"Gebärvater"
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Anne-Mette
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"Gebärvater"

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

In Berlin, hat ein als Frau geborerner Mann ein Kind zur Welt gebracht.
Internetseiten und (Boulevard) Zeitungen sind voll mit Berichten vom Ereignis.
Ich möchte das Ereignis nicht mit "hochkochen", aber doch zeigen, wie es in dargestellt wird. Deshalb nur ein Hinweis.

Als Beispiel verweise ich auf die "BZ", die stellt "wichtige Fragen zum Fall des Gebärvaters":

http://www.bz-berlin.de/bezirk/neukoell ... 33703.html
Ulrike-Marisa
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Re: "Gebärvater"

Post 2 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

die moderne Medizin machts möglich (wäre hier wohl gar nicht erforderlich gewesen...) und es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, dass es passiert, bzw. die Öffentlichkeit Kenntnis davon erhält. Der Kindesvater hat die gegebenen Möglichkeiten der Natur in diesem Falle eben genutzt, um einen ganz natürlichen Kinderwunsch zu erfüllen; klar ist auch, dass so ein Ereignis dann in der Presse plattgetreten wird. Die andere Frage, die in dem Zusammenhang aufgeworfen wird: ist es ein Mädchen oder ein Junge, kann scheinbar durch fehlende praxisorientierte Regelungen nicht eindeutig geklärt werden. In was für einem Bananenstaat leben wir eigentlich. Den Geburtsschein muss doch bei einer Hausgeburt die Hebamme unterschreiben unter Angabe des sichtbaren Geschlechtes.???. Prinzipiell ist der Vorgang doch ein Weg, wie Paare mit transsexuellem Anteil ein Kind bekommen können, wenn die natürlichen Voraussetzungen beim Transmann noch gegeben sind. Das Kind kann ja dann ganz normal aufwachsen wie in jeder anderen Familie auch.

LG, Ulrike-Marisa
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Re: "Gebärvater"

Post 3 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Hallo!
Am Anfang dachte ich an ein verspäteten Aprilscherz oder einer Zeitungsente.
Aber dann wurde mir berichtet das durch BGH Urteil das TSG geändert wurde, und damit auch die Unfruchtbarkeitsregelung wegfällt.
Transidente FzM können somit PräOP, je nach Fortschritt der Einwirkung der HRT schwanger werden.

Nur ist eine solche Person dann noch transident?
Ich kenne transidente Menschen, denen die Transidents deshalb abgesprochen wird, weil sie nur die kleine Lösung wollen.
Und hier ist ein Mann, der die Rolle der Frau übernimmt.
Ich weiß nicht, ob dieser MZF seinen Leidensgefäfrten damit ein Gefallen getan hat.
LG
Verena
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Anne-Mette
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Re: "Gebärvater"

Post 4 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

sicherlich bleiben viele Fragen offen - und das Thema wird sehr kontrovers diskutiert werden.
Ich enthalte mich einer Wertung.

Gruß
Anne-Mette
Marielle
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Re: "Gebärvater"

Post 5 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Verena, Guten Morgen zusammen,

"Ich weiß nicht, ob dieser MZF seinen Leidensgefäfrten damit ein Gefallen getan hat."

Ist es denn überhaupt seine Aufgabe, anderen einen Gefallen zu tun? Wie sähe dieser Gefallen aus? Kein Kind bekommen, weil diese Geburt nicht ins Bild passt? Da kriegt ein Mensch ein Kind, was eigentlich von allen Seiten gewünscht wird, und dann ist es nicht der richtige Mensch, der da ein Kind bekommt.

Ist es nicht so, dass dabei wieder nur das binäre Geschlechtermodell das Problem ist? "Dieser Mensch will ein Mann sein, also darf er keine Kinder gebären."

Meiner Ansicht nach ist diese Sache nur ein weiterer Beleg dafür, dass das Bi-Modell nicht mehr passt, überholt ist.

