Intersexualität: Stellungnahme öffentliche Anhörung
Intersexualität: Stellungnahme öffentliche Anhörung

Informationen, Termine und Artikel zur Intergeschlechtlichkeit/Intersexualität
Forum-Diskussionen intergeschlechtlicher Menschen; Peerberatung
Antworten
Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 27369
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: W
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Forum-Galerie: gallery/album/1
Hat sich bedankt: 201 Mal
Danksagung erhalten: 2323 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Intersexualität: Stellungnahme öffentliche Anhörung

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Stellungnahme für die öffentliche Anhörung am 25. Juni 2012 zum Thema
"Intersexualität" — personenstandsrechtliche und familienrechtliche Aspekte
von
Prof. Dr. Tobias Helms, Marburg
Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht
und Rechtsvergleichung

14 Seiten im pdf-Format: http://www.bundestag.de/bundestag/aussc ... _Helms.pdf
Inga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3843
Registriert: Mo 19. Jul 2010, 00:32
Pronomen:
Hat sich bedankt: 115 Mal
Danksagung erhalten: 188 Mal
Kontaktdaten:

Re: Stellungnahme für die öffentliche Anhörung

Post 2 im Thema

Beitrag von Inga »

Anne-Mette, auch von mir ein Dankeschön für das Material, das du uns hier im Forum zum Lesen und zur Diskussion stellst.

Wie Darialena schrieb, ist es ein Schritt auf dem Weg, auch wenn es noch meilenweit von einer Argentinischen Lösung sein sollte.

Ich glaube, die Ausführungen zeigen auch, wie schwer es selbst bei guten Absichten fällt, aus den gewohnten Denkstrukturen auszusteigen und sich einfach ein Leben ohne festgelegtes biologisches und soziales Geschlecht vorzustellen.

Da stellt sich für mich die Frage, brauchen wir ein soziales Geschlecht, das sich bisher das einem biologischen Geschlecht ableitet? Wollen wir einen Alltag ohne soziales Geschlecht? D.h. auch ohne Geschlechtertrennung? Wie sieht ein Leben ohne soziale Geschlecht aus?

Wenigstens gäbe es auf diversen Fragebögen nicht mehr die Frage nach dem Geschlecht, die Statistiken hätten ein Kriterium der Analyse weniger, die totale Gleichstellung von Lebensgemeinschaften mit traditionellen bi-sexuellen Ehen wäre eine Selbstverständlichkeit und im Fußball könnte man nicht mehr in Männer- und Frauenligen unterscheiden.

Liebe Grüße
Robin
Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 27369
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: W
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Forum-Galerie: gallery/album/1
Hat sich bedankt: 201 Mal
Danksagung erhalten: 2323 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Stellungnahme für die öffentliche Anhörung

Post 3 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Heute, 25.6. ist die Anhörung im Bundestag. Das nimmt der WDR zum Anlasse für folgenden Artikel:

Mann, Frau oder "dazwischen"?

Von Lisa von Prondzinski

Manche Menschen kommen weder als Junge noch Mädchen zur Welt. Ihre Geschlechtsmerkmale lassen sich nicht eindeutig zuordnen. Sie sind intersexuell. Der Ethikrat empfiehlt ein drittes Geschlecht einzuführen. Am Montag (25.06.2012) ist Intersexualität Thema im Bundestags-Familienausschuss.

weiter:
http://www1.wdr.de/themen/ratgeber/inte ... et110.html
Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 27369
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: W
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Forum-Galerie: gallery/album/1
Hat sich bedankt: 201 Mal
Danksagung erhalten: 2323 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Intersexualität: Stellungnahme öffentliche Anhörung

Post 4 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

... und ganz frisch aus dem Bundestag:

Experten: Intersexualität ist keine Krankheit

Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Anhörung)
Operationen zur Geschlechtsfestlegung bei intersexuellen Kindern stellen einen Verstoß gegen das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit dar und sollen zukünftig unterbunden werden. Dies war das einhellige Votum der öffentlichen Anhörung im Familienausschuss am Montagnachmittag. Der Ausschuss hatte medizinische und juristische Experten sowie Vertreter von Selbsthilfevereinen geladen, um mit ihnen über die Stellungnahme des Deutschen Ethikrates zum Thema Intersexualität (17/9088) zu debattieren. Zur Diskussion stand zudem ein Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (17/5528), in dem die Grünen einen verbesserten Schutz der Grundrechte intersexueller Menschen einfordern. Einigkeit herrschte zwischen den Experten auch in dem Urteil, dass Intersexualität keine Krankheit darstelle. Die Experten folgten weitestgehend der Stellungnahme des Ethikrates.

