Erbärmliches Leben??
Erbärmliches Leben??

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
Antworten
Caira

Erbärmliches Leben??

Post 1 im Thema

Beitrag von Caira »

Hallo Mädels,

habe heute beim Googlen folgendes gefunden und der Text hat mich stark nachdenklich gemacht.

http://forum.gofeminin.de/forum/carrier ... ranse.html

Er wird nicht bewirken, dass ich vom Kurs abweiche, aber es betrübt einen doch sowas zu lesen. Wie sind Eure Erfahrungen damit? Ich bin transsexuell, will so nicht leben wie jetzt und habe Angst vor dem, was kommen könnte, aber auch natürlich mehrheitlich Hoffnungen ... was meint Ihr dazu?

LG Nika
Sabrina Verena
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2143
Registriert: Sa 11. Aug 2012, 23:58
Geschlecht: genderfluid
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Rechts vom Neckar
Hat sich bedankt: 141 Mal
Danksagung erhalten: 205 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Erbärmliches Leben??

Post 2 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Hallo Nika!
Wahrscheinlich bin ich als CD anders drauf. Ich habe den Artikel nicht zu Ende gelesen, war mir zu pessimistisch. Ich denke aber dass bei Transsexuellen der Leidensdruck im Staus Quo so hoch ist, dass der Transformation Hoffnungen auf Besserung beiwohnen. Ob gleich es auch vorkommt, dass das Ergebnis enttäuscht und in Suizid endet. Hab da aber keine genauen Zahlen.
Liebe Grüße
Verena
Solange Du in Dir selber nicht zuhause bist, bist Du nirgendwo zu Haus.

Die Natur ist Wakan Tanka. Leider haben das nur Wenige verstanden.

Maka Ke Wakan Die Erde ist heilig
Lakota Sioux
Ninakadin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 139
Registriert: Di 15. Jun 2010, 03:18
Geschlecht: Transfrau
Pronomen:
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Erbärmliches Leben??

Post 3 im Thema

Beitrag von Ninakadin »

Nika hat geschrieben:Hallo Mädels,

http://forum.gofeminin.de/forum/carrier ... ranse.html

... was meint Ihr dazu?

LG Nika
Der Nickname des Autors sagt doch schon alles. Da ist jemand in einer Depression und will die Welt daran Teil haben lassen. Könnte glatt von svetka, der Jammertranse, sein (oder wie sie sich gerade nennt). Kann aber genauso gut von jemandem sein, der gar nicht trans ist, sondern Trans ablehnt und deshalb diesen Artikel zur Verunsicherung schreibt.

Kennst Du jemanden, der so extreme Erfahrungen gemacht hat? Ich kenne viele TS persönlich, keine würde das auch nur annähernd so ähnlich beschreiben. Keine einzige von denen, die ich kenne, sagt, dass sie diesen Schritt bereut.

LG,
Nina
exuser-12-02-2013

Re: Erbärmliches Leben??

Post 4 im Thema

Beitrag von exuser-12-02-2013 »

Hallo
Ninakadin hat geschrieben:Könnte glatt von svetka, der Jammertranse, sein (oder wie sie sich gerade nennt).
lol, an die hab ich auch grad gedacht.
Zuallererst: Ich glaube TS zu sein ist nie leicht (binsenweisheit nr 1) und was in dem Text geschildert wurde ist wahrscheinlich der Extremfall. Irgendwo hab ich mal folgendes gehört: Wenn dich Freunde wegen sowas im Stich lassen, sind sie kaum die besten Freunde gewesen, also ist es nicht schade um sie.
Und die zweite böse Wahrheit ist, das am ende nur das Aussehen zählt. Ist das Passing perfekt, (habe heute so eine getroffen), dann gibt es kein Problem. Auch wenn man als ts erkannt wird, man aber trotzdem gut ausschaut, würde es auch noch klappen. Aber wenn alle ungünstigen körperlichen Merkmale zusammenkommen? Dann gute Nacht. Dann kann ich mir es vorstellen, dass das Leben so endet.
Besonders wenn es mit der Transition sehr schnell geht, sollte man immer mal wieder innehalten, und sich die ganze Sache genau überlegen.
Aber wenn als Alternative bleibt, das Leben im verhassten Geschlecht weiterzuführen? Also eine richtige Alternative ist das auch nicht...
Auf der anderen Seite gibt es auf der Website von Lynn Conway viele Lebensläufe von Transfrauen, die es geschaft haben, man muss sich nicht unbedingt verrückt machen...
Inga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3851
Registriert: Mo 19. Jul 2010, 00:32
Pronomen:
Hat sich bedankt: 118 Mal
Danksagung erhalten: 207 Mal
Kontaktdaten:

Re: Erbärmliches Leben??

Post 5 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo,

ich glaube zwar auch, dass transsein nicht unbedingt immer eine Sache von Friede, Freude, Eierkuchen ist. Aber diese Darstellung ist ja dermaßen pessimistisch, das sie schon lächerlich ist.

Nika, lass dich nicht beeindrucken. Jeder Lebensweg hat Höhen und Tiefen. Wenn du fühlst, dass der Weg für dich richtig ist ist, und so hörten sich deine Beiträge an, wirst du zwar auch Probleme haben, von denen "Normalos" nicht einmal träumen werden. Aber du wirst durch die Tiefen durchkommen. Und sei es, dass du hier durchs Forum blätterst, um auch mal etwas mit halbwegs verständnisvollen Leuten zu tun zu haben und dich über die Mühen hinweg trösten können.

Lass dich nicht mies machen von etwas was du für dich als richtig erkannt hast.

Liebe Grüße
Inga
steffiw

Re: Erbärmliches Leben??

Post 6 im Thema

Beitrag von steffiw »

du hast recht, sister ;-)) steffi,

aber vergiss dabei nicht, was du natürlich weißt, dass sehr viele nicht so starke und selbstbewusste transidente menschen gibt, wie vielleicht uns. es ist schwer. das wissen wir alle.

lieber gruss, steffi.
Caira

Re: Erbärmliches Leben??

Post 7 im Thema

Beitrag von Caira »

Ich lasse mich davon auch nicht unterkriegen. Es kommt immer auf den Blickwinkel an. Klar, weder Mann noch Frau - aber man kann es ja auch als was besonderes betrachten. Alle sind Fisch oder Fleisch, wir halt nicht. Wir sind eine auserwählte Gruppe, die anders ist - nicht zur Masse gehört. Wenn man das aus der Warte betrachtet, fällt es einem vielleicht auch einfach draußen aufzutreten. Vieles ist doch schlichtweg auch eine Gewöhnungsfrage. Und sowieso: für das ich bin kann ich nichts und wer das lustig findet, hat rein gar nichts verstanden. Und auf Leute, dessen Weltbild so einfach gestrickt ist, kann ich auch verzichten.

LG Nika
steffiw

Re: Erbärmliches Leben??

Post 8 im Thema

Beitrag von steffiw »

das ist alles richtig, Nika, aber ich wiederhole mich, das können nicht alle.
und nicht alle fühlen sich in ihrer haut wohl. mir zb geht es zwar gut, habe aber kein so feminines aussehen, wie du zb (tolles neues foto!), und gehe daher nicht so locker in die öffentlichkeit.
melanie
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 112
Registriert: Mi 22. Sep 2010, 12:41
Pronomen:
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Erbärmliches Leben??

Post 9 im Thema

Beitrag von melanie »

Hallo zusammen

obwohl der angesprochene Bericht sich über weite Strecken mit meiner Denke deckt, bin ich weit davon entfernt mein Leben als erbärmlich zu empfinden. Ganz im Gegenteil
ich sehe in meiner gefühlten Zweigeschlechtlichkeit eine echte Bereicherung, d.h. ich beschäftige mich u.a. mit Dingen und Gefühlen, die an dumpfen Machos einfach vorbeigehen, weil sie sie gar nicht kennen. Zugegeben, es hat seine Zeit gedauert, bis ich soweit war. Aber jetzt bin ich weit entfernt davon mich aufgrund meiner dualen Gefühlswelt als Mensch zweiter Klasse zu sehen - und schon garnicht erbärmlich.

lg und bis bald mal wieder
Melanie
ExuserIn-2022-05-28
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 668
Registriert: Sa 1. Mai 2010, 18:43
Geschlecht: Frau
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Iserlohn
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Erbärmliches Leben??

Post 10 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-28 »

Hallo, wie ich schon dort geschrieben habe, habe ich ich selten soviel "Quatsch" auf einen Haufen gelesen.

Ich kenne viele TS die weder auf der Arbeit noch Privat irgendwelche Probleme haben und obwohl ich selbst schon ohne Schuhe 205 cm bin habe ich auch noch nie irgendwelche negativen Äusserungen draussen gehört und ich bin oft en femme unterwegs.
Selbst beim Einkaufen und Bezahlen mit meiner männlichen Kreditkare gibt es keine Probleme.

Es kommt immer darauf an, wie man sich gibt. Wenn man positiv auf die Leute zugeht, werden die es auch. Wenn ich aber schon ankomme "Ich bin eine arme TS und Ihr habt mich gefälligst deswegen zu mögen" werden die Leute natürlich auch entsprechend reageren und sich sagen "Ich muss gar nichts!"

Also : Anderen gegenüber immer freundlich und höfflich sein, selbstbewusst auftreten nicht duckmäuserisch und vor allem nicht als schlechte Teenie oder DragQueen Karrikatur rausgehen, sondern stimmig und dem Alter angepasst, dann klappt es schon.
Klar wird immer mal einer dumm schauen aber das passiert auch, wenn man als Mann unterwegs ist. Wenn man dick oder sehr groß geraten ist oder sonst ein besonderes Merkmal hat wird man halt genauer betrachtet. Ich erhalte auch als Mann die Frage "Wie ist die Luft da oben?" Warum soll ich mir also was draus machen, wenn ich als Frau die gleiche Frage erhalte?
Und wenn wirklich mal einer dumm kommt immer einen flotten aber nicht beleidigenden Spruch auf Lager haben, dann nimmt man denen schnell den Wind aus den Segeln.

Also Kopf hoch !
Das Leben ist zu kurz um sich zu verleugnen.
Lina
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 4366
Registriert: Di 25. Jan 2011, 00:34
Pronomen:
Hat sich bedankt: 52 Mal
Danksagung erhalten: 189 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Erbärmliches Leben??

Post 11 im Thema

Beitrag von Lina »

Ohh wie tragisch alles, warum suchen wir uns nicht alle gemeinsam einen regnerischen Herbst-Nachmittag aus und begehen gemeinsam Selbstmord. Natürlich erst nachdem wir uns alle einige Stunden und gegenseitig beraten bezüglich des Abschiedsbriefes beraten haben.
Sorrry, aber das ist wirklich der Eindruck, den der Text auf mich macht. Errinnert mich an frühere Zeiten wo man auch keinen Film über Schwule machen konnte ohne schmutzige öffentliche Toiletten depressive Männer und lauter Tragik etc. Schaut mal alle, wie schlecht, schlecht, schlecht es uns geht.
Das mit dem kollektiven Selbstmord, übrigens - ich sage gleich, dass ich an jenem regnerischen Herbst-Nachmittag keine Zeit habe. Gehe mit einer Freundin shoppen um mir ein paar schicke kuschelige Röcke zu kaufen. Und hinterher gehen wir bestimt einen netten warmen Latte-Macchiato trinken.

