Tinka hat geschrieben:Hi Vincent,
ist ja lustig, genau so etwas habe ich letztes Jahr auch erlebt.
Ich stand an einem Imbiss an und wartete auf meine Wurst. Hinter mir eine Mutter mit zwei kleinen Mädchen an der Hand.
Die beiden Mädchen tuschelten zu ihrer Mutter: ... das ist doch aber keine Frau ... hihi ... Mutter zischt ... pssst leise
Zuhause angekommen habe ich überlegt was die beiden Mädchen gesehen haben. Ich hatte nur eine Skinny Jeans an und ein Armband, welches aber auch als Uni durchgeht. Also war es die Jeans, welche im Gehirn der Mädels nur von Frauen getragen werde dürfen.
Seither mache ich um kleine Kinder in bestimmten Situationen einen großen Bogen

Was ich nur nicht verstehe, warum und in welchen Situationen machst Du jetzt diesen Bogen um Kinder herum?
Um sie nicht zu verwirren? Das ist zwar sehr rücksichtsvoll, aber ich denke diese ganze Kindheit ist eine einzige große Verwirrung und der Prozess des Aufwachsens bedeutet, dieses Knäuel zu entwirren und Ordnung hinein zu bringen. Ist es dann nicht eher etwas wunderbares, wenn diese Kinder später beim Aufräumen und "zubbeln" an den unterschiedlichen Enden des Knäuels auf einemal spannende Versatzstücke finden, die sie etwas dazu animieren könnten, gewisse Dinge etwas anders zu sehen?
Natürlich sollte man sie nicht überfordern - also bspw. der vollbärtige Hüne im Dirndl könnte etwas viel sein. Aber so wie Du Dich beschrieben hast, klingt das ja allenfalls uneindeutig?
Oder möchtest Du es eher vermeiden, Dich in eine Situation zu bringen, in der Du Dich möglicherweise erklären müsstest? Könnte ich verstehen, würde es aber für mich persönlich nicht machen. Es ist nichts Schlimmes, was man da tut und etwas am gewohnten Weltbild zu rütteln sollte niemandem schaden...
Als ich anfing, mir die Haare wachsen zu lassen, und das ist jetzt auch "erst" knapp 20 Jahre her (OMG! Ich werde alt...

haben mich damals auch immer wieder mal Mädchen angesprochen, warum ich denn lange Haare hätte und das eben nur Mädchen sowas hätten. Spannenderweise sagte das kein Junge... aber das ist ein anderes Thema. Ich würde mir wünschen, dass diese ganzen Stereotype endlich mal aufhörten. Sicherlich wird es dann für Kinder ein Stück weit komplizierter, denn solche Stereotype helfen letztlich bei der Orientierung. Doch sind sie einmal festgesetzt, bekommt man sie so schnell nicht überwunden und das Resultat ist dann genau das, worunter Uneindeutige und Trans* Menschen dann später zu "leiden" haben - Erklärungsbedarf oder zumindest eine gehörige Portion Selbstbewusstsein.
Liebe Grüße
nicole