Jana1971 hat geschrieben: bloss kein Junge, ob es da wohl möglich ist, dass mir gewissermaßen ein Teil Mädchen mitgegeben wurde?
Hallo, Jana,
irgendwie ähnelt die Geschichte der meinen. Ich bin 1948 in Bremen geboren, nicht gerade die beste Zeit, auf die Welt zu kommen. Geplant war ich nicht, schlechte Qualität der Präservative, sagt meine Mutter. Sie hat dann versucht, mich abzutreiben, klappte aber nicht. Das habe ich erst viel später erfahren, muss ich als Fötus aber ja wohl auch mitbekommen haben. Meine Großmutter hatte nur zwei Töchter und hatte sich immer einen Jungen gewünscht, meiner Mutter auch in Aussicht gestellt, dass sie sie hinauswerfen würde, wenn ich ein Mädchen würde. Ich denke manchmal, dass ich eigentlich ein Mädchen geworden wäre und nur der starke Wille meiner Mutter einen Jungen hat aus mir werden lassen. Das wäre meine erste Antwort auf die Frage des warum.
Zwei Jahre später kam meine Schwester zur Welt, ein Wunschkind. Von da an musste ich immer zurückstecken, denn ich war ja der Große, außerdem als Junge dazu verpflichtet, Kavalier zu sein. Meine Schwester wusste das anzunutzen. Wenn beim Spielen nicht alles nach ihrer Nase ging, musste sie sich nur bei meiner Mutter beschweren, dann bekam sie unbedingt recht. Ich lernte: Junge zu sein ist ganz schön, man ist immer der Angeschmierte.
Es existiert ein Foto von mir, als ich vielleicht vier Jahre alt war, im Kleidchen, mit Haarrolle. Meine Eltern hatten sich einen Spaß daraus gemacht, mich als Mädchen zurechtzumachen als große Schwester für die Kleine. Das ist wohl nur einmal passiert, hat mir aber sicher gefallen, denn da war ich auf einmal beliebt.
Mit weiblichen Rollen bin ich ohnehin aufgewachsen. Andere KInder zum Spielen gab es nicht, draußen sollte ich nicht sein wegen der "asozialen Gegend" (wir waren inzwischen in Düsseldorf). Ich spielte also mit Teddybären, Puppenstube, Kaufmannsladen usw. Und es hat mir immer gefallen.
Meine Mutter war immer die wichtigste Person, mein Vater arbeitete ja, und ich bekam wenig von ihm mit, und wenn ich etwas von ihm wollte, hieß es meist, ich sollte meine Mutter fragen. Ich lernte also: Frauen sind das starke Geschlecht. Daher kaum verwunderlich, wenn ich vorzugsweise in Stresssituationen als Erwachsener immer wieder zu Damenwäsche, Strumpfhosen und Röcken griff. Ich fühlte mich dann wohl, stark, in Einklang mit mir.
Ich will das gar nicht weiter ausführen, mir kam es nur darauf an zu bestätigen, dass wir auch nach meiner Einschätzung entscheidend zu dem geworden sind, was wir sind, weil die Mütter auch unbewusst so geprägt haben.
Liebe GRüße,
NIcoletta
Ne budi ono što si bio, postani to što jesi. -- Sei nicht, was du gewesen, werde, was du bist!