TS - Outing Strategie?
TS - Outing Strategie? - # 4

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Anne-Mette
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Re: TS „ Outing Strategie?

Post 46 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

DONNERWETTER - da hast Du einiges erlebt!
Es ist doch im Grunde genommen sehr gut aufgenommen worden.

Ich danke für Deine Offenheit; gerade FAMILIE ist ein besonders sensibler Bereich.
Hier sind schon viele enttäuscht worden, die gerade vom engsten Kreis vollständige Ablehnung erfahren mussten.

Ich denke, Du bist auf einem guten Weg.
Herzliche Grüße
Anne-Mette
nicole.f
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Re: TS „ Outing Strategie?

Post 47 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Moin Anne-Mette!
Anne-Mette hat geschrieben:Moin,

DONNERWETTER - da hast Du einiges erlebt!
:)
Und das war recht sicher erst der Anfang. So richtig spannend und bestimmt unheimlich anstrengend werden die ersten Tage nach dem 22.5. Ich habe wirklich noch massive Schwierigkeiten mir vorzustellen, wie das dann sein wird. Und ich mag das gar nicht, wenn ich unvorbereitet in eine neue Situation gerate :) Ich möchte gerne die möglichen Eventualitäten vorher kennen und darauf vorbereitet sein. Doch noch ist der 23.5. ein eher schummrig beleuchtetes dunkelgraues Loch. Das wird aber sicherlich noch werden... Das Gute ist, dass ich mir jetzt bereits der Unterstützung vieler wichtiger Personen in meinem direkten Umfeld sicher sein kann und das beruhigt doch ungemein.
Anne-Mette hat geschrieben: Es ist doch im Grunde genommen sehr gut aufgenommen worden.
Du meine Güte - ja!
Von den meisten, bis eben auf meine Eltern, bin ich sogar völlig erstaunt, dass es so gut aufgenommen wurde.

Vielleicht brauchen meine Eltern einfach ein bisschen länger. Ich habe da noch etwas Hoffnung, obwohl von ihnen auch soetwas kam wie "Mach was Du für richtig hältst, wir sind Deine Eltern und werden Dich unterstützen. Aber erwarte nicht, dass wir uns da noch umgewöhnen, dafür sind wir zu alt." - sie sind gerade mal um die 70. Das schmerzt dann schon etwas, weil irgendwie ein Ausdruck oder Anzeichen des Bemühens fehlt. Aber es hätte auch viel schlimmer kommen können, daher will ich mich nicht wirklich beschweren. Wir sehen uns vielleicht drei oder vier mal im Jahr, also tangiert mich das meistens nicht.
Anne-Mette hat geschrieben: Ich danke für Deine Offenheit;
Danke für Deinen Dank :)
Ich hoffe, es kann vielleicht ein wenig aufzeigen, wie es laufen kann - natürlich nicht muss, aber kann - und damit ggf. ein wenig Mut machen. Ich habe auch mit Absicht etwas mit dem Aufschreiben gewartet, damit es nicht zu persönlich emotional gefärbt ist.
Anne-Mette hat geschrieben: ... gerade FAMILIE ist ein besonders sensibler Bereich.
Hier sind schon viele enttäuscht worden, die gerade vom engsten Kreis vollständige Ablehnung erfahren mussten.
Je weiter ich komme, desto mehr weiß ich die schrecklichen Fehlschläge bei manchen anderen einzuordnen. Jetzt weiß ich, wie schmerzhaft selbst solche kleinen Problemchen, wie ich es hatte, sein können. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, in welche Krise es mich gestürzt hätte, wenn jemand wirklich ablehnend reagiert hätte. Das muss ganz ganz schrecklich sein. Und wenn das dann auch noch aus der eigenen Familie und insbesondere von den eigenen Eltern käme, oh große Güte! Die, die da unbeschadet durch kommen, kann ich nur bewundern.

Einen etwas kritischen Punkt habe ich noch vor mir - meinen gut vier Jahre älteren Bruder. Ich habe leider schon oft gelesen, dass gerade die Brüder von MzF die größten Probleme von allen damit haben. Ich kann ihn in dieser Richtung auch nur sehr schwer einschätzen. Manchmal rutschten ihm schon etwas homophobe Kommentare raus. Doch da war ich nie sicher, ob das nun nur ein etwas grober Scherz oder doch halb ernst gemeint war. Zu Ostern treffen wir uns, also Onkel, Tante und mein Bruder, bei meinen Eltern. Vielleicht ergibt sich dann eine Gelegenheit, es ihm zu sagen. Das wird ja dann sowieso ein schöner Haufen - Onkel und Tante, die voller Akzeptanz sind., meine Eltern noch eher auf Distanz (vielleicht bis dahin auch etwas weniger?) und mein Bruder, der noch gar nichts von all dem weiß.

Und zuguterletzt sind da auch noch die Eltern von meiner Frau. Die sind noch Sorgenkinder. Sie sind liebe Leute aber doch, ohne beleidigend sein zu wollen, etwas "einfacher" gestrickt, gut bürgerlich. Für sie ist es schon ein Affront, wenn ein Ehepaar nicht im gemeinsamen Bett schläft - z.B. weil einer schnarcht? Ist für sie nicht nachvollziehbar. Dafür gäbe es doch Oropax etc. Doch bei anderen Dingen sind sie dann auf einmal wieder total süß, weil erfrischend ehrlich! Ich war jetzt schon ein paar mal im Heernrock bei denen und obwohl ich merke, dass das nicht ihr Ding ist, habe ich dennoch bei ihnen das Gefühl, dass sie damit gut umgehen können. Wir haben gemeinsam ein bisschen darüber herumgeflachst, Scherze gemacht, gelacht und dann war es gut. Seit dem respektieren sie es. Das ist besser, als bei meinen Eltern, bei denen ich immer das unterschwellige Gefühl habe, irgendwann kommt da noch ein blöder Kommentar dazu. Das eine ist einfach ehrlich und geradeaus und damit kann ich gut leben. Es muss nicht jedem gefallen. Und ich kann auch mit Kritik leben. Die kann einmal geäußert werden, dann sage ich etwas dazu und dann muss es aber auch gut sein.

Es könnte also gut sein, dass es mit ihnen erstmal ein großes "oh weh" gibt, dass es aber nach einer Aussprache dann auch erledigt ist. Meine Frau hat nur die Befürchtung, dass ihre manchmal doch arg fürsorgliche Mutter dann täglich anruft und fragt "Ach Kind - wie kommst Du damit nur zurecht? Können wir Dir helfen?" :) Da wissen wir noch nicht, was und wie wir es machen sollen. Nichts zu sagen würde wohl noch eine Weile gut gehen, aber sehr lange auch nicht mehr. Irgendwann werden Veränderungen offensichtlich und nicht mehr einfach zu kaschieren sein. Ist es dann soweit und man muss dann gestehen, dass der Startschuss dafür schon vor einigen Monaten gefallen ist, kommen sie sich sicherlich betrogen und zurückgesetzt vor. Schwierig.
Anne-Mette hat geschrieben: Ich denke, Du bist auf einem guten Weg.
Herzliche Grüße
Anne-Mette
Danke, ich hoffe es :)
Noch ist alles im wirklich vollauf grünen Bereich. Doch noch bin ich auch bei Leibe noch nicht durch alles durch. Ich denke ab 23. Mai fängt es erst so richtig an, anstrengend und hart zu werden und das wird dann vermutlich, vergleiche ich es mit anderen, mindestens ein Jahr so bleiben, vielleicht noch etwas länger. Angefangen von den nur schleichend einsetzenden körperlichen Veränderungen, über Kleidung und allgemeinen Stil bishin zu den 1001 ersten malen die dann kommen werden - das erste mal in der Firma, die ersten Kontakte mit Kunden, der erste Urlaub, die erste Auslandsreise, ... Das dauert dann schoneinmal vorneweg ein Jahr, bis man die üblichsten ersten male abgehakt hat. Andere sagen, es dauert bis zu sieben Jahre, bis man endlich wirklich völlig angekommen ist. Dann werde ich 50 - gruselig. Und gerade deswegen lieber jetzt als später!

Also schauen wir mal weiter... ein Schritt nach dem anderen und besser nicht heute schon an übermorgen denken :)

Liebe Grüße
nicole
Zuletzt geändert von nicole.f am Fr 28. Mär 2014, 17:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Anni
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Re: TS „ Outing Strategie?

Post 48 im Thema

Beitrag von Anni »

Hallo Nicole )))(:

ja, ja - hast Dich wirklich lange rar gemacht - um so schöner , wieder viel Positives von Dir zu hören (ap)

Zwei Dinge , zu denen ich meinen Senf dazu geben muß :wink:

Thema Eltern :

hier habe ich persönlich , und wie ich von einigen Anderen verlässlich weiß , das es ihnen auch " so ergeht " , die meisten Probleme .

Sie - insbesondere die Väter - können oder wollen es nicht akzeptieren - nicht mal tolerieren :shock:

Mein Vater spricht mich bei JEDER passenden und unpassenden Gelegenheit betont mit dem Vornamen an , der in meiner Geburtsurkunde steht :!:
Stur , sturer geht's nicht mehr ! Somit durfte er seinen 75. Geburtstag ( und die Weiteren wohl auch ) ohne mich erleben .
Das ist um so unbegreiflicher , als das die Tochter ihrer Nachbarn über viele Jahre hinweg zu dem gefunden hat , was sie schon immer war - Mann .
Da waren sie sogar zur Hochzeit und fanden DAS ja alles so mutig und toll - aber doch nicht MEIN SOHN ! :((a

Also bleibt mir nichts Anderes übrig - muß und kann ich mit leben ...


2. Punkt - Dein Tag X :

Da hat Jede/r wohl sein eigene Vorstellung zu verwirklichen .

... 22.05.2014 - letzter Tag als Mann ....

Nicole , sei mir bitte nicht böse .... das liest sich wie : 22.05.2014 , Punkt 12 Uhr - FORMAT C: - alle Betriebssystemdaten " MACHO " werden gelöscht - sind sie sicher y/n ??? .....Upgrate einspielen - Warmstart und mit neuem Betriebssystem " TUSSY " auf in ein neues Leben :lol:

Aber ich verstehe , was Du meinst ... und Du hast damit Recht . :!:

Täglichen Gender-Switch versteht Keiner und DAS hält Mann/Frau auch auf Dauer weder aus noch durch (smili)

Lass bald wieder von Dir hören

LG von frecher Anni
Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie paßten auch heute noch. George Bernard Shaw
nicole.f
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Re: TS „ Outing Strategie?

Post 49 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Anni hat geschrieben:Hallo Nicole )))(:

ja, ja - hast Dich wirklich lange rar gemacht - um so schöner , wieder viel Positives von Dir zu hören (ap)
Huhu gar nicht so freche Anni!

Hat etwas gedauert, das ich mich wieder melde, ja :(
Ist aber auch viel zu tun - in der Firma und privat, einiges davon war ja gerade zu lesen. Da hatte ich irgendwie keine Muße etwas zu schreiben.
Anni hat geschrieben: ...
Mein Vater spricht mich bei JEDER passenden und unpassenden Gelegenheit betont mit dem Vornamen an , der in meiner Geburtsurkunde steht :!:
Stur , sturer geht's nicht mehr ! Somit durfte er seinen 75. Geburtstag ( und die Weiteren wohl auch ) ohne mich erleben .
Das ist um so unbegreiflicher , als das die Tochter ihrer Nachbarn über viele Jahre hinweg zu dem gefunden hat , was sie schon immer war - Mann .
Da waren sie sogar zur Hochzeit und fanden DAS ja alles so mutig und toll - aber doch nicht MEIN SOHN ! :((a

