Beschneidungsdebatte
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Olivia
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Beschneidungsdebatte

Post 1 im Thema

Beitrag von Olivia »

BESCHNEIDUNGSDEBATTE: GBS KÜNDIGT KINDERRECHTSKAMPAGNE AN

Mit deutlichen Worten hat der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, die Pläne deutscher Politiker kritisiert, die im Eiltempo ein Gesetz auf den Weg bringen wollen, das religiös motivierte Vorhautbeschneidungen bei Knaben legitimieren soll. "Körperliche Unversehrtheit ist ein Menschenrecht und Menschenrechtsverletzungen sind prinzipiell nicht zu rechtfertigen - auch wenn sie mit noch so ,heiligen' Traditionen begründet werden", erklärte der gbs-Sprecher am Stiftungssitz in Oberwesel.

Um hierfür ein politisches Bewusstsein zu schaffen, plane die Giordano-Bruno-Stiftung zusammen mit anderen Kooperationspartnern eine Kampagne zur Stärkung der Kinderrechte, die in den nächsten Wochen anlaufen soll (alles Weitere hierzu im nächsten Newsletter). "Offenbar ist den Politikern in Berlin nicht bewusst, dass sie die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet haben und dass dies entsprechende Konsequenzen nach sich ziehen muss."
Schmidt-Salomon verwies dabei auf Artikel 19,1 des "Übereinkommens über die Rechte des Kindes", in dem es heißt: "Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmaßnahmen, um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Schadenzufügung oder Misshandlung (.) zu schützen, solange es sich in der Obhut der Eltern oder eines Elternteils, eines Vormunds oder anderen gesetzlichen Vertreters oder einer anderen Person befindet, die das Kind betreut."
Auch Artikel 24,3 der Kinderrechtskonvention spreche eindeutig gegen die Legitimation der religiösen Vorhautbeschneidung: "Die Vertragsstaaten treffen alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen."

Entschieden wehrte sich Schmidt-Salomon gegen die häufig anzutreffende Bagatellisierung der Vorhautbeschneidung: "Zwar ist die Vorhautbeschneidung bei Jungen in ihren Auswirkungen nicht vergleichbar mit der Klitorisverstümmelung bei Mädchen, dennoch handelt es sich, wie ich aus eigener leidvoller Erfahrung weiß, um eine höchst unangenehme, schmerzreiche Prozedur, selbst wenn sie unter besten medizinischen Bedingungen erfolgt. Kein Kind sollte dieses Leid erfahren müssen, es sei denn, es liegen eindeutige medizinische Gründe für den Eingriff vor."

Erwachsene könnten für sich selbst die Entscheidung treffen, ob sie aus religiösen Gründen beschnitten werden möchten, sie dürften diese Entscheidung jedoch nicht für ihre Kinder treffen. "Wenn Bundeskanzlerin Merkel meint, Deutschland mache sich mit einem Beschneidungsverbot zu einer ,Komikernation', zeigt dies nur, dass sie sich mit den Problemen der Zirkumzision nicht ernsthaft beschäftigt hat und religiösen Ritualen höheres Gewicht beimisst als dem Kindeswohl."

Immerhin setzt sich die Einsicht in die Unrechtmäßigkeit der Zwangsbeschneidung allmählich auch in religiösen Kreisen durch. Schmidt-Salomon zitierte in diesem Zusammenhang die britisch-jüdische Ärztin und Psychotherapeutin Jenny Goodman, die die rituelle Vorhautbeschneidung der Kinder aus religiöser Perspektive kritisierte:
"Ich bin zuversichtlich, dass mein Volk so viele lebensbejahende, lebensfreudige und erkenntnisbringende Traditionen hat, dass unsere Identität und kulturelle Selbstachtung ohne Probleme überleben wird, wenn wir über die Beschneidung hinauswachsen, die ein grausames Relikt ist, das ich immer als eine Abweichung vom Herzen meiner Religion empfunden habe."

