Die Suche nach dem Ich
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Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Gerdi55
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Die Suche nach dem Ich

Post 1 im Thema

Beitrag von Gerdi55 »

Hallo,

dieses Wochenende habe ich mich wieder mit der Frage herumgeschlagen, wer bzw. was bin ich. Der Anstoß kam zum Einen
beim Analysieren meiner Empfindungen beim ersten Gang in die Öffentlichkeit zum Anderen durch die Beteiligung am Austausch
zum Thema: Partner/innen einbeziehen.

Dabei stieß ich auf die Seite:
http://www.julaonline.de/imversteck.htm

Einen Beitrag dieser Hompage hatte ich schon vor etlicher Zeit gelesen, aber dort nicht weiter gestöbert.

Nach dem Lesen treibt mich um, daß ich immer wieder zweifele, ob ich mein Ich erkannt habe. Wie schon in anderen Beiträgen von mir geäußert,
habe ich nicht den Wunsch mich total als Frau zu geben, aber ich habe schon den Wunsch mich wie eine Frau zu geben und hofiert zu werden. Das
Zusammensein mit einer Frau macht mir Spaß, aber trotzdem erwische ich mich bei der Vorstellung als Hure von einem Mann genommen zu
werden. (ist es nur eine sexistische Phantasie?)

Nach dem Lesen des obigen Artikels und auch in einer Diskussion mit meiner Partnerin erinnerte ich mich, daß ich schon als KInd bzw. Jugendlicher neidig
auf die Kleidung gleichaltriger Mädchen/Frauen schaute. Im stillen Kämmerlein habe ich die Sachen meiner Schwester
auch mal angefaßt (Probieren kam mir damals abgesehen vom Größenunterschied nicht in den Sinn).

Später habe ich dann heimlich die Kleidung meiner Frau ausprobiert, aber ein Outing kam erst durch meine neu Partnerschaft zu Stande. Meine Partnerin sagte nach dem
ich über meine Wünsche gesprochen hatte: "Ziehs doch an", was ich sofort tat. Nach diesem Erlebnis vergingen wieder einige Wochen bis ich in ihrer Gegenwart ein
Teil von ihr Trug. Dann kam der Zeitpunkt, an dem ich begann mich nach Röcken und Kleider umzuschauen, um sie für mich zu erwerben. Seit ca. einem Monat
geniesse ich den Feierabend immer nur noch in Damenkleidung.

Mit dem Lesen des oben genannten Artikels kommen aber wieder Zweifel auf, wie ich mein Ich definiere. Bis jetzt betrachte ich mich als Mann mit einer Neigung
zum Tragen von Kleidern. Nun habe ich Gedanken gelesen, die mich an dieser Festtstelung zweifeln lassen. Ich habe mich schon bei dem Gedanken erwischt , ob
ich nicht Brüste tragen möchte. Nach dem Lesen des Artikels probierte ich einen BH meiner Partnerin. Abgesehen davon, daß er auch etwas eng war, fühlte ich mich
mit dem Teil nicht wohl. Auch möchte ich meinen Bart nicht missen. Beim Spielen mit der Kleidung treibt es mich aber immer mehr in die Richtung von pinkfarbenen
Sachen. Ich erkenne nicht, wo ich mich zwischen Mann und Frau einordnen kann.

Ich möchte nicht 100% Frau sein, aber ich möchte auch nicht 100% das sein, was die Natur mir aufgetragen hat. Ich möchte von der Umwelt wahrgenommen akzeptiert
werden wie ich bin: ein femeniner Mann, der durch die Präsentation seiner Fraulichkeit seinen Spaß am Leben zeigt.

Bis denne
Eliot
Anne-Mette
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Re: Die Suche nach dem Ich

Post 2 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

das ist das Schöne bei der Suche nach dem Ich - man kommt in Bewegung )))(:
Es gibt viele gute Informationen im Internet und in Büchern; aber die können auf der Suche nach dem eigenen Ich nur eine Orientierungshilfe sein.
Mir geht es ähnlich; ich möchte auch keine Frau sein; sehe mich "zwischen den Geschlechtern", wobei ich auch meine Rolle als Mann und Vater spiele.
Auch ich habe (noch) einen Bart; aber das sind wir bei den Frauen mit Bart in allerbester Gesellschaft :)
Ich will kein Abziehbild sein. Ich will keinem nacheifern.
Für mich ist das Leben des bis jetzt gefundenen Ichs für mich Alltag. Ich lebe so wie ich es will und ziehe an, was mir gefällt.

