Datenkrake oder Datenvogel?
Datenkrake oder Datenvogel?

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Anne-Mette
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Datenkrake oder Datenvogel?

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Die Schufa, die sich regelmäßig mit der GEZ und anderen Institutionen um den Titel "Beliebteste und seriöseste Institution" schlägt, will nun auch Facebook nutzen, wie fast alle Sender heute in den Nachrichten meldeten. Das Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam wurde beauftragt, die Möglichkeiten zu sondieren.

NDR Info zitiert aus vertraulichen Dokumenten, aus denen hervorgehe, dass die Schufa Kontakte von Facebook-Mitgliedern untersuchen wolle. Damit wolle die Auskunftei auch die Kreditwürdigkeit der Verbraucher prüfen. Zudem sei die Analyse von Textdaten denkbar, um "ein aktuelles Meinungsbild zu einer Person zu ermitteln".

Ich muss dabei an eine Geschichte aus meinem Schulbeginn denken. Sie hieß "Der Fehlervogel" - und sie ist sogar im Internet zu finden: http://vs-material.wegerer.at/deutsch/p ... rvogel.pdf
Da kann man doch einigen Organisationen wünschen, dass sie keinen Fehlervogel, sondern einen Datenvogel haben und dass es ihnen ergehen möge, wie im Ende der Fehlervogelgeschichte: "Und der Fehlervogel fraß und fraß und fraß, bis es auf einmal einen dumpfen Knall
gab. Der Fehlervogel war geplatzt".

...ein aktuelles Meinungsbild zu einer Person :twisted: :twisted: :twisted:

Die Datenschutzbeauftragten wenden sich zwar gegen die Datensammelwut, aber ich glaube kaum, dass sie etwas ausrichten können.

Gruß
CPG
Cybill
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Re: Datenkrake oder Datenvogel?

Post 2 im Thema

Beitrag von Cybill »

Mal ehrlich, was müssen denn Daten gesammelt werden, wenn die meisten sich auch facebook und co schon mehr als nackt machen?

Mich wundert es, dass die erst so spät darauf kommen. In meiner Branche werden schon seit einiger Zeit die dargestellten Daten ausgewertet.
Scio quid nolo! - Ich weiß was ich nicht will!

Im Übrigen: Ich bin nicht hauptberuflich transsexuell!
exuser-23-02-2013

Re: Datenkrake oder Datenvogel?

Post 3 im Thema

Beitrag von exuser-23-02-2013 »

Und das ganze wird dann wieder in den ohnejin intransparenten Score-Wert einfließen - wer auf Facebook Freunde hat, die - ob zu Recht oder nicht - als wenig kreditwürdig gelten, wird mit Sicherheit auch als weniger kreditwürdig eingestuft werden. Albern ist das über alle Maßen, denn was hat meine Kreditwürdigkeit damit zu tun, wie kreditwürdig beispielsweise ehemalige Klassenkameraden sind, die sich spätestens nach einem Klassentreffen unter den Freunden finden dürften.

Fragt sich nur, was die Schufa mit Leuten macht, die, wie ich, keinen Facebook-Account haben?
Bianca D.
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Re: Datenkrake oder Datenvogel?

Post 4 im Thema

Beitrag von Bianca D. »

Moin,

ich finde es auch etwas befremdlich,wieso das erst jetzt öffentlich wird.Meiner Meinung ist das doch schon längst üblich,lediglich der Name Facebook macht die Sache als solche nachrichtentauglich.
Ansonsten kann ich dem Post von Heidi nur beipflichten: Selbst schuld,wer sich bei FB anmeldet.Und in der Tat sehe ich es noch kommen,daß du ohne einen solchen Account verdächtig bist,nicht
morgen oder übermorgen,in näherer Zukunft aber denkbar.Genauso,wie man heute schon ohne Smartphone schief angeguckt wird: "Wie dein Handy kann nur telefonieren?"

Gruß Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial
exuser-23-02-2013

Re: Datenkrake oder Datenvogel?

Post 5 im Thema

Beitrag von exuser-23-02-2013 »

Heidi hat geschrieben:Und alles, was auf Facebook und Co. so geschrieben wird, ist genauso wenig schutzwürdig, wie eine Zeitungsanzeige.
Oder schreibt ihr einen Zeitungsanzeige: "Ich habe gestern mein Auto zu Schrott gefahren. Für ein Neues habe ich kein Geld, denn ich weiss nicht mal, wie ich die nächste Miete bezahlen soll" ???? Aber auf Facebook wird alles geschrieben, was das Zeug hält.
Bezüglich der Schutzwürdigkeit kann man sicher unterschiedlicher Auffassung sein, aber grundsätzlich stimme ich zu, dass man für das einstehen muss, was man so vom Stapel lässt - und es wäre unbestritten klug, wenn sich jeder sehr gut überlegt, was man in sozialen Netzwerken - übrigens auch in diesem Forum - postet.

Bedenklich finde ich aber, wenn Rückschlüsse gezogen werden, die nicht originär sind. Was hat zum Beispiel eine eventuell vorhandene Legasthenie, die sich in entsprechenden Rechtschreibfehlern vermutlich zeigen wird, mit der Kreditwürdigkeit zu tun? Natürlich kann man da konsturieren, dass so jemand keinen gut bezahlten Job haben kann - aber genau da liegt der Hase im Pfeffer, denn vielleicht ist der Betroffene Handelsvertreter, muss nur Bestellungen bearbeiten und verdient prächtig.

Ebenso bedenklich finde ich es, dass die Sache die moderne Wirklichkeit nicht mehr abdeckt. Ein hochbezahlter Projektentwickler, der, weil los und ledig, für seine Projekte seinen Wohnsitz wechselt, gilt schon heute - wegen der häufigen Wohnungswechsel - als weniger kreditwürdig. Hat er dann womöglich noch ein Hobby, welches eher allgemeiner ist - beispielsweise Skat, Poker, Fußball, ... - so werden sich im Facebook-Profil sicher auch Freunde finden, die einen weit geringeren sozialen Status haben; und schon ist die Kreditwürdigkeit hinüber, das kann und darf aber nicht sein. Gleiches gilt für Studenten, die ein - eigentlich gern gesehenes - Auslandssemester machen und dann womöglich für die Promotion noch einmal die Uni wechseln ...

Werden also ausschließlich aus eigenen Äußerungen Rückschlüsse auf die Kreditwürdigkeit gezogen, so finde ich das schon sehr bedenklich - bin ich pro oder contra Atomkraft kreditwürdiger? Wenn aber externe Faktoren wie Freunde und womöglich deren Äußerungen, Wohnorte etc. einbezogen, ist der Rubikon aus meiner Sicht endgültig überschritten.

Ich will nicht leugnen, dass ich ohnehin ein Gegner des Scoring bin, so lange es auf undurchsichtigen Algorithmen beruht. Eigentlich soll doch beurteilt werden, ob ich in der Lage (und vielleicht auch ob ich willens) bin, die Verbindlichkeiten, die ich eingehen möchte, auch zu bedienen. Dazu ist es vor allem wichtig, wie hoch mein Einkommen ist, wie hoch meine bereits eingegangenen oder anderweitigen laufenden Verpflichtungen sind und ob es schon Ausfälle (Mahnverfahren, Insolvenz o.ä.) gab; alles andere grenzt an Kaffeesatzleserei und ist eigentlich nur eine Wahrscheinlichkeitsrechnung, die eben dem Individualfall in keinster Weise gerecht wird - und wer beim Mensch-ärgere-Dich-nicht schon einmal darauf gewartet hat, dass der Würfel eine bestimmte Zahl anzeigt, weiß nur zu gut um die Theorie der Wahrscheinlichkeitsrechnung und dass sie in der Praxis eben unverbindlich ist (bzw. erst bei einer hinreichend großen Trefferzahl wieder stimmt).
melanie
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Re: Datenkrake oder Datenvogel?

Post 6 im Thema

Beitrag von melanie »

Hallo alle miteinander,

die Sache mit dem Fehlervogel war, wenn ich mich recht erinnere (lang, lang ist's her) ein kleines bischen anders, denn geplatzt vom vielen Fehlerfressen ist der nur, weil ein kleiner Junge so viele Fehler geschrieben hat. Oder um es auf unser Thema zu bringen: Wer Daten ins Internet stellt, muß immer und jederzeit damit rechnen, dass diese abgegriffen werden, rechtmäßig oder nicht ist dabei zunächst einmal zweitrangig, Tatsache ist, dass es möglich ist - und was möglich ist, wird auch gemacht. Ich kann mich da nur einigen, die das vor mir schon geschrieben haben anschließen: Wer meint, sich bis in alle Details im Internet (egal auf welchen Plattformen) ausbreiten zu müssen, darf sich nicht wundern, wenn von intelligenten Leuten ausgebrütete Programme und Suchroutinen diese Informationen aufpicken und verwerten. Zuverlässig schützen kann davor nur: Weniger und wenns geht mit eigeschaltetem Gehirn im Internet rummachen. Denn: Computer kennen nicht die Gnade des Vergessens - und platzen wird die Datenkrake auch nicht so schnell.

lg
Melanie
Anne-Mette
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Re: Datenkrake oder Datenvogel?

Post 7 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Heute:

Das Hasso-Plattner-Institut (HPI) hat die Zusammenarbeit bei der Grundlagenforschung rund um die technische Verarbeitung öffentlicher Web-Daten gekündigt.
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