Nun habe ich auch einmal die Zeit gefunden meine Geschichte aufzuschreiben, die Ihr nachfolgend findet
Nachdem sich viele in diesem Forum vorgestellt und beschrieben haben, wie sie ihr zweites ich entdeckten, möchte ich dieses nun auch machen.
Vielleicht hat der ein oder andere Lust die Geschichte zu lesen.
Also, wie man an meinem Alter ersehen kann, habe ich die 80ger von Anfang bis Ende erlebt. Es war eine ausgeflippte Zeit, in der alles ging und man alles probieren konnte. Um 1983 lernte ich ein Mädchen kennen, welches ein Pferd besaß. Ein solches Tier will versorgt sein und das täglich. Im Sommer war das kein Problem. Rein ins Auto und ab zum Stall. Wenn die Pferde nicht auf der Weide waren, musste der Stall ein wenig gereinigt und das Futter gegeben werden.
In der beginnenden Winterzeit änderten sich dann meine Ansichten in Punkto "Aufwand". Alles musste schnell gehen und wenn man nach Hause kam, war man ein Eiszapfen. Ich, seinerzeit Popper mit dünnen Hosen und Schuhen, freute mich also jeden Abend auf diese Zeremonie. Irgendwann ließ ich verlauten, dass ich mir lange Unterhosen kaufen werde, da ich selbst in meinen neuen Thermohosen frieren würde. Meine Freundin meinte dazu, dass lange Unterhosen ja wohl das hässlichste wären, was die Modeschöpfer erfunden hätten. Sie ging an ihren Kleiderschrank und förderte nach kurzer Zeit eine rote blickdichte Strumpfhose zutage, die sie mit den Worten ""¦zieh die einfach drunter" auf das Bett warf. Diese Strumpfhose hatte ich erst vor einigen Tagen an Ihr und unter einem weißen Rock zu weißen Stiefeln gesehen. Und die sollte ich nun anziehen"¦.. Ich, der männliche Typ, immer top gekleidet sollte nun eine Strumpfhose meiner Freundin anziehen "¦. mir fehlten seinerzeit die Worte.
Meine damalige Freundin quittierte meinen Blick nur mit einem Lächeln und den Worten ""¦ zieh sie an oder friere. Du hast sie drunter, die sieht keiner". Gut, ich habe es dann vorgezogen zu frieren. Nach zwei Stunden im Stall war ich gefrostet. Zehen und Finger waren nicht mehr mein.
Neuer Tag neues Glück. Die Temperaturen waren noch ein wenig weiter in den Keller gerutscht und ich freute mich schon wieder auf den Besuch im Stall. Kurz vor der Abfahrt bat ich noch darum, dass wir uns vielleicht einmal ein wenig beeilen sollten. Ein süffisantes Grinsen und der Spruch ""¦. friert der Kleine sonst wieder? Zieh einfach die Strumpfhose an und mache nicht so ein Theater." erwiderten meine Bitte. Da war sie wieder, die Strumpfhose. Noch skeptisch schaute ich sie mir an. An meiner Freundin sahen sie ja klasse aus und die sollte ich tragen? Nein, dann lieber frieren. So kam es dann auch "¦.. Wieder wusste ich, wie sich eine 4 Sterne Tiefkühlpizza in ihrem Leben fühlt.
Diese Art zu leiden habe ich dann noch einige Tage auf mich genommen. Meine Freundin packte sich immer dicker ein. Strumpfhose, Leggins, Thermohose und gefütterte Fellstiefel waren bei ihr gesetzt.
