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Ja, Valérie, ich bin in der Westschweiz, mit der französischer Sprache, aufgewachsen, habe alle Schulen in Neuchâtel absolviert und in Lausanne studiert, dazu hat die Schweizer Klaviatur das "é".
Übrigens, meine jungere Tochter heisst Renée.
Bisous
Daniela
Ich will einfach der sein, der ich wirklich bin: ein Mann, der seine mittlerweile erkannte sehr bedeutende Weiblichkeit vertieft kennenlernen möchte.
Valerie Bellegarde hat geschrieben: So 21. Dez 2025, 16:23
dieses accent auf dem é
Hallo Valérie,
bei meiner deutschen Tastatur klappt das gut mit den beiden Tasten ´und dann e, also erst das einzelne Hochkomma und dann e drücken, vielleicht hilft es.
Frei wie ein Vogel buchte sie die nächstmögliche Verbindung nach Alice, als Startzeit war schon der nächste Tag angesetzt mit Abflugzeit 9.35 Uhr ab Melbourne airport, was bedeutete, sie würde schon um 7 Uhr aus den Federn müssen und an ein richtiges Frühstück im Hotel war dann wohl nicht mehr zu denken.
Sie verbrachte den letzten Tag in der Hauptstadt Victorias mit shopping und sightseeing, was will man mehr wenn man allein ist und ohne Bindungen. Am Nachmittag meldete sich tatsächlich noch einmal Klaus Baumeister am Telefon des Hotels, sie akzeptierte seine Entschuldigungen, aber sie merkte, die Spannung war raus und wohl auch ihr Interesse an diesem Mann. Dennoch tauschte man die Handynummern mit dem unverbindlichen Versprechen, sich gelegentlich mal wieder treffen zu wollen, aber beide vermieden es, hier konkret zu werden. See you later alligator … after a while, crocodile… So macht man das in Australien.
Der Flug nach Alice Springs war sehr interessant und die Aussicht abwechslungsreich, man flog nicht höher als 5000 Meter, sie konnte die Landschaften unter sich ziemlich gut erkennen, das australische outback, das ist nichts anderes als trockene Wüste, roter Sand, wildes Buschland mit ab und zu einem größeren weißen Fleck darin, das ist dann vielleicht ein ausgetrockneter Salzsee. Von menschlichen Ansiedlungen oder Straßen war faktisch nichts zu erkennen.
Alice Springs liegt mitten drin im australischen outback, die Kleinstadt soll etwa 20 Tausend Einwohner haben, man fliegt etwa 2 Stunden von der Südküste aus und landet mitten im Nirgendwo in einer Region, die Northern Territory genannt wird, also Nordgebiet. Wenn wir Europäer uns vom Süden kommend nach Norden begeben, nehmen wir warmes Unterzeug und mindestens einen Pullover mit weil wir denken, dort ist es kalt und wir brauchen mindestens so was wie eine Jacke am Zielort. In Australien ist es umgekehrt, je weiter nördlich du kommst, desto näher kommst du dem Äquator und desto mehr knallt die Sonne herunter, also den Pulli kannst du dann im Koffer lassen, nicht aber den Hut und die Sonnenbrille.
Wieder einmal bewährte sich Valeries Grundsatz, immer mit möglichst kleinem Gepäck zu reisen, denn hier in Alice würde sie außer leichten Sneakers , dann vielleicht ein oder zwei Shorts und ein paar T- shirts nichts zum Anziehen brauchen, ganz und gar vergessen konnte sie dagegen ihre europäischen City-Klamotten, Kleid, Rock und hochhackige Schuhe, das alles ließ sie ganz unten im Koffer verstaut, so etwas konnte sie nicht tragen hier draußen im outback, das war hier im outback komplett unnötig. Stattdessen besorgte sie sich leichte Wanderstiefel und wollene Socken, am Ayers Rock würde sie das brauchen.
Ihr neuer Mietwagen war ein Landcruiser von Toyota, ein Rechtslenker, die Fahrerin saß also ebenfalls rechts, was bedeutete, dass Bedienungshebel wie Blinker und Scheibenwischer, die du sonst mit der linken Hand bedienst waren bei diesem Auto rechtshändig zu bedienen was anfänglich zu Verwechslungen führte. Aber glücklicherweise war kaum Verkehr in der Stadt, sodass sie unfallfrei im Outback Pioneer ankam, so hieß ihr Hotel. Dieses hatte mehr den Charakter einer Jugendherberge, alles sehr einfach und rustikal wie alles hier im outback, der Frühstücksraum war dreckig und unaufgeräumt, ihr Zimmer war vollgestellt mit einem französischen Bett und mehreren Stockbetten und bot wohl Raum für ganze Wandergruppen. Das Wasser im swimming pool hinter dem Haus war brühwarm und voller Chlor, so dass Valerie darauf verzichtete und sich auf ihr klimatisiertes Zimmer zurückzog.
Die nächsten Tage verbrachte sie damit, die Stadt zu erkunden, Todd Street, ANZAC Hill mit dem unvermeidlichen Kriegsdenkmal, sie besuchte sie die alte Telegrafenstation und die Quelle, die der Stadt Alice Springs ihren Namen gibt, diese Quelle lag mitten in einem ausgetrockneten Fluss, der Todd River hieß und wohl nur in der Regenzeit Wasser führt. Überhaupt diese unerträgliche Hitze hier im outback! Schon am Vormittag bewegte sich die Temperatur auf die vierzig Grad und man fragte sich, wie die ersten Pioniere es früher hier aushalten konnten, als sie damals dieses ausgetrocknete Land besiedelten, mit nichts als ihren Händen, denn klimatisierte Häuser oder Autos gab es damals noch nicht.
