In verschiedenen Threads ist es ja auch schon angeklungen - Selbsthilfegruppen und ihre Träger sind großartig!
Wie ich ja auch schon ein paar mal indirekt erwähnt habe, bin ich über die lokale (Siegener) TS Selbsthilfegruppe zum AndersROOM gekommen und dessen Träger die SIS - Schwule Initiative Siegen. Die SIS ist mehr als nur ein rein "schwuler" Verein - die SIS ist Träger verschiedener Gruppen, die aus dem "Queer" Universum kommen und stellt für diese die Infrastruktur. Getragen wird das Ganze praktisch ausschliesslich von ehrenamtlich Tätigen, die organisieren, die Infrastruktur pflegen und sich allgemein für Belange der Gemeinschaft engagieren und einsetzen.
Dieses Wochenende ist Jahres-Klausur-Tagung der SIS und ich bin glücklich dabei zu sein!
Warum?
Kurz gesagt - Hier bin ich Mensch, hier kann ich _sein_!
Alle im Zentrum sind "anders". Jeder hat seine spezielle Andersartigkeit und geht individuell damit um. Die Atmosphäre ist extrem entspannt und man spürt deutlich, wie alle Teilnehmer "aufblühen", da sie hier unter sich so sein können, wie sie eben sind.
Was mich am meisten freut ist, dass diese, praktisch alles homosexuelle Männer, kein Problem mit uns Trans* Menschen haben. Ganz im Gegenteil, ich fühle mich hier akzeptiert und, obwohl ich noch recht frisch dabei bin, als Teil dieser bunten Gruppe. Das ist unbeschreiblich!
Ich bin das ganze Wochenende en-femme unterwegs - und es ist nichts Besonderes. Ich bin einfach wie ich bin und muss mir keinerlei Gedanken darum machen, wie ich hier irgendwie unterwegs bin. Es ist so unbeschreiblich befreiend. Ich kann nur jedem Wünschen, so eine Gruppe in seiner/ihrer Nähe zu haben.
Kleine Anekdote am Rande - das Treffen findet mitten im "finstersten" Westerwald statt. Ich bin gefahren, mit drei Mitfahrern aus dem Zentrum. Dass ich mit/bei denen kein Problem habe, ist klar. Doch unterwegs mussten wir tanken, mitten im erzkonservativen Westerwald! Jetzt war es mein Auto, also musste ich, wie völlig selbstverständlich, an einer Tanke anhalten, aussteigen, tanken und bezahlen
Das super coole - es war alles völlig unauffällig und normal. Kein Mensch hat sich darum geschert.
Was kann ich also daraus mitnehmen?
Nuja... etwas was ich immer wieder feststelle, Normalität hilft den Kopf frei zu bekommen. Und diese Normalität kann ich hier erleben. Es ist etwas komplett anderes, als "nur" zu Hause zu sein, ob mit Partnerin oder nicht, denn hier bin ich unter Leuten, die ich und die mich nicht schon seit über 10 Jahren kennen, im Gegensatz zu meiner Partnerin. Insofern bin ich dieser Gruppe unendlich dankbar, alle diese Möglichkeiten anbieten zu können und diese Offenheit zu haben!
Das führt für mich auch dazu, dass ich darin bestärkt werde, diese Dankbarkeit in Engagement zurückzugeben.
Und ich kann dies nur dringend empfehlen!
Ja,ich bin mir auch darüber bewusst, dass leider nicht alle Gruppen so offen sind. Wenn aber eine in Eurer Gegend ist, geht hin! Und wenn sie nicht so offen ist, geht hin und ändert es! Bringt Euch ein, zeigt Trans* Präsenz! Wir Trans* Menschen sind gesellschaftlich viel zu wenig vertreten und diese Gruppen sind bereits etabliert, sie haben Infrastruktur und Kanäle, die wir auch für unserer Zwecke nutzen können - und die auch grundsätzlich für uns offen sind!
Die Klausurtagung dreht sich rund um die weitere Entwicklung des Zentrums, was für mich eine Menge Einblicke bietet, da ich erst relativ kurz dabei bin. Aber es offenbart auch Lücken, in denen etwas getan werden kann und die jeweils unterschiedliche Fähigkeiten bedürfen. Ein paar kann ich mithelfen zu füllen und dies möchte ich auch angehen - und dies ist nicht nur die Gründung der Trans* Gruppe. Schon alleine um etwas zurückzugeben, für die Möglichkeiten die mir das Zentrum gibt.
Ich hoffe, dass es solche Initiativen überall und in ausreichender Zahl gibt!
Liebe Grüße aus den Tiefen des Westerwalds!
nicole