Also bleibt mir nichts Anderes übrig - muß und kann ich mit leben ...
Oh man, das tut mir schrecklich leid!
Damit käme ich ganz und gar nicht so leicht klar, wie das bei Dir gerade klingt. Zum einen natürlich wegen der offenen Ablehnung. Aber zum anderen auch wegen dieses Messens mit zweierlei Maß. Das ist doch unerträglich!? Ich zumindest kann soetwas nicht ertragen, da platzt mir die Hutschnur. Ich habe ein recht starkes Gerechtigkeitsempfinden und das ist eine Ungleichbehandlung, also eine enorme Ungerechtigkeit! Grrr...
Anni hat geschrieben: 2. Punkt - Dein Tag X :

Da hat Jede/r wohl sein eigene Vorstellung zu verwirklichen .
... 22.05.2014 - letzter Tag als Mann ....
Nicole , sei mir bitte nicht böse .... das liest sich wie : 22.05.2014 , Punkt 12 Uhr - FORMAT C: - alle Betriebssystemdaten " MACHO " werden gelöscht - sind sie sicher y/n ??? .....Upgrate einspielen - Warmstart und mit neuem Betriebssystem " TUSSY " auf in ein neues Leben :lol:
:)
Anni hat geschrieben: Aber ich verstehe , was Du meinst ... und Du hast damit Recht . :!:

Täglichen Gender-Switch versteht Keiner und DAS hält Mann/Frau auch auf Dauer weder aus noch durch (smili)
Nein, so war es auch nicht gemeint. Wer mich kennt weiß, dass ich mit Tussi-Mode nichts zu tun habe - ich stehe nach wie vor nicht auf Pink :)

Der Punkt ist ja eher, was soll danach passieren?

Da gäbe es:
1. Gar nichts. Alle wissen es nun, aber das isses dann auch.
DANN hätte ich mir den ganzen Zirkus auch sparen können.

Also
2. Ich kann nun frei pendeln!
Da habe ich aber festgestellt, das wird nicht klappen. Das sorgt für größtmögliche Verwirrung und ständige Aufmerksamkeit. Das möchte ich nicht. Ich möchte einfach nur ich sein und am besten gar nicht weiter beachtet werden. *Ich* bin nichts Besonderes und möchte es dadurch erst recht nicht werden oder sein.

Also bleibt nur
3. Ab dem Stichtag ist der Mann passee und es gibt nur noch Nicole.
Und da stellt sich dann eben die Frage, wie sieht eine 24/7 Alltags-Nicole wohl aus? Wie wird das funktionieren?
Soweit kann ich Dir das versichern, Tussi ist das ganz sicher nicht :) Das würde auch in meinem beruflichen Umfeld gar nicht gehen - ich bin selbst und meine Kollegen sind alle Freaks und Nerds. Berufsbekleidung sind Turnschuhe und Hoodies (Sweater mit Kapuze). D.h. so ein nettes Outfit wie auf meinem Avatar Bildchen würde hier schon völlig aus dem Rahmen fallen - leider :)

Frau zu "werden" bedeutet ja keine Carte-Blanche zum ungestraften Verstoß gegen gesellschaftliche Übereinkünfte oder zum maßlosen Überziehen der Toleranzgrenzen. Ich muss mich also schon daran halten, was "üblich" ist.

Doch davon abgesehen stellt sich mir eben auch die Frage, auf die ich erst dann eine Antwort bekommen werde, was werde ich täglich brauchen und was bleibt Abenden und Wochenenden vorbehalten? Wie wird sie sein, diese Alltags-Nicole? Ich kenne sie ja selbst noch kaum. (Klingt ja schon ein bisschen schizophren...)
Anni hat geschrieben: Lass bald wieder von Dir hören

LG von frecher Anni
Wird gemacht!

Liebe Grüße
nicole
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Re: TS „ Outing Strategie?

Post 50 im Thema

Beitrag von Anni »

Hallo Nicole )))(:
nicole.B hat geschrieben:
Und da stellt sich dann eben die Frage, wie sieht eine 24/7 Alltags-Nicole wohl aus? Wie wird das funktionieren?
Du wirst vielleicht enttäuscht sein - weil : Nicht viel anders , als vorher :wink:

Die täglichen Prioritäten und Aufgaben - Sicherung des Lebensunterhalt z.B. - ändern sich ja nicht grundlegend .

Gut - Dein Kleiderschrank wird noch voller und Du hast noch weniger an zu ziehen :lol: - Dein Auftreten entspricht dann Deiner inneren Stimme - Dein Freundeskreis wird sich ändern / verlagern ... aber das Leben geht " einfach " weiter :wink:

Mach Dir da mal im Vorfeld nicht all zu viele Gedanken - da wächst Du ganz schnell rein (smili)
nicole.b hat geschrieben:
... ich bin selbst und meine Kollegen sind alle Freaks und Nerds. Berufsbekleidung sind Turnschuhe und Hoodies (Sweater mit Kapuze). D.h. so ein nettes Outfit wie auf meinem Avatar Bildchen würde hier schon völlig aus dem Rahmen fallen - leider :)


Na dann bring da doch mal " frischen Wind " rein (yes) ---- Es gab da mal so'ne Doku-Soap - "Nerds und Beautys" - Nerds wurden da umgestylt :mrgreen:

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Re: TS „ Outing Strategie?

Post 51 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Hallo Ihr Lieben!
Ich wollte mal kurz ein Update geben, denn das ganze hat sich gerade eher unerwartet etwas beschleunigt...

Am letzten langen Wochenende gab es reichlich Gelegenheit, wieder öffentlich *ich* zu sein. Zum einen bekam ich Besuch von Andrea66, mit der ich dann per Zug nach Köln zu Vivian gefahren bin und von dort sind wir dann gemeinsam zu Saskia grillen. Das war alles sehr schön, doch noch nicht der ausschlaggebende Punkt, aber ganz sicher mit einer der Auslöser. Einer guten Freundin habe ich am Dienstag dazu folgendes geschrieben:

Diese drei / vier Tage incl. des Feiertags, in denen ich am Stück auch öffentlich *ich* sein konnte, haben mich dann ganz schön mitgenommen.

