Gedanken über die Kategorie FLINTA* | Siegessäule
Gedanken über die Kategorie FLINTA* | Siegessäule

Antworten
Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 27637
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: W
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Forum-Galerie: gallery/album/1
Hat sich bedankt: 215 Mal
Danksagung erhalten: 2497 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Gedanken über die Kategorie FLINTA* | Siegessäule

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Ist FLINTA* passé?

Sprache ist ein ewiges Streitthema. Eine heftige Debatte dreht sich derzeit um die Frage, ob die Kategorie FLINTA* eigentlich das hält, was sie verspricht. SIEGESSÄULE-Autorin Selina Hellfritsch hat hier erhebliche Zweifel – und hat sich in der Community umgehört


https://www.siegessaeule.de/magazin/ref ... nta-passe/
Susi T
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1279
Registriert: Mi 4. Mai 2022, 23:44
Geschlecht: Frau mit Varianzen
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Pfalz
Hat sich bedankt: 943 Mal
Danksagung erhalten: 1136 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Gedanken über die Kategorie FLINTA* | Siegessäule

Post 2 im Thema

Beitrag von Susi T »

Weil etwas nicht schnell genug geht, oder nicht schnell und weit genug geht, oder nicht perfekt ist(wird ja sogar von geschrieben das man früher das noch nie gehört hat) schmeißt man Alles über den Haufen, probierts mit klein klein, am besten mit noch genaueren Begriffen die noch weniger Leute außerhalb der eigenen Bubbles kennen und wundert sich dann das es nicht vorwärts geht. Ganz mein Humor :mrgreen:
Das beste Make-up einer Frau ist Glücklich sein
Val44721
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 283
Registriert: So 9. Mär 2025, 18:28
Pronomen: sie/ihr
Hat sich bedankt: 126 Mal
Danksagung erhalten: 434 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Gedanken über die Kategorie FLINTA* | Siegessäule

Post 3 im Thema

Beitrag von Val44721 »

Im Gegenteil. Wenn man etwas versucht was helfen soll, man aber stattdessen feststellt es schadet, dann tut Mans besser nicht weiter.
Nature has made us intolerant to change but fortunately, we have the capacity to change our nature - Arcane
Knäckebrötchen
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 739
Registriert: So 6. Okt 2024, 16:48
Geschlecht: Weiblich
Pronomen: Sie/ihr
Wohnort (Name): Marburg
Hat sich bedankt: 261 Mal
Danksagung erhalten: 780 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Gedanken über die Kategorie FLINTA* | Siegessäule

Post 4 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Ich finde, beides ist möglich. Nur weil etwas zu einer Zeit gut gemeint und mit gutem Absichten entwickelt wurde, muss es nicht auf ewig so weiter laufen. Insbesondere, wenn man feststellt, das sich die Grundbedingungen geändert haben.

Natürlich bringt es nichts, jede Idee beim kleinsten Gegenwind zu verändern oder einzustampfen. Sicher. Beim Begriff FLINTA* ist das ja aber sicherlich nicht der Fall.

Er hatte Zeit zu reifen, sich zu entwickeln und jetzt stellen wir fest: erfüllt eine Zweck nicht wie gewünscht.

Mein Problem mit dem Akronym ist unter anderem die harte Abgrenzung zu cis-männlichen Menschen. Ich war anfangs etwas naiv und dachte, die Aspekte INTA beziehen sich auf feminin gelesene Menschen. So wie beschrieben bietet er mir persönlich zumindest keinen attraktiven Raum.

Neben dem üblichen Konfliktfeld "wie muss/darf jemand aussehen, um in einen FLINTA* Raum rein zu kommen" und möglichen Zwangsoutings, schließen wir auch alle Allies aus. Gleichzeitig lassen wir trans-männliche Personen rein, die genauso misogyn und eben männlich sein können, wie cis-Männer.

Das sich BIPoC nicht inkludiert sehen ist wiederum ein immanentes Problem einer primär hellhäutig-kaukasischen Gesellschaft. Eine offene Einladung wird schon rein statistisch mehr "weiße" Menschen sehen, weil es sie häufiger gibt (in Deutschland). Das sieht in anderen Ländern anders aus, je nach Mehrheitsgesellschaft. Eine tolle Lösung hab ich aber leider auch nicht.
Sapphic | Trans* | Femme
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 4104
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: a_binär / a_gender
Pronomen: en/en/ens
Wohnort (Name): nahe Bremen
Hat sich bedankt: 321 Mal
Danksagung erhalten: 1435 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Gedanken über die Kategorie FLINTA* | Siegessäule

Post 5 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Knäckebrötchen hat geschrieben: Sa 22. Aug 2026, 20:53Neben dem üblichen Konfliktfeld "wie muss/darf jemand aussehen, um in einen FLINTA* Raum rein zu kommen" und möglichen Zwangsoutings, schließen wir auch alle Allies aus. Gleichzeitig lassen wir trans-männliche Personen rein, die genauso misogyn und eben männlich sein können, wie cis-Männer.
Nach meiner persönlichen Erfahrung gibt es einen Unterschied zwischen theoretischer Diskussion über Begriffe und Konzepte versus Praxis "an der Tür" und bei konkreten Veranstaltungen. Theoretisch gehören cis Männer gar nicht rein, trans Männer bzw trans maskuline Personen allerdings schon. Von trans maskulinen Personen wird - zumindest in der Theorie - angenommen, dass sie aufgrund ihrer Sozialisation und der Transition reflektierter sind. Kann eins gut finden oder nicht, das ist nicht die Debatte hier (weil auch Sache jeder einzelnen Veranstaltung).

In der Praxis "kommt es drauf an". Ich kenne cis männliche Allys, die in bestimmten FLINTA* Räumen akzeptiert sind, weil sie bekanntermassen okay sind. Ich weiss von trans maskulinen, sowohl trans Männern wie masc presenting nichtbinären Menschen, die allein aufgrund ihres Aussehens häufig Schwierigkeiten an FLINTA* Türen haben oder dann drinnen. Viele andere überlegen sich von vornherein, ob sie zu einem FLINTA* Event gehen, oder fragen vorher. Ich zum Beispiel. Und ein großes Problem mit FLINTA* gelabelten Orten ist gerade für nichtbinäre und AMAB Menschen, dass die Realität hinter der Tür häufig FLinta* ist. Bei 80% cis Frauen und 15% cis Lesben fühlen viele INTA* sich auch nicht wie in ihrem Raum. Ich bevorzuge deshalb TIAN* Spaces, die auch ein paar ausgewählte cis Leute zulassen.

Die Praxis ist also einerseits teils durchlässiger als gedacht, andererseits funktioniert die Umsetzung der Theorie nicht so gut, wenn Menschen ihre Alltagssicht mitbringen. Das spricht mE nicht grundsätzlich gegen die Idee. Die funktioniert umso besser, wenn Veranstaltende aufmerksam und souverän und (cis) Teilnehmende mit Wohlwollen und Augenmass dabei sind.

Von daher würde ich Theorie-Diskussion immer für sich betrachten und vor allem nicht apodiktisch in die Praxis ziehen.
Knäckebrötchen
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 739
Registriert: So 6. Okt 2024, 16:48
Geschlecht: Weiblich
Pronomen: Sie/ihr
Wohnort (Name): Marburg
Hat sich bedankt: 261 Mal
Danksagung erhalten: 780 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Gedanken über die Kategorie FLINTA* | Siegessäule

Post 6 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Jaddy hat geschrieben: Sa 22. Aug 2026, 22:42 Und ein großes Problem mit FLINTA* gelabelten Orten ist gerade für nichtbinäre und AMAB Menschen, dass die Realität hinter der Tür häufig FLinta* ist. Bei 80% cis Frauen und 15% cis Lesben fühlen viele INTA* sich auch nicht wie in ihrem Raum.
Danke, Du beschreibst ja quasi genau das, was ich meine. Theoretisch ist die FLINTA*-Idee toll, weil inklusiv minus toxisch-patriarchale Profiteure.

In der Realität sieht es halt komplexer und schwieriger aus. Und das sich dort dominant cis-Frauen tummeln, davon ein Anteil lesbisch, ist ja im Prinzip gemäß den Ursprüngen. INTA* ist willkommen, aber nicht Gründungsmitglied des Vereins.

Und das es dann "darauf ankommt" und einige auf das Wohlwollen der Einlasskontrolle oder der Organisierenden angewiesen sind, macht die Praxis aus meiner Sicht wenig attraktiv. Und damit beziehe ich das nicht mal auf mich unbedingt, sondern eher grundsätzlich.
Sapphic | Trans* | Femme
MiriamR
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 421
Registriert: Do 30. Apr 2020, 13:27
Geschlecht: MzF
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Dortmund
Hat sich bedankt: 85 Mal
Danksagung erhalten: 81 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Gedanken über die Kategorie FLINTA* | Siegessäule

Post 7 im Thema

Beitrag von MiriamR »

Brauche ich das als Trans-Frau?

Ich schaffe mir meinen "eigenen" Safe-Space.
Wenn sich die Menschen in meiner Umgebung schlecht benehmen, gehe ich.
Wenn die Menschen in meiner Umgebung mir nicht geheuer sind, gehe ich.
Wenn mir die Musik auf Veranstaltungen nicht gefällt, gehe ich.
Wenn mir die Stimmung nicht gefällt, gehe ich.

Muss man sich grundsätzlich hinter irgendwelchen Abkürzungen verstecken?
Es mag für manche ein Zeichen für Zugehörigkeit suggerieren. Aber seien wir doch mal ehrlich,
es ist doch nur eine weitere "Bubble" aus der man zu selten versucht auszubrechen und alle
die nicht zu dieser "Bubble" gehören auszugrenzen.

Miriam )))(:
Have fun.....always.
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 4104
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: a_binär / a_gender
Pronomen: en/en/ens
Wohnort (Name): nahe Bremen
Hat sich bedankt: 321 Mal
Danksagung erhalten: 1435 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Gedanken über die Kategorie FLINTA* | Siegessäule

Post 8 im Thema

Beitrag von Jaddy »

MiriamR hat geschrieben: So 23. Aug 2026, 09:39 Brauche ich das als Trans-Frau?
Muss man sich grundsätzlich hinter irgendwelchen Abkürzungen verstecken?
Es mag für manche ein Zeichen für Zugehörigkeit suggerieren. Aber seien wir doch mal ehrlich, es ist doch nur eine weitere "Bubble" aus der man zu selten versucht auszubrechen und alle die nicht zu dieser "Bubble" gehören auszugrenzen.
Du speziell offenbar nicht. Für viele andere trans Personen stellt sich das Problem anders da. Angelehnt an deine Worte: Zu viele Menschen in der Umgebung benehmen sich schlecht, zu viele in der Umgebung sind nicht geheuer, (die Musik lasse ich mal aus), zu ungute Stimmung an zu vielen Orten. Ich erfahre vor allem von non-cis-male Leuten unter 30, dass sie bei vielen Angeboten und Gelegenheiten für ihre Altersbereiche - Clubs etc - Probleme mit cis Mackern haben, an einigen auch mit cis Frauen in dem Alter.

Bei mit dem Label FLINTA* o.ä. angekündigten Gelegenheiten ist zumindest die Wahrscheinlichkeit höher, dass bestimmte Probleme viel seltener auftreten, bzw im Ernstfall zugunsten von FLINTA* geregelt werden - indem bestimmte Leute draussen gehalten werden, so wie bei jeder privaten Party. Zum anderen ist es auch einfach entspannter, wenigstens bei bestimmten Dingen nicht als einzige non-cis Person herauszustechen. Gerade wenn eins erkennbar queer ist und mglw auch in anderen Bereichen (Familie, Job) mit Ablehnung zu kämpfen hat.

Ich beglückwünsche dich daher zu deiner offenbar extrem privilegierten SItuation.

Im übrigens sind selbst in den grössten und queerfreundlichsten Städten die Angebote keineswegs so flächendeckend, dass eins sich ausschliesslich in FLINTA* "Bubbles" bewegen könnte. Deine Unterstellung ist also schon rein praktisch falsch.
Lana
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1779
Registriert: Fr 8. Jan 2021, 01:29
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 939 Mal
Danksagung erhalten: 1481 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Gedanken über die Kategorie FLINTA* | Siegessäule

Post 9 im Thema

Beitrag von Lana »

MiriamR hat geschrieben: So 23. Aug 2026, 09:39 Wenn..., gehe ich.
Hallo Miriam,

ich finde es gut, wenn man seine Grenzen kennt und auch erkennen kann, wann sie erreicht oder überschritten sind. Sich dann so zu verhalten, dass man selbst unbeschadet davon kommt ist wichtig.

Andererseits lässt man sich in den von dir genannten Fällen von anderen oder deren Verhalten diktieren, wann man zu gehen hat. So sollte es aber nicht sein.

Daher finde ich Überlegungen, wie man das erreichen könnte, sehr sinnvoll und notwendig. Ob die Änderung des Buchstabensalates der richtige Weg ist, sei mal dahin gestellt. Dass sich betroffene Menschen Gedanken machen, wie sie möglichst unbeschwert am gesellschaftlichen Leben teilhaben können ist doch grundsätzlich positiv.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
Antworten

Zurück zu „Gendergerechte Bilder und Sprache“