Nadia Brönimann - angeblich die bekannteste Transfrau in der Schweiz, und "Botschafterin der Trans-Community" - denkt in einem Emma-Interview mit obigem Titel laut über ihre eigene Detransition nach:
https://www.emma.de/artikel/mein-koerpe ... lem-341337
Ein spontan herausgegriffenes Zitat daraus:
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(EMMA:) Unzählige Operationen, Schmerzen, Nebenwirkungen von Hormonen und am Ende die Erkenntnis, dass es die falsche Entscheidung war, das Geschlecht medizinisch anzupassen – eine bittere Bilanz.
(Brönimann:) Absolut. Dabei hätte es offensichtlicher nicht sein können, dass das eigentliche, wahre Problem nicht mein Körper war. Es war eine Flucht, weil ich mich als Christian damals nie gut genug fühlte. Ich dachte, wenn ich dem entfliehe, wenn ich meine Hülle ändere, wird alles gut, dann bin ich jemand anderes. Bloß: Das Innere, die Seele bleibt ja gleich. Ich kam mit meiner Anpassung nie bei mir selbst an, sondern flüchtete in ein anderes, weiteres Lebensextrem, in einen anderen Körper. Das Herz von Nadia war und ist aber immer noch das Herz von Christian.
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Meine persönliche Meinung dazu:
Das kommt davon, wenn man sich selber am Maßstab anderer Leute misst; man verliert sich dabei zwangsläufig selber.
Ich muss den Leuten MICH zeigen, nicht irgendein Kunstwesen, das auf Andere so weiblich wirkt, wie ich es in meinen Wunschträumen gerne wäre: das bin ich nun mal nicht. Selbst wenn mir die Schauspielerei so gut gelingen sollte, wie es Frau Brönimann zweifellos gelungen ist, nützt es mir auf Dauer nix: ich reibe mich damit bloß auf - und werde von meinen Mitmenschen wieder nicht als das erkannt, was ich wirklich bin.
Was bin ich, wer bin ich? Bin ich eine Frau? Nein. Leider. Ich wär's gern...
Ich bin und bleibe nun mal schicksalhaft biologisch männlich, daran ändern alle Hormone, Operationen und Namensänderungen nichts. Da hat EMMA recht.
Aber psychisch bin ich genauso schicksalhaft unmännlich, daran ändern auch alle Erziehungsversuche, Lernbemühungen und Psychotherapien nichts. Dass ich emotional eher weiblich bin, und damit in der weiblichen Genderrolle besser zurechtkomme als in der männlichen, konnte ich mir nie aussuchen: ich bin genauso schicksalhaft transsexuell, wie ich als "Mann" geboren wurde.
Ich bezweifle nicht, dass Frau Brünimann eine echte Transsexuelle ist: mit dieser Lebensgeschichte IST jemand transsexuell, Detransition hin oder her. Ein biologisch und psychisch männlicher Mensch würde niemals diesen Weg gehen.
Und, doch: der Körper IST das Problem; hier irrt Frau Brünimann meines Erachtens. Der Körper war auch für sie das eigentliche Problem: weil sie sich nie wirklich damit identifizieren konnte.
Es war nicht grundsätzlich falsch, diesen Körper zu verändern. Falsch war das Ziel, das Frau Brünimann sich dabei gesteckt hat: anstatt ihn so zu verändern, wie sie - inklusive aller unvermeidlichen Risiken und Nebenwirkungen - sich SELBER am ehesten damit identifizieren und zufrieden geben konnte, anstatt also ihren ureigenen Kompromiss zu einem Friedensschluss mit dem eigenen Körper zu machen, machte sie die Weiblichkeits-Vorstellungen anderer Leute für sich zum Maßstab. Das musste schiefgehen, weil es schlicht unrealistisch ist: sie würde so nie mehr aus der Schauspieler-Rolle herausfinden, weil sie permanent ihre körperlichen Unvollkommenheiten als Frau verstecken und übertünchen musste, um diesem selbst gesteckten Ziel zu entsprechen, das gar nicht wirklich ihr eigenes war.
Wenn ich - wie jeden Morgen - in meine dick hüftgepolsterten Unterhosen schlüpfe und mir den silikongefüllten BH umlege: betreibe ich da nicht auch Schauspielerei? Versuche ich da nicht auch, etwas vorzutäuschen, was nicht wirklich so ist? Jein
Klar ist auch das eine Form von Schauspielerei, wie jede Kleidung - aber mit einem anderen Ziel. Ich "ver"kleide mich nicht, um anderen Leuten was vorzumachen. Es ist für mich zwar nicht völlig egal, aber mittlerweile zweitrangig, wie das bei anderen Leuten ankommt, ob sie es schön oder hässlich finden, ob es "weiblich" oder "tuntig" auf sie wirkt. Es geht mir nicht (mehr) um "Passing", ich füge mich nicht in eine festgefügte Rolle; ich kleide mich - inklusive aller verfügbaren Tricks - konsequent so, wie ich mir selber vor dem Spiegel am besten gefalle, wie ich mich den ganzen Tag über am wohlsten fühle, wie ich mich authentisch, aus tiefster Seele gerne zeige. Deshalb schleift sich das bei mir auch nicht ab, ich ermüde nicht daran: weil diese Kleidung selber pure Lust für mich ist. Insofern bin ich als Transfrau heute genau dasselbe, was wir noch vor ein paar Jahrzehnten aus überkommenen Moralvorstellungen heraus um Gottes Willen, bloß nicht sein wollten: Crossdresser - "Transvestit".
Die Leute dürfen ruhig wissen, dass ich biologisch männlich bin. Ich kann das nicht verstecken, und ich versuche das auch gar nicht mehr: ich stehe zu meiner Halbglatze, ich trage bewusst keine Perücke, weil ich mich als Person offen zeigen und eben nicht hinter einer Maske verstecken will. Ich versuche auch gar nicht erst, meine Stimme zu verstellen: die ist nun mal männlich, das hat Vor- und Nachteile - es war und ist zeitlebens meine Stimme, sie ist authentisch.
Aber die Leute dürfen - und sollen! - eben auch wissen, dass ich mich leidenschaftlich gerne weiblich kleide, und dass ich insgesamt lieber in der weiblichen Genderrolle lebe als in der männlichen: auch das ist für mich authentisch. Und da mein Wunsch - obwohl gegen alle Konvention - so ungetarnt authentisch "rüberkommt", tun mir die Leute mittlerweile auch den Gefallen, mich in dieser Rolle zu akzeptieren: das klappt prima, es strengt mich nicht mal an, es macht einfach nur Spaß, ich fühle mich darin befreit. Dass man mich dabei als "Transvestit" statt als "Frau" wahrnimmt, ist egal: ich bin's ja nun mal. Wichtig ist für mich nur, dass ich es auch sein darf.
Und was ist nun mit den Operationen? Ich habe mir schon vor 28 Jahren die Brust aufbauen lassen. Das hat sich für mich als richtig und notwendig erwiesen; ich habe es in all den Jahren seitdem keinen Augenblick bereut. Es hat mir gebracht, was ich mir davon erhoffte - und nicht nur das, sondern weit mehr: z.B. wurden wirklich befriedigende Intimpartnerschaften für mich dadurch überhaupt erst möglich.
Den Unterleib habe ich gelassen. Nicht, weil ich's mir nicht anders gewünscht hätte, sondern weil ich mir als studierter Mediziner nie Illusionen darüber gemacht habe, was möglich ist, und welche Risiken man dabei eingeht. Das ist kein generelles Verdikt: für meine ureigenen Bedürfnisse schien das halt unterm Strich nicht lohnend. Für Andere mag das anders aussehen. Man muss wissen - d.h.: mit bestmöglicher Beratung und Reflexion halbwegs realistisch einschätzen - welche Maßnahmen den eigenen Bedürfnissen zuträglich sind oder nicht.
Brau Brönimann wusste das tragischerweise nicht. Sie konnte es nicht wissen, weil sie mit diesen Maßnahmen gar nicht die Optimierung ihres eigenen Lebens, sondern die Simulation eines völlig anderen, fremden Lebens plante. Sie hat die falschen Maßstäbe angelegt.
Oder wie seht Ihr das?