Irgendwann startete sie dann noch einmal einen Versuch. Kurz vor unserer Fahrt zum Stall holte sie ein paar neue blickdichte schwarze Strumpfhosen aus ihrem Schrank. Mit den Worten ""¦ die habe ich extra für Dich gekauft!" legte sie sie mir auf das Bett. Größe 36, in schwarz. Da lagen sie nun. Also gut, was hatte ich zu verlieren. In schwarz, unter der Hose, dass fällt keinem auf. Ich passte also einen unbeobachteten Augenblick ab, öffnete die Packung und hielt das gute Stück in der Hand. Prüfte ob die Strumpfhose wirklich blickdicht sei und zog sie mir schnell an. Immer mit der Angst ertappt zu werden, was ja Blödsinn war, da meine Freundin mir die Strumpfhose selber gekauft hatte. Die Hose und dicke Wollsocken drüber "¦ fertig. Mein erster Eindruck war, dass die Strumpfhose gar nicht so unangenehm war. Auf der Fahrt zum Stall fragte mich dann meine Freundin ""¦ na und wie ist das für Dich, sie zu tragen? Du wirst noch frieren aber nicht mehr so. Morgen lege ich Dir noch Leggins von mir mit raus, dann wird es noch ein wenig wärmer. Das kann ich Dir aus eigener Erfahrung sagen." Mir war zwar immer noch kalt aber es war anders. Also wollte ich am nächsten Abend auch das Angebot mit den Leggins wahrnehmen.
Auch die Leggins waren in Punkto "nicht mehr frieren" ein Gewinn. Nach einiger Zeit waren diese beiden Kleidungsstücke für Damen bei mir heimisch geworden. Die Farbe schwarz war nun neben rot, grün, gelb und braun in der Unterzahl. Bei einem Einkauf in der Stadt (heutige Übersetzung "Shoppen"
Irgendwann tauschten wir dann auch unsere Hosen. Erst Jeans, dann auch andere farbige Stoffhosen. Da wir auch die gleiche Beinlänge hatten, war auch das kein Problem. Ein gewisser Anteil an Frauenkleidung wurde also für mich normal und fiel in der Öffentlichkeit nicht auf. Wie gesagt, in den 80gern war alles erlaubt.
An einem lauschigen Wochenende ohne Disco oder Freunde treffen, entdeckte ich mein zweites "Ich" dann komplett. Alles fing damit an, dass meine Freundin sich muckierte, dass ihr übervoller Kleiderschrank nichts beinhalten würde, was sie noch anziehen könne. Sie müsste einmal ein wenig aussortieren "¦"¦ Gesagt getan. Also standen wir mit zwei großen Säcken vor ihrem Kleiderschrank und fingen an die Klamotten aus dem selbigen zu räumen. T-Shirts, Pullis, Hosen, Röcke, Kleider "¦ alles landete auf dem Boden und wurde kritisch beäugt. Der Berg mit den aussortierten Kleidungsstücken wuchs und ich entdeckte das ein oder andere Teil, was immer toll an meiner Freundin ausgesehen hatte. Das wusste ich nicht nur aus meiner eigenen Einschätzung, sondern auch durch die Blicke von Anderen. Und diese Sachen sollten nun in die Kleidersammlung. Ich sprach das natürlich in der üblichen Form an, ""¦ Du willst das wegwerfen? Warum? Du siehst darin super aus "¦". Als Antwort kam dann " "¦ es gefällt mir nicht mehr und wenn es Dir so toll gefällt, dann behalte Du es doch."
Da meine Freundin sehr spontan war, zauberte ein verschmitztes Lächeln in ihrem Gesicht bei mir den Eindruck, dass sie nun wieder eine ihrer verrückten Ideen hatte.
Die Idee war verrückt. Nachdem sie einige Teile aus dem Berg für aussortierte Klamotten gezogen hatte, stand sie vor mir und meinte ""¦ zieh mal an.". Die Auswahl von einigen Röcken, T-Shirts und Kleidern betrachtend, war ich geschockt. Ja ich hatte blickdichte Strumpfhosen und Leggins. Ja, wir tauschten Hosen aber einen Rock oder gar ein Kleid "¦"¦. Never. Meine Blicke müssen Bände gesprochen haben. Sie wurden folgend erwidert ""¦ Du hast schöne Beine. Für die würde manche Frau töten. Lang, grade und schlank "¦ Ist mir schon ein paarmal aufgefallen, als Du Dich für den Stall umgezogen hast. Mach es einfach einmal "¦ Außer mir sieht Dich keiner." Sie streckte mir einen schwarzen Stretch-Rock und ein T-Shirt entgegen. Skeptisch nahm ich die Sachen und zog sie an. Mir war unwohl dabei, da mich meine Freundin dabei beobachtete, kritisch beobachtete. Ohne ein Wort zu sagen ging sie an ihren Schrank, holte eine schwarze Feinstrumpfhose und reichte sie mir mit den Worten ""¦ das sieht dann gleich besser aus". Äh ja, Strumpfhose OK aber so eine, schoss es mir durch den Kopf. Aber gut, Rock und Shirt hatte ich schon an und was soll es, also habe ich die FSH auch angezogen.
