Kerstin hat geschrieben:
1.) sexuallität ist meines Erachtens immer noch privat Angelegenheit und sollte dort auch bleiben.
2.) für die Schule gibt es wichtigere Themen als dieses.
Liebe Kerstin,
diese Ansicht ist leider weit verbreitet und üblich.
"Behalt es für Dich! - Das ist Privatsache!" sagt man Betroffenen. Hinter dem Rücken wird meist noch getuschelt.

Manche halten das aus, verstecken ihre Gefühle und überleben. Anderen wird es zuviel und ertragen das Theater nicht mehr ==> Suizid
Ich fühle mich verpflichtet, das ganz klar auszusprechen.
Mir begegneten mir in meinem langen Berufsleben einige Fälle, wo ich die Hintergründe scheinbar 'unerklärbarer' Suizide erfuhr.
'Unerklärbar' - man spricht nicht darüber - das ist Privatsache - In manchem Umfeld gilt das besonders nach dem Tod der Betroffenen.
Genauso wenig, wie es eine Privatangelegenheit ist, wenn die Person neben Dir in der U-Bahn belästigt wird und um Hilfe bittet, gibt es für mich hier eine Verpflichtung.
Ich halte es für unverantwortlich, im Unterricht ungerührt über den Satz des Pythagoras zu sprechen, wenn gleichzeitig ein Schüler hintenrum gemobbt wird.
Ablehnung, Hass, mehr oder weniger heimliches 'Schadenwollen' bei Homosexuellen und Menschen im TS/IS-Bereich ist in mancher Umgebung durchaus gegenwärtig.
Wer die bösartigen Leserkommentare zur ursprünglichen Petition und bei Zeitungsartikeln liest, weiß das.
Es gibt Betroffene, die halten das eben nicht aus. --> Daher finde es nicht richtig, zu sagen "Behalt das für Dich! Das gehört nicht hierher!"

LG
ab
P.S. Wer den Bildungsplan liest, merkt, dass es um Berücksichtigung im normalen Unterricht geht. In der Praxis ist es kein Problem, sowas einzubauen.
Gründlicheres Üben und mehr Stunden für Mathematik und Naturwissenschaften unterstütze ich natürlich auch. Philosophie, mehr Kunst und Musik vgl. meine Hinweise auf Julian Nida-Rümelin wäre unbedingt wünschenswert. Nur Mobbing, Suizide mahnen! Daher sollte die Schule im Alltag eben keinen großen Bogen mehr um LGBTTI machen und durch "nicht erwähnen"/ "Privatsache" zur Ausgrenzung dieser Menschen auch noch beitragen.
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz