USA - Zwangssterilisation hinter Gittern | Arte
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Anne-Mette
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USA - Zwangssterilisation hinter Gittern | Arte

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

In Kaliforniens größtem Frauengefängnis werden Frauen jahrelang ohne ihre Zustimmung sterilisiert. Besonders oft betroffen: Women of Color. Eine Betroffene und eine Anwältin brechen das Schweigen, sammeln Beweise und konfrontieren die Verantwortlichen. Der Film zeigt, wie hartnäckig sich eugenische Denkmuster bis heute halten, und begleitet die Frauen bei ihrem mühsamen Kampf für Gerechtigkeit.

https://www.arte.tv/de/videos/130682-00 ... r-gittern/
Michi
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Re: USA - Zwangssterilisation hinter Gittern | Arte

Post 2 im Thema

Beitrag von Michi »

Ich habe den Beitrag bereits gesehen, und fühlte mich direkt an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Im weiteren Verlauf des wurde das dann auch thematisiert. Weiterhin wurde berichtet, dass der dahinter stehende Gedanke vom "unwerten Leben" in den USA genau so verbreitet war, und dort auch bis zum Ende der McCarthy-Ära (also bis Mitte der 1950er Jahre) noch ziemlich populär.
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
Anne-Mette
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Re: USA - Zwangssterilisation hinter Gittern | Arte

Post 3 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

So schockierend es ist, aber das war "viel geübte Praxis" in etlichen Ländern.
Dabei denke ich z.B. an die Dänen, die das mit grönländischen Frauen gemacht habem, aber auch mit Däninnen, die "umtriebig waren".
Auch zu anderen Ländern gibt es Beispiele.
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Re: USA - Zwangssterilisation hinter Gittern | Arte

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Beitrag von Knäckebrötchen »

Naja, sein wir dich mal ehrlich: diese Art Denke gab es schon immer, gibt es noch und wird es auch vermutlich immer geben.

Die Deutschen waren nicht so viel *phober oder anti* als das europäische Umfeld oder weite Teile der Welt. PoC, Minoritäten, Frauen waren eigentlich immer und überall Menschen 2ter oder 3ter Klasse. Und je mehr Boxen du checkst, desto schlimmer wird's.

Die Deutschen waren halt bislang das einzige Volk, das die Idee des "reinen Volkskörper" mal tatsächlich versucht hat umzusetzen. Die Rechten schwafeln halt immer davon (egal wo), "wir" waren halt mal so irre und wollten es wissen. Ist ja zum Glück schief gegangen und im Grunde wissen seit dem auch alle, das dieses Konzept hirnrissig und unrealistisch ist. Aus mir unverständlichen Gründen verfängt es aber dennoch immer wieder.
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Re: USA - Zwangssterilisation hinter Gittern | Arte

Post 5 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Knäckebrötchen hat geschrieben: Do 23. Apr 2026, 16:28 Naja, sein wir dich mal ehrlich: diese Art Denke gab es schon immer, gibt es noch und wird es auch vermutlich immer geben. Die Deutschen waren nicht so viel *phober oder anti* als das europäische Umfeld oder weite Teile der Welt. PoC, Minoritäten, Frauen waren eigentlich immer und überall Menschen 2ter oder 3ter Klasse.
Naja, nicht so ganz. Jedenfalls nicht "immer und überall". Gewisse Animositäten ja, aber ein pseudo-rationales Argumentationsgebäude, das bestimmte Merkmalsgruppen für weniger wert, intelligent, fähig, etc. erklärt und pseudo-wissenschaftliches Papierwerk dazu produziert, kam erst im 19ten Jahrhundert auf - und zwar vor allem in England und dann Deutschland. Die Briten (da kann ich das * wohl weglassen...) mussten sich nämlich irgendwie eine gewissensberuhigende Moral basteln, weshalb sie trotz Aufklärung und (damals) moderner Philosophie und Humanismus Menschen anderer Länder und Kontinente unterdrückten und versklavten. Das funktionierte zuerst größtenteils darüber, dass sie ihre Massstäbe von "Zivilisation", "Kultur" und Technologie als Spitze definierten und demzufolge alle anderen halt niedriger waren und also quasi per Naturrecht bis hin zur Rechtlosigkeit und Unmenschlichkeit dominiert werden durften.

