Hallo ihr Lieben,
höchste Zeit, mal wieder was zu meinen Höhenflugen zu schreiben, zumal gerade etwas Zeit und Anlass dafür ist. Doch Vorsicht, es hat sich einiges angestaut und es könnte somit länger werden.
Im aktuellen Urlaub haben wir nämlich die Handbremse gezogen und sind auf einem Campingplatz in der litauischen Pampa gelandet, in einer Schleife des Nemunas, früher Memel. Keine Hektik