsache, dass ich um meinen Hund wesentlich mehr weinte als um meine Mutter. Vielleicht lag es daran,dass sie krank war, auch das Alter hatte, in dem man damit rechnen musste. Oberflächlich funktionierte Verdrängung. Auf einer Ebene tiefer hatte man das vielleicht schon akzeptiert.
Der Hund war in der damaligen Ehe Kindersatz. Etwas, womit wir den Alltag füllen wollten. Womit wir was Gemeinsames hatten. Als er starb war die Ehe in Auflösung und mit seinem Tot endgültig (symbolisch ) in Scherben zerbrochen.
Im Grunde genommen steckt da schon die Antwort drin. Es sind wohl zumeist nicht die unmittelbaren Verluste, die wir beweinen, sondern das, was damit in Verbindung steht, vor allem wenn man sich damit schwer tut, dies zu akzeptieren. Bei deiner Mutter war dir bewusst, dass sie alt und krank gewesen ist, und du hast dich vermutlich schon vorher damit auseinandergesetzt. Anders bei deinem Hund, wo der Tod für dich in unmittelbarer Verbindung mit dem Ende eurer Ehe stand. Bei mir war es ähnlich. Wir hatten uns kurz nach unserem Kennenlernen und Zusammenziehen eine kleine Katze als Ersatz für ein gemeinsames Kind geholt. Die Katze lebt auch noch und blieb bei mir, aber dennoch musste ich manches Mal heulen, wenn ich sie nur gesehen habe. Sie hat mich immer wieder an den Verlust erinnert, und ich brauchte eine ganze Weile um mir darüber klar zu werden, dass ich einen manisch-depressiven Menschen, der sein Leben lang auf der Flucht vor menschlicher Nähe und seinen Dämonen war, nicht auf Dauer halten konnte.
Dazu noch ein traurig-schönes Erlebnis: Kurz nach der Trennung lag ich ziemlich betrübt im Bett, und schaute verloren auf die leere Seite neben mir. Da kam meine Katze ganz nah zu mir her, schaute mir tief in die Augen, und streichelte mir dann mit der Pfote sanft über die Wange. Da liefen mir die Tränen wie ein Wasserfall.
Theresa hat geschrieben: Di 3. Okt 2017, 01:10
Ich bekomme häufig kurzfristige Heulanfälle, jeh nach dem welche Gedanken gerade in den Sinn kommen. Es ist meistens Trauer um Vergangenes (vergebliche Hoffnungen), das ich nicht halten konnte. Pläne, die ich, besonders in Bezug auf die Partnerin, nicht umsetzen konnte. Das Gefühl, versagt zu haben, scheint eine entscheidende Rolle zu spielen.
Auch der Plüschbär, der nun statt ihrer auf dem Beifahrersitz mit mir fährt, kann diesen Reflex auslösen....
Auch bei mir heute kommt es heute noch manchmal vor, dass mir deswegen das Wasser in den Augen steht. Die Erinnerungen verschwinden ja nicht, sie verblassen nur ganz langsam.
Theresa hat geschrieben: Di 3. Okt 2017, 01:10
Heute schiebe ich das Unvermögen meine Emotionen nicht im Griff zu haben einfach auf meine weibliche Seite. Dann ist es für mich erträglicher. Nur die kennt lange nicht jeder.
Das denke ich nicht. Du hast die männlichen Erziehungsmuster (Jungs weinen nicht, ein Indianer kennt keinen Schmerz) nur weitgehend abgelegt, und gestattest dir, deine Gefühle zuzulassen.
Theresa hat geschrieben: Di 3. Okt 2017, 01:10
Zum Schluss noch was Positives, damit es nicht in Depressionen ausartet: Nächste Woche fahre ich für 7 Tage nach Holland. Mit meiner Exfrau! Ca 6 Jahre nach der Scheidung! Irgendwie macht mich das ein wenig stolz. Wir sind jetzt Freunde und sie akzeptiert sogar meine weibliche Erscheinungsform und war mit Theresa schon mal beim Chinesen essen....
Ich habe zwar mit Blick auf die Geschichte mit dem Plüschbären gewisse Bedenken. Aber wenn du dir sicher bist, dass es dir dabei gut geht, du über eure Trennung hinweg bist, und dadurch nicht immer wieder auf den Verlust getriggert wirst, dann ist das eine schöne Sache.
Meine Ex-Partnerin und ich wollten damals auch ein freundschaftliches Verhältnis pflegen. Sie kam dann aber schnell damit an, dass sie erst mal Abstand brauchen würde, und ich bin mir heute nicht mehr so sicher, ob es mir gut tun würde, wenn sie sich wieder meldet. Beim letzten Mal, 2 Jahre nach dem sie um Abstand bat, lief es darauf hinaus, dass sie eigentlich mehr an (indirekter finanzieller) Unterstützung, als an mir und einem freundschaftlichen Verhältnis interessiert war, und ich mich nur ausgenutzt fühlte.
Theresa hat geschrieben: Di 3. Okt 2017, 01:10
Das war mal wieder was Verworrenes von mir. Ich bekomme es leider nicht besser formuliert.
Keine Sorge, dass war viel aufschlussreicher, als du dachtest.
Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.