Die niederländischen Kolonien waren da meines Wissens im Mittel anders drauf. Zwar dominierten sie auch, wo sie konnten, aber ohne generelle Abwertung der "andersartigen" Menschen.

Aber wo die britische und kontinentaleuropäische akademische Elite schon mal dabei war, alles zu klassifizieren, systematisieren und dadurch auch übermässig zu vereinfachen, kamen sie auch auf die Menschen in ihren eigenen Ländern. Phrenologie und ähnliche Pseudo-Wissenschaften wurden erfunden, und nicht rigoros geprüft, sondern wie Homöopathie und ähnliches einfach übernommen. Darwins Evolutionstheorie wurde dann leider missverstanden und missbraucht, als insbesondere Sir Francis Dalton, ein hyperaktiver "Alleserklärer", die "Eugenik" erfand, inklusive des Begriffs selbst. Soetwas wie die Sozialwissenschaften gab es quasi noch nicht. Die Akademia Ende des 19ten Jahrhunderts versuchte den negativen Folgen der Industrialisierung und Verstädterung mit brachialer Technik beizukommen. Zwangssterilisierung mindestens. Im frühen 20ten Jahrhundert gab es dann die Technologie und Logistik für solche Programme. Da lohnt sich der Wiki-Artikel zu "Eugenics in the United States". Die waren tw weltweit "führend".

Also: Die systematische Hierarchisierung von Merkmalsgruppen ist eine im wesentlichen europäische (inkl USA) Erfindung der letzten 200 Jahre und die ebenso systematische, pseudo-rationale Unterdrückung bis Auslöschung ebenso.

Es lohnt sich auch, eine der größten Errungenschaften aus der Erkenntnis über diese Abscheulichkeiten mal Wort für Wort zu lesen, die beginnt mit den Worten "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren." bzw die in der ganzen EU rechtsverbindliche Form.
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Re: USA - Zwangssterilisation hinter Gittern | Arte

Post 6 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Jaddy hat geschrieben: Do 23. Apr 2026, 18:13 Gewisse Animositäten ja, aber ein pseudo-rationales Argumentationsgebäude, das bestimmte Merkmalsgruppen für weniger wert, intelligent, fähig, etc. erklärt und pseudo-wissenschaftliches Papierwerk dazu produziert, kam erst im 19ten Jahrhundert auf - und zwar vor allem in England und dann Deutschland. Die Briten (da kann ich das * wohl weglassen...) mussten sich nämlich irgendwie eine gewissensberuhigende Moral basteln, weshalb sie trotz Aufklärung und (damals) moderner Philosophie und Humanismus Menschen anderer Länder und Kontinente unterdrückten und versklavten.
Erm, jein.

Theorien zu "Rassen" gibt es schon ziemlich lang - und defintiv länger als die kolonialen Großmächte. Die Legitimität kam, soweit ich das in Erinnerung habe, eher umgekehrt aus dem "Wissen" heraus, dass die nicht-weißen "Rassen" minderwertig in Kultur und Intelligenz usw. sind. Und dieses "Wissen" ist immer wieder unter verschiedensten Perspektiven aufgekommen.

Unteranderem nach der Reconquista Spaniens, aber auch später in der Beurteilung der indigenen Einwohner der Amerikas. In der Wahrnehmung der Menschen damals waren das alles mehr oder weniger aufrecht gehende Tiere. Nicht viel mehr.

Und dann, und da hast Du nicht ganz unrecht, kamen die aufgeklärten Europäer[1] wie z.B. Voltaire[2] oder Linné und teilten die Welt in Menschen mit unterschiedlichen, allgemeingültigen und vorallem: wertenden, Eigenschaften. Das war dann Mitte des 18. Jahrhunderts. Schon eine ganze Weile vor Darwin und der (Eu)genetik.