Unser Häuschen wo wir wohnen liegt direkt an einer zwar kleinen, aber recht viel befahrenen Straße. Das bedeutet also, da kommt selbst Sonntags ständig jemand vorbei. Die Straßenseite ist dabei auch noch dummerweise die eher südliche Seite, d.h. hinter dem Haus, wo unser Stückchen Garten liegt, kommt kaum Sonne hin. Der Sonntag Nachmittag war so schön sonnig, ich habe meine IPL Bartepilation jetzt hinter mir, also konnte ich endlich etwas Sonne genießen. Am Nachmittag setzte ich mich dann also mal mit einer Tasse Cappucino draußen auf die Treppe in die Sonne.

Das klingt jetzt erstmal relativ trivial, nicht wahr?
Das Besondere war jedoch, dass ich immernoch recht feminine Sachen trug, zwar "nur" eine Hose, aber dazu schlichte Balerinas und ein Twin-Set - auch hatte ich noch vom Wochenende die Nägel farbig lackiert. Jemand der mich nicht als Nicole kennt, hätte mal mindestens komisch geschaut. Und in der Nachbarschaft kennt mich in dieser Gestalt noch niemand wirklich. Bis vor einem dreiviertel Jahr wäre ich noch vor Scham gestorben, mich so öffentlich irgendwo zu präsentieren. Doch jetzt, an dem Sonntag, war es auf einmal wie völlig selbstverständlich! Und es fühlte so verdammt gut und richtig an!

Da saß ich dann eine Weile und sinnierte über das Wochenende, die letzten paar Monate und natürlich - mich. Ich glaube an diesem Nachmittag bin ich endgültig in mir angekommen. Ich kann es nicht beschreiben und jetzt wo ich es schreibe, ich sitze gerade im Büro mit den Kollegen drumherum, könnte ich gerade anfangen zu heulen. Es ist weder Freude noch Trauer, sehr komisch, aber es rührt mich zutiefst an, daran zu denken. Ich kann nicht sagen, dass ich noch Zweifel gehabt hätte, aber da waren immernoch diese Gedanken, dass es ja "normal" auch irgendwie ging und das bisher ja auch nicht soo schlecht war. Doch die sind nun weg. Jetzt ist "normal" nicht mehr gut.

Bisher kam ich ja noch ganz gut damit zurecht, hin und her zu schalten, tagsüber im Büro noch halbwegs "normal" zu sein und nur die Wochenenden und Abende wirklich für mich zu haben. Doch jetzt wird das auf einmal belastend und fast unerträglich. Ich habe nur noch gut zwei Wochen als Mann auszuhalten, doch selbst die fallen mir gerade extrem schwer. Gestern war ich kurz davor die Firma zusammenzutrommeln und endlich Schluss mit dem Schauspiel zu machen, weil ich es einfach kaum noch aushielt. Montage sind schon lange mies, doch gestern war wirklich schlimm.

Ich habe natürlich auch noch etwas Angst gehabt, wie das denn dann alles nach dem 22.5. werden solle - das ist mein D-Day, mein letzter Tag als Mann. Ich habe mich die ganze Zeit noch gefragt, wie andere TS das wohl ausgehalten haben und wie sie mit dieser Angst umgegangen sind. Wie ihr D-Day abgelaufen ist und wie sie ihre Ängste überwunden haben. Jetzt verstehe ich aber, glaube ich, warum man darüber kaum etwas liest. Ist man wirklich soweit, diesen Schritt gehen zu müssen, gibt es diese Ängste und Zweifel einfach nicht mehr. Es ist eindeutig und da gibt es höchstens Hindernisse, aber Ängste und Zweifel nicht mehr.

Auch mir ist das nun alles auf einmal völlig egal! Mir ist es völlig egal, was in meinem Umfeld deswegen passieren wird, wer sich vielleicht dadurch verunsichert fühlt oder mich deshalb schräg angucken wird. Es ist auf einmal völlig alternativlos geworden! Und was ich vorher nicht so wirklich geglaubt hätte, jetzt wird das alte "normal" auf einmal wirklich schrecklich.

Wiedereinmal verändert sich dadurch meine Sichtweise auf das alles. Wo ich vorher noch dachte, ich könnte ja auch ein Leben als stolze Transgender führen und stolz auf meine Andersartigkeit sein, denke ich nun doch ernsthaft darüber nach, diese Makel stärker als vorher zu tilgen. Ich beginne diese ganzen falschen Sachen an mir als stark störend zu empfinden. Es ist schon völlig seltsam.

Saskia hat nach dem Wochenende Bilder herumgeschickt. Auf ein paar war ich auch drauf - eher zufällige Schnappschüsse und bei keinem habe ich gemerkt, dass ich fotografiert wurde. Ich habe mir die gestern angesehen, mich darauf gesucht - und gefunden. Als Mann war ich ein reichlicher Grummel. Auf Schnappschüssen hat man mich praktisch nie lächeln gesehen. Auf den Schnappschüssen von Saskia lächelte und strahlte ich - auf jedem einzelnen!

Ich hoffe, dass ich die nächsten zwei Wochen noch gut überstehe...
...jetzt muss ich aufhören daran zu denken, sonst heule ich hier gleich wirklich noch rum, ich kann es gerade nur noch schwer zurückhalten.

Und es geht mir gut! Keine Sorge Es könnte nur jede Sekunde aus mir herausplatzen und das muss ich eigentlich noch bis zum 22.5. aufhalten.

(Mist - jetzt musste ich doch gerade mal ne viertel Stunde auf der Toilette verschwinden und dort ein Tässchen vor mich hin weinen :(


Es ging nicht mehr.
Also habe ich am Dienstag nach dem Mittagessen die Firma zusammengetrommelt und mich offenbart.
Jetzt bin ich *fast* frei! Es ist so unglaublich! Es fehlen nur noch ein paar wenige Freunde und Bekannte, doch auch das ist nur noch eine Frage von Tagen.

Reaktionen von den Kollegen waren selbstverständlich erstaunt, aber keinerlei Despektierlichkeit. In den folgenden Stunden habe ich meine Firmen-eMail Adresse geändert und bereits von den Kollegen die ersten Mails mit dem neuen Vornamen bekommen.

