nun will ich mich auch in die Reihen der "Geschichtenerzählerinnen" einreihen.
Es war einer der sehr schönen abendlichen (mitternächtlichen) Chat-Runden, die mich dazu animierten.
Ich wünsche Euch viel Spaß dabei!
Prolog
Die Linienmaschine tauchte durch schwere, dicke Wolken und landete bei starkem Regen auf dem Airport von Birmingham.
Auch auf der anschließenden Fahrtmit dem Taxi ließ der Regen nicht nach. Ich war froh, dass es der Fahrer gleich gefunden hatte. So war ich gut in der Zeit. Die vorangegangenen Besprechungen hatten in London stattgefunden. Die Leute hier kannte ich nur von Telefon und Mail. Es war für mich immer interessant, wenn man dann sah, wie sie tatsächlich aussahen.
Ich bezahlte den Fahrer und hatte ein kleines Problem, so ohne Schirm. Bevor ich ausstieg zögerte ich ein bisschen und dachte, es hilft nichts, raus jetzt. Ich nahm Mantel und Tasche, schaute noch mal in Richtung Eingang und sah die Rettung auf mich zukommen. Eine Frau mit großem Schirm kam auf mein Taxi zu. Sie trug eine enggeschnittene, braune Jeans, ein rosa T-Shirt Oberteil mit U-Boot Ausschnitt und elegante rosa Pumps. Ihr schulterlanges, dunkelbraunes Haar wehte bei jedem ihrer Schritte.
Als sie den Wagen erreichte, sprang ich aus dem Taxi und huschte zu ihr unter den Schirm. Unsere Blicke trafen sich. Wow, was für ein liebes zierliches Gesicht! und sie meinte mit weiblicher weicher Stimme "Hallo, may I help you?" "Oh, yes"
Ja, die Stimme kannte ich. Es musste die Frau von der Zentrale am Eingang sein, Christel Haper. Die Frau, die immer so perfekt informiert war. In zügigen Schritten erreichten wir den Eingang. Hier kreuzten sich unsere Blicke ein weiteres Mal. Sie hatte einfach ein bezauberndes Lächeln. Mir ging ein wohliger Schauer durch den Körper. Sie hatte was ganz Besonderes. Für einen Bruchteil einer Sekunde blieb mein Blick an ihr hängen. Ich hatte irgendwie den Eindruck, dass es ihr in dem Moment genauso ging.
Wir betraten ein modern gestaltetes Foyer. Der Boden war in schwarzem Marmor gehalten, die Möbeln in hellem Holz. Der ganze Empfangsbereich befand sich in einem großzügigen Glaserker. Kein Wunder das sie mich gleich bemerkt hatte. Hier hatte man alles im Blick.
Sie verschwand mit ihrem Schirm hinter ihrem Helpdesk. "My name is Michael Meier from Schulze & Partner" stellte ich mich vor. Sie reichte mir eine zierliche Frauenhand, mit einem tollen verschlungen geformten Ring in arabeskem Design am Ringfinger."Wellcome to Millers and Sons, Mr. Meier. My name is Christel Haper." "Nice to meet you!" Sie schaute in ihren PC und meinte "You want to meet Mr. Schotch., Project C207" ich war wieder mal verblüfft, wie gut sie informiert war und brachte nur ein gestammeltes "Yes, that"™s correct" hervor.
Sie griff zum Telefon "Hello Henry, Mr. Meier from S&P just arrived."
Die kräftige Stimme am anderen Ende war unverkennbar Mr. Scotch.
"Okay, I understand" sie legte auf, kam hinter ihrem Tisch auf mich zu und meinte mit einem Lächeln "Please follow me". Sie lief vor mir her in einen Flur, von dem aus es durch Glastüren direkt in die einzelnen Konferenzräume ging.
"Here we are! Mr. Scotch will be with you in a couple of minutes" "Thank you" ich schaute Ihr noch kurz nach, bis sie hinter der Mauer verschwand.
Es war nett, auch Mr. Scotch mal persönlich kennen zu lernen, aber die Besprechung ging nicht so recht an mich. Ich musste die ganze Zeit an Christel denken.
An diesem Tag sollte ich sie nicht mehr zu Gesicht bekommen.
Auf dem Heimflug hatte ich einen Fensterplatz. Wir waren gerade gestartet und befanden uns noch im Steigflug. Gedankenverloren schaute ich auf die immer kleiner werdenden Lichter von Birmingham.
Die Begegnung mit Christel Haper war für mich wieder ein Anstoß darüber nachzudenken, was wohl meine Rolle in diesem Leben war. Was war meine Berufung, wo gehörte ich hin?
Im Beruf war ich ein Projektleiter in einem Mittelständischen Unternehmen, wie es sehr viele in Deutschland gab. Wie viele Berufslaufbahnen, kam auch ich durch meine lange Betriebszugehörigkeit und vor allem durch meine gute Berufserfahrung auf diesen Posten.
Das Business in der Automobilbranche ist hart! Auch innerbetrieblich ist der Wettbewerbskampf sehr hoch. Man wird sehr schnell nach seinen Fehlern bewertet.
Ich ließ mein Privatleben so Revue passieren und dachte, das ich doch ein eher beschauliches Leben als Single führe. Das liegt vielleicht auch daran, das man als Crossdresser seinen Freundeskreis sehr genau im Auge hat und aufpasst, das jeder auch nur das mitbekommt, was er mitbekommen soll!
Es wäre ein Skandal, wenn von meinen Projektleiterkollegen einer etwas bemerken würde. Daher ist es mir nur im sehr privaten Bereich möglich Teile dieser Neigung auszuleben.
Ich war schon wieder voller Vorfreude auf meine allabendliche Verwandlung. Allerdings auch ganz alleine.
War es nicht besser ein Leben wie alle anderen zu führen, eine Rolle zu spielen, die ich voll ausleben darf.
Wenn ich an Christel dachte, empfand ich in erster Linie Neid! Sie hatte die Erscheinung, die ich für mein Ideal hielt. Sie war im allgemeinen Sinn nicht mehr vollkommen wie alle anderen Frauen auch, aber sie entsprach genau dem was ich mir für mich vorstellen würde. Sie machte auf mich einen sehr gepflegten Eindruck, die Figur, die Körpergröße, sie war wohl so ca. 1,70, also ein kleines Stück kleiner als ich, ja, so konnte ich mir es vorstellen, so wollte ich als Frau aussehen!
Genau an diesem Beispiel erkannte ich auch wieder, wie weit ich doch von dem, von mir gewählten Ideal entfernt war. Lichtjahre, scheinbar unüberwindliche Hindernisse trennten uns. Ich empfand Traurigkeit, eine Strömung der Resignation traf mich. "Sir, Ihr Essen bitteschön!" mit einem Lächeln einer gestylten Stewardess wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. "Ja, danke!" "was möchten Sie trinken?" "einen O-Saft bitte"
Damit war ich wieder allein mit mir.
Ich dachte darüber nach, wie wohl mein morgiger Tag verlaufen würde.
Morgen würde ich eine interne Besprechung einberufen müssen um mit Technik und Einkauf die "Der nächste Tag fing so an, wie viele andere in meinem Leben. Wie jeden morgen schlüpfte ich in die Sachen, die ich mir Tags zuvor schon hingelegt hatte.
Es hatte sich für heute kein Besuch im Geschäft angesagt, so nutzte ich die Gelegenheit ein Flanellhemd zu tragen. Hier konnte ich unerkannt Damenunterwäsche tragen. Ich musste nur aufpassen, das mir keiner auf den Rücken fasste, damit niemand den BH-Verschluss merkte.
Ich geniese diese Seite meines Singellebens, niemanden erklären zu müssen, warum ich mir morgens, wie eine Frau, einen BH und ein Damenunterhemd anziehe und mich super dabei fühle. Manchmal hatte ich den Verdacht, das es von den Bürodamen schon mehr wissen wie ich vielleicht denke, aber das stört mich nicht, solange sie keinen Anstoß daran nehmen.
Im Büro war es nach Feierabend spät geworden. Ich wollte doch vor dem Judo-Training noch Joggen gehen!
Also musste ich mich tierisch beeilen, fuhr daheim vorbei, Arbeitkleidung und Damenunterwäsche raus, damit es durch den BH beim Judotraining keinen Abdruck zu sehen gab, Jogginganzug rein und ab. Zum Glück lag meine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, gleich am Waldrand und so konnte ich meine Joggingrunde gleich hinter dem Haus starten.
Es schien auf "meiner Joggingroute" niemand unterwegs zu sein. Keiner zu sehen! Da ich für meine Joggingrunde schon spät dran war, hatte ich daheim nur schnell was getrunken und praktisch nichts im Magen seit Mittag. Naja, wird schon gehen, dachte ich. Die Hälfte der Strecke hatte ich bereits hinter mir, als mich eine Joggerin schnittig überholte. Wow, dachte ich, vielleicht kannst du dich da ja dranhängen.
Wie alle gut durchtrainierten Frauen, hatte auch sie eine Topfigur. Ich dachte mir nur, was für eine Durchschnittsfrau selbstverständlich ist, da muss ein Crossdresser hart für arbeiten, wenn er es überhaupt erreicht!
Ich versuchte bei ihrem Tempo mitzuhalten, merkte aber schon nach kurzer Distanz, das meine Reserven nicht mehr so viel hergaben und ich musste wieder zu meinem ursprünglichen Tempo zurück, wenn ich die restlich Strecke schaffen wollte. Nach weiteren 15 Minuten hatte ich meinen Ausgangspunkt wieder erreicht. Mir war vom Kreislauf her gar nicht gut. Besser nicht gelaufen und dafür gescheit was gegessen und getrunken, dachte ich mir, aber sei es drum, schnell den Schweiß unter der Dusche abgespült, die am Vortag gepackte "Judo-Tasche" genommen und zum Training gefahren.
In der Umkleide traf ich schon einen Teil meiner Trainingskollegen. Wir kannten uns schon über viele Jahre. Wir waren so der "harte Kern" der Mannschaft. Ich war immer gerne unter ihnen. Die Judokas, die in unserem Alter noch auf Wettkämpfe gingen, waren Einzelne, die sich auch nur selten unserem Training anschlossen. Meist, um uns Freizeitsportlern zu zeigen, was auf den Matten, draußen in Welt, gerade angesagt war.
Als ich in die Halle kam erkannte ich sofort einen dieser "Einzelkämpfer". Es war Steffen Lewandowsky. Ich mochte ihn nicht besonders, weil er seine Überlegenheit uns Breitensportler immer besonders spüren lies.
Man konnte im Judo eine kooperative oder die harte Linie kämpfen. Wenn er merkte, das jemand unsicher wurde, blühte er erst recht auf. Ich versuchte ihm einfach aus dem Weg zu gehen.
Es verlief erstmal alles wie gewohnt. Nach dem Abgrüßen machten wir uns warm, dann kamen die Fallübungen und dann begann das eigentliche Judotraining.
Der Trainer ließ uns paarweise Übungen zur Gürtelprüfung machen, ging von Paar zu Paar um Einzelheiten zu besprechen und Bewegungen zu zeigen. Steffen wurde zur Unterstützung des Trainers eingeteilt und gab seine Ratschläge zum Besten.
Wir machten erst Würfe aus dem Stand, dann Festhalter im Boden. Die Zeit verging sehr schnell. Ich war froh, das die ganze Zeit über keine Berührung mit Steffen hatte.
Jetzt waren es nur noch zehn Minuten bis Trainingsschluss.
Der Trainer meldete sich zu Wort:" Die letzten 10 Minuten, machen wir Randori (freie Übungskämpfe). Nach jedem Kampf bitte Partnerwechsel. Ha jime!(Aufforderung zum Kampfbegin)"
Ich hatte den ersten Kampf mit meinem Judopartner Kurt. Wir hatten den gleichen Gürtelrang und schon viele Prüfungen gemeinsam gemeistert. Jeder konnte dem anderen voll vertrauen, es machte mir sehr viel Spaß.
