AfD Wahlsieg in Sachsen-Anhalt, kommen jetzt Nazis an die Macht ?
AfD Wahlsieg in Sachsen-Anhalt, kommen jetzt Nazis an die Macht ? - # 2

Michi
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Re: AfD Wahlsieg in Sachsen-Anhalt, kommen jetzt Nazis an die Macht ?

Post 16 im Thema

Beitrag von Michi »

Liebe Violetta,

es geht mir genau so wie dir. Ich habe die letzten Monate intensiv verfolgt, was in Sachsen-Anhalt vor sich geht und befürchte, dass es noch viel schlimmer kommen wird. Ich habe NULL Verständnis dafür, dass die Leute .. bei aller berechtigten Unzufriedenheit .. den rechten Rattenfängern wie besoffen hinterher rennen und uns in die nächste Diktatur stürzen wollen! Und dazu die anhaltende Arroganz derer, die nur von außen drauf schauen, sich immer wieder über das Gejammer des Ostens alterieren und sinngemäß meinen, dass sich die Ossis doch endlich mal damit abfinden sollen, dass sie verkohlt wurden und es ihnen auch weiterhin schlechter geht. Unrecht wird nicht geringer, wenn es nur lange genug aufrecht erhalten wird. Aber nachdem wir nun mit unserm Kanzler einen Politiker haben, der nicht mehr nur den Osten als faul, gierig und undankbar beschimpft, besteht zumindest in der Theorie ein Fünkchen Hoffnung, dass auch andere mal ein kleines Stück weit nachfühlen könnten, wie es Menschen hier seit Jahrzehnten geht. Ansonsten wird es wohl zwangsläufig dazu kommen, dass die AfD nicht nur den Osten niederbrennt.

Traurig
Michi
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Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: AfD Wahlsieg in Sachsen-Anhalt, kommen jetzt Nazis an die Macht ?

Post 17 im Thema

Beitrag von Michi »

AlessiA1985 hat geschrieben: Mo 7. Sep 2026, 09:48 Lass uns eine Tüte Popcorn nehmen und zuschauen, wie sie alles dort vor die Wand fahren.
Prima. Mit dieser Einstellung leistest du Vorschub, dass sie das ganze Land an die Wand fahren.
AlessiA1985 hat geschrieben: Mo 7. Sep 2026, 17:03 Ich glaube nicht, dass 44% einer Landesbevölkerung böswillig sind und nur hoffen, dass es anderen Gruppen schlechter geht.
Natürlich soll man nicht Böswilligkeit annehmen, wenn Dummheit als Erklärung genügt. (Hanlons Rasiermesser)
Aber: Die Dummen sind die Armee der Bösen, und sie sind überall, nicht nur hier!

Dietrich Bonnhoeffer schrieb:
Von der Dummheit.

Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurückläßt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch durch Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch – und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen. Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen; es ist sinnlos und gefährlich.
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Re: AfD Wahlsieg in Sachsen-Anhalt, kommen jetzt Nazis an die Macht ?

Post 18 im Thema

Beitrag von Marlene »

Moin Michi,

Du hast es absolut auf den Punkt gebracht; dem gibt es LEIDER nichts mehr hinzuzufügen. Es ist die Arroganz der Macht die uns diese Scheiße eingebrockt hat. Die Leute haben die Schnauze übervoll und mich wundert gar nichts mehr.

V.G. Marlene
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Re: AfD Wahlsieg in Sachsen-Anhalt, kommen jetzt Nazis an die Macht ?

Post 19 im Thema

Beitrag von Violetta-TransFlower »

AlessiA1985 hat geschrieben: Mo 7. Sep 2026, 09:48 Lass uns eine Tüte Popcorn nehmen und zuschauen, wie sie alles dort vor die Wand fahren.
Es gibt auf Kommunalebene ja bereits... Erfahrungen:
---
Lass uns erst mal anschauen, was nun geschieht. Eine Sache die auch ein wenig beruhigen kann: Sachsen-Anhalt ist bevölkerungstechnisch ein kleines Bundesland.
In NRW, NIedersachesen, Bayern, BaWü etc. ist sie deutlich schwächer, wenn auch zu stark. Und dort leben viel mehr Menschen. Auf Bundesebene kann es also noch dauern und hoffentlich noch verhindert werden.
Ein ziemlich gefährliches Verhalten liebe AllessiA, wie ich finde.
Geschichte wiederholt sich gerade, das zeigt sich schon länger.
Und falls es Dir nicht bekannt sein sollte, hier ein Auszug aus einer wikipedia Seite zur Machtergreifung 1933:

Der 86-jährige Reichspräsident, der sich lange gegen eine Kanzlerschaft des „böhmischen Gefreiten“ Hitler gesträubt hatte, wurde zuletzt mit dem Hinweis beruhigt, dass ein von einer konservativen Kabinettsmehrheit „eingerahmter“ NSDAP-Führer nur eine geringe Gefahr bedeute. Für diesen Versuch sprach aber aus Sicht Hindenburgs nach allem auch die formale Verfassungskonformität der nunmehrigen Berufung Hitlers zum Reichskanzler.

Die Annahme allerdings, Hitler und die Nationalsozialisten in dieser Regierungskonstellation in Schach halten zu können, sollte sich als folgenschwere Fehleinschätzung erweisen. Denn die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 bewirkte in Verbindung mit den weiteren Maßnahmen der Machtergreifung faktisch das Ende der Weimarer Republik. Zwar wurde während der gesamten NS-Zeit die Weimarer Verfassung formal nicht außer Kraft gesetzt. Mit der Errichtung der NS-Diktatur endeten aber ihre demokratische Funktion und ihre die Politik bindende Wirkung.


https://de.wikipedia.org/wiki/Machtergr ... chskanzler



Ich möchte aus diesem Artikel
Jaddy hat geschrieben: Mo 7. Sep 2026, 12:27 https://krautreporter.de/politik-und-ma ... member-url)
auch noch den folgenden Gedanken aufgreifen:
Es ist gefährlich, darauf zu vertrauen, dass die AfD niemals regieren wird. Wer das tut, bereitet sich nicht vor und überlässt der AfD kampflos das Feld.
Regiert die AfD einmal, braucht niemand darauf zu vertrauen, dass sich das Problem von selbst erledigt. „Entzaubert“ wird in einer AfD-Regierung nur der naive Glaube, dass diese AfD über ihre eigene Unfähigkeit ins Fallen geraten wird. Denn das setzt voraus, dass sich ihre Wähler von der AfD gute Sacharbeit, seriöse Regierungsarbeit und pragmatische Realpolitik erwarten würden. Es setzt voraus, dass ihre Wähler enttäuscht wären, wenn sie all das schließlich nicht erkennen könnten. Es setzt voraus, dass Menschen die AfD in der Hoffnung wählen, dass sich die Dinge zum Guten wenden lassen.


Wir dürfen uns nicht gleichgültig zurücklehnen und schauen was passiert !!!
Heute Sachsen-Anhalt, morgen Mecklenburg-Vorpommern, kommendes Jahr Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen usw...


hat Angst, daß es ähnlich kommt
Eure Violetta 💜 🌺
🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
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Re: AfD Wahlsieg in Sachsen-Anhalt, kommen jetzt Nazis an die Macht ?

Post 20 im Thema

Beitrag von Susi T »

Und wir sollten vorsichtig sein wenn wir glauben das was dort passiert, passiert anderswo nicht.

Wenn ich mit dem Finger auf der Landkarte die alte Heimat meiner Familie besuche, dann ist die Gegend nicht weit entfernt von dem Land mit diesem üblen Wahlausgang und wenn ich dann in "unserem" Wahlkreis schaue entdecke ich die gleiche politische Entwicklung. In diesem Wahlkreis Nazis? Weil die Kinder und Elkelkinder anders aufgewachsen sind? Das sind die Nachkommen derer die meinen Opa, der die Fahnen der SPD hochgehalten hat, von den Nazis rausgehauen haben. Das sind die Leute deren Vorfahren meine Familie die Flucht ermöglicht haben. Vorbei an den anrückenden schweren Einheiten aus einer weit entfernten Kaserne, da in dem Land meiner Familie niemand mit Nazis und Stasis gemeinsame Sache machte. Menschen mit Mistgabeln und Musketen gegen Maschinengewehre bereit ihr Leben zu lassen. Menschen die zuschauen mussten wie wenige Jahre zuvor die Fabriken nach Russland verbracht wurden und sie als ausgebildete Arbeiter nun zu Bauern wurden. Mein Opa selbst musste mitreisen und mit seinen Leuten vor Ort alles zum laufen bringen. Zurück gekommen, waren die Leute des Ortes natürlich nicht in der Lage die Abgaben sprich Steuern zu zahlen, weil niemand jemals als Bauer gearbeitet hat. Also sollte mein Opa und seine Familie zur Strafe und als Druckmittel dafür eingebuchtet werden.

So wie bei uns lief das überall im Land, Menschen die für ihre Leute da waren, Menschen die Verantwortung übernommen hatten waren den Rechten und den Linken(zum guten Teil vorher bei den Nazis in führender Position) ein Dorn im Auge. Teamwork? Nee besser "Führer befiehl, wir folgen", da ist kein Platz für anderes.
Das schlimme scheint zu sein, das sich die Leute mit abfinden und genau sowas sich wünschen, weil's einfach erscheint.
Bleibt nur immer wieder daran zu erinnern wohin das führen kann, wenn man es mit sich machen lässt. Und daran zu appellieren, das das nicht so sein muss.
Es ist nicht immer gegeben das es jeder Generation besser gehen muss als der vorangegangenen, aber es sollte jeder genug zum Leben haben. Dieses umverteilen von unten nach oben gilt es zu stoppen.

Grüße, Susi T. (flo)
Das beste Make-up einer Frau ist Glücklich sein
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Re: AfD Wahlsieg in Sachsen-Anhalt, kommen jetzt Nazis an die Macht ?

Post 21 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Hallo,

in der letzten Zeit war es zu spüren. Im Alltag bei Gesprächen lag manchmal auch eine gewisse Vorsicht. Darf ich so etwas eigentlich noch sagen. Vieles in unserer Gesellschaft blieb unausgesprochen. Und wenn es doch angesprochen wurde, wurde derjenige gleich in eine Ecke gestellt. Ohne auf die Frage einzugehen. Es wurde weniger miteinander gesprochen. Dafür übereinander!

Ich habe dafür in meinem persönlichen Umfeld ein negatives Erlebnis. Seit etwa über einem Jahr besuche ich regelmäßig den Treffpunkt eines lokalen Künstlervereins. Menschen mit unterschiedlichen Biographien unterschiedlichen Alters treffen sich hier zu Gesprächen und zum Erfahrungsaustausch. Einige leben von ihrer Kunst. Für Andere ist es nur ein Hobby. Ich sage immer, es ist ein buntes Völkchen. Dieser Treffpunk ist im Haus eines von der Stadt geförderten Projektes. um das kulturelle Leben in dem Stadtbezirk zu fördern.

Bei einem der Abende mit einem Konzert wurden auch kritische Töne laut. Man hätte es auch Satire bezeichnen können. Einem der Stadtväter gefiel es nicht. Und er saß am längeren Hebel. Das Ergebnis, der Treffpunkt wurde geschlossen. Einigen Mitgliedern wurde Hausverbot erteilt. Eine von vielen Mitgliedern vorgeschlagene Diskussion wurde abgelehnt. Und so etwas wie eine Brandmauer im Kleinen errichtet. Ich sehe darin eine vertane Chance über Veränderungen im Alltag in der Gesellschaft im Gespräch zu bleiben. Stattdessen wählte man den Weg der Ausgrenzung. Es ist dann nicht verwunderlich, dass die so Ausgegrenzten wo anderes ihre Heimat finden.

Mir nachdenklichen Grüßen Magdalena
Lebe jeden Tag.
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Re: AfD Wahlsieg in Sachsen-Anhalt, kommen jetzt Nazis an die Macht ?

Post 22 im Thema

Beitrag von AlessiA1985 »

Michi hat geschrieben: Di 8. Sep 2026, 00:20 AlessiA1985 hat geschrieben: Mo 7. Sep 2026, 09:48
Lass uns eine Tüte Popcorn nehmen und zuschauen, wie sie alles dort vor die Wand fahren.

Prima. Mit dieser Einstellung leistest du Vorschub, dass sie das ganze Land an die Wand fahren.

AlessiA1985 hat geschrieben: Mo 7. Sep 2026, 17:03
Ich glaube nicht, dass 44% einer Landesbevölkerung böswillig sind und nur hoffen, dass es anderen Gruppen schlechter geht.

Natürlich soll man nicht Böswilligkeit annehmen, wenn Dummheit als Erklärung genügt. (Hanlons Rasiermesser)
Aber: Die Dummen sind die Armee der Bösen, und sie sind überall, nicht nur hier!
Violetta-TransFlower hat geschrieben: Di 8. Sep 2026, 08:30 AlessiA1985 hat geschrieben: Mo 7. Sep 2026, 09:48
Lass uns eine Tüte Popcorn nehmen und zuschauen, wie sie alles dort vor die Wand fahren.
Es gibt auf Kommunalebene ja bereits... Erfahrungen:
---
Lass uns erst mal anschauen, was nun geschieht. Eine Sache die auch ein wenig beruhigen kann: Sachsen-Anhalt ist bevölkerungstechnisch ein kleines Bundesland.
In NRW, NIedersachesen, Bayern, BaWü etc. ist sie deutlich schwächer, wenn auch zu stark. Und dort leben viel mehr Menschen. Auf Bundesebene kann es also noch dauern und hoffentlich noch verhindert werden.

Ein ziemlich gefährliches Verhalten liebe AllessiA, wie ich finde.
Geschichte wiederholt sich gerade, das zeigt sich schon länger.
Und falls es Dir nicht bekannt sein sollte, hier ein Auszug aus einer wikipedia Seite zur Machtergreifung 1933:
Okay, ich werde offenbar völlig missverstanden... Ich habe verstanden, wie ihr die Situation seht und ich teile eure Gewissheit nicht. Damit steige ich aus diesem Thema aus. Das ist mir zu anstrengend und macht die Ergebnisse in Sachsen Anhalt auch nicht rückgängig.
"Riding hard every shooting star
Come to life, open mind, have a laugh at the orthodox
Come, drink deep let the dam of mind seep
Travel with great élan, dance a jig at the funeral

Come!"
Jaddy
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Re: AfD Wahlsieg in Sachsen-Anhalt, kommen jetzt Nazis an die Macht ?

Post 23 im Thema

Beitrag von Jaddy »

AlessiA1985 hat geschrieben: Mo 7. Sep 2026, 17:03Was sollen wir nun deiner Meinung nach tun? Die Hoffnung aufgeben? Uns eingraben? Fliehen?
Nichts davon. Meine konkrete Antwort steht im Beitrag davor: Vermögen und Erbschaften ab 100 Millionen besteuern, Steuervollzug ernst nehmen, Bildungsschere schliessen, Kommunen entlasten, Infrastruktur und Mobilität wieder für alle, Energie aus der fossilen Abhängigkeit holen. Sorge plus Massnahmen. Das ist weder Fatalismus noch Panik, sondern die Option, die bei dir nicht vorkommt.

Deine Reaktion darauf war "dann vielleicht einfach mal tun". Das gibt die Aufgabe an ungenannte Andere zurück. Und genau da liegt ja das Thema: wer tut, und wer wird gerade dafür gewählt, es nicht zu tun. Ich bin kommunal- und landespolitisch engagiert. Wie ist es mit dir?

Die Studien

Du hast die Antwort eigentlich selbst verlinkt: Céline Teney, 2026, erschienen in der Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft. Datenbasis ist die German Longitudinal Election Study zur BTW 2025, 6.414 Wählende, davon 858 afd-Wählende. Methode: Latent Profile Analysis über sieben Einstellungsdimensionen, u.a. Zuwanderung, Anpassung von Minderheiten, autoritäre Führung, Antisemitismus, Sozialstaat, Wachstum vs. Klimaschutz. Grosse Stichprobe, etabliertes Erhebungsinstrument, Fachzeitschrift, offengelegte Operationalisierung, Volltext frei abrufbar. Deine Fragen nach Stichprobe, Erhebung und Interpretationsschritt sind damit beantwortet.

Der Eröffnungssatz der Pressemitteilung, die du verlinkt hast: Die afd-Wählerschaft kommt weder aus einem geschlossenen radikal rechten Milieu, "noch bildet sie eine einheitliche Protestwählerschaft". Gemeinsamer Nenner ist eine restriktive Haltung zu Migration. Meine Anmerkung: Und diese Haltung ist erstens übertrieben und zweitens sowohl menschen- wie auch grundgesetzfeindlich.

Die drei Profile und ihre Werte, Skala 0 bis 1, höher heisst restriktiver:

- Konservative Hardliner, 67,2 Prozent. Zuwanderung begrenzen 0,95. Anpassung von Minderheiten 0,76.
- Radikal-rechte Autoritäre, 19,9 Prozent. Zuwanderung 0,96. Antisemitische Einstellungen 0,72.
- "Moderate" Konservative, 12,9 Prozent. Zuwanderung 0,55.

Also: knapp ein Fünftel der afd-Wählenden weist stark antisemitische Einstellungen auf. Zweitens: die Zustimmung zu "weniger Steuern, weniger Sozialstaat" liegt profilübergreifend zwischen 0,72 und 0,79. Also auch bei den sogenannten "Moderaten". Die Autorin schreibt ausdrücklich dazu, dass "moderat" hier relativ innerhalb der afd-Wählenden gemeint ist, nicht im Vergleich zur Wahlbevölkerung insgesamt. "Moderat" liegt hier also immer noch rechts der Union.

Dann: Die offizielle Wahlanalyse der Konrad-Adenauer-Stiftung zur BTW 2025. Wirklich nicht linksverdächtig. Da steht wörtlich: "Die AfD-Anhängerinnen und -Anhänger sind längst keine Protestwähler mehr." Sie teilten die programmatischen Inhalte und wählten mehrheitlich aus Überzeugung. Dieselbe Analyse beschreibt die afd-Wählenden als gegenüber Argumenten im politischen Diskurs weitgehend abgeschottet und stark auf die Kommunikation der Partei selbst ausgerichtet. Mit "Vernunft" und "den Betrug merken" wird da nicht viel werden.

Damit zu deiner eigenen Erfahrung. Du beschreibst Leute, die von den Sozialabbauplänen nichts gehört haben, die es nicht glauben, die auf ein Reel verweisen und denen deine Belege nicht stimmen. Das ist genau die Abschottung in eine eigene Desinformationsblase (mit NIUS & Co), die oben steht. Deine Anekdote bestätigt dies nur. Siehe oben: "gegenüber Argumenten im politischen Diskurs weitgehend abgeschottet".

Die Leipziger Autoritarismus-Studie 2024 mass bei 56,8 Prozent der AfD-Wählenden ein geschlossen rechtsextremes Weltbild, bei 61 Prozent ein geschlossen ausländerfeindliches. Und Infratest dimap berichtete schon 2023, dass die AfD-Präferenz keineswegs Ausdruck diffusen Protests sei, weil drei Viertel der AfD-Anhängerschaft angeben, die Partei stehe ihren eigenen politischen Grundvorstellungen nahe (PDF, S.13). Es geht dabei nicht um Kenntnis des Parteiprogramms (->Sozialabbaupläne), sondern um Übereinstimmung der eigenen Überzeugungen mit den öffentlichen Aussagen der Partei.

Und für LSA konkret, aus den Nachwahlbefragungen von Sonntag, Infratest dimap mit knapp 21.000 und Forschungsgruppe Wahlen mit gut 18.000 Befragten:

- 87 Prozent der afd-Anhängenden halten es für besser, wenn die afd regieren würde. In allen anderen Gruppen sind das 0 bis 2 Prozent. 96 Prozent wollen Regierungsbeteiligung, 95 Prozent die Führung der Landesregierung. Das ist kein Denkzettel und kein reiner Protest sondern Machtanspruch.
- 83 Prozent äussern einen "grundlegenden Veränderungswunsch" und wir können ka mal raten, was das umgesetzt in politische Ziele und Verfassung bedeutet. Im Durchschnitt aller Befragten sind es 49.
- 91 Prozent Sorge vor "Überfremdung", 85 Prozent Sorge, dass sich die Art zu leben zu stark verändert. In keiner anderen Anhängerschaft auch nur annähernd so hoch.
- Der afd wird in LSA inzwischen in fast allen Themenfeldern der Kompetenzvorsprung zugeschrieben. In der Sozialpolitik sogar vor Linken und SPD. Wer eine Partei für kompetent hält, wählt sie nicht aus Protest.
- 170.000 Stimmen kamen von vorher Nichtwählenden, rund 30 Prozent des gesamten Ergebnisses. Das ist Mobilisierung, nicht Abwanderung.