Was ich damit sagen will: Es ist mir unbegreiflich, dass jemand einen dermaßen Selbstmitleid triefenden Text an die welt bringt. Warum hasst sie sich selbst so. Und wenn sie sich selbst so hasst und so erbärmlich findet, wen hasst sie den noch? Uns vielleicht? Dass keiner sie liebt ist dann auch kein Wunder.
Wie soll man jemand lieb haben, der nur auf die nicht-liebenswürdigen seiten von sich selbst fokussiert?
Wenn man lernt, sich selbst zu lieben, dann entwickelt man auch Eigenschaften, die andere liebenswürdig finden. Egal ob man trans oder irgendwas Anderes ist. Und wenn man trans ist, ist das auch eine Charaktereigenschaft aus der man das Beste machen sollte.
Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 27505
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: W
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Forum-Galerie: gallery/album/1
Hat sich bedankt: 205 Mal
Danksagung erhalten: 2410 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Erbärmliches Leben??

Post 12 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

na, ich weiß nicht...
Der Text ist von 2008 - und es war wohl nur ein einziges Posting von der betroffenen Person?
Da kann ich natürlich alles Mögliche hineininterpretieren.
Es ist so ähnlich wie mit einem Stein, den ich am Strand finde.
Lag er schon immer da? Wurde er angeschwemmt?
... oder vielleicht verloren ...

Aber es ist interessant - das Internet scheint nichts zu vergessen und selbst Fundstellen mit relativ wenig Informationsgehalt dienen als Grundlage für neue Diskussionen. Nur schade, wenn man die Betroffene(n) nicht (mehr) sprechen kann.
Dann bleibt es Interpretationssache.

Gruß
Anne-Mette
ab08
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2160
Registriert: So 12. Feb 2012, 14:43
Geschlecht: Frau (TS bzw. IS)
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Nürnberg
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Erbärmliches Leben??

Post 13 im Thema

Beitrag von ab08 »

Sophie_90 hat geschrieben:Hallo
Ninakadin hat geschrieben:Könnte glatt von ... der Jammertranse, sein.
lol, an die hab ich auch grad gedacht..
Meine Lieben,

hatte/habe viel Arbeit, daher nur kurz:
Den Beiträgen von Nina & Sophie & und vielen anderen Beiträge möchte ich ausdrücklich zustimmen.

Zum Artikel
Vor dem Outing hasste ich meine Spiegelbild auch... aus der Zeit vor dem Outing gibt es so kaum Photos. :wink:
Das änderte sich radikal, nun mache ich in zwei Monaten mehr Bilder, als in der ganzen Zeit vorher...
Wahrscheinlich bin ich ziemlich eitel, aber, gemessen am Alter/Körpergröße, halte ich mein Aussehen durchaus für durchschnittlich.
Dass ich keine 'normale' Frau bin, das akzeptiere ich, geht auch nicht anders - Hat ja auch manche Vorteile -
Ich bin halt T-Frau. - Und wenn Gesetzgeber bzw. kirchliche Kreise damit Probleme haben, wundert mich das nicht.
Die Gesetzgebung ist an grobe Schemata gewöhnt und ändert erst dann was, wenn es gar nicht mehr geht.
Gottes Schöpfung wird ohnehin selten verstanden - man beruft sich auf die Bibel, liest sie aber kaum, daher spielt die Bibel in kirchlichen Kreisen kaum eine Rolle...
Zur Person
Beruflich habe ich an einer Einsatzstelle oft mit depressiven Menschen zu tun. Bisweilen kann das sehr anstrengend sein.
Um damit umgehen zu können, gehe ich, bei allem Mitgefühl, nicht zu sehr auf Inhalte ein. Bis heute verschonte mich die Krankheit zum Glück.
Es gibt auch Heilung! - Bei Bereitschaft der Betroffenen *) können gute Psychotherapeuten und Psychiater helfen, das weiß ich, - denn ich erlebt das schon oft!
*) Gerade das ist aber in der Depression sehr schwer. Depression heißt nämlich auch: "Er / sie kann nicht wollen!"

Liebe Grüße
ab )))(:
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
Antworten

Zurück zu „Crossdresser- und Transgender-Café“