Wir begannen im Stand. Kurt hatte mich mit einem Fußfeger zu Fall gebracht und wollte mich gerade in einen Festhalter am Boden fixieren, doch es gelang mir mit viel Mühe mich seinem Griff zu entziehen und lag nun auf dem Bauch, die Arme angewinkelt und fest auf die Brust gepresst, die Beine gespreizt nutze ich den Augenblick zum Verschnaufen. Einzelne Sekunden, dann hatte sich Kurt schon wieder an mir zu schaffen gemacht. Er schaffte es mich auf den Rücken zu drehen, Festhalter mit Armhebel. Meine Befreiungsversuche blieben erfolglos, ich klopfte ab. Ich richtete mich auf und kniete nun auf der Matte und schnaufte heftig. Hui, war mir schwindelig. Dadurch, dass ich vor dem Training praktisch nichts zu mir genommen hatte, war es um meine Reserven garnicht gut bestellt.
Ich dankte Kurt für den Kampf mit einer Verbeugung und blieb weiter in der knienden Position, schloss die Augen und konzentrierte mich auf die Erschöpfung meines Körpers. Ich versuchte jede Sekunde bis zum nächsten Kampf zu nutzen, mich wieder aufzubauen. Da hörte ich auch schon die Stimme unseres Trainers:"Sore made, (Kampfende für alle), Partnerwechsel."
Ich kniete immer noch am Boden und hatte die Augen geschlossen, als jemand mit dem Finger auf meine linke Schulter tippte, um mich zum Kampf aufzufordern. Als ich die Augen öffnete stand er vor mir, Steffen Lewandowsky. Mit einer ihm eigenen Fingerbewegung und dem passenden selbstgefälligen Grinsen forderte er mich auf.
Ich bemühte mich um ein Pokerface und richtete mich auf. Er sollte auf keine Fall mitbekommen, wie sehr es mir missfiel, mit ihm zu kämpfen.
Gespannt warteten wir die Sekunden bis sich die anderen mit dem gewechselten Partner zusammen gefunden hatten und der Ruf vom Trainer kam: "Ha jime!"
Mit voller Wucht schnellten die Arme an meinen Oberkörper. Sekundenbruchteile später hatten seine Hände beide Revers meines Judogi fest im Griff. Ich wusste, das er mit einem Würger den Kampf beginnen würde und konnte gerade noch den Schlucker wegdrehen. Im nächsten Moment war meine Luftzufuhr schon abgeschnitten. Das war erstmal noch nicht bedrohlich, wenn es mir gelang seine Arme zu strecken und den Würger ein Stück weit zu entkräften. Alle Bemühungen meinerseits waren vergebens, er musste es gemerkt haben, aber löste den Griff nicht. Der Sauerstoff im Körper wurde spürbar knapp! Ich wollte gerade Abklopfen um den Kampf zu seinen Gunsten zu beenden, als er sich in einer schwungvollen Bewegung zum Wurf eindrehte. Dadurch wurde der Druck um meinen Hals noch größer. Er hob mich aus, meine Beine schleuderten durch die Luft. In diesem Sekundenbruchteilen bekam ich nur noch mit, wie meine Wahrnehmung Stück für Stück den Dienst quittierte.
Mich ergriff eine Panik, mir wurde heiß, dann hörte ich nichts mehr, plötzlich spürte ich den Druck um meinen Hals nicht; mehr in meinem geistigen Auge erschien ein helles Licht. Danach fühlte ich mich in angenehm warmer Umgebung. Dieser Zustand hielt nur sehr kurz an, dann kam die große Leere.
Nach dem harten unkoordierten Aufschlag meines Körpers wurde der Trainer auf unseren Kampf aufmerksam. Er sah Steffens Würgegriff und ihm war sofort klar, das hier etwas nicht stimmte. "Steffen lass ihn sofort los, merkst Du nicht das er bewusstlos ist?"
So könnte es gewesen sein. Ob meine Vermutung stimmte und was sich tatsächlich zutrug, "¦..
So, das war mal der Anfang. Ich hoffe, ich konnte so ein bisschen einen Spannungsbogen aufbauen.
Ich schreibe schon am nächsten Teil und bin natürlich auf Eure Meinungen gespannt
bis dahin