Ja vielleicht hat man es durchgehen lassen,weil er es nicht so gemeint hat. Sehr wohl möglich. Aber dass das Ganze nicht ein römisches Projekt gewesen wäre ... hör, mal, es ist doch sogar höchst offiziell, dass ein römischer Kaiser die Gründung der Kirche, die auch noch heute "römisch" im Namen hat im Jahr 325 AD los getreten hat. Dabei sind doch auch die offiziellen Texte ausgewählt worden - laut des Forschers, Greg Braden, - aus einer Auswahl von 45 insgesamt. Was übrig blieb kennen wir als Das Neue Testament. Irgendwann muss ja auch die politisch korrektere Version der 10 Gebote entstanden sein - fast wie die heutige. Mit "politisch korrektere" meine ich: Das was mutmaßlich die ursprünglich(ere) Version aus der Ostmittelmeer Region, wollte nun niemand haben. Nicht mal die Römer. Es handelt sich also mindestens überwiegend um ein römisches Projekt - das wird nicht mal von offizieller Seite der Kirchen bestritten.
Und die Motivation des Handelns des Kaisers Alexander: Laut eigener überlieferter Aussage eine Vision in Form eines Traums. Seine Soldaten trugen in der Vision das Christensymbol (nicht das Kreuz - das Andere) und siegten deshalb überall. Ich glaube, das wird auch nicht mal von offizieller Seite bestritten. Nur nicht oft erwähnt.
So viel zum Thema, Jesus, Nächstenliebe, Römer und Gründung der organisierten Kirchen.
Dann sag du mir, was Jesus damit zu tun haben soll - und warum ich eigentlich glauben sollte, dass die Schriften nicht der politischen Linie entsprechend ausgewählt und verändert wurden?
Liebe Lina, das war vielleicht missverständlich, aber man hat es ja gar nicht durchgehen lassen, denn das Thomasevangelium gilt als apokryph.
Der Rest ist eine Frage der Perspektive. Für mich ist Kaiser Konstantin (nicht Alexander) der erste byzantinische Kaiser, obwohl ich zugeben muss, dass er Konstantinopel noch als Neues Rom verstanden hat, die Hellenisierung des Reiches ist dann ein längerer Prozess. Der neutestamentliche Kanon gilt als abgeschlossen mit dem Osterfestbrief 367 des alexandrinischen Bischofs Athanasios d. Gr., also Ägypten, nicht Rom. Und Kaiser Konstantin hat die Kirche nicht gegründet, sondern nur zugelassen und ist selbst ja bekanntermaßen auch erst auf dem Totenbett getauft worden. Die Bezeichnung "römisches Projekt" für das Christentum halte ich dann doch für verfehlt. Richtig ist wohl Deine Korrektur zum Christussymbol Monogramm, nicht Kreuz).
Was die Auswahl der als kanonisch geltenden Schriften anbetrifft, so müsste mir erst einmal jemand zeigen, dass für die Auswahl wirklich politische Motive eine Rolle gespielt haben. Die Auswahl ist nämlich gar nicht so schlecht. Ich kenne mich in Apokryphen einigermaßen aus, und da ist vieles einfach nur unglaubwürdig, banal und trivial (ich denke etwa an die Szene, in der die ungläubige Hebamme Salome handgreiflich die Jungfräulichkeit der Gottesmutter überprüft und sich dabei die Finger verbrennt, nachzulesen im Protevangelium des Jakobus 19, derselben Quelle, der wir auch das Fest der Einführung Mariens in den Tempel verdanken, im Westen Mariä Tempelgang genannt, obwohl es bei den Juden nie eine Institution der Tempeljungfrauen gegeben hat). Es sind schon die besten Evangelien, die Aufnahme gefunden haben. Bedenklich ist allerdings die Apokalypse des Johannes, die im Osten lange als apokryph betrachtet wurde und erst im 15. Jahrhundert dort bekannter geworden ist, aber bis heute in der orthodoxen Kirche aus gutem Grund nicht gelesen wird. Im Osten hielt man immer mehr von der Apokalypse des Paulus, eine Art Totenbuch, mit dem ich mich kürzlich ausführlich beschäftigt habe. Die ist natürlich auch apokryph, ist aber ein echter christlicher Bestseller geworden und hat im Osten wie im Westen die Vorstellungen vom Jenseits entscheidend geprägt.
Soviel nur zur Ergänzung. Viele Grüße,
Nicoletta
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