Auf Hitze kann man reagieren, Valerie vermied es also so gut es ging, sich der sengenden Mittagssonne auszusetzen, sie beschaffte sich viel Sonnenschutzmittel, einen breitkrempigen Hut, der von einem mit Fliegennetz umhüllt war und eine verspiegelte Ray Ban -Sonnenbrille, mit der sie aussah wie Crocodile Dundee. In den nächsten Tagen würde sie Flynns Grab besuchen.
Flynn ist der Mann, der früher mal die Flying doctors gegründet hat. Ihr braucht also keine Sorge zu haben, niemand ist gestorben.
John Flynn, ein junger Engländer und Geistlicher der presbyterianischen Kirche, sah zu Beginn des 20. Jahrhunderts anders als viele andere australische Pfarrer seine Hauptaufgabe nicht in der Inneren Mission, also nicht in der Bekehrung von sogenannten Ungläubigen (so hat man die aboriginal people damals genannt), sondern er kümmerte sich hauptsächlich um die weißen Pioniere und Siedler, die außerhalb der Städte draußen im outback wohnten und dort ihre Farmen betrieben. Das Leben dieser ersten Siedler draußen in der Wildnis war oft sehr hart und primitiv, die Menschen lebten in einfachsten Verhältnissen, ohne Licht, ohne Strom, oft auch ohne Recht und Gesetz, und der nächste Arzt war oft meilenweit entfernt.
Hier kommt John Flynn ins Spiel. John war nicht nur ein Pfarrer und Menschenfreund, sondern vor allem auch auch ein enorm praktischer Mensch, ein Macher, der dort eingriff, wo etwas fehlte. Da Ärzte im outback dringend fehlten und man sich diese draußen in der Wildnis auch nicht schnitzen konnte, kam Flynn auf die Idee, Flugzeuge einzusetzen, um die weiten Strecken schnell zu überbrücken und Arzt und Patient zusammenzubringen. Der erste Weltkrieg war gerade vorbei, es gab genügend arbeitssuchende Piloten, und zusammen mit einem Kumpel erwarben sie einige ausgemusterte Doppeldecker aus Armeebeständen und gründeten damit die Flying doctors, später umbenannt in Royal Flying Doctors System, RFDS, mit Zentrale in Alice Springs.
Man kann als Tourist diese erste RFDS Zentrale in Alice besuchen, sie liegt mitten im Wohngebiet und ist heute ein Museum. Valerie war an diesem Morgen der erste und einzige Museumsgast, also bekam sie eine Privatführung, sah die alten Geräte zum Morsen, ein einfacher Tisch mit einer Pedalerie im Fußbereich, wo der Strom erzeugt wurde. Später wurde dann der Sprechfunk erfunden, was die Kommunikation zwischen den Farmen und der Zentrale natürlich vereinfachte. Heute betreuen die doctors von Alice Springs aus ein Gebiet so groß wie England, und man fliegt heute keine Doppeldecker mehr, sondern supermoderne Pilatus-Flugzeuge, ein schweizerisches Fabrikat.
Die Entfernungen in Australien sind aber so unvorstellbar groß, dass die Fliegenden Ärzte im outback oft das einzige funktionierende Glied im staatlichen Gesundheitssystem sind. Im Übrigen, so erklärte man ihr, sei der Begriff Flying doctors heute eigentlich nicht mehr korrekt, denn nur in der Anfangszeit seien die Ärzte selber geflogen, die heutige Flugzeugtechnik lasse das nicht mehr zu. Also besteht so ein Team immer aus mindestens zwei Leuten, einer pilotiert und ein zweiter, der die Diagnose stellt und den Verletzten hilft. Gelandet werde allerdings nicht auf asphaltierten Flughafenpisten, no madam, hier draußen im outback hat fast jede Farm ein eigenes simples Rollfeld, das sind also nichts anderes als staubige rote Sandpisten. Ein wenig Mut oder den alten Pioniergeist braucht man also schon, um hier zu fliegen und zu landen.
Überhaupt scheint hier draußen fast jeder einen Flugschein zu besitzen und einmotorig oder zweimotorig in der Luft herum zu gurken. In den 50er Jahren, so lernte sie, habe der RFDS die sogenannte School of the Air gegründet. Das funktioniert so: Die Schüler kommen nicht zu einer zentralen Schule, sondern bleiben dezentral auf ihren Farmen, sie bekommen alle 14 Tage entsprechendes Lernmaterial per Flugzeug zugestellt, müssen sich aber täglich zu festen Zeiten in der Zentrale melden, erhalten ihren Unterricht also über Sprechfunk. Heute, im Zeitalter des Internets, findet der Unterricht wahrscheinlich primär am Bildschirm statt.
Andere Länder, andere Sitten, wer sich darüber mokiert oder auch nur wundert, der darf keine solchen Reisen machen. Ob John Flynn, der inzwischen ja schon längst verstorben ist, die von ihm gegründete RFDS Organisation heute wiedererkennen würde, käme er je zur Erde zurück? Valerie war ein wenig nachdenklich, als sie vor dem runden Denkstein am Larapinta Drive stand, der an ihn und sein philanthropisches Werk erinnern soll. Wenn guter Wille und gute Technik zusammenkommen, so heißt es dort in etwa, kann auch draußen in der öden Wildnis Gutes entstehen und wachsen.