Gruss von der sonnigen Ostsee

Marielle
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Re: "Gebärvater"

Post 6 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Hallo Marielle!
Danke für Deine Meinung.
Ich sehe es so, dass es dank des BGH Urteils, welches die Personenstandsänderung erleichtert, schon heute einigen transidenten Menschen von seiten der Krankenkassen erschwert wird ihren Weg zu gehen.
Wozu noch GaOP und HRT, wenn sie ja offiziell Frau bzw. umgekehrt Mann sein können, auch ohne Angleichung?
Und nun ist da ein Mann FzM transident der offensichtlich nicht unter seinem weiblichen Körper leidet.
Die meisten Transidenten dürften doch wohl auf Kassenleistung angewiesen sein.
Wenn andere Transidente sich gegenüber Transidenten entschuldigen müssen, weil sie nur den halben Weg gehen, warum sollte die Kasse der F64.0 Bescheinigung dann noch ein Wert beimessen, wenn das Leid gar nicht vorhanden ist?
Das Problem ist hier nicht das binäre Geschlechtermodell, welches offensichtlich auch bei Transidenten vorhanden ist, sondern die Erschwernis bei der Kostenübernahme.
LG
Verena
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Re: "Gebärvater"

Post 7 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Verena,

das was du anführst ist sicherlich ein wichtiger Aspekt. Aber um eine Antwort hast du dich dabei "herumgemogelt" ;-) Hätte dieser Mensch auf das Kind verzichten sollen? Sollte/könnte/dürfte man das von ihm verlangen?

Was die Frage nach den Kosten bzw. der Kostenübernahme durch die KKs angeht, sehe ich trotzdem das binäre Modell als das Problem an.

Du schreibst "Wozu noch GaOP und HRT, wenn sie ja offiziell Frau bzw. umgekehrt Mann sein können, auch ohne Angleichung?"

Meine Ansicht: Nur auf Basis des binären Modells kann eine KK so argumentieren, wie du es beschreibst. Wenn es keine "offizielle Frau" gäbe, wäre diese Argumentation umgehend im Eimer. Dann wäre der entsprechende krankenversicherte Mensch schlicht jemand mit einem Leiden. Das es dann einer Diskussion und einer Festlegung bedarf, wer, unter welchen Bedingungen, welche Ansprüche an die Solidargemeinschaft hat, sehe ich durchaus, halte diesen Weg aber für besser als das Festhalten am Bi-Modell und damit auch am "Krankheitsbild F64.0".

Marielle
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Re: "Gebärvater"

Post 8 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Hallo Marielle!
Im vorliegenden Fall ist es doch so, dass die KK kein Leid erkennen kann, wenn ein FzM Mann freiwillig die Rolle der Frau übernimmt und somit nicht als Frau leidet.
Was das binäre System angeht, so zahlen die Kassen deshalb.
Ohne die Bescheinigung F64.0, die aus dem binären System resultiert, gäbe es für die Kassen kein Grund zu zahlen.
Damit bleiben dann viele Transidente auf der Strecke.

Zum Kinderwunsch: Das Recht auf Kinder ist nicht wirklich berührt, da es immer noch die Möglichkeit der Adoption gibt.
Aber weil der Mensch ein eigenes Kind wollte, hat er die Bescheinigung F64.0 unglaubwürdig gemacht.
Das kann dazu führen, dass die Kassen weitere Gutachten einfordern, weil sie Einem Gutachten nicht mehr trauen.
Für die Betroffenen eine unnötige Verlängerung der Leidenszeit.
LG
Verena
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Re: "Gebärvater"

Post 9 im Thema

Beitrag von Bente »

Hallo Claudia-

Deinen Beitrag kann ich voll unterschreiben!
Im Zuge der persoehnlichen Freiheit finde ich die Entscheidung des "Gebaervaters" toll!

GlG

Benny
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Re: "Gebärvater"

Post 10 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Verena, Claudia, Guten Tag zusammen,

damit's übersichtlich bleibt, in zwei Teilen:


@ Claudia:

Du wirst bemerkt haben, dass ich "Krankheitsbild F64.0" in Anführungszeichen gesetzt habe. Das Wort habe ich verwendet, weil die Diagnose F64.0 oft als Begründung bzw. Grundlage für die Übernahme anfallender Kosten durch die KRANKENkasse angeführt wird und nicht, weil ich es für eine Krankheit halte. Verena hatte diesen Zusammenhang zwischen "F64.0" und "Krankenkasse" auch hergestellt, .

Du schreibst, dass die KKs aufgrund eines "Leidens" zahlen. Gut und richtig. Dann braucht man die binäre Definition, die du anhand der biologischen Merkmale herleiten willst, für Leistungen der KK aber gar nicht. Es reicht zu leiden.

Man kann das bi-Modell natürlich gut verwenden, um die Darstellung des jeweiligen Leidens einer Person anhand von Kategorien zu erleichtern. Aber: Um den Preis, dass dann z.B. der Mensch, über den wir hier beispielhaft diskutieren, leider kein Leiden mehr haben kann, weil er als Mann ein Kind bekommen hat und damit wieder "leidensfrei" Frau ist?* So habe ich jedenfalls Verenas Text verstanden.

