Liebe Daniela,
Daniela04 hat geschrieben: Fr 3. Apr 2026, 14:39
Aber trotzdem, ich verheimliche etwas Wichtiges meiner Familie.
es ist wichtig, dass dir das bewusst ist. Letztlich nimmst du deiner Familie damit die Gelegenheit, sich eine eigene Meinung dazu zu bilden, ja, du nimmst es sogar vorweg:
Daniela04 hat geschrieben: Fr 3. Apr 2026, 14:39
Meine Kinder haben aber selbst genug Probleme und mit meinen Erlebnissen der letzten 3 Jahren (Eigene Trennung/Scheidung, der Tod meines Vaters und dann meine OP) erwarte ich, dass sie meinen: Jetzt spinnt er.
Nun kenne ich eure innerfamiliären Verhältnisse nicht, und natürlich hat jeder seine persönlichen Probleme. Wenn das aber der Maßstab ist, dann würde es nie zu einer Offenbarung kommen, weil man die anderen ja schonen und schützen muss, anstatt sie mit "sowas" zusätzlich zu "belasten". So oder so ähnlich verstehe ich deine Beschreibung.
Ich möchte etwas anderes in den Raum stellen, als Gedanke für dich, um vielleicht einen anderen Blick darauf zu bekommen. Das ist begründet in meiner eigenen Erfahrung mit meiner Partnerin, aber auch mit meinen Eltern:
Ich habe sie (zu) lange im Unklaren gelassen, was nicht goutiert wurde. Im Gegenteil, da kam schnell der Vorwurf des Vertrauensbruchs, weil es doch ein wichtiger Teil meiner Person ist, den ich da verheimlicht hatte. Meine Partnerin hat das bis heute nicht vollständig überwunden, dass sie lange nichts davon erfahren hat, obwohl ich mit anderen darüber gesprochen habe. Meine Eltern waren zunächst todunglücklich, aber auch erleichtert, weil sie es nicht als selbstverständlich empfanden, überhaupt informiert zu werden. Sie sahen es als Beweis meines Vertrauens in sie.
Und eigentlich ist es das auch, ohne dass es mir damals klar gewesen wäre. Ich wohne weit weg von ihnen, sehe sie nur selten, da war das Risiko einer Entdeckung praktisch Null. Und sie sind inzwischen so alt, dass ich mich damit hätte begnügen können, sie im Unklaren zu lassen für die paar Jahre, die sie noch haben. Wozu sie da noch mit diesem "neumodischen Kram" behelligen, den sie eh nicht verstehen würden?
So dachte ich lange, aber am Ende war es mir wichtig, dass dieser bedeutende Aspekt nicht zwischen uns stand. Das ist besser für alle Beteiligten, auch wenn es vielleicht nicht der einfachste Weg ist. Aber Bequemlichkeit zahlt sich nicht immer aus, und wer weiß, wofür es noch gut ist, dass wir offen damit umgehen.
Für mich selbst ist das Leben dadurch viel einfacher geworden, weil ich mir keine Gedanken mehr machen muss, wer nun genau was über mich weiß und wer nicht. Ich brauche darauf bei meiner Kleiderwahl keine Rücksicht nehmen.
Aber wie gesagt, das ist meine Situation, und das sind die Folgerungen, die ich daraus gezogen habe. Das kann bei dir ganz anders sein. Es gibt da keine pauschale Antwort. Ich möchte dir nur aufzeigen, dass man sich manchmal unbewusst bevormundend verhält und den anderen die Chance nimmt, sich gemeinsam weiter zu entwickeln.
LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal