Prien streicht "Queerpolitik" und ein Kommentar
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Jaddy
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Prien streicht "Queerpolitik" und ein Kommentar

Post 1 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Queer.de berichtet: "Organisatorische Änderungen". "Queer-Referat umbenannt: Familienministerium streicht "Queerpolitik" aus Titel"; https://www.queer.de/detail.php?article_id=57616
"Mit sofortiger Wirkung treten die folgenden organisatorischen Änderungen in Kraft: Das Referat 215 'Queerpolitik, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt' erhält die neue Bezeichnung 'Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt'. Es wird weiterhin von Dr. Ina-Marie Blomeyer geleitet."

Laut dem Ministerium von Karin Prien (CDU) hat die Namensänderung keine Auswirkungen auf die Arbeit des Referats: "Die Referatsbezeichnung wurde der amtlichen Bezeichnung der Beauftragten für Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt angepasst", teilte ein Sprecher gegenüber queer.de mit.
Wer's glaubt, angesichts der sonstigen Aktionen von Prien, Klöckner, etc.
Bundesfamilienministerin Karin Prien hat bereits mehrfach betont, den Fokus ihres Ministeriums von Queerpolitik wegzulenken. So erklärte sie im Januar, dass im Koalitionsvertrag von Union und SPD nicht vorgesehen sei, den Aktionsplan "Queer leben" umzusetzen (queer.de berichtete). Die Queerbeauftragte der Bundesregierung, die sächsische SPD-Landtagsabgeordnete Sophie Koch, betonte allerdings, dass der Aktionsplan weiterhin in den einzelnen Ministerien umgesetzt werde (queer.de berichtete).

Letzten Monat setzte Prien noch einen drauf und erklärte in einem Interview, dass Vielfalt "kein staatliches Förderziel" sei (queer.de berichtete). Hintergrund ist, dass die Förderung im Rahmen des Programm "Demokratie leben!" auslaufen und neu aufgestellt werden soll.
Und dazu der Kommentar, "Die neue Lust der CDU beim Angriff auf queere Kultur"; https://www.queer.de/detail.php?article_id=57641
Die neue Lust an der Verkleinerung

Was hier geschieht, ist keine Serie von Ausrutschern. Es ist ein Stil. Die CDU betreibt keinen Kulturkampf – sie betreibt Kulturverkleinerung. Alles, was wächst, wird beschnitten. Alles, was leuchtet, wird gedimmt. Alles, was abweicht, wird normiert. ...

Was sich hier entfaltet, ist kein Zufall. Es ist ein Muster. Je unsicherer die Gesellschaft, desto größer die Versuchung zur Vereinfachung. Je komplexer die Wirklichkeit, desto lauter der Ruf nach Eindeutigkeit. Queeres Leben wird zur Projektionsfläche. Nicht weil es mächtig wäre – sondern weil es sichtbar ist. Und Sichtbarkeit stört jene, die Ordnung mit Homogenität verwechseln.

Am Ende dieser Entwicklung steht keine stabilere Gesellschaft. Es steht eine ärmere. Eine, in der Vielfalt wieder zur Mutprobe wird. Eine, in der Sprache wieder überwacht wird. Eine, in der Sichtbarkeit wieder Risiko bedeutet.

Wohin das führt

Der Kulturkampf, den die CDU entfacht, richtet sich nicht nur gegen queere Menschen. Er richtet sich gegen die offene Gesellschaft selbst. Denn wer anfängt, Wörter zu streichen, wird bald Menschen streichen. Nicht physisch. Aber politisch. Sozial. Symbolisch. Und genau darin liegt die eigentliche Gefahr: Dass der Rückzug ins Eindeutige als Fortschritt verkauft wird. Dass Verengung als Ordnung erscheint. Und dass am Ende eine Gesellschaft bleibt, die wieder gelernt hat, wegzusehen.

Der Angriff auf queere Vielfalt ist kein Randthema. Er ist ein Seismograf. Er zeigt, wie belastbar eine Demokratie ist, wenn sie unter Druck gerät. Und im Moment zeigt er vor allem eines: Dass die Bereitschaft wächst, Freiheit wieder zu verhandeln.

Das Ziel: Eine Gesellschaft ohne Überraschungen

Am Ende dieser Politik steht kein stabiles Gemeinwesen, sondern ein sterilisiertes. Eine Republik wie ein Wartezimmer: still, geschniegelt, ohne Zwischenrufe. Niemand fällt auf, weil niemand mehr sichtbar ist.

Doch eine Gesellschaft, die Vielfalt als Störung empfindet, wird irgendwann auch die Freiheit als Zumutung begreifen. Und dann wird aus dem Verbot einer Fahne das Verbot eines Lebensgefühls. Nicht über Nacht. Sondern Satz für Satz.
Svetlana L
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Re: Prien streicht "Queerpolitik" und ein Kommentar

Post 2 im Thema

Beitrag von Svetlana L »

Hallo zusammen,

ich hatte den Kommentar gestern auch gelesen und wollte ihn eigentlich auch hier verlinken (danke Jaddy fürs Zuvorkommen )))(: )

Zusammengefasst wird gut dargestellt, wie Unioner_innen in politischer Führungsverantwortung an den jeweils zur Verfügung stehenden Schräubchen drehen, die dann in der Gesamtschau aber dazu führen, queere Menschen wieder an den Rand zu drängen. Klöckners Flaggenverbot einschließlich interner "Säuberungen", Merz Zirkuszeltvergleich, Weimers Genderverbot, Priens Radikalabbau des Programms "Demokratie leben", Spahns "queere Ideologie", Dobrindts "Rosa Listen" usw. usw. All das wird dazu führen, dass mühsam durch uns und unsere Vorstreiter_innen erkämpfte Rechte auf einmal wieder zur Disposition stehen. Nach dem sich öffnendem Klima noch vor ein paar Jahren geht es jetzt also wieder rückwärts. Dass es so weit kommt, hätte ich erst vermutet, wenn irgendwann mal (hoffentlich nie!) die AfD an die Macht kommen sollte, aber leider ist die Union auch auf diesen Zug aufgesprungen - vielleicht nicht mit der Holzhammermethode, wie sie vermutlich die AfD an den Tag legen würden, sondern eher subtil und unscheinbar, versteckt als "Politik für die breite Masse". Das macht es in meinen Augen mindestens genauso gefährlich!
Hawadehre
Svetlana

As gitt halt nix Bessers wäi wos Guads!
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Re: Prien streicht "Queerpolitik" und ein Kommentar

Post 3 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo,

Wenn die Namensreduzierung keine Auswirkungen haben soll, so hätt man sie gleich komplett lassen können. Es müssten vielen Beschäftigten des Ministeriums nicht ihre Arbeitszeit dafür aufbringen, würde die Besucher nicht verwirren und würde das Anpassen diverser Interbet-Eobträge vermeiden ubd das Drucken von neuen Schildren, Formularen, Visitenkarten etc. ersparen.

Welche Oppisition wied es wagen, nach Aufwand und Kosten der Aktion zu fragen.

Nun aber stellt sich auch die Frage, ob nicht einseitig die Aufgabenteilung zwischen den Ministerien aufgekündigt ist und sich ein anderes Ministerium um "Queerpolitik" kümmern soll.

Liebe Grüße
Inga
Jaddy
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Re: Prien streicht "Queerpolitik" und ein Kommentar

Post 4 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Inga hat geschrieben: Mo 20. Apr 2026, 11:55Wenn die Namensreduzierung keine Auswirkungen haben soll, so hätt man sie gleich komplett lassen können.
So ist es. "Queer" soll eben explizit entfernt werden.
Inga hat geschrieben: Mo 20. Apr 2026, 11:55Nun aber stellt sich auch die Frage, ob nicht einseitig die Aufgabenteilung zwischen den Ministerien aufgekündigt ist und sich ein anderes Ministerium um "Queerpolitik" kümmern soll.
Nur welches? Gerade die Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements wäre bei "Familie, Senioren, Frauen und Jugend" schon gut aufgehoben. Siehe https://www.bundesregierung.de/breg-de/ ... inisterien Justiz könnte sich allenfalls um Antidiskriminierung und Durchsetzung rechtlicher Gleichstellung kümmern, aber Initiativen für Aufklärung etc. passen da nicht hin.

Das BMFSFJ ist eben immer noch, wie Schröder 1998 sagte, das "Ministerium für Familie und das ganze Gedöns", das jetzt auch noch auf "christlich"-bürgerliche Familiennormen hin beschnitten wird.
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