Sprachliche Feminisierung
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Lebensplanung, Standorte
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Nicoletta
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Sprachliche Feminisierung

Post 1 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Hallo in die Runde,

dasselbe Thema habe ich zwar schon einmal anzustoßen versucht, allerdings ohne rechten Erfolg. Ich finde es dennoch lohnend, und versuche es deshalb noch einmal.

Zunächst, um zu verdeutlichen, worum es überhaupt geht. Sprache berücksichtigt mal mehr, mal weniger das genetische Geschlecht der Sprechenden. Am einen Ende stehen Sprachen wie das Türkische oder Ungarische, die die im Deutschen übliche Unterscheidung bei den Personalpronomina (er oder sie) nicht kennen, andere, z.B. das Arabische, macht diesen Unterschied auch bei "Du", und in Sprachen wie dem Thailändischen gibt es sogar für "Ich" unterschiedliche Formen für Frauen und Männer. In slavischen Sprachen gibt es zwar nur dieselben Unterscheidungen wie im Deutschen bei den Pronomina, bei Vergangenheitstempora aber muss man sein Geschlecht bekennen . Ebenso muss man das bei Eigenschaftswörtern, was im Deutschen nicht möglich ist (ein Satz wie "ich bin glücklich" können auf Deutsch Frauen wie Männer sagen, in slavischen Sprachen wie auch in romanischen oder im Griechischen aber muss man sich entscheiden, ob man als Frau oder als Mann spricht).
Soviel zur theoretischen Einleitung, damit mein Anliegen dieses Mal vielleicht besser als beim ersten Mal verstanden wird. Meine Frage ist schlicht, wie Ihr damit zurechtkommt. Im Deutschen gibt es da zwar wenige Hürden, aber man kann stolpern.

Während ich im Russischen mich korrekt feminin geäußert habe (in Mails, bei denen man ja Zeit zum Denken hat), habe ich heute im Deutschen im mündlichen Gebrauch einen Fehler gemacht. Ich war bei der Coiffeuse, und im leichten Gespräch erwähnte ich dann, dass ich seit ein paar Tagen "Rentnerin" sei. Auf die Rückfrage, was ich denn vorher gearbeitet habe, antwortete ich dann aber, ich sei "Slavist" (ich hätte mir die Zunge abbeißen mögen, aber eine Slavistin war so nicht mehr zu erzeugen). Dabei habe ich mich bei anderen Gelegenheiten durchaus schon als "Slavistin" vorgestellt, aber jahrzehntelange Gewohnheit ist eben doch nicht so einfach auszutreiben.

Daher nun nochmals meine Frage in die Runde: Schafft Ihr es immer, dort, wo es erforderlich ist, die feminine Form zu gebrauchen, und wird das im Laufe der Zeit einfacher (vermutlich ja)? Eure Erfahrungen diesbezüglich wären vielleicht doch hilfreich.

Schönen Abend und gute Nacht,

Nicoletta
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Lina
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Re: Sprachliche Feminisierung

Post 2 im Thema

Beitrag von Lina »

Ich kann mich an deinen ursprünglichen Thread erinnern - ich habe mich nicht sonderlich daran beteiligt, wenn überhaupt weil es mir schien, es ginge nur um die rein grammatikalische Seite davon. Hielt ich für etwas langweilig. Genderspezifische Ausdrucksweisen haben ja mit viel mehr zu tun. Aber wenn die nicht natürlich fließen, sind die irgenwie nutzlos.
Lieschen
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Re: Sprachliche Feminisierung

Post 3 im Thema

Beitrag von Lieschen »

Hallo Nicoletta,

jahrzehntelange Übungen lassen sich nicht null-komma-nix über Bord werfen. Generell bemühe ich mich, nicht das generische Maskulinum zu verwenden. Der gute Wille ist da, es klappt aber nicht immer.
Als CD kann ich also während der Mannphase "normal" weiterplappern. Während der Frauphase genieße ich es sogar, die weibliche Form zu benutzen. Es gehört mit dazu. Sollte ich sie mal nicht benutzt haben (s. dein "Slavist"), ist es eigentlich nur in der ersten Zeit nach der Verwandlung passiert. Danach ist die Rolle "da".

Tschüs, Lieschen
An die Rausgemobbten und/oder Ausgeschlossenen, die hier evtl. (nur) noch still mitlesen (Hugo, Darialena, Breakfast@Tiffany, ingedie2te u. A.): bitte schreibt mir doch kurz, in welchen Foren ihr euch jetzt aufhaltet.
lieschen-77ätgmx.de
exuser-06-09-2013

Re: Sprachliche Feminisierung

Post 4 im Thema

Beitrag von exuser-06-09-2013 »

Liebe Nicoletta,

Ende des letzten Jahres hatte ich eher die umgekehrte Erfahrung.