Gruß
CPG
Gerdi55
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Re: Die Suche nach dem Ich

Post 3 im Thema

Beitrag von Gerdi55 »

Hi,
deine Erfahrung zu lenen tut gut. Ich für meinen Teil schlidere zur Zeit in eine Sinnkrise. Es schreibt sich so einfach:
ich bin ein feminimer Mann. Je mehr ich aber darüber nachdenke, desto mehr wird mir klar, ich möchte weder
Mann noch Frau sein. Ich kann mich mit beiden vom Kopf und vom Herz nicht identifizieren. Das Spiel mit der Kleidung, welches
ich leichtfertig begann, konfrontiert mich wieder mit meinen Ängsten.
Wenn ich unterwegs bin und dabei mit Neid die Frauen betrachte wie sie gekleidet sind, dann sehe ich auch das mein Körper
nicht für diese Kleider bestimmt ist. Ich möchte gerne Kleidung tragen die für mich gemacht ist.
Ich bin nicht der starke Mann,ich will es auch nicht sein. In meiner gecheiterten Ehe stand ich genau in der Mitte dieser Aussage. Ich
sollte schon der Mann sein, aber ich konnte mich bei vielen Ereignissen davor drücken. Dies führte unter anderem zu Spannungen und zum Bruch der Beziehung.
Den femininen Teil meines Seins habe ich erst jatzt auch äußerlich sichtbar gemacht. Aber was nützt es, wozu mache ich dies.

Mir wird mit einem Mal bewußt, daß ich zu einer Minderheit gehöre, mit der ich mich nicht Identifizieren wollte.
In früheren Jahren kostümierte ich mich beim Fasching nicht als Frau, weil ich nicht wollte, daß man entdeckt, daß ich dies gerne mag.
Es gab einige weitere Situationen im Leben, in denen ich mich weigerte mitzuspielen, weil ich nicht wollte, daß ich zuviel von meiner Nchtmännlichkeit
offenbare,

Erst nach langjähriger psychologische Behandlung konnte ich dazu stehen, daß ich in vielen Situationen, gefühlvoller reagieren kann, als manche Frau.
Der Schritt es jetzt nach außen zu zeigen macht mich freier, aber es bedrückt mich, daß ich nicht weiß, wofür ist die Freiheit gut. Was bringt sie
mir und meinem Umfeld? Ist es nur ein egoistisches Spiel?
Anne-Mette
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Re: Die Suche nach dem Ich

Post 4 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Guten Abend,
Der Schritt es jetzt nach außen zu zeigen macht mich freier, aber es bedrückt mich, daß ich nicht weiß, wofür ist die Freiheit gut. Was bringt sie
mir und meinem Umfeld? Ist es nur ein egoistisches Spiel?
Das kann man nur ausprobieren; und mit dem Umfeld reden? Ich wünsche Dir ein kreatives Umfeld, mit dem das möglich ist.
Oft werden uns Rollen zugedacht, die wir nicht spielen können. Ich dachte auch eine Zeit lang, ich müsste ein "Universalmann" sein; dazu noch ein angepasster Sohn und Nachbar.

Das möchte ich nicht mehr.
Bisher kann ich meine Entwicklung ganz gut integrieren. Ob sie mich glücklicher macht? Ich weiß es nicht. Es gibt viele glückliche Momente, aber auch Ängste. Ich habe aber im Moment nicht das Gefühl, dass ich etwas verlieren könnte, wenn ich meinen Weg so weiter gehe.
Vielleicht ist der Weg sogar so wichtig geworden für mich, dass ich Freunde, die diese Entwicklung ablehnen, erst einmal zurücklassen würde - um sie später wiederzufinden?
... aber im Moment hat sich dieses Problem noch nicht gezeigt.

Gruß
CPG
Bianca D.
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Re: Die Suche nach dem Ich

Post 5 im Thema

Beitrag von Bianca D. »

eliot55 hat geschrieben: Dabei stieß ich auf die Seite:
http://www.julaonline.de/imversteck.htm
Hallöchen,

Interessanter Artikel mit einer durchaus möglichen Realität.Doch fällt es mir schwer,daß so zu akzeptieren und das Karnickel zu sein,welches
auf die Wiese hoppelt.In Bezug auf Röcke und Kleider werde mal schön in der Deckung bleiben,weil,ich habe nur eine Familie.Bin ja schon
froh,daß ich nach Feierabend in den eigenen 4 Wänden in Röcken rumlaufen kann.Im Top oder femininen T-Shirt gehe ich jetzt im Sommer
aber mittlerweile regelmäßig auf die Wiese,um bei dem Vergleich mit den Karnickeln zu bleiben.

LG Bianca
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Re: Die Suche nach dem Ich

Post 6 im Thema

Beitrag von Gerdi55 »

Die Suche ist weitergegangen. Ich werde dabei immer freier und zufriedener mit mir. Und dies finde ich schön.
Ich danke dafür auch diesem Forum, es hilft mir über meine Wünsche und mein Sein in den verschiedensten Richtungen
nachzudenken.
Vor drei Wochen habe ich mir die Zeit für den Cogiati-Test genommen. Die errechnete Punkteanzahl von 130 hatte mich doch
etwas deprimiert, weil ich mich nicht so weit feminin erlebe. Dieser Test ist zwar nicht undbdingt der Scharfrichter über mein
Sein, aber er läßt mich meine Gedanke (gerade was sexuelle Phantasien betrifft) in einem anderen Kontext betrachten.
Die Wiederholung des Testes habe ich erwogen, aber das Leben mit derAkzeptans meines Ichs hat mich davon abgehalten.
Ich habe mir in den vergangenen Wochen verstärkt Damenunterwäsche besorgt, so daß ich jetzt fast nur noch diese trage.
An den Wochenenden habe ich meine Kleidung auch auf einen femineren Stil umgestellt. Gestern war ich zu einem Bekanntentreffen
in Nylons und Damenschuh.
Mein Weg der kleinen Schritte macht mich glücklich und läßt auch meiner Partnerin den Spielraum mein Ich zu akzeptieren.
Der nächste Schritt ist für mich in Rock/Kleid auf die Straße zu gehen. Ich drücke mir die Daumen, daß ich es auch als Befreiung
erlebe.