Wo du recht hast

"Boshaftigkeit" ist nicht messbar und damit auch nicht nachweisbar, aber was die Forschung misst, sind Ausgrenzungswünsche, Anpassungsforderungen und nationale Niedergangserzählungen, plus eine autoritäre, antipluralistische Grundhaltung. Sprich: Alle weg, die nicht so sind wie wir. Teney findet sogar, dass weniger die eigene materielle Lage zählt als der pessimistische Blick auf Deutschland insgesamt - den afd, NIUS & Co ständig propagieren. Also quasi wörtlich "mir geht ja einigermassen, aber insgesamt geht alles den Bach runter". Afd-Zusatz: "wegen DENEN".

Die afd-Wählenden sind keine Protestwählenden mehr, die die anderen Parteien aufwecken wollen, um dann wieder zurück zu wechseln. Sie haben einen positiven gemeinsamen Nenner, und die Mehrheit wählt aus Überzeugung. Denkzettel und Überzeugung schliessen sich ohnehin nicht aus.

Aber daraus folgt nicht das, was du daraus machst. Ob jemand aus Angst, aus Wut oder aus Überzeugung für ein Programm stimmt, das Menschen ausschliesst, ändert für die Ausgeschlossenen nichts.

Zu deinen historischen Beispielen

Orbán wurde abgewählt. Ja, aber. Nach sechzehn Jahren. Und wer die Berichte dazu liest, findet überall denselben Befund: Orbán hat gewaltigen Schaden angerichtet. Nicht nur in Institutionen, auch ganz direkt bei vielen Menschen, die unter die Räder gekommen sind. Gewaltenteilung, Medienpluralismus und Institutionenvertrauen wiederherzustellen ist die eigentliche Arbeit und wird Jahre dauern. Die Korruption und Günstlingswirtschaft haben Geld und Macht in seine Netzwerke umverteilt. Wir werden sehen, wie viel Widerstand diejenigen damit erzeugen werden.

Erdogan und Putin wurden bisher nicht abgewählt, sondern haben den Systemumbau so erfolgreich betrieben, dass eine demokratische Abwahl sehr unwahrscheinlich ist. Dergleichen Beispiele gibt es weitere.

Der Putsch in Spanien 1981 scheiterte, weil Institutionen und König eingegriffen haben. Die Lapua-Bewegung wurde nach einem Aufstandsversuch verboten. Jedes dieser Beispiele ist ein Argument für institutionelle Verteidigung, also bspw für Parteiverbotsverfahren gegen gesichert rechtsextreme Landesverbände und_oder die Bundespartei oder auch Entzug des passiven Wahlrechts für einzelne afd-Leute. Keines deiner Beispiele ist ein Argument fürs Zuschauen.

Und zur Beruhigung mit der fehlenden Mehrheit: 39 von 83 Sitzen, 38 von 41 Direktmandaten. Das BSW mit fünf Sitzen wäre rechnerisch Mehrheitsbeschafferin in beide Richtungen. Zwei Drittel von 83 sind 56. Alle anderen Fraktionen zusammen haben 44. Wo die Landesverfassung Zweidrittelmehrheiten verlangt, also zB für Stärkung der Verfassung, geht ab jetzt nichts mehr ohne die afd.

Was mich aber besonders fuchst:
AlessiA1985 hat geschrieben: Mo 7. Sep 2026, 17:03Würde ich in Sachsen-Anhalt leben würde ich das wahrscheinlich auch nicht so "gelassen" sehen.
Bitte schau dir diesen Satz noch mal genau an. Du sagst damit selbst, dass deine Gelassenheit von deiner Entfernung abhängt - quasi von deiner Hoffnung, nicht direkt betroffen zu werden.

Es gibt viele Menschen, die dieses Privileg nicht haben: Menschen, die als nicht-deutsch gelesen werden, queere Menschen, Menschen mit Behinderung, Leistungsbeziehende, Leute in sozialen Berufen und ihre Klient*innen. Sogar Lehrkräfte, demokratisch eingestellte Polizist*innen. Für die ist die Verschiebung des Sagbaren keine Prognose, sondern Alltag. Ab jetzt. Unabhängig davon, ob die afd regiert oder scheitert. Auch ausserhalb von LSA, weil sie sich jetzt im Aufwind wähnen.

Ich glaube, du suchst etwas, woran du dich festhalten kannst, und das verstehe ich gut. Ich habe nur ein Problem damit, wenn die Beruhigung Bedingungen hat, die andere bezahlen.

Besonnenheit ja. Zuschauen nein.
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