Gruppenzugehörigkeit und Leidensgeschichte
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Anne-Mette
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Gruppenzugehörigkeit und Leidensgeschichte

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

Ich würde es mal so formulieren, was mir nachmittags in den Sinn kam: "wer die Leidensgeschichte einer Gruppe nicht in wesentlichen Teilen mitgeschrieben hat, wird ihr nur schwer angehören können!"
Wie ich darauf komme? Ein Beispiel: Transfrauen haben große Schwierigkeiten "richtig dazu zu gehören". Lesbischen Transfrauen wird oft sogar unterstellt, sie wären "keine richtigen Frauen".
Wer später dazu kommt, hat natürlich am Entstehungs- und vielleicht "Befreiungsprozess" einer Gruppe nicht mitgearbeitet. Wie schwer es ist, in eine gewachsene Gruppe einzusteigen, erfährt auch jeder im Arbeitsleben, der als Neue(r) in ein "altes Team" kommt.

Auch wir mit unseren besonderen Eigenschaften haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Viele legen Wert darauf, dass sie als Transidentische nicht mit "Hobbyfrauen mit Plastikt*****" in einen Topf geworden werden (smili) Auch da stimmt es; wer die Leiden einer Transidentität nicht erfahren hat, gehört wohl auch nicht in diese Gruppe - aber vielleicht gibt es ja doch "ein gemeinsames Haus", in dem sich mehrere Gruppen wohl fühlen und untereinander Toleranz üben.

... und gemeinsam sind wir stark!

Gruß
CPG
Dana
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Re: Gruppenzugehörigkeit und Leidensgeschichte

Post 2 im Thema

Beitrag von Dana »

Moin Moin Anne-Mette

Keine Ahnung was der Auslöser für deine Gedanken war.
Ich persönlich freue mich über jeden Neuzugang in unserer Gruppe. Mir ist es egal ob Transfrau oder Mann bzw. Biofrau oder Mann, homo,. oder heterosexuell oder was auch immer. Ich freue mich über jeden Menschen mit dem ich mich hier austauschen kann.
Wenn wir erwarten, dass unsere Mitmenschen ohne Vorurteile auf uns zu gehen, dann sollten wir auch mit gutem Beispiel voran gehen.
--- Ich bin nur verantwortlich für das was ich schreibe, nicht für das was Andere verstehen! ---

Liebe Grüße
Dana
ab08
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Re: Gruppenzugehörigkeit und Leidensgeschichte

Post 3 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo Anne-Mette,

ich möchte mich Mona & Dana anschließen.

Wichtig ist, dass wir offen miteinander umgehen.
Auch Dein "gemeinsam sind wir stark!" kann ich nach Jahrzehnten aktiver Verbandsarbeit nur unterstreichen! Selbst, wenn wir nicht die Meinung des anderen teilen, sollten wir versuchen, diese Meinung zumindest zu verstehen.
Mich bedrückt nämlich manchmal, wie wenig Empathie ich im Alltag zwischen meinen Mitmenschen spüre...
Selber kann ich mit Ablehnung ganz gut umgehen, wenn sich meine Mitmenschen aber gegenseitig ärgern, treibt mich das um.
Daher sollten Foren für möglichst verschiedenartige Menschen offen sein, nur Intoleranz sollte stets ein absolutes Tabu sein.
(Kleine Erinnerung an Rostock)

Liebe Grüße
ab
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Re: Gruppenzugehörigkeit und Leidensgeschichte

Post 4 im Thema

Beitrag von Sabrina Verena »

Hallo Claus Peter!
Habe ich Dich richtig verstanden, das Du auf die Ausgrenzung z.B. von Transfrauen durch Biofrauen ansprichst, weil eben Transfrauen sich z.B. nicht von Anfang an für die Gleichberechtigung der Frau ( was vermutlich eher ein Vorurteil ist) eingesetzt haben? Oder liege ich jetzt völlig verkehrt? Was dieses Forum betrifft halte ich es mit Mona, Dana und ab08.
Liebe Grüße
Verena
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Anne-Mette
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Re: Gruppenzugehörigkeit und Leidensgeschichte

Post 5 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Guten Abend,

nein, es ist eher nicht auf das Forum bezogen; hier erlebe ich eher ein Miteinander über Grenzen hinweg.

Es ist mir nur mal wieder verstärkt aufgefallen, auch beim Lesen des Buches "das Buch "Die transzendierte Frau""
Ähnliches habe ich auch schon von Betroffenen selbst gehört - und in anderen Büchern gelesen.

Ich weiß, diese Antwort ist (zu) allgemein. Aussagekräftige Zitate werde ich nachliefern.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Gruppenzugehörigkeit und Leidensgeschichte

Post 6 im Thema

Beitrag von ab08 »

Sabrina Verena hat geschrieben:Hallo Claus Peter!
Habe ich Dich richtig verstanden, das Du auf die Ausgrenzung z.B. von Transfrauen durch Biofrauen ansprichst, weil eben Transfrauen sich z.B. nicht von Anfang an für die Gleichberechtigung der Frau ( was vermutlich eher ein Vorurteil ist) eingesetzt haben?
Lieber Claus Peter, liebe Sabrina, und an alle anderen,

beruflich und privat hab ich ja viel mit Biofrauen zu tun.
Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass mir gerade Lesben im Alltag meist vorurteilsloser begegnen und in mir eher ein Mitkämpferin im Kampf um die Emanzipation der Frau sehen. *)
Bei 'normalen' Biofrauen hängt es, ähnlich wie bei Biomännern, von der Person ab. Manche überfordert unsere Existenz. Sie können (vgl. Homosexualität) nicht akzeptieren, dass es uns gibt. (Und leider ist bei Trans die Akzeptanz bedeutend geringer als z.B. bei Homosexualität - Allerdings bei Cross-dressern ist es wahrscheinlich sogar noch schlimmer...)

Zum Glück überwiegen bei mir im Alltag die positiven Erfahrungen - Dass mich manche (fanatischen, oder 'religiösen') Menschen ablehnen, damit muss ich als T-Frau leben. Im Gegensatz zu anderen, würde mir ein perfektes 'Passing' auch nicht helfen, da ich hier zu bekannt bin und den Lebensmittelpunkt nicht verlege.

Liebe Grüße
ab (Übrigens asexuell, wenn überhaupt dann lesbisch)

*)Ablehnung und obige Probleme kenne mir aber z.B. von einer Gruppe, in der es um Trans-lesbisch ging.
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exuser-08-03-2013

Re: Gruppenzugehörigkeit und Leidensgeschichte

Post 7 im Thema

Beitrag von exuser-08-03-2013 »

Carat hat geschrieben: Was ist gewaltfreie Kommunikation?
Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Ich würde sagen - wenn man dem andern nicht in die Gosch haut.
Aber man kann es auch kompliziert ausdrücken, wie in dem wiki Eintrag auf den Juliane hinweist.
Also im Ernst - ich habe es gelesen und finde es ziemlich schwere Kost, sicher gut gemeint, aber wenn ich mich nach diesem Verfahren verhalte, dann könnte sich mein Gegenüber fragen - "hat der einen an der Waffel ?" .
Ninakadin
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Re: Gruppenzugehörigkeit und Leidensgeschichte

Post 8 im Thema

Beitrag von Ninakadin »

Hallo caira,

wenn Du so ein enges Verhältnis zu Deiner Familie hast kann ich Dich nur ermutigen das offene Gespräch zu suchen. Meist liegt man mit seinem Bauchgefühl, wie der andere reagieren wird, auch richtig. Die Tipps der anderen kann ich unterschreiben, nur eine Anmerkung: Die Salami-Taktik bringt nichts, sie werden nicht verstehen, worauf Du hinaus willst. Und Du schleppst das immer weiter mit Dir herum. Sieh zu, dass Deine Mutter und Schwester jeweils gerade etwas Zeit haben, und dann "Butter bei die Fische". Du wirst Dich anschließend unheimlich erleichtert fühlen, denn diese Gefühle vor Deiner Familie zu verstecken ist ein unheimliche Belastung, und wo Du jetzt überlegst, Dich den beiden anzuvertrauen, wird der innere Druck noch stärker.

Da wird schon, nur Mut!

LG,

Nina
Anne-Mette
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Re: Gruppenzugehörigkeit und Leidensgeschichte

Post 9 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

ich komme jetzt endlich mal mit einer "Fundstelle", um meine These etwas zu untermauern.
Im Buch "Die transzendierte Frau" von Jeand Lessenich heißt es, beginnend auf Seite 11:

Sicher waren die Erfahrungen bedeutsam, die ich zu dieser Zeit mit der Frauenbewegung machte. Ich war damals Zeichenlehrerin, arbeitete abends an der "Schule für Kreativen Feminismus" der Künstlerin Ulrike Rosenbach...
...Wir veranstalteten gelegentlich in Zusammenarbeit mit anderen feministischen Gruppen Ausstellungen in Köln, wobei ich regelmäßig von der Beteiligung ausgeschlossen wurde, da einige Hardcore-Feministinnen mich als dritte Kolonne der Männer in ihren Reihen betrachteten und mich ablehnten.
Tief enttäuscht von den Frauen wandte ich mich von ihnen ab und zog mich aus der Frauenbewegung zurück.


Ein Beispiel aus einem Buch - weitere werden folgen (smili)

Gruß
CPG
Anne-Mette
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Re: Gruppenzugehörigkeit und Leidensgeschichte

Post 10 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

nachdem ich ein wenig Ordnung in mein Bücher-Regal gebracht habe, komme ich nun mit einem weiteren Beispiel.
Annette Güldenring (auch bei der Trans*Tagung in Berlin dabei) schreibt in ihrem Aufsatz in dem Buch TRANSSEXUALITAT - TRANSIDENTITÄT von Udo Rauchfleisch u.a.:
Unfassbar war für mich allerdings die Diskriminierung von Seiten anderer Gruppen, die aktiv für ihre Rechte kämpften und selbst Ausgrenzung erfahren haben. Ich meine in erster Linie die Frauenbewegung, die Lesben und Schwulen.
Transsexuelle Frauen wurden Anfang der 1980er Jahre aus Frauenbuchläden und Frauencafés förmlich herausgeschmissen, ohne die Gelegenheit eines Gesprächs bekommen zu haben. Von solchen Erfahrungen gerade von Seiten der Frauenbewegung berichteten damals viele. Transsexualität löste anscheinend auch hier eine große Verunsicherung aus, die den in der Frauenbewegung vorherrschenden Geist mit seinen ideologischen Regularien und Weltanschauungen durchkreuzte und hilflos machte. "Männer in Frauenkleidern sind Männer und haben hier nichts zu suchen", hieß es.
Mir wurde klar, dass hier die gleichen Mechanismen abliefen, die wir in der Konfrontation mit konservativen Gruppen erleben mussten.


Soweit aus diesem Buch. Ich weiß doch, dass mein Grundgedanke keine Spinnerei war, sondern dass ich vieles gehört und gelesen habe, was mich in der Ansicht bestärkte.

Gruß
CPG
ab08
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Re: Gruppenzugehörigkeit und Leidensgeschichte

Post 11 im Thema

Beitrag von ab08 »

cpg hat geschrieben: Transsexuelle Frauen wurden Anfang der 1980er Jahre aus Frauenbuchläden und Frauencafés förmlich herausgeschmissen, ohne die Gelegenheit eines Gesprächs bekommen zu haben. Von solchen Erfahrungen gerade von Seiten der Frauenbewegung berichteten damals viele. Transsexualität löste anscheinend auch hier eine große Verunsicherung aus, die den in der Frauenbewegung vorherrschenden Geist mit seinen ideologischen Regularien und Weltanschauungen durchkreuzte und hilflos machte. "Männer in Frauenkleidern sind Männer und haben hier nichts zu suchen", hieß es.
Mir wurde klar, dass hier die gleichen Mechanismen abliefen, die wir in der Konfrontation mit konservativen Gruppen erleben mussten.[/i]
Lieber Anne-Mette,

heute kann frau aber auch andere Erfahrungen machen: Im örtlichen Frauenbuchladen - (Ich outete mich aus Höflichkeit gleich zu Beginn als T-Frau) - führte ich angeregte lange Gespräche. Stets fühlte ich mich als angenommen und willkommen. Ebenso wie übrigens bei diversen örtlichen Fraueninitiativen. Leider hab ich im Alltag wenig Zeit. Wenn ich aber im Ruhestand Zeit finde, könnte ich mir durchaus vorstellen, mich dort ehrenamtlich einzubringen...

- Auf einer Transtagung wurde ich von Lesben auch mal ausgegrenzt. Die andere Seite gibt es natürlich heute sicher auch noch. Fanatische Einstellungen finden sich natürlich auch bei Frauengruppen... Daher bin ich für diesen Thread sehr dankbar und halte die Überlegungen für wichtig.

LG
ab

P.S. Frage ist halt, ob jeweils Neugierde,Offenheit & Aufgeschlossenheit - oder - Verunsicherung & Angst das Handeln bestimmen...
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