Eliot
Bianca D.
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Re: Die Suche nach dem Ich

Post 7 im Thema

Beitrag von Bianca D. »

eliot55 hat geschrieben: Der nächste Schritt ist für mich in Rock/Kleid auf die Straße zu gehen. Ich drücke mir die Daumen, daß ich es auch als Befreiung
erlebe.
Eliot
Hallöchen,

Nur zu!Auch wenn ich bisher in relativ menschenarmer Umgebung mit Rock draußen unterwegs war:es ist ein sehr schönes Gefühl :roll:

LG Bianca
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Gerdi55
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Re: Die Suche nach dem Ich

Post 8 im Thema

Beitrag von Gerdi55 »

Heute war es das erste mal daß ich mit Rock und Pumps unterwegs war. Eine Stunde einen Spaziergang zum Einkauscenter, ein Eis gekauft und wieder
zurück. Ich empfand es nicht als etwas neues. Mein Körper hat sich mitlerweile an das Tragen der Kleidung gewöhnt. Die Qualität ist ein Schritt zur Normalität. Schade nur, daß meine Partnerin nicht mit mir so auf die Straße gehen möchte.

Eliot
Ramona-m

Re: Die Suche nach dem Ich

Post 9 im Thema

Beitrag von Ramona-m »

Das ist bei mir auch so eine sache suche auch schon Ewig,wo Ich hingehöhre.Bin Mann
fühle mich als Frau zurecht gemacht,total normal und wohl.kann mit Männerkleidung nicht wirklich
etwas Anfangen,alleine der Kauf von Männerkleidung ist ein kampf für meine gefühle.
Im gegenteil bei Rock und Co,ist es für mich ganz Normal,genau so bei Schmuck (Ohrringe und Schmincksachen.Welche meinung habt Ihr? Wo ich Einzuordnen bin.
Anne-Mette
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Re: Die Suche nach dem Ich

Post 10 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Welche meinung habt Ihr? Wo ich Einzuordnen bin.
... so genau kenne ich Dich nicht :)

Darauf wirst Du selbst kommen; oft "ist der Weg das Ziel" - und voller Veränderungen.
Schön, wenn man Gesprächsparter hat, die einen begleiten, dann fällt es leichter, mehr über sich selbst zu erkennen.
Ich hoffe, wir können Dir die richtigen Gesprächspartner sein.

... und nicht vergessen: "Du bist einmalig - Du bist Du" )))(:

Gruß
CPG
Gerdi55
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Re: Die Suche nach dem Ich

Post 11 im Thema

Beitrag von Gerdi55 »

Hallo,

nach längerem passiven Gebrauch dieses Forums möchte ich mich bei allen aktiven Getstaltern bedanken.
Der Meiniungsaustausch hilft mir mein natürliches biologischem Gepäck zu akzeptieren. Seit ich keine Gedanken darüber
verschwende, wie ich entsprechend meinem naturgegebenen Äußeren der Gesellschafft gerecht zu werde und meinem ich nachgehe,
fühle ich mich freier. Der erste Gang nach vollbrachter Arbeit ist der Weg zur Umkleide. Dort hülle ich meinen Körper in befreienden nicht gerade
männlichen Farben und Kleidungsstücken. Für diese Selbstverständlichkeit danke ich auch meiner Parnerin.

Nach den in der letzten Zeit in diesem Forum gelesenen Artikeln und meinen persönlichen Erlebnissen/Erfahrungen bin ich zu dem Schluß gekommen, die
Errungenschaften der menschlichen Wissenschaft nicht an und in meinem Körper zu lassen. Wenn ich zu mir und meinem Partner ehrlich bin
sowie die Grautöne meiner Mitmenschen aktzeptiere (was nicht immer bequem ist), wird mein Sein die Kraft stärken, die Gesellschaft
toleranter und menschlicher machen. Dazu möchte ich mich nicht nur im verborgenen in Kleidern zeigen.
Dabei wünsche ich mir viel Spaß.

PS: Ich bin der festen Überzeugung Hormone und sonstige Biochemie helfen nur den Pharmakonzernen reicher zu werden, Nur
in ausgesuchten Fällen (Depressioin etc.) sollten wir uns der Versuchung hingeben, durch externe Mittel unser Glück zu befördern.
Inga
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Re: Die Suche nach dem Ich

Post 12 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Gerdi,

schön von dir zu lesen, wie es dir die letzten Jahre weiter gegangen ist, wohin du dich weiter entwickelt hast und dich offensichtlich wohl fühlst.

Liebe Grüße
Inga
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