Mich beeindruckte sofort das Gefühl, der FSH auf meinen Beinen. Ich kannte es ja bis dato nicht in der Form. Es war nicht unangenehm, ich fand es irgendwie toll.
Kritisch umkreiste mich meine Freundin und ich merkte, sie war mit ihrem Kunstwerk noch nicht zufrieden. Selber hatte ich mich noch nicht im Spiegel gesehen und wusste daher nicht wie ich nun aussah. Sie verschwand kurz im Badezimmer und kehrte mich ihren gesamten Schminkutensilien wieder zurück. ""¦ setz Dich mal auf den Stuhl und lege Deinen Kopf zurück. Da fehlt immer noch etwas." Nach einer halben Stunde war "da fehlt noch was" bereinigt. Ich hatte mich zurückgelehnt und meine Freundin begann mit Tuben und Pinseln zu arbeiten. Weiter muss ich sagen, dass dieses "arbeiten" in meinem Gesicht sehr angenehm war. Nach einer halben Stunde war ich nun mehr als nur entspannt, es war einfach nur schön und ich war ein wenig traurig, dass meine Freundin irgendwann "..fertig" sagte.
Sie schaute sich noch einmal mein Gesicht an und meinte "Wow "¦ jetzt wärst Du eine echte Konkurrenz für mich. Gut das ich Dich als Freund habe. Geh mal und schaue Dich an. Du siehst toll aus." Immer noch skeptisch auf das was ich gleich sehen würde, ging ich zu dem großen Spiegel im Flur und schaute hinein. Das was ich dann sah, verschlug mir den Atem. Da stand eine junge Frau. Toll angezogen, super neutral geschminkt und die Haare entsprechend zu Recht gemacht. Wo war der Typ, den ich morgens im Spiegel sah, wenn ich mich rasierte "¦ er war verschwunden. Ich war irgendwie jemand anders und ich fühlte mich wohl dabei. Aus dem Hintergrund hörte ich ""¦ na wie gefällt es Dir?". Ich musste zugeben, dass es gut aussah. Nach dieser Aktion probierte ich weiter aussortierte Kleidungstücke meiner Freundin an und musste feststellen, dass ich mich sauwohl fühlte.
Nach dem ersten Hochgefühl kam dann der Zweifel. Stimmt was nicht mit Dir? Bin ich nun Mann oder Frau? Wer oder was bin ich nun eigentlich. Nach langen Gesprächen mit meiner damaligen Freundin, habe ich dann für mich herausgefunden, dass ich es mag, wie eine Frau auszusehen aber mir auch klar ist, dass ich ein Mann bin und es auch bleiben werde.
Ab diesem Zeitpunkt machte es mir einfach Spaß, die Seiten zu wechseln wann immer ich wollte aber immer mit der Gewissheit, wieder zurückkehren zu können. Meine damalige Freundin hatte auch Ihren Spaß daran und so wurde ich auch mal durch Sprühfarbe zu einer kunterbunten Punkerin, was ich dann im Karneval mit ihr ausleben durfte. Die Verwandlung ist niemanden aufgefallen.
So bin ich also über ein Pferd in diese wunderbare Welt der Verwandlung gekommen.
Wir haben uns dann irgendwann getrennt aber mein zweites ich, hat bis heute Bestand. Glücklicherweise habe ich die "Liebe meines Lebens" gefunden, die mich so akzeptiert wie ich bin und auch unterstützt. Sicher gibt es bei ihr Grenzen. Ein "Outen" wäre unvorstellbar aber eine Style-Beratung bekomme ich dennoch und dafür bin ich sehr dankbar.
So, dass ist meine Geschichte, die gar nicht so lang werden sollte. Aber wenn man so schreibt, wird die Vergangenheit wieder lebendig und man erinnert sich an Dinge, die man bereits als vergessen wähnte.
Vielen Dank an Euch, dass Ihr bis hierher durchgehalten habt und ich hoffe es war nicht gar so langweilig.
Viele liebe Grüße und ein schönes WE wünscht Euch Jörg