Aber auch das Kastensystem in Indien - uralt - baut auf dem Fundament der Ungleichheit und vorallem Wertlosigkeit bestimmter Menschengruppen auf.

Das Konzept, dass es Menschen gibt, die weniger Wert sind als andere ist wortwörtlich so alt wie die Bibel, eher älter. Man nannte das dann nicht "Rasse", aber das ist am Ende auch nur ein Wort.

--------------
[1]Pseudowissenschaftliche Rassentheorien sind gewissermaßen ein „Abfallprodukt der Aufklärung“,[16] deren scheinbar naturwissenschaftliche Argumentation auch und gerade von großen Aufklärern rezipiert wurde. „Mit ihrem leidenschaftlichen, manchmal an Fanatismus grenzenden Bestreben, die Welt ‚logisch‘ zu ordnen, mit ihrer Manie, alles zu klassifizieren, haben die Philosophen und Gelehrten der Aufklärung dazu beigetragen, jahrhundertealten rassistischen Vorstellungen eine ideologische Kohärenz zu geben, die sie für jeden anziehend machte, der zu abstraktem Denken neigte.“ Christian J. Jäggi: Rassismus – Ein globales Problem. Orell Füssli, Zürich 1992, ISBN 3-280-02121-9, S. 32. sowie Christian Delacampagne: Die Geschichte des Rassismus. Artemis & Winkler, Düsseldorf 2005, ISBN 3-538-07206-X, S. 141. aus https://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus

[2]So schrieb Voltaire 1755: „Die Rasse der Neger ist eine von der unsrigen völlig verschiedene Menschenart, wie die der Spaniels sich von der der Windhunde unterscheidet […] Man kann sagen, dass ihre Intelligenz nicht einfach anders geartet ist als die unsrige, sie ist ihr weit unterlegen.“[18][19] Ursprünglich metaphysisch und religiös begründet, erhielt der Rassismus durch die Aufklärung ein weiteres, ein säkulares Fundament. https://www.grioo.com/blogs/DJIBRILCHIM ... e-voltaire

(Hervorhebungen von mir)
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Beitrag von Nico »

Anne-Mette hat geschrieben: Do 23. Apr 2026, 16:04 So schockierend es ist, aber das war "viel geübte Praxis" in etlichen Ländern.
Dabei denke ich z.B. an die Dänen, die das mit grönländischen Frauen gemacht habem, aber auch mit Däninnen, die "umtriebig waren".
Auch zu anderen Ländern gibt es Beispiele.
Es ist eine „viel geübte Praxis“ in etlichen Ländern.
Nach wie vor sind Zwangssterilisationen von Menschen mit Behinderung in 12 EU-Staaten möglich, und werden auch durchgeführt.
LG Nico
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Re: USA - Zwangssterilisation hinter Gittern | Arte

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Beitrag von Lina »

Anne-Mette hat geschrieben: Do 23. Apr 2026, 16:04 So schockierend es ist, aber das war "viel geübte Praxis" in etlichen Ländern.
Dabei denke ich z.B. an die Dänen, die das mit grönländischen Frauen gemacht haben, aber auch mit Däninnen, die "umtriebig waren".
Auch zu anderen Ländern gibt es Beispiele.
Ja, und in Schweden war auch was. Psychiatriepatientinnen, glaube ich.


So völlig nebenbei - es gab in den 60ern irgend ein Forschungsteam, das in Dänemark als Experiment Psychiatriepatienten LSD verabreicht wurde. Ist zwar was anderes, aber zurzeit wird ja von was Ähnlichem in USA geredet.

...

Bei uns in Europa ist es (hoffentlich) Schluss mit so was - aber es hat statt gefunden. Es gibt aber jeden Grund, laut zu protestieren bei jeglichem Ansatz zu solchen Machenschaften.
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