Schmidt-Salomon betonte, dass es keine Anmaßung, sondern vielmehr eine verfassungsrechtliche Notwendigkeit sei, dass der säkulare Rechtsstaat seine Normen durchsetze. Insofern sei das Urteil des Kölner Landgerichts, das nicht die Religionsfreiheit, sondern das Recht auf religiös begründete Körperverletzung aufgehoben habe, in jeder Hinsicht zu begrüßen: "Dass Religionsfreiheit nicht bedeuten kann, Kindern ungestraft Schmerzen zufügen zu dürfen, sollte eigentlich jedem einleuchten - auch den Spitzenpolitikern in Berlin."
exuser-23-02-2013

Re: Beschneidungsdebatte

Post 2 im Thema

Beitrag von exuser-23-02-2013 »

Was für ein Glück, dass der Bundestag zunächst nur eine Resolution und kein mit heißer Nadel gestricktes Gesetz verabschiedet hat. Dass es nicht einfach werden wird, zeigt sich immer deutlicher, ist doch den ersten Verantwortlichen aufgegangen, dass das Thema sehr schwierig ist, wenn es nicht unerwünschte Nebeneffekte wie die "Beschneidung" von Mädchen haben soll.

Insgesamt finde ich es erfreulich, dass entgegen der offiziellen Statements doch langsam eine Diskussion beginnt. Am Ende eines langen Abwägungsprozesses steht dann hoffentlich auch eine vernünftige Entscheidung, wie auch immer die aussehen mag. Wir dürfen nicht übersehen, dass hier verschiedene Rechte aufeinanderprallen, die nicht final in Einklang zu bringen sind: Da ist das elterliche Erziehungsrecht sowie die zugehörige -pflicht, das Recht auf körperliche Unversehrtheit, die Religionsfreiheit usw. Alles ganz heiße Themen, die auch heftige Nebenwirkungen haben können, wenn sie nicht sehr sorgfältig bearbeitet werden. Ich erinnere daran, dass auch Ohrlöcher eine schmerzhafte Körperverletzung sind, streng genommen Tabakrauch in Gegenwart eines Kindes auch sehr gesundheitsschädlich ist. Aber ist beispielsweise vegetarische oder gar vegane Nahrung für ein Kind nicht auch kritisch zu sehen, wie sieht es mit Impfungen aus ... Das Thema kann man nahezu endlos ausweiten - es wird ein vernünftiger und gangbarer Kompromiss gebraucht werden. Nebenbei sei daran erinnert, dass ein Beschneidungstourismus letztlich auch eine reale Gefahr darstellt. Bleibt also zu hoffen, dass unsere Politiker das nicht in einem Schnellschuss lösen sondern die Sommerpause nutzen, hier nach einer Lösung mit Vernunft zu suchen.
Vanessa_T
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Re: Beschneidungsdebatte

Post 3 im Thema

Beitrag von Vanessa_T »

Also ich bin da schon auf Sumpfhuhns Seite.

Ich fühle mich sicherlich nicht berufen, hier und jetzt die Anwältin für die deutsche Politik in toto zu spielen und ich würde mich auch nie für jeden einzelnen Politiker in die Bresche werfen. Aber ist es denn nicht ein Stück weit auch so, daß jede/r Wähler/in die Politiker bekommt, die er/sie verdient? Muß man denn nicht zugestehen, daß es die großen und einfachen Lösungen kaum gibt, sondern daß es meist um Kompromisse oft genug auch fauler Natur geht?

Ich finde, die Beschneidungsdebatte liefert da ein hervorragendes Beispiel, gerade weil es eine einfache Entscheidung à la "Da wird mal eben schnell ein Gesetz gemacht" ohne schwerwiegende Konsequenzen nicht gibt. Deshalb meine Bitte an alle Verantwortlichen: Bitte nachdenken und keine Lösung auf die Schnelle, weder weil Volkes Stimme es aktuell so will noch weil es die Political Correctness vermeintlich so gebietet. Mir würde schon reichen, wenn ich den Eindruck hätte, daß zumindest dieser Prozeß in Gang gesetzt wird.
"An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser".

Charlie Chaplin
Joe95
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Re: Beschneidungsdebatte

Post 4 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Heidi hat geschrieben:Das hat mit MERKEL nichts zu tun.

WENN in Deutschland EINMAL ein Politiker die WAHRHEIT sagt, dann wird der sofort abgesägt.

Und da ist es völlig egal, unter welcher politischen Fahne der gesegelt war.
Sage etwas wahres über die Juden - und du bist weg vom Fenster.

Oder glaubst du, das wäre unter einem anderen Bundeskanzler oder bei einer anderen Regierungspartei auch nur einen Jota anders????
heidi, ich stimme dir vielleicht nicht immer zu, aber diese äusserung trifft meine meinung sehr genau... :)p
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...
Marie1

Re: Beschneidungsdebatte

Post 5 im Thema

Beitrag von Marie1 »

auch auf dass ich jetzt gesteinigt werde: ich find Beschneidung gut. Hätte ich einen Sohn statt einer Tochter bekommen, hätte ich ihn beschneiden lassen. Es ist einfach ästhetischer, sauberer und es sieht auch gut aus.

Au weia - geh am besten gleich wieder :mrgreen:

Aus meinen heutigen Erfahrungsstand würde ich sagen, vielleicht ist es genau dieses kleine Stück zum Glück, was bei einer eventuellen TS fehlen würde ... ist das so? ... das würde ich aus der Sicht von heute überlegen ..

LG Marie ))):s
Marie1

Re: Beschneidungsdebatte

Post 6 im Thema

Beitrag von Marie1 »

hmmm .. der Vater meiner Tochter war Moslem ... beschnitten ... er plädierte dafür .. es war im Prinzip für ihn "ganz normal" ich handhabe das jetzt so: wer es mag, soll es tun und wem es widerstrebt, der lässt es ..einverstanden? :)p
exuser-08-03-2013

Re: Beschneidungsdebatte

Post 7 im Thema

Beitrag von exuser-08-03-2013 »

Vanessa_T hat geschrieben: Aber ist es denn nicht ein Stück weit auch so, daß jede/r Wähler/in die Politiker bekommt, die er/sie verdient?
das stimmt leider, Vanessa. :(
Und das besonders blamable für uns Wähler ist dabei, dass auch Politiker von SPD und Grüne sich schon für Beschneidungen ausgesprochen haben. :evil:
Vanessa_T hat geschrieben:Muß man denn nicht zugestehen, daß es die großen und einfachen Lösungen kaum gibt, sondern daß es meist um Kompromisse oft genug auch fauler Natur geht?
Das ist aber nun gerade ein Fall wo das nicht geht mit einem Kompromiss, nicht mal mit einem faulen. Entweder es gilt erstrangig das Recht auf körperliche Unversehrtheit (auch für Kinder !) oder das der Religionsfreiheit mitsamt ihren archaischsten Bräuchen, oder schliesslich das "Elternrecht", das insgesamt sehr fragwürdig ist.
Eigentlich sollten das die Bundestagsabgeordneten wissen, aber da sieht man wieder , dass sie nur noch Lobbypolitik machen, in diesem Fall mal für die Kirchen (in erster Linie der jüdischen), sonst ist es für die Banken ...
Ich glaube aber, dass sie in diesem Fall nicht mit diesem Angebot einer Legalisierung der Beschneidungen durch kommen. Wenn man ein bisschen überlegt, sollte klar sein, dass dem die Verfassung entgegen steht.

Den Eingangsartikel von Olivia finde ich sehr gut, hier ist noch ein anderer sehr guter zu diesem Thema:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellscha ... 45502.html
Leider ein selten guter Artikel für spiegel-online ... das zeigen auch die Kommentare.
Er bringt die Debatte runter von den Emotionen und zeigt sachlich und verständlich auf, wie es sich mit den Grundrechten verhält.

