Fragenkatalog zum transsexuellen Werdegang
Fragenkatalog zum transsexuellen Werdegang

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HeavenWept

Fragenkatalog zum transsexuellen Werdegang

Post 1 im Thema

Beitrag von HeavenWept »

Hallo Ihr^^

ich bin mir inzwischen verdammt sicher, dass ich transsexuell bin und diesen Weg auch sehr weit (vielleicht nicht bis ganz zum Schluss) gehen will.
Deshalb wollte ich mich doch einmal umfassend informieren, wie das eigentlich so vonstatten geht.
Vor allem interessiert mich dabei natürlich, was gemacht werden kann, was man für Voraussetzungen erfüllen muss, wer das zahlen soll usw.

Deswegen hat sich bei mir inzwischen auch ein ganzer Fragenkatalog angehäuft, den ich euch gerne präsentieren würde.
Auch wenn wahrscheinlich niemand alles so ganz genau weiss, würde ich mich doch freuen, wenn der/die ein oder andere von Euch ein paar Antworten für mich hätte.
Wenn am Ende wirklich alles beantwortet sein sollte, werde ich gerne auch ein FAQ daraus machen, weil es sowas - soweit ich gesehen habe - noch nicht gibt und ich mir das doch sehr gewünscht hätte.


Also gut, hier dann die Fragen:

Zuzahlungen:
Soweit ich weiss, zahlen Krankenkassen für Elektroepilation, Stimmtraining und geschlechtsangleichende Operationen.
Ist das soweit richtig?
Zahlen die das alles ganz oder manches nur anteilig?
Was muss ich machen, um das für mich beanspruchen zu können (Gutachten? Überredungskunst?)
Habe ich etwas vergessen? Wenn ja, was muss ich dafür vorlegen?

Hormone:
Welche Voraussetzungen muss man für die Hormontherapie erfüllen?
Laut den deutschen "Standards of Care" muss mich ein Psychotherapeut dafür ein Jahr lang kennen und ich muss seit einem Jahr den Alltagstest machen.
Ist das in Stein gemeisselt oder kann der Psychotherapeut das abwägen?
Reicht dazu ein Gutachten oder braucht man da schon zwei voneinander unabhängige?

Namensänderung/Geschlechtsänderung:
Für die Namensänderung muss ich glaube ich schon ein Gutachten vorlegen, stimmt das? Oder brauche ich vielleicht auch schon zwei?
Laut vivats.de muss man für die "offizielle"/behördliche Anerkennung als Frau gar die gaOP hinter sich haben. Das kann so nicht stimmen, oder?

Operationen:
Für Operationen muss mich mein Therapeut dann 1,5 Jahre kennen, ich muss seit 1,5 Jahren den Alltagstest machen und ein halbes Jahr lang hormonell behandelt werden.
Welche Operationen betrifft das überhaupt (Gesicht, Brust, gaOP?)
Brauche ich dazu dann zwei separate Gutachten?

Gutachten im Allgemeinen:
Wer darf die Gutachten ausstellen? (Vor allem, wenn ich beim Psychotherapeut bin und der keins ausstellen darf, muss ich dann noch zwei weitere suchen?)

Alltagstest:
Wenn ich das richtig verstehe, muss ich dafür ganzzeitlich Frau sein, also beim Einkaufen, im Beruf usw.
Stimmt das so?
Wie wird das geprüft?
Ab wann gilt der Test als begonnen?


So... das wars dann auch schon (haha). Also wie gesagt, ich freue mich über jede Antwort.
Falls ihr auch noch Links zu dem Thema habt oder andere Anregungen, würde ich mich auch darüber freuen.
ab08
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Re: Fragenkatalog zum transsexuellen Werdegang

Post 2 im Thema

Beitrag von ab08 »

HeavenWept hat geschrieben: ich bin mir inzwischen verdammt sicher, dass ich transsexuell bin und diesen Weg auch sehr weit (vielleicht nicht bis ganz zum Schluss) gehen will.
Eigentlich habe ich Probleme, das ganze Prozedere, das ein menschenrechtwidriges Rumpfgesetz (TS) (incl. diverser Ausführungsbestimmungen hervorruft) zu kommentieren. Allerdings
Zunächst zur Selbstdiagnose: Fast immer stimmt das, was die Person, jahrelang bzw. lebenslang empfindet. (Ich erkundigte mich z.B. bereits im Kindergartenalter bei der Mutter, ob ich eventuell operiert wurde...)

Der 'Alltagstest' hängt von der Situation ab.
Eventuell genügen entsprechende Versuche fern der Heimat, die dem beurteilenden(!) Psychiatern von der Antragstellerin (Problematisch ist es ohnehin nur bei MzF) berichtet werden - Probeschaulaufen vor jedweder Hormonbehandlung betrachte ich als schlimme Diskriminierung. Zudem ist die Idee irreal, kann z.B zu Jobverlust führen.
Bei mir (Gymnasiallehrerin- Privat versichert) war die Reihenfolge so: Mir war die Sache seit Jahrzehnten klar (diverse Selbsttests). Leider sind aufgrund der Rechtslage Besuche beim Psychiater (also Arzt - kann z.B. Hormone verschreiben!) notwendig, wobei eine Person wählte, die auch Gerichtsgutachten erstellte und Rezepte ausstellen kann (Selbsthilfegruppen haben Adressen.)
Hormone solltest Du Dir trotzdem am besten von einem guten Endokrinologen, der sich mit Deinem gesamten Hormonspiegel auskennt, verordnen lassen . - Es geht auch beim Hausarzt. Ärzte haben durchaus einen Ermessenspielraum. Notfalls bitte jemand suchen, der sich mit TS auskennt. Die sogenannten 'Standards of Care' sind nicht in Stein gemeiselt und teilweise umstritten....

Nochmals zum 'Alltagstest': Nach Versuchen im Ausland und von meinem Wohnort weit entfernten Orten, ging es bei mir recht plötzlich:
Am dem Tag, an dem ich die Dienststelle informierte, schickte ich den Antrag an das Amtsgericht, entsorgte nahezu alle männliche Kleidung und war nur noch korrekt gekleidet. Bis zu diesem Tag war ich gezwungermaßen in männlicher Maskerde unterwegs - Andernfalls wäre es bei mir beruflich schwierig geworden...
Ich unterschrieb übrigens ab dem Tag mit neuem Namen, lange vor der gerichtlichen Namensänderung! Aber ich gab bis zur offiziellen NÄ den zu der Zeit gültigen Vornamen in Klammern an (Offiziell zur Zeit noch ....)
NÄ/PÄ habe ich seit Jahren hinter mir. Inzwischen hoffe ich auf eine Gesetzesänderung, dass ich, ohne peinliche Befragungen durch Psychiater etc., die GA-Op machen lassen kann. Zumindest bei mir halte ich das Prozedere für eine Schikane, der ich mich gegenwärtig nicht ausliefern will. Notfalls muss ich mich bzgl.GA-Op halt noch etwas gedulden...
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
Bianca D.
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Re: Fragenkatalog zum transsexuellen Werdegang

Post 3 im Thema

Beitrag von Bianca D. »

Moin,

Ich will versuchen,dir aus meiner eigenen Erfahrung heraus ein paar ergänzende Antworten zu deinen Fragen zu geben.Claudia hat das meiste schon ganz richtig erklärt.
HeavenWept hat geschrieben:Zuzahlungen:
Soweit ich weiss, zahlen Krankenkassen für Elektroepilation, Stimmtraining und geschlechtsangleichende Operationen.
Ist das soweit richtig?
Zahlen die das alles ganz oder manches nur anteilig?
Was muss ich machen, um das für mich beanspruchen zu können (Gutachten? Überredungskunst?)
Habe ich etwas vergessen? Wenn ja, was muss ich dafür vorlegen?
Epilation und Stimmtraining sind Verhandlungssache,aussagefähige Atteste deines begleitenden Therapeuten können da unterstützend wirken.Für die GAOP beantragst du Kostenübernahme bei
deiner KK.Du brauchst dazu eine ausführliches Attest deines Therapeuten,worin dir bescheinigt wird,daß du quasi austherapiert bist,d.h.,daß eine Verringerung deines Leidensdruckes und damit
seelische Stabilität ohne die OP nicht zu erreichen ist.Außerdem benötigst du deinen transsexuellen Lebenslauf,ein Attest deines Endokrinologen,eine Kostenaufstellung mit urologischem Befund
(bei mir hat das DR.Schaff gemacht,der mich operieren wird) und die beiden Gutachten,die du während des Verfahrens zur VÄ/PÄ hast machen lassen.Das alles kannst du in der Regel nach 18
Monaten Therapie einreichen.Der MdK entscheidet dann über Wohl und Wehe.Kommt es zu einer Kostenzusage,wird die OP komplett bezahlt,incl der nötigen Nachbehandlungen.
Hormone:
Welche Voraussetzungen muss man für die Hormontherapie erfüllen?
Laut den deutschen "Standards of Care" muss mich ein Psychotherapeut dafür ein Jahr lang kennen und ich muss seit einem Jahr den Alltagstest machen.
Ist das in Stein gemeisselt oder kann der Psychotherapeut das abwägen?Nein!
Reicht dazu ein Gutachten oder braucht man da schon zwei voneinander unabhängige?Brauchst du dafür nicht!
Wie du schon selbst in Erfahrung gebracht hast,solltest du mindestens ein Jahr schon in deinem gewünschten Geschlecht leben.Es geht aber auch anders,wie bei mir.Nach 4 Monaten
psychologischer Betreuung bei einer Familienberatungsstelle habe ich mir eine Bescheinigung darüber ausstellen lassen und ein Attest meiner Hausärztin.Damit bin ich zum Endo und habe
mir mein erstes Rezept ausstellen lassen,natürlich nach eingehender Untersuchung.
Namensänderung/Geschlechtsänderung:
Für die Namensänderung muss ich glaube ich schon ein Gutachten vorlegen, stimmt das? Oder brauche ich vielleicht auch schon zwei?
Laut vivats.de muss man für die "offizielle"/behördliche Anerkennung als Frau gar die gaOP hinter sich haben. Das kann so nicht stimmen, oder?Richtig,siehe hierzu Claudia's Antwort.
Für den Antrag zur VÄ/PÄ brauchst du den schon erwähnten transsexuellen Lebenslauf,ein Attest deines Psychologen,eine Geburtsurkunde und eine Meldebestätigung.Das reichst du bei Gericht ein,
kannst du jeder Zeit machen und wartest auf Antwort.Wenn die Anhörung vor dem Richter durch ist und ein Kostenvorschuß für die Gutachten bezahlt ist,beauftragt das Gericht zwei unabhängige
Gutachter.Kommen die zu dem Schluß,daß mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist,daß du dein gewünschtes Geschlecht nicht noch mal ändern wirst,ist es meist nur noch eine
Formsache,die sich aber je nach Gericht von einem halben bis einem Jahr hinziehen kann.
Alltagstest:
Wenn ich das richtig verstehe, muss ich dafür ganzzeitlich Frau sein, also beim Einkaufen, im Beruf usw.
Stimmt das so?
Wie wird das geprüft? Gar nicht!Da mußt du schon ehrlich zu dir selber sein.
Ab wann gilt der Test als begonnen?Wenn du der Meinung bist,daß er beginnt!
Hier geht es nicht darum,einem anderen was zu beweisen sonder dir selbst darüber klar zu werden,was du willst,ob du dich in der neuen Rolle wohlfühlst und eine entsprechende neue Sozialisierung
damit einhergeht. Zu deiner letzten Frage noch.Ich habe mir einen Tag x gesetzt und ab da habe ich mich sukzessive im Freundes und Bekanntenkreis geoutet,privat nur noch weibliche Kleidung
getragen,wobei das nun nicht immer Röcke sein müssen,die hier als das Sinnbild feminer Kleidung gelten.Was Kleidung angeht schau dich bei der weiblichen Bevölkerung um,schließlich willst du
ja nicht mehr als nötig im Alltag auffallen.In meinem Beruf ging es noch eine ganze Weile im alten Trott,da Männlein wie Weiblein bei uns den gleichen Blaumann tragen.

Zur Reihenfolge deiner Fragen: Die wichtigste hast du zum Schluß gestellt.Erst wenn du das alles mal eingetütet hast,kannst du dir über anderes Gedanken machen und zu deiner ersten Frage
ganz zum Schluß.

Gruß Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial
HeavenWept

Re: Fragenkatalog zum transsexuellen Werdegang

Post 4 im Thema

Beitrag von HeavenWept »

So... komm ich auch endlich mal dazu mich zu bedanken ^^
Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich gleich so ausführliche Informationen von euch erhalte, vielen Dank dafür.

Als ich mich die letzten Tage auch selbst noch ein bisschen schlau gemacht habe, hatte ich ja eher den Eindruck gewonnen, dass das ein riesiges bürokratisches Gewirr ist. Daher ist es besonders ermutigend, von Einzellösungen zu hören, wo die "Wartezeiten" nicht streng eingehalten wurden.
Gerade den Alltagstest finde ich - wie ab08 auch schon meinte - relativ sinnlos, gerade weil eben wichtige Sachen wie Hormontherapie usw. noch gar nicht gemacht werden dürfen.
Aber wie gesagt, schön, dass es nicht immer nach diesen fragwürdigen Richtlinien läuft.

Ich werde die Antworten die nächsten Tage dann mal in meinem Kopf sortieren und die entsprechenden Schritte einleiten.
Vielen Dank nochmal, ohne eure Auskünfte wüsste ich wahrscheinlich immer noch nicht, wo ich anfange.

Gruß, Luca
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