Wenn überhaupt jemand blind ist, dann diejenigen, die versuchen das bi-Modell zu halten und dabei alle offensichtlichen Schwierigkeiten, die daraus für andere entstehen, "übersehen".


@Verena

"Was das binäre System angeht, so zahlen die Kassen deshalb."

Die Kassen zahlen aufgrund der Regelungen im Sozialgesetzbuch (SGB 5), nicht weil die Mehrheit der Bevölkerung glaubt, das es strikt nur "Mann" und "Frau" gibt. Deine Argumentation zementiert aber diese Ansicht, was m.E. zu mehr Schwierigkeiten führt als es beseitigt. Dazu gab es neulich auch einen Thread hier.

Was die Sache mit dem Kinder kriegen oder haben angeht: Da gehe ich gar nicht mit. Jemandem eine Adoption anzubieten, der körperlich selbst in der Lage ist ein Kind zu bekommen, nur weil es "eben so ist wie es ist" und die sinnvollen Änderungen kompliziert und langwierig sind? Nee.


Grüsse von
Marielle
____________________________________________________________

*) In diesem Fall ist ja nichtmal klar, ob dieser Mensch überhaupt ein Leiden fühlt. Jedenfalls steht in dem verlinkten Artikel nichts darüber.
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Natascha

Re: "Gebärvater"

Post 11 im Thema

Beitrag von Natascha »

Also ich verstehe zwar nicht wie jemand der sich als männlich defnieriert auf die kommen kann schwanger zu werden... Also wenn ich mich als Mann empfinden würde wäre fas außerhalb meiner Vorstellungsskraft. Aber ich muß ja auch nicht alles verstehen im Leben, es gibt eben vieles. Trotzdem beißt sich das für mich irgendwie.
Anne-Mette
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Re: "Gebärvater"

Post 12 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

"Gebärende Männer könnte es aus Expertensicht künftig häufiger geben", schreibt der "Nordkurier":

http://www.nordkurier.de/aus-aller-welt ... 10309.html

Gruß
Anne-Mette
Ulrike-Marisa
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Re: "Gebärvater"

Post 13 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

die Lebensentwürfe werden in der Zukunft bunter werden und das beginnen unsere Politiker auch langsam (eher gaaaaaanz langsam) zu erkennen, wie ich heute im Radio in den Nachrichten am Abend hörte; und da werden solche Entscheidungen auch normal werden für TS-Menschen; davon bin ich überzeugt; wird aber noch dauern...

Gruß, Ulrike-Marisa (flo)
Marielle
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Re: "Gebärvater"

Post 14 im Thema

Beitrag von Marielle »

Nabend zusammen,

der "Spiegel" schreibt auch darüber; auch etwas ausführllicher als die BZ online.

Das ganze Dilemma wird m.E. in den letzten Zeilen des Spiegel-Artikels deutlich. Weil dieser gebärende Mensch nicht nur das Geschlecht des Kindes nicht angeben wollte, sondern auch als Vater in der Geburtsurkunde des Kindes eingetragen wurde, heisst es, mit Bezug auf das Jugendamt Berlin-Neukölln, am Schluss des Artikels:

"Möglicherweise sei der Junge in Wahrheit ein Mädchen. Ein Mädchen also, das vor dem Gesetz als Junge gilt und offiziell keine Mutter hat."

Bedarf es noch weiterer Unsinnigkeiten in den Regelungen zur Geschlechtszuordnung? Oder könnte ein solcher, durch den bestehenden Rechtszustand verursachter, Unsinn nicht genug Begründung für ein einziges Geschlecht, nämlich 'Mensch', sein?

mit den besten Wünschen zur guten Nacht

Marielle
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Re: "Gebärvater"

Post 15 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
und da werden solche Entscheidungen auch normal werden für TS-Menschen; davon bin ich überzeugt; wird aber noch dauern...
Wir dürfen nicht vergessen, dass wir die Mitgestalter sind - und das meine ich jetzt nicht nur in Bezug auf Transsexualität, Intersexualität usw.
Wir sollten nicht warten auf "die Politiker" und auf die Brosamen, die sie uns vielleicht zuwerfen.

Nicht nur Mitgestalter sollten wir sein, sondern Gestalter. Sicherlich, das ist anstrengend, wird auch so manche kontroverse Diskussion bringen; aber es wird sich lohnen (smili)

Gruß
Anne-Mette
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