Jetzt hat das nur gerade eine unerwartete Dynamik angenommen :)

Ab Mittwoch bin ich nicht in der Firma gewesen - ich bin gerade in Berlin bei einer Messe, bis Sonntag. In der nächsten Woche haben sich in der Zwischenzeit nun direkt drei Kunden zu einem Besuch in der Firma angekündigt! Und mit mindestens zwei davon muss ich auch direkt interagieren! Das war so nicht geplant.
Also nochmal zurückschalten?
Nein. Situationen wie diese wird es immer wieder geben und ich kann nicht immer wieder vor und zurück schalten, also muss ich und die nun da durch.

Also sitze ich hier, habe glücklicherweise auf der Messe nicht viel zu tun, und schreibe meine ganzen Kundenkontakte an, dass da also nun ab Montag eine "kleine" Veränderung ansteht :)

Und was soll ich sagen... alle Reaktionen selbst der Kunden sind durch die Bank positiv (bisher), Ausdruck von Respekt, vor allem vor dem Mut zu diesem Schritt, und der Versicherung, dass sich dadurch ganz sicher nichts am professionellen Umgang mit mir ändern wird. Wunderschön!
Doch zu meinem wirklich größten Erstaunen, bekam ich auch schon von zwei Kunden, mit denen ich keinen übermäßig freundschaftlich engen Kontakt habe, unglaublich einfühlsame und ausführliche Antworten - ich bin ehrlich gerührt und freue mich unglaublich!


Ich habe im letzten dreiviertel Jahr viel hier geschrieben und auch oft dazu geschrieben, dass ich das schon als eine Art Schreibtherapie für mich empfunden habe - so war es auch. Jetzt merke ich, wie das Mitteilungsbedürfnis stark abnimmt. Ich brauche eigentlich keine externe Bestätigung mehr - wenngleich die natürlich immer gut tut und tat (vielen Dank!), aber sie ist nicht mehr streng nötig. Ich glaube nach dem letzten Wochenende bin ich, wie ich schon schrieb, wirklich in mir angekommen und das hat jegliche restlichen Unsicherheiten beseitigt. Ich habe etwas überlegt, ob ich dieses Posting überhaupt noch schreiben soll, doch ich denke, es kann vielleicht als Positivbeispiel dienen, für Menschen, die in ähnlicher Lage sind und sich noch überlegen, ob sie den Schritt wagen sollen und was vielleicht dabei auf die zu kommt.

Ich weiß natürlich auch, dass ich bisher eine Menge Glück hatte. Das hätte nicht so ablaufen müssen. Und auch, dass es bisher so gut lief, noch lange nicht heißt, dass es nicht doch noch Probleme geben könnte. Doch Stand heute - auf Holz klopfend - ist es einfach toll. Und das bedeutet nun, dass ich doch etwas früher als geplant befreit zur Arbeit gehen kann - Nicole hat einen Job, *ich* habe einen Job und den muss und werde ich weiterhin gut machen.

Liebe Grüße
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Re: TS „ Outing Strategie?

Post 52 im Thema

Beitrag von Vivian Cologne »

Tja, unglaublich, wie schnell es manchmal gehen kann ... All die schönen Pläne für den letzten Tag als Mann, alles umsonst!

Ein kräftiges Hurra auf die neue alte Nicole, die jetzt richtig durchstarten kann. Ich bin sicher, einige im Forum werden deine langen, gehaltvollen Beiträge vermissen, wenn du dich ganz zurückziehst. Also bitte noch ein bisschen weiterschreiben!

Vivian
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Re: TS „ Outing Strategie?

Post 53 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Vielen Dank Vivian!

Ich werde ganz sicher nicht völlig hier verschwinden. Nur werden meine langen Gedankengänge, die im Zusammenhang meiner Selbstfindung entstanden, jetzt wohl eher aufhören. Ich bin angekommen.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich nach wie eine Meinung habe und die auch gerne vertreten :)
Und zudem werde ich sicherlich, wenn ich kann, anderen in ähnlicher Situation versuchen zu helfen.

Es gibt da auch noch einiges vor mir, wovon ich nur gelesen, was ich aber nicht selbst erlebt habe - Hormone zum Beispiel. Und wer weiß, auf welche verrückten Dinge ich noch komme :) Davon werdet Ihr sicherlich auch nicht verschont bleiben, davon zu erfahren :)

Liebe Grüße
nicole
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Re: TS „ Outing Strategie?

Post 54 im Thema

Beitrag von ab08 »

Liebe Nicole,
)):m Gratulation und alles, alles Gute!! (flo) (flo)
Es wird schon gut klappen. wenn irgendwas nicht gleich wie gewünscht verläuft, mach Dir keine großen Gedanken.

==> Übrigens hoff ich doch sehr, weiterhin Deine kompetenten Kommentare lesen zu dürfen!
Apropos... es gibt Betroffene, die erst nach dem D-Day richtig aktiv wurden. :wink:
Mein berufliches CO war Juni 2008, vorher war aus beruflichen Gründen Zurückhaltung angesagt, also äußerte ich mich zum Thema TS/IS nicht. In der Folgezeit nahm ich Stück für Stück richtig Fahrt auf. Da ich nun authentisch bin, keine aufdeckbaren Geheimnisse mehr mit mir herumtrage, kann ich offener für Menschenrechte eintreten...

Ganz liebe Grüße, pass auf Dich auf
ab
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Re: TS „ Outing Strategie?

Post 55 im Thema

Beitrag von Anni »

Hallo Nicole )))(:

mich'se ja sooo freu für Dich (gitli) ---))) (ap) :)p

... was hab ich Dir am 28.03.2014 geschrieben ?! :wink:

ja ja , so ein längeres Wochenende in " Freiheit " kann 'ne Menge bewirken - bei lieben Menschen , die einen so nehmen und achten , wie man nun mal ist , da gibt es dann kein Zurück mehr - ich kenn' DAS !

Aber was Anderes ist mir noch wichtig , zu bemerken :

Mit einer gewissen Traurigkeit registriere ich regelmäßig das stark abfallende Mitteilungsbedürfnis bei all Jenen , die bei sich angekommen sind .

