Der Thread ist als Frage formuliert. Meine Antwort darauf: ein entschiedenes JEIN!!!
Kann sich mal wieder nicht entscheiden, die Martina!? Medio tutissime ibis? Nichts davon. Warum? Es ist immer eine Frage des Einzelfalls und es können dabei mehrere Faktoren entscheidungsrelevant sein. Interessant wäre, zunächst möglichst alle Faktoren zusammenzutragen und diese dann in einer Matrix auf gegenseitige Wechselwirkungen zu bewerten, um sodann eine Bewertung zur Antwort auf die Frage des Threads zu erhalten.
Ich bin aber so ehrlich und gebe zu: Auch Martina unterliegt dem Gesetz der Trägheit.
Ein wesentlicher Faktor, der mir in tendenziell linksgerichteten Argumentationen häufig zu kurz zu kommen scheint, ist das Selbstbild des AN (Arbeitnehmer) in der betrieblichen Organisation des AG (Arbeitgeber) vor der naturgegebenen Tatsache, dass sämtliche funktionierende und erfolgreiche Prozesse und Strukturen die Summe fraktaler Einzelteile sind. Diese Tatsache kann gleich den Erkenntnissen aus der Bionik in der Praxis integriert werden und führt zu lebendigen Synapsen in einem Netzwerk, das deutlich produktiver ist als eine Organisation, die sich auf die Summe von Bipolaritäten beschränkt. In diesem Sinn halte ich es für gesund, wenn sich ein AN als fraktales Element im System seines AG verstehen kann und gleichermaßen für die Systemziele einsteht, aber eben als fraktaler Teil, der für diesen Teil Verantwortung trägt und rechtfertigt. Dass sich dieses AN-Selbst-Verständnis überall wiederspiegelt, würde ich nicht behaupten wollen. Es tritt in allen Ausprägungen 0 - 100% auf und trifft auf unterschiedlichste AG-Situationen. Schon der Einwand, die AG-Situation könne einem AN doch reichlich egal sein, denn der AG trage hierfür alleine die Verantwortung, greift i.d.R. zu kurz und bewirkt nur ein Beschneiden des Astes, auf dem man selber sitzt. Es gibt nunmal ein Lebensrisiko, auch wenn manche Sozialromantiker sich so verhalten, als sei es Sache des Staates, dieses Lebensrisiko auszuschalten. Es wird sich aber realisieren, zu 100%, früher oder später. Mit Umsicht und Selbstverantwortung gegenüber der individuellen Umwelt kann man darauf teilweise Einfluss nehmen.
Das ist aber lediglich mein Laienverständnis. Ich bin weder Arbeits- noch Wirtschaftswissenschaftler*in, sondern scheinbar „nur“ in ähnlicher Branche unterwegs wie Malvine, die also von Werkverträgen und Werkerfolgen bestimmt wird, zu deren Gelingen es eben auch eine Summe von Dienstverträgen braucht, über deren Auslegung es hier ja eigentlich geht.
Es kann auch die AG-Seite sehr unterschiedlich ausfallen. Das kann ein DAX-Konzern sein, ein familiengeführter großer Mittelständler, ein Kleinunternehmen, eine Anstalt öffentlichen Rechts oder ein staatliches Organ sein, eine Aktiengesellschaft, eine GmbH oder SE, eine KG, OHG oder manches mehr sein, mit oder ohne Gewinnerzielungsanspruch. Das können archaische und extrem auf Vertikalität ausgerichtete Führungsmentalitäten sein oder eine Kultur auf Augenhöhe mit maximaler Offenheit, Transparenz und flachesten Hierarchien nebst aller Zwischenstufen und Grautöne. Das können als Geschäftsmodelle zukunftsweisende gehypte Startups, etablierte zeitgemäße Technologien, regelrechte Dauerläufer (Typ: gestorben wird immer) oder Branchen auf dem absteigenden Ast sein. Schon allein die AG-Seite, mit der sich ein AN befassen muss oder sollte (schließlich macht man mit einem Arbeitsvertrag gemeinsame Sache), gestaltet sich extrem vielfältig.
Die Regel „pacta servanda sunt“ muss gleichwohl gelten und bewahrt werden, wobei eben einerseits das Äquivalenzprinzip, das jedem Vertrag zu Grunde liegen sollte, gewahrt bleiben muss und andererseits eine sinnvolle, diesem Äquivalenzgebot entsprechende Vertragsauslegung in gegenseitigem Einvernehmen gelebt werden sollte. Dabei muss doch klar sein: Das in einem Vertrag Geschriebene kann nie die Summe aller erdenklichen Lebensaspekte, die in der Ausfüllung des Vertrags Einfluss haben, vorhersehen und regeln. Eben deshalb erfolgt in Streitfällen seitens Anwälten und Gerichten eine Vertragsauslegung mit Interessenausgleich nach dem Äquivalenzprinzip - und auch da passieren Fehler. Wer Anspruch auf eine fehlerfreie Welt erhebt, der kann diese in Deutschland nicht finden, und ich wäre höchst interessiert zu erfahren, ob sie wo anders gefunden werden kann. Bekanntlich sterben Träume zuletzt.
Die Tatsache, dass Menschen Fehler machen, dürfte unbestritten sein, und sie dürfte unbestritten gleichermaßen für AG wie AN gelten. Fehler haben immer einen Impact, denn sie müssen, sofern sie überhaupt erkannt und reklamiert werden, beseitigt werden. Sowohl die Dimension eines Fehlers als auch dessen Lokalisation kann unterschiedlichste Konsequenzen bewirken. Fehlerkultur ist etwas, womit sich viele Menschen schwertun, insbesondere wenn es um die eigene Fehlerbilanz geht. Dabei sind es von oft bis immer die Fehler, die zum Scheitern eines Projekts, eines Arbeitsauftrags, eines Unternehmens, eines Konzerns, einer Nation, der Menschheit führen. Die Flughöhe der Betrachtung kann beliebig verändert werden - man wird immer fraktale Muster erkennen, das menschliche Muster.
Allen einen guten Start in die erste Arbeitswoche 2026!!! Im Freistaat Bayern hat das Trägheitsgesetz noch Oberhand, neben Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt, und ich unterliege diesem, wie eingangs erwähnt!
LG Martina