Transsexuell und nichts davon bemerkt
Transsexuell und nichts davon bemerkt - # 2

Lebensplanung, Standorte
Nicoletta
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Re: Transsexuell und nichts davon bemerkt

Post 16 im Thema

Beitrag von Nicoletta »

Hallo,

dass man nicht davon merkt, bezweifle ich, die Frage ist aber, wie man damit umgeht. Bemerkt habe ich es schon als Kind, zumindest erinnere ich mich an Dinge aus der ersten Schulklasse, die dahin deuteten. Dann auch Träume und Phantasien, ein Traum, in dem ich von Indianerinnen an einen Marterpfahl gebunden wurde, von dem ich nur loskam, wenn ich bereit war, hinfort als Mädchen zu leben, was ich gerne wollte. Nach der Lektüre eines Buches über Azteken, wo sich ein Priester in die Haut eines geopferten und geschundenen Mädchens kleidete, träumte ich auch davon, in die Haut eines Mädchens eingenäht zu werden und nie wieder herauszukommen. Aber ich solche Ideen nie ausgesprochen, sondern verdrängt, empfand mich als krank. Im Wachbewusstsein wollte ich geheilt werden, jedenfalls glaubte ich das, schämte mich aber viel zu sehr für meine Phantasien und Träume, als dass ich ärztlichen Rat hätte suchen können. Ich war vielleicht 35, als ich erstmals von Transsexualität hörte und die entsprechende Selbstdiagnose stellte, aber auch da hielt ich das noch für krankhaft und habe versucht, es zu unterdrücken, zuletzt durch Flucht in strenges Christentum, so dass ich 60 werden musste, um zu meinem eigentlichen Sein zu stehen. Nun aber denke ich in fortgeschrittenem Alter auch nicht mehr an -- wie Anne-Mette so schön schreibt -- "einschneidende Veränderungen". Ich mag mich nicht einmal zu einer Perücke bequemen, so dass ich irgendwo dazwischen lebe, denn ohne Perücke und mit meinem riesigen Schädel und den großen Händen werde ich ja doch in der Regel als genetischer Mann erkannt. Inzwischen kann ich damit leben und stehe zu meinem Sosein.

Gruß,

Nicoletta
Ne budi ono što si bio, postani to što jesi. -- Sei nicht, was du gewesen, werde, was du bist!
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