Die Hilfe , der Zuspruch , der Trost , all die gutgemeinten Tipps aus dem Forum werden gerne in Anspruch genommen - nur wenige geben DAS auch
wieder zurück .

Dabei wird es doch gerade jetzt erst so richtig spannend - die kleinen und großen Hürden des Alltags als FRAU zu meistern . Denn mit dem breit gefächerten Outing ist das Thema doch noch lange nicht vom Tisch :!:
Es ist doch erst der Startschuss in ein neues Leben , was sich viele eben nicht vorstellen können und wo die Ängste mindestens genau so groß sind , wie vor dem Outing selbst .

Und gerade hier kann und sollte jetzt Deine Hilfe ansetzen , zu beschreiben , wie Frau es schafft , in das neue Leben hinein zu wachsen , den Anderen
zu zeigen , das und wie es möglich ist und Mut zu machen (ap)

Zumal Deine Art und Weise , über die Dinge zu schreiben , mich bisher immer wieder auf's Neue begeistert und fasziniert haben (moin)

In der Hoffnung , noch lange und immer wieder von Dir zu hören ( lesen :wink: )

ganz liebe Grüße von

frecher Anni
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Re: TS „ Outing Strategie?

Post 56 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Hallo gar nicht so freche Anni :)
Vielen Dank für Wünsche und Komplimente!

Und nein, ich werde sicherlich nicht verschwinden - schrieb ich ja bereits. Nur ist mein Mitteilungsbedürfnis etwas gesunken.
Ich werde ganz sicher weiterhin hier mitlesen, hier und da meinen Senf dazu geben und versuchen, meine stetig wachsenden Erfahrung an passender Stelle weiter zu geben.

Deine Beobachtung teile ich übrigens! Viele, die sich gefunden haben und den großen Schritt gewagt haben, verschwinden dann auf einmal. Ich kann es verstehen, denn irgendwann möchte man auch diese Jahre mit Zweifeln und Problemen auch mal loslassen und einfach Geschichte sein lassen. Das Leben geht weiter und die Beschäftigung mit dem Trans* Thema war dann nur eine Notwendigkeit, um sich selbst zu finden. Ist das passiert, dann kann man das auch hinter sich lassen.
Wie gesagt, verstehe ich.
Doch das habe ich nicht vor. Ich engagiere mich im Zentrum in Siegen, mache dort die bereits mehrfach erwähnte Transgender Gruppe (nächstes Treffen ist übrigens am 31.5. - leider genau zum Forums-Treffen in Berlin) und sehe eine große Notwendigkeit, aktivistisch tätig zu werden - über Organisationen und politisch. Unsere Situation innerhalb der Gesellschaft und des Staates ist verbesserungswürdig - nicht dramatisch schlecht, aber da geht noch Vieles. Dort möchte ich gerne schieben helfen.

Also nein, ich werde jetzt nicht sang und klanglos verschwinden, keine Sorge :)

Liebe Grüße
nicole
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Andrea66
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Re: TS „ Outing Strategie?

Post 57 im Thema

Beitrag von Andrea66 »

Hallo Nicole,

ich freue mich, dass du anscheinend von deinen Mitarbeitern und auch von den Kunden keine negativen Rückmeldungen erhalten hast. Dass dazu auch noch positive Rückmeldungen gekommen sind und die Geschäftspartner an der Geschäftsbeziehung trotz der Änderungen festhalten wollen, finde ich ganz toll.

Wir haben uns im letzten Jahr hier über das Forum kennen gelernt und zusammen einige Tage als Frau in Dresden verbracht. Ich kann mich noch an die tollen Tage dort erinnern und ich weiß auch noch, dass ich das Avatar-Bild von dir gemacht habe.
Dass du aber nun eine so schnelle Entwicklung machst, habe ich damals nicht erwartet. Auch wenn ich immer gewusst habe, dass du anders bist als ich es bin. Wie ich dir schon einige Male geschrieben habe, ist Andrea eher eine Phantasie-Figur und du bist ganz natürlich.
Ich freue mich sehr für dich, dass du nun endlich zu dir gefunden hast. Bei mir ist es ja schon etwas länger der Fall, wenn auch ganz anders.

Mein Aktivität hier im Forum hat mit der Zufriedenheit auch deutlich abgenommen, auch wenn ich nie so viel geschrieben habe, wie du. In den letzten Monaten war ich aber auch keine fleißige Leserin. An dem Wochenende bei dir habe ich gemerkt wie wichtig dir die Arbeit im Zentrum in Siegen ist und ich habe gemerkt wie sehr du dich kümmerst. Wenn du nun nach all diesen Schritten hier im Forum weniger aktiv sein wirst, kann ich das verstehen. Denn mir ist bekannt, dass du dich um noch viel mehr kümmerst.

Ich freue mich schon auf den Besuch von dir hier bei mir zum CSD in Oldenburg.

Liebe Grüße

Andrea
Endlich bin ich in mir zu hause, auch wenn mensch mich von außen nicht erkennt.

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Saskia.shewulf
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Re: TS „ Outing Strategie?

Post 58 im Thema

Beitrag von Saskia.shewulf »

Hallo Nicole,

Das ging dann ja doch alles schneller als Du es erwartet oder geplant hast.Ich freu mich riesig für Dich!!! (hs)

Und Anni hat recht das es wichtig ist Erfahrungen und Erlebnisse weiterzugeben.Da habe ich fast schon ein schlechtes Gewissen das
ich mich hier auch so rar gemacht habe in den letzten Wochen.
Nun das ändert sich auch wieder ist halt Saison und nebenbei hatten Christie,Daniela,Kate und ich ja ein kleines Treffen zu organiesieren,
aber dazu mehr in einem anderen Fred.
Ja dein Lächeln auf den Bildern war mir auch schon aufgefallen,das kam richtig Sympatisch rüber und war absolut authentisch 100% Nicole. (ap)


Und so lese ich es oft auch bei Anni und vielen anderen hier heraus das es eben oft Positiv verläuft positiver als oft angenommen wird.
Marielle bezeichnet das als Kopfkino,es gilt eben auch Ängste zu überwinden und das hast Du nun auch geschafft !
Freut mich wirklich und ich werde Dir auch in Zukunft versuchen weiter schieben zu helfen !!!

Ganz liebe Grüße

Sassi (flo)
Wer keinen Mut zum träumen hat
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Bianca D.
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Re: TS „ Outing Strategie?

Post 59 im Thema

Beitrag von Bianca D. »

Moin Nicole,

das ging ja nun recht plötzlich mit dem Outing in der Firma.Wobei ich mich beim überfliegen deiner Beiträge schon gefragt habe,wieso unbedingt dieses fixe Datum und nicht einfach dem Herzen nachgeben und tun,was die Seele verlangt?Die Entscheidung wurde dir nun auf "nette Art" abgenommen,dein Unterbewußtsein hat entschieden!
Bisher kam ich ja noch ganz gut damit zurecht, hin und her zu schalten, tagsüber im Büro noch halbwegs "normal" zu sein und nur die Wochenenden und Abende wirklich für mich zu haben. Doch jetzt wird das auf einmal belastend und fast unerträglich. Ich habe nur noch gut zwei Wochen als Mann auszuhalten, doch selbst die fallen mir gerade extrem schwer. Gestern war ich kurz davor die Firma zusammenzutrommeln und endlich Schluss mit dem Schauspiel zu machen, weil ich es einfach kaum noch aushielt.
Dieser Zwiespalt geht eben nicht lange gut.Freu dich also nun,daß du die Klippe umschifft hast.

Ich bin mehr zufällig als gezielt heute Abend auf deine Erlebnisse gestoßen.Und vieles von deinen Erlebnissen erinnert mich wieder an meine eigene Zeit während des Outings:der Zoff mit den Eltern und dem Bruder und das genaue Gegenteil davon mit Freunden,Onkels und Tanten,Stimmt schon nachdenklich,wenn man sich mit Betroffenen unterhält und immer wieder ähnlich Geschichten hört.

Ich wünsche dir auf deinem weiteren Weg alles erdenklich Gute!

LG Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial
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Re: TS „ Outing Strategie?

Post 60 im Thema

Beitrag von nicole.f »

Huhu Ihr Lieben!
Ihr seit süß - vielen Dank :)

Ja, dass das nun alles doch etwas flotter ging, war so nicht geplant. Aber nuja... ich bin nicht unglücklich deswegen :)
@Bianca, die Sache mit dem Datum war einfach nur so ein Plan um - naja - einen Plan zu haben... um etwas Ordnung in diese Verwirrende Zeit zu bringen und etwas mehr das Gefühl zu haben, die Situation selbst zu kontrollieren. Das hat jetzt also mal nicht so ganz geklappt :) Da wollte etwas schon früher rausgelassen werden. Das war dann zum Schluss doch schon sehr erstaunlich.

@Andrea, ja, wir sind, was unsere Transgender Veranlagung betrifft, in der Tat sehr unterschiedlich - aber das ist doch auch so großartig! Es gibt so viele unterschiedliche Spielarten davon und jede ist gleich wertig, gleich wichtig und gleich richtig. Und gerade dieser Unterschied zwischen uns, den wir ja auch damals in Dresden schon recht schnell ausmachen konnten, war es dann auch zu einem guten Stück, der mir klar machte, dass mein Problem nicht Cross-Dressing ist. Das war für ich sehr wichtig zu erkennen. Wie weit das so schnell gehen würde, war mir damals auch nicht so ganz klar. Aber es machte den Weg frei.

@Saskia, ja, ich denke auch, dass es sehr oft sehr viel positiver abläuft, als man sich das je ausmalen würde. Ich denke ein großer Faktor dabei ist, wie man selbst damit umgeht. Geht man selbst in diese Situation mit dem Gefühl, ein Opfer zu sein, dass alles deswegen so schlecht ist und man schon fast Mitleid erwartet, dann wird es ganz sicher auch so kommen. Aber das beste aus der Situation zu machen, positiv auf die Mitmenschen zuzugehen und auch die Erleichterung von den Jahren des falschen Lebens auszustrahlen, wird ganz sicher helfen. Was mir auch viele gesagt haben ist, dass mein offener Umgang damit sie beeindruckt hat. Das wirkt wohl auch ein Stück weit entwaffnend.

@Adriana - es ist doch völlig egal, ob Du "jemals so weit" sein würdest? Du bist gerade schon so weit, denn genau so weit, wie Du sein musst. Weil andere etwas anderes machen, bedeutet das gar nichts. Dem brauchst Du nicht nachzueifern und gerade so ein Theater wie Vollzeit Trans-Mensch ist etwas, was man wirklich nicht ohne Not anfangen sollte, wenn es sich noch irgendwie vermeiden lässt. Wenn Du so noch halbwegs gut zurecht kommst, dann sei froh und genieße Deine Zeit! Wenn das dann nicht mehr geht, dann wirst Du es ganz sicher merken. Also alles gut - sei einfach Du!

Nachdem es nun die Kollegen im Betrieb schon alle wussten, war ich also heute zum ersten mal schick Business-Lady im Büro und, was soll ich sagen, es war, als wäre das völlig normal - sowohl für mich als auch die Reaktion der Kollegen. Schön!

