SEXUALMEDIZIN: In Kiel tut sich NICHT viel
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Anne-Mette
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SEXUALMEDIZIN: In Kiel tut sich NICHT viel

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Beitrag von Anne-Mette »

Auch unter der neuen Landesregierung in Schleswig-Holstein ist nicht "alles bestens" — wie es oftmals vor den Wahlen versprochen wird. Es gibt wieder Streit um die Eigenständigkeit der Sektion "Sexualmedizin" in Kiel. Das Kieler Institut ist das einzige seiner Art im Land. Es behandelt u.a. pädophile Männer, bevor sie sich an kleinen Jungen und Mädchen vergehen ("Kein Täter werden") - und hilft Missbrauchsopfern.
Im vergangenen Jahr hatte der Sparkurs des Universitätsklinikums den Fortbestand der Sektion bedroht. Nach anhaltenden Protesten, unter anderem durch den Richterverband, ist am runden Tisch eine Lösung erarbeitet worden. Der "Erhalt der Sektion für Sexualmedizin mit ihren bestehenden Aufgaben" wurde in den Koalitionsvertrag aufgenommen.
Natürlich ist vielen Menschen das Thema "kein Täter werden" besonders wichtig und man erhofft sich durch eine frühzeitige Behandlung, dass Straftaten vermieden und mögliche Opfer nicht zu OPFERN werden.
Finanzen und Kompetenzen sind weiterhin ein Problem. Nach Prof. Dr. Hartmut Bosinski , Leiter der Sektion für Sexualmedizin, heißt es, dass die Stellenstreichungen nach wie vor in Kraft seien. Das führte schon zu Abweisungen von Patienten. Vor zwei Jahren sollen noch über 380 Patienten behandelt worden sein, in diesem Jahr waren es jedoch bereits weniger als 100.
Das ist eine zutiefst unbefriedigende Entwicklung, die nicht dem Inhalt des Koalitionsvertrages zu vereinbaren ist. Zum "Rettungsplan" sollte gehören, die Sexualmedizin, die momentan noch Teil der Klinik für Urologie am UKSH ist, als eigenständige Abteilung in das Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) in Kiel einzubinden. Acht Monate später wurde das Projekt immer noch nicht angeschoben; doch soll es "ein Gespräch gegeben haben", (was immer das bedeuten mag).
Damit ist die Arbeit der Kieler Sexualmedizin weiterhin gefährdet, was schon vor einem Jahr zu Protesten geführt hatte. Es bleibt abzuwarten, in welche Richtung die weitere Entwicklung geht.
Kiel ist für viele Betroffene hier "auf dem flachen Land" die einzige Anlaufstelle - nicht nur wegen der Thematik "kein Täter werden", sondern auch wegen der anderen Aufgaben.
Die Sektion für Sexualmedizin im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Campus Kiel beschreibt ihre Aufgaben auf der Internetseite

Sexualmedizinische Forschung, Lehre, Patientenversorgung und Begutachtung in folgenden Bereichen:

Sexuelle Funktionsstörungen der Frau und des Mannes: Dazu gehören unter anderem Vaginismus, Anorgasmie, Erektionsstörungen und Ejakulatio praecox
Störungen des soziosexuellen Verhaltens: Hierzu gehören die früher als "Perversionen", heute als "Paraphilien" bezeichneten sexuellen Neigungen, die sich entweder auf nichtmenschliche Objekte (Fetischismus), auf das Leiden oder die Demütigung von sich selbst oder eines Partners (Masochismus / Sadismus) oder auf Kinder (Pädophilie) oder andere nicht einwilligende oder nicht einwilligungsfähige Personen beziehen.

Geschlechtsidentitätsstörungen: Hierunter versteht man — bei Männer oder Frauen — ein Unwohlfühlen in der Rolle des Geburtsgeschlechts und ein mehr oder weniger starkes Zugehörigkeitsgefühl zum anderen Geschlecht. Nicht bei jeder Geschlechtsidentitätsstörung handelt es sich um einen Transsexualismus, dies ist vielmehr die extremste Ausprägung. Hinter einer Geschlechtsidentitätsstörung kann sich aber auch ein Transvestitischer Fetischismus, gelegentlich auch Probleme bei der Findung der sexuellen Orientierung verbergen.

Sekundäre sexuelle Störungen: Aufgrund von Krankheiten (z.B. Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, schweren Allgemeinerkrankungen, insbesondere Krebserkrankungen, neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder M. Parkinson), aber auch im Gefolge der medikamentösen Behandlung von Erkrankungen oder durch Abhängigkeitserkrankungen kann es zu Beeinträchtigungen des sexuellen Erlebens verschiedenen Ausmaßes kommen.
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