Die Rechtswissenschaftlerin Konstanze Plett von der Universität Bremen führte an, dass die unteilbaren Menschenrechte, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg formuliert worden seien, ab der Geburt Geltung hätten. Zu diesen Menschenrechte gehöre unzweifelhaft die körperliche Unversehrtheit. Ein fremdbestimmter körperlicher Eingriff diesen Ausmaßes sei deshalb nicht hinzunehmen. Lediglich wenn es um die Frage von Leben oder Tod gehe, sei dies statthaft. Erst wenn ein Kind sich in dieser Frage unzweifelhaft selbst äußern könne, dürfe eine Entscheidung gefällt werden. Und es müsse geprüft werden, dass die Entscheidung des Kindes für das eine oder andere Geschlecht ohne Beeinflussung von außen, etwa durch die Eltern, getroffen worden sei. Dies könne beispielsweise durch ein Familiengericht geschehen. Lucie Veith, Vorsitzende des Vereins Intersexuelle Menschen aus Neu-Wulmstorf, schloss sich diesem Plädoyer an: Weder Eltern, Ärzte, Psychologen noch ein Parlament hätten das Recht, das Geschlecht eines Menschen zwangsweise festlagen zu lassen. Jörg Woweries, Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, führte an, dass es keinen medizinischen Beweis dafür gebe, dass eine Operation zur Geschlechtsfestlegung bei Kleinkindern ungefährlicher oder erfolgversprechender sei als bei einem Erwachsenen. In jedem Fall seien operative Eingriffe mit einem "hohen Risiko" behaftet und stellten einen tiefen Eingriff in die Persönlichkeit eines Menschen dar. In jedem Fall müsse vor jeder Operation eine neutrale Beratung stattfinden.

Für deutlich verbesserte Beratungsangebote für die Eltern intersexueller Kinder sprach sich Julia Marie Kriegler von der Elterngruppe der XY-Frauen aus. Sie berichtete dem Ausschuss von ihren eigenen Erfahrungen mit einem nunmehr sechsjährigen intersexuellen Kind. Eltern seien nach der Geburt mit einer solchen Situation völlig überfordert. Vor allem dürften sie jedoch nicht von Ärzten und Behörden zu einer schnellen Entscheidung gedrängt werden. Die Gesellschaft müsse erst langsam lernen, dass es neben den beiden "klassischen" Geschlechtern auch ein drittes Geschlecht gebe.

Einmütig stellten die Experten zudem fest, dass das deutsche Personenstandsrecht nicht den Bedürfnissen von intersexuellen Menschen Rechnung trägt. Michael Wunder von der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in Hamburg und Mitglied im Deutschen Ethikrat sprach sich dafür aus, neben den Eintragungen "männlich" und "weiblich" auch die Eintragung "anderes" zu ermöglichen. Woweries sprach sich dafür aus, auf eine Geschlechtsfestlegung im Personenstandsrecht bis zur Volljährigkeit ganz zu verzichten.

Der Rechtswissenschaftler Tobias Helms von der Universität Marburg wies jedoch darauf hin, dass Änderungen im deutschen Recht auch zu Problemen im internationalen Rechtsverkehr führen könnten. So müssten deutsche Behörden und Gerichte auf die in Deutschland lebenden Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit auch weiterhin das ausländische Recht anwenden, das Angaben zum Geschlecht vorsieht. Umgekehrt könnten deutsche Staatsangehörige in familienrechtlichen Angelegenheiten Probleme im Ausland bekommen, wenn ihre Geschlechtszugehörigkeit im Personenstandsregister nicht festgelegt sei. Diesem Einwand widersprach Konstanze Plett. Sie verwies darauf, dass Deutschland auch die eingetragenen Lebenspartnerschaften für Homosexuelle ermöglicht habe. In vielen ausländischen Staaten sei dies bis heute nicht vorgesehen
Alisha301

Re: Intersexualität: Stellungnahme öffentliche Anhörung

Post 5 im Thema

Beitrag von Alisha301 »

cpg hat geschrieben:... Experten: Intersexualität ist keine Krankheit ...
Ist ja erstaunlich, dass sie das auch schon rausbekommen haben.
Betimmt mit einer Studie für mehrere 1000 €.

LG Alisha )))(:
gabydwt
schau
Beiträge: 72
Registriert: Mo 8. Mär 2010, 00:21
Pronomen:
Wohnort (Name): Lower Saxony
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Intersexualität: Stellungnahme öffentliche Anhörung

Post 6 im Thema

Beitrag von gabydwt »

Hier die Sitzung!

http://www.bundestag.de/Mediathek/index ... ion=search

Es ging fast 3 Stunden.

Wer hat es gemacht?

Die Grünen!

Gruß Gaby
Alisha301

Re: Intersexualität: Stellungnahme öffentliche Anhörung

Post 7 im Thema

Beitrag von Alisha301 »

Hallöchen,
ich habe mir es heruntergeladen. Sehe es mir morgen an - fast 3 h sind mir im Moment zu lange.

LG Alisha )))(:
Antworten

Zurück zu „Intergeschlechtliche Menschen, Intergeschlechtlichkeit, Intersexualität“