tja, wir schreiben 2005. meine austattung war zu diesem zeitpunkt noch nicht so toll. ich hatte einen rock (einen hässlichen rock der mittlerweile nicht mehr bei mir ist), ein paar schwarze pumps, strumpfhosen und ein geklautes oberteil meiner mutter (;-) ). eine schwarze perücke und einen roten lippenstift. nicht viel also. es war freitag und ich war über alle maßen gelangweilt und in meinem kopf kämpfte eine gefährliche idee um die vorherrschaft. gesagt, getan, nur ungefähr vier stunden später war ich dann endlich so weit. ich war "aufgehübscht" (wenn man das mit den alten sachen sagen konnte), hatte den lippenstift aufgelegt, den schwarzen mantel umgeworfen (der meine silhouette völlig zerstörte) und saß im auto. doch wohin. in die stadt, unter menschen? auf keinen fall. zu ängstlich, viel zu ängstlich.
ich wollte einfach nur raus, das gefühl kennenlernen wie sich der pinke (!) slip beim richtigen laufen wohl anfühlt.
ins feld gehen? neben meinem haus ist ein feldweg. das könnte klappen. doch dazu müsste ich entweder riskieren das mich die nachbarn an ihrem fenster vorbei aus dem haus und wieder zurück gehen sehen, oder aber das der besitzer des feldes die polizei ruft wenn er ein auto auf den weg fahren sieht (gelegentlich halten halbwüchsige ihre hundertmeterrennen dort ab, deswegen ist er auf der hut).
also nicht der feldweg.
einen weitere viertelstunde verging. zweifel machten sich breit.
kurzentschlossen startete ich mein auto und fuhr los. irgendwo hin. dies war auch der zeitpunkt an dem ich feststellte das fahren "en femme" irgendwie anders ist. ich sehe tatsächlich öfter in den rückspiegel

zwei dörfer weiter hielt ich an und hatte meinen platz gefunden. vor einer kirche. ich bin zwar nicht gläubig, doch ich musste ein wenig schmunzeln. ich zog meine sportschuhe aus und schlüpfte in die schwarzen pumps. Überall haare, kein wunder, schliesslich war spätherbst und es wehte wie nichts gutes. egal. ich war hier, ich wollte laufen. also lief ich.
der schotter auf dem ich geparkt hatte verschwand und ich ging das erste mal auf asphalt. mit dem LAUTESTEN GERÄUSCH DER WELT ! nie hätte ich gedacht das der absatz meiner schuhe so ein unvorstellbaren krach machen würde. doch bio mädels machen das ja schliesslich auch.
also ging ich weiter.
meine vorstellungskraft hatte sich nicht getäuscht, es fühlte sich wunderbar an. kraftvoll, erhaben, sexy. hätte mich jemand gesehen, er hätte all das mit sicherheit nicht von mir gedacht, ich muss ausgesehen haben wie eine anfängerin (was ich ja auch war).
ein stück an der starsse lang ist eine kleine kneipe, mehrere menschen standen davor. und ich musste an ihnen vorbei. selten schlug mein herz so wie jetzt. wenn nun einer aus meinem sportverein eine party hier feierte? um gottes willen.
ich schüttelte mir die haare ins gesicht und beschleunigte meine schritte, was die schuhe nur noch lauter werden liess. ich glaube niemand nahm notiz von mir. zumindest unterstrich niemand etwaige beobachtungen mit worten. gott sei dank.
acht minuten (und eine gefühlte ewigkeit später) stand ich wieder an meinem auto.
als wäre ich einen marathon gelaufen. schweiss, zittrige hände, ein nervöses grinsen, alles dabei. herrlich.
ich fuhr nach hause und setzte mich aufs sofa. was für ein abend.
ich schrieb die erfahrungen und das outfit in mein extra gekauftes buch und liess den abend revue passieren. während ich meine pumps auszog, stellte ich fest das sie beinahe völlig ruiniert waren. ungelenke schritte mit 80 kilo auf den pfennigabsätzen über asphalt und schotter waren wohl doch zuviel.
egal, schön war es trotzdem. und aufregend. ich fragte mich was ich denn nun tun sollte....
...und kaufte im internet neue schuhe.