Mörder in Frauenkleidern
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Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
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Noa
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Mörder in Frauenkleidern

Post 1 im Thema

Beitrag von Noa »

Spoilerwarnung: In diesem Beitrag werden ein paar Bücher/Filme gespoilert. Ich gehe aber davon aus, dass sie ohnehin so bekannt sind, dass das kein Problem ist. (Psycho, Schweigen der Lämmer)

Hab gerade einen 30 Jahre alten Krimi von Val McDermid gelesen: Das Lied der Sirenen (The Mermaids Singing). McDermid hat sehr sehr viel geschrieben. Dieses Buch ist eins ihrer bekanntesten und erfolgreichsten. Sie hat dafür damals den Gold Dagger bekommen, den wichtigsten britischen Krimi-Literaturpreis.

In dem Buch werden jede Menge schwer erträgliche Folterszenen geschildert. Also nicht BDSM-Spiele, sondern völlig kranker Sadismus. Ich hab irgendwann die besonders ekligen Kapitel ausgelassen. Richtig genervt war ich dann gegen Ende. Nicht wegen der Folterszenen, sondern wegen der Enthüllung, auf die das Ganze zusteuert. Der Serienmörder und Foltermeister, von dem alle ganz selbstverständlich annehmen, dass es ein Mann sei, entpuppt sich als Frau, aber eben keine richtige Frau, sondern eine Transsexuelle.

Keine Ahnung, ob McDermid das heute noch so schreiben würde; wohl eher nicht. Sie dürfte eine der bekanntesten lesbischen Stimmen in GB sein, und ihr feministischer Background ist eigentlich der Hauptgrund, warum ich in letzter Zeit drei Romane von ihr gelesen habe. Soweit ich es herausfinden konnte, tritt sie aber auch für Transgender-Rechte ein. Vielleicht ist ihr heute sogar peinlich, was sie damals geschrieben hat. Aber das weiß ich nicht.

Die Darstellung einer trans Frau als perverse Killerin wäre an sich kein Problem. Literatur darf das selbstverständlich. Das Problem ist, dass es sich 1995 bereits um ein gut etabliertes Stereotyp handelt. McDermids Publikum hatte wahrscheinlich Das Schweigen der Lämmer gelesen (oder eher gesehen) (irgendwo im Buch wird auch drauf angespielt), und Psycho war ja nun auch ein Klassiker. Mörder in Frauenkleidern halt. Nein, Norman Bates (der Mörder in Psycho) ist nicht transsexuell, sondern leidet unter einer Art Spaltung (also wie Jekyll und Hyde), aber für das Stereotyp spielt das keine Rolle. Ein Mann in Frauenkleidern, der völlig irre ist und Leute umbringt. So einfach ist das.

Im Netz findet sich zu dem Thema dies und jenes (könnte aber gern mehr sein). Ich verlinke hier mal einen kurzen Videozusammenschnitt mit crossdressing serial killers. https://criticalmediaproject.org/transg ... l-killers/

Und einen lesenswerten Artikel: Mörderische Transfeindlichkeit von Elea Brandt. Vielleicht interessiert es irgendwen.
https://eleabrandt.de/2021/04/08/transf ... ve-krimis/
Jaddy
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Re: Mörder in Frauenkleidern

Post 2 im Thema

Beitrag von Jaddy »

In "Disclosure" wird dieses Stereotyp auch thematisiert; "Disclosure: Hollywoods Bild von Transgender".
Der Film lohnt sich (im Zweifel bei mir auf Platte (en)).
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