Und als ob das mit den Kollegen noch nicht genug war, hatte ich heute Nachmittag noch einen Zahnarzttermin zur Kontrolle. Dort war ich noch mit meinem männlichen Namen angemeldet. Als ich also in die Praxis kam, habe ich zuerst einmal meine neue Krankenkassenkarte, mit dem neue Vornamen, gezückt und die arme Dame am Empfang etwas ins Schleudern gebracht. Sie hat offenbar nicht so ganz gewusst, warum ich ihr die Karte zeigte "Waren Sie schonmal bei uns in Behandlung?" - "Ja ja, ich habe einen Termin, aber als Herr..., das hat sich aber geändert.". Nach (wirklich) kurzer Denkpause hat sie es aber dann verstanden und gesagt, dass sie die Daten dann mal ändern würde. Schön! Ich musste noch warten, also ins Wartezimmer. Dann wurde ich aufgerufen "Herr B. bitte!" - ich stand auf und die Helferin guckte verdutzt auf ihre Unterlagen und wieder mich an "Oh, Frau B. - was steht denn da für ein Unsinn in unserem Computer!? Das lasse ich gleich mal prüfen.". Fein :) Den behandelnden Arzt kannte ich nach einer Wurzelbehandlung in fünf Teilen vom letzten Jahr gut. Doch wie selbstverständlich sprach er mich nun mit Frau B. an, toll! Am Ende der Behandlung ging er noch mit mir zum Empfang "Frau B. braucht noch einen Termin für <XY-Behandlung> für nächste Woche.".
Ja, danke!

Der Rest der Woche wird Stress pur, denn - Trommelwirbel - wir haben die ganze Woche Kundenbesuche. Dienstag und Mittwoch steht ein großes Arbeitstreffen mit einem Kunden an, das wir in einem guten Hotel abhalten werden. Donnerstag und Freitag kommen jeweils andere Kunden, die vielleicht Aufträge bei uns abkippen wollen. Also durchaus schon Treffen mit etwas repräsentativem Charakter. Ich bin gespannt!

Aber heute Abend wird ersteinmal angestoßen, auf Nicoles gelungenen ersten Arbeitstag!

Ach, noch zwei kurze Geschichten vom Wochenende und letzter Woche...

Letzte Woche waren wir als Aussteller auf dem LinuxTag in Berlin. Meine Theorie bzgl. der femininen Wirkung nach außen ist ja, dass man es einfach ausstrahlt, wenn es so ist. Da braucht es dann gar nicht viel und es wird auch wahrgenommen. In Berlin war ich noch en-homme, aber es war mir ja völlig klar, dass es mein letzter öffentlicher Auftritt als Mann sein würde. Also habe ich, ohne das bewusst zu wollen oder zu forcieren, offenbar schon für einige etwas ausgestrahlt, was da nicht zu meinem normalen Bild gehörte - nur wussten sie nicht, was es war. Das erste mal fiel mir das auf, als mich ein langjähriger Bekannter, den ich praktisch nur auf Events wie diesem sehe, mich sehr direkt fragte, ob denn alles OK bei mir sei, ich hätte mich ja schon sichtbar verändert. Aha? Eigentlich nicht, ich hatte praktisch die gleichen Klamotten wie sonst an und auch sonst war nichts groß anders. Dennoch hat er es gemerkt. Noch klarer wurde mir das dann einmal auf der Herren-Toilette, bzw. beim Verlassen derselben :) Ich war gerade auf dem Weg aus der Tür, öffnete diese also von innen und direkt dahinter stand schon ein neuer Besucher. Er schaute mich etwas verwirrt an und man merkte deutlich, dass er nochmal kurz nach links auf das Schild schaute, ob er denn richtig sei :)
Da musste ich doch etwas schmunzeln. Es sind nicht bestimmte Klamotten, Make-Up oder etwas, was wir künstlich hinzufügen. Das wichtigste kommt ganz von alleine von innen und wir können mit Äußerlichkeiten nur etwas nachhelfen.

Sehr nett war dann noch der Samstag Abend. Da war ich auf der Geburtstagsfeier meines Onkels - auch nach wie vor en-homme, denn ich kam gerade per Flugzeug aus Berlin und ich wollte seine Party, auf der die Gäste noch nichts von Nicole wussten, nicht damit belasten. Mein Onkel weiß es ja und hat damit wirklich keinerlei Probleme, genau wie meine Tante. Sein bester Kumpel, noch aus Schulzeiten, hat sich vor vielleicht 20 Jahren als homosexuell geoutet und ihm hatte mein Onkel bereits von meiner kleinen Besonderheit erzählt - als einzigem. Dieser Freund, der praktisch ein Freund unserer Familie ist und den ich daher auch von einige Feiern lose kenne, ist ein Charmeur vor dem Herrn, total süß! Wenn der noch zu haben und etwas jünger wäre, könnte ich mir das mit den Männern glatt nochmal überlegen :) Auf jeden Fall setzte er sich dann später zu mir und wir kamen ins Gespräch, natürlich über mich, was ich da vor hätte, das er das toll fände, ich solle nur Mut haben, er kenne in seinem Umfeld auch ein paar etc... Und dann entschuldigte er sich dafür, dass er erst so spät zu mir käme, denn er hätte mich zunächst gar nicht erkannt. Er kannte alle anderen Gäste und hätte sich gefragte, wer denn die Frau am Ende des Tisches sei? Mein Onkel musste ihn dann aufklären, dass ich das sei. Sagte ich, dass er ein Charmeur ist :) ? Die weitere Unterhaltung mit ihm war einfach nur goldig. Er beschwor mich schon fast, "Du bist jemand! Du bist erfolgreiche Geschäftsführerin, eine Business Frau! Du bestimmst jetzt die Situation, setze das auch ein!" und dergleichen mehr - das war total süß, wie er mir damit Mut machen und mein Ego stärken wollte - toll.


Hach ja, was soll ich sagen? Bis auf das meine Füße etwas weh tun (was aber schon wieder nachlässt) ein toller Tag und ein tolles Wochenende.
Mal sehen, was der Rest der Woche noch so bringt. Ich bin da aber recht zuversichtlich. Und die positiven eMail Reaktionen der Kunden haben nicht abgenommen. Allerdings besorgt mich auch etwas, dass einige doch noch nicht geantwortet haben... z.B. auch die, die morgen zu Besuch kommen. Na wir werden es sehen. Aber das Meeting geht um technische Fragen zu deren Projekt und sie kommen zu uns, d.h. sie bewegen sich in unserem Spielfeld und wir/ich bestimme(n) also die Regeln. Das wird schon.

So, nun aber schlafen gegen, um viertel vor sieben klingelt der Wecker - igitt!

Liebe Grüße
nicole
Ich bin trans* - und das ist gut so!
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