In den immer weniger werdenden Phasen meines "männliches" Auftretens rutschte mir oft die "weibliche" Form heraus. Beispielsweise Volkswirtin anstatt Volkswirt.
Da ich wie du weisst, eigentlich seit Mitte Dezember als Frau leben, habe ich mit der weiblichen Bezeichung gängiger Begriffe zumindest bewusst keine Probleme gehabt.

Liebe Grüße
Anna-Maria
exuser-06-09-2013

Re: Sprachliche Feminisierung

Post 5 im Thema

Beitrag von exuser-06-09-2013 »

Nachtrag;

ich habe grad meinen Beitrag noch einmal durchgelesen udn mir kam der Gedanke, dass nur die feminine Bezeichung zu kurz greift.

Warum? Weil sprachliche Feminisierung viel mehr ist, als nur das richtige Wort zu sagen. Es gehört doch eigentlich auch eine typische Mädchensprache, eine geänderte Sprachmelodie dazu.
Wenn ihr genau hinschaut / hinhört, dann sprechen Mädels generell schon anders als Jungs, unabhängig ob sie Polizist oder Polizistin sagen.

Anna
Nicoletta
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Re: Sprachliche Feminisierung

Post 6 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Liebe Anna-Maria,

danke für den Nachtrag, ist natürlich richtig. Auch der Wortschatz spielt eine Rolle: nicht Hintern, sondern Po, nicht Socken, sondern Söckchen, nicht Unterhemd, sondern Hemdchen u.v.a.m. Auch ist Frauensprache oft präziser, vor allem bei Farbadjektiven. Es reicht schon, einmal in einem Bekleidungskatalog im Internet zu blättern, was es da alles an Modefarben gibt, die es nicht nur für Männer nicht gibt, sondern denen sich Letztere auch keinen Begriff machen. Ich finde aber, dass gerade das recht leicht zu lernen ist, die Grammatik (und dazu gehört auch eine Endung -in) ist viel stärker verinnerlicht und daher schwieriger zu ändern, aber die Übung macht's.

Viel Erfolg dabei,

Nicoletta
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exuser-06-09-2013

Re: Sprachliche Feminisierung

Post 7 im Thema

Beitrag von exuser-06-09-2013 »

Hallo Nicoletta,

ja und dann kann man so schön Dialekt reden, wobei im schlimmsten Fall sich der Buab verhört hat . . . es passt scho, aber recht hast mit den Nuancen.


Liebe Grüße
Annerl
exuser-06-09-2013

Re: Sprachliche Feminisierung

Post 8 im Thema

Beitrag von exuser-06-09-2013 »

Julia,

im Sport-Geschäft gibt es schon Tennissocken. Nur wenn du als Frau welche möchtest, wird schon von Tennis-Söckchen geredet oder Söckchen für Wanderschuhe.

Liebe Grüße
Anna
Nicoletta
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Re: Sprachliche Feminisierung

Post 9 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Hallo, Aspie,

geschlechtsneutrale Ausdrücke habe ich auch oft gewählt, als ich noch unsicherer war. Ich habe dann nicht gesagt, ich werde demnächst Rentnerin sein, sondern ich werde in Rente gehen. Diese Ausdrücke wähle ich noch immer, wenn ich mit meiner Mutter spreche, denn die würde sofort einhaken, und es gäbe eine lange Belehrung darüber, dass ich ein Rentner sei und keine Rentnerin, und sie müsse das schließlich wissen, weil sie mich ja geboren habe usw. usf. Um mir das zu ersparen, greife ich bei ihr bewusst zu neutralen Wendungen. Komplizierter wird es, wenn es um zurückliegende Jahrzehnte geht. Ich kann doch nicht erzählen, was für Hobbys ich als Mädchen gehabt habe, weil ich damals wirklich als Junge gelebt habe und nur von dem Mädchen geträumt. Ich habe auch noch nie davon gesprochen, in wen ich als Studentin verliebt war, und es fällt mir, wenn ich sichtbar als Frau auftrete, schwer, von meiner Frau zu sprechen, aber meine Partnerin mag ich auch nicht sagen, weil ich dann auf jeden Fall falsche Vorstellungen wecke. Es bleibt immer ein Bruch, ein normales Leben als Frau werde ich nie führen können.

LG

Nicoletta
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