Gruss von Edeka (so)
Vanessa_T
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Re: Beschneidungsdebatte

Post 8 im Thema

Beitrag von Vanessa_T »

Stimmt schon, liebe Edeka, nach allem, was ich bisher gelesen habe, kann ich mich mit der Beschneidung von Kleinkindern auch überhaupt nicht anfreunden, egal, ob essentieller Bestandteil der Religion oder nicht.

Dann streichen wir mal den faulen Kompromiß und setzten stattdessen einen Kompromiß, der der anderen Seite Zeit und Gelegenheit gibt nachzudenken und zu reagieren. Ein striktes gesetzliches Verbot, das dann auch noch strafbewehrt wird, ist aus meiner Sicht auch nicht der Weisheit letzter Schluß, weil es den Anderen in die Enge treibt und ein Nachdenken verhindert.

Oder bin ich doch zu naiv und zu gut für diese Welt? :oops:
"An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser".

Charlie Chaplin
exuser-23-02-2013

Re: Beschneidungsdebatte

Post 9 im Thema

Beitrag von exuser-23-02-2013 »

Vanessa_T hat geschrieben:Ein striktes gesetzliches Verbot, das dann auch noch strafbewehrt wird, ist aus meiner Sicht auch nicht der Weisheit letzter Schluß, ...
Es wird aber neben der Legalisierung die einzige realistische Variante sein - und muss auch Taten im Ausland umfassen, sonst bekommen wir nur Beschneidungstourismus (es kehren eben alle muslimischen Jungs aus dem Sommerurlaub in Marokko, der Türkei etc. beschnitten zurück, die Juden fahren innerhalb der engen Frist eben schnell ins Schengen-Ausland, wo die Beschneidung zugelassen ist).

Wenn es also nicht ausdrücklich ein solches Verbot gibt, dann erscheint der vernünftigste Vorschlag ein Arztzwang zu sein, damit wenigstens die medizinischen Risiken möglichst klein bleiben.
exuser-08-03-2013

Re: Beschneidungsdebatte

Post 10 im Thema

Beitrag von exuser-08-03-2013 »

Sumpfhuhn hat geschrieben: Es wird aber neben der Legalisierung die einzige realistische Variante sein - und muss auch Taten im Ausland umfassen, sonst bekommen wir nur Beschneidungstourismus (es kehren eben alle muslimischen Jungs aus dem Sommerurlaub in Marokko, der Türkei etc. beschnitten zurück, die Juden fahren innerhalb der engen Frist eben schnell ins Schengen-Ausland, wo die Beschneidung zugelassen ist).
Wenn es also nicht ausdrücklich ein solches Verbot gibt, dann erscheint der vernünftigste Vorschlag ein Arztzwang zu sein, damit wenigstens die medizinischen Risiken möglichst klein bleiben.
Ich will ja die Debatte nicht unendlich fortsetzen, bin auch persönlich in keinster Weise betroffen, nur noch eine Antwort auf Vanessas und Sumpfhuhns Beiträge ...
Ohne Jurist zu sein, behaupte ich mal, sowas kann nicht Taten im Ausland umfassen, das ist aber auch nicht entscheidend.
Ein "Beschneidungstourismus" wird gerne als Scheinargument vorgebracht. Keiner kann sagen, wieviele das tun würden, aber
1. es wäre ja vorauseilender Gehorsam, wenn wir unsere deutschen Gesetze ohne Not nach andern Ländern richten,
2. selbst wenn die Hälfte das tun würden, ich tippe eher auf 10 % - dann würde 50-90 % der Buben dieses Schicksal erspart bleiben - das wäre im Ergebnis dann auch eine Art Kompromiss.
Und die medizinischen Risiken sind hier auch nicht das Problem, die wären anderswo genauso klein.

Wer sich über kopftuchtragende Frauen bei uns oder über ernsthaftere religiöse Fundamentalisten anderswo aufregt - damit meine ich niemanden hier im Forum - , sollte erstmal dafür sorgen, dass bei uns in Deutschland solche Körperverletzung (wenn auch kleine) im Namen der Religion unterbunden wird, zumal sie gegen geltendes Grundrecht verstösst.
Olivia
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Re: Beschneidungsdebatte

Post 11 im Thema

Beitrag von Olivia »

"MEIN KÖRPER GEHÖRT MIR!" - KINDERRECHTSKAMPAGNE GEGEN ZWANGSBESCHNEIDUNG GESTARTET

"Zwangsbeschneidung ist Unrecht - auch bei Jungen." Mit dieser entschiedenen Aussage ist heute, ein Tag vor der öffentlichen Sitzung des Deutschen Ethikrats, die Kinderrechtskampagne der Giordano-Bruno-Stiftung gestartet. "Ziel der Kampagne ist es, die geplante Legalisierung medizinisch unnötiger Vorhautbeschneidungen zu verhindern", erklärt Stiftungssprecher Michael Schmidt-Salomon. "Denn die Zwangsbeschneidung ist keine Bagatelle, wie so oft behauptet wird, sondern ein durch nichts zu rechtfertigender Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht und die körperliche Unversehrtheit des Kindes."

Auf der heute freigeschalteten Website www.pro-kinderrechte.de führt der von der Stiftung ins Leben gerufene "Arbeitskreis Kinderrechte", dem u.a. der Strafrechtler Holm Putzke angehört, zahlreiche medizinische, psychologische, politische und juristische Argumente auf, die diese Einschätzung belegen. Tragischerweise, so die Experten des "AK Kinderrechte", sei das Wissen über die tatsächlichen Folgen der Vorhautbeschneidung, die sehr wohl mit "milderen" Formen der weiblichen Genitalbeschneidung vergleichbar sei, in der Gesellschaft kaum vorhanden.
So wüssten viele Eltern nicht, dass Säuglinge während der Beschneidung besonders schwere Schmerzen erleiden, weil das schmerzunterdrückende System erst Monate nach der Geburt funktionstüchtig sei. Fallen die Kinder aufgrund der ungefilterten Qualen in einen traumatischen Schockzustand, würden die Eltern die plötzliche Ruhe sogar als Zeichen für die vermeintliche Harmlosigkeit der Beschneidung fehlinterpretieren.

In der hier zum Ausdruck kommenden "fehlenden Aufklärung beziehungsweise gezielten Desinformation der Eltern" liegt nach Ansicht des "AK Kinderrechte" das "Hauptproblem der gegenwärtigen Debatte": "Wüssten die Eltern über die dramatischen Konsequenzen der Zirkumzision Bescheid, müsste man über ein Beschneidungsverbot gar nicht mehr diskutieren, da die meisten Mütter und Väter von sich aus den Gedanken verwerfen würden, ihre Kinder beschneiden zu lassen."
Inga
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Re: Beschneidungsdebatte

Post 12 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, miteinander,

Ich selber halte von der Beschneidung vor allem im Kindesalter auch wenig, weil man den Körper des Kindes unverletzt lassen sollte, wenn es aus medizinischen Grünen zum Wohle des Individuums nicht unbedingt erforderlich ist.

Ein gesetzliche Beschneidungsverbot aber würde m. E. nur akzeptiert werden, wenn die Einsicht vorhanden ist, dass es fürs religiöse Befinden und Haneln völlig unwichtig ist. Ansonsten werden viele Gläubige bestimmter Konfessionen alles daran legen, eine Beschneidung ihrer Angehörigen durch mehr oder weniger legale Wege im In- oder Ausland zu bewerkstelligen. Dann sollte ein Gesetz wenigstens für Schadensbegrenzung sorgen.

Mir fehlt in der Argumentation gegen Beschneidung aber völlig die Argumentation, dass auch ohne Beschneidung man in den Religionen, zu der man gehört, ohne Makel dazu gehört, und voll und von ganzem Herzen leben kann. Dies noch möglichst bestätigt mit Zitaten einiger Vor- und Querdenker der Konfessionen, namentlich des Judentums und Islams.

Nachdem ich auf der Homepage der Giordano-Bruno-Stiftung mir neben der Infos zur Kampagne auch das Video zur Geschichte der Giordano-Bruno-Stiftung (so eine Art Selbstdarstellung) angeguckt habe, verstehe ich warum dies argumentative Loch. Es scheint bei der Beschneidungsdebatte das Wohl der Kinder vorgeschoben zu werden, um den großen Religionen eins auszuwischen (was ich für die Sache sehr schade finde). Die Liebe der Andersdenkenden, ist da kein Thema.

Wer glaubt, dass Atheismus per se ein Segen für die Welt ist, sollte in die Geschichte gucken. Der Nationalsozialismus etwa war im Kern auch eine atheistische Ideologie,
dessen Rassismus (pseudo-)wissenschaftlich betrieben und hat trotzdem (oder gerade deshalb) ziemlich viel Übel in die Welt gebracht. Daran ändert auch nichts, dass nach der Machtergreifung die Nazis die großen Kirchen als "Bündnispartner" umwarben, weil sie sie nicht so einfach gleichgeschaltet werden konnten wie etwa die Gewerkschaften und Jugendverbände.

Liebe Grüße
Inga
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Re: Beschneidungsdebatte

Post 13 im Thema

Beitrag von Inga »

juliane7 hat geschrieben:
Inga hat geschrieben: Mir fehlt in der Argumentation gegen Beschneidung aber völlig die Argumentation, dass auch ohne Beschneidung man in den Religionen, zu der man gehört, ohne Makel dazu gehört, und voll und von ganzem Herzen leben kann. Dies noch möglichst bestätigt mit Zitaten einiger Vor- und Querdenker der Konfessionen, namentlich des Judentums und Islams.
Hallo Inga,
Zumindest im Judentum wird m.E. die Beschneidung als zentrales Element des Glaubens verstanden und ich kenne keine Juden, die anders argumentieren...
LG
Juliane
Ich kenn ja auch keinen. Aber ich habe mich da noch nicht genug umgehört. So gut kenne ich mich in allen Facetten des Judentums nicht aus.

Was ich sagen möchte: Wir brauchen darum bei dem Thema Wege, wo alle sich ohne Gesichtsverlust und ohne Bloßstellung wiederfinden können. Ein plumpes Verbot ist da wenig produktiv.

Vielleicht können wir am Samstag mehr darüber reden.

Liebe Grüße
Inga
Anne-Mette
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Re: Beschneidungsdebatte

Post 14 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

es geht in diesem Thread um
religiös motivierte Vorhautbeschneidungen bei Knaben
Gruß
CPG
Anne-Mette
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Re: Beschneidungsdebatte

Post 15 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Du kannst das differenzieren?
Ja, auch wenn ich persönlich gegen eine Knabenbeschneidung bin, die aus religiösen Gründen vorgenommen wird, bevor das Kind sich dazu äußern kann, ist die wohl überhaupt nicht zu vergleichen mit Frauenbeschneidungen: http://de.wikipedia.org/wiki/Beschneidu ... Genitalien.

Vielleicht könnte das Diskussionsklima so gestaltet werden - und damit meine ich nicht die Antwort auf mein Posting - dass einem Gesprächspartner nicht gleich etwas "untergejubelt" wird, was er wahrscheinlich so nicht gemeint hat.
Manchmal ist es nur ein falsches Wort - oder ein Wort an falscher Stelle, ein Komma zu viel oder zu wenig...
... dann sollte konkret und neutral nachgefragt werden und nicht gleich "vom Schlimmsten, was eine Interpretation hergeben könnte" ausgegangen werden.

Gruß und guten Start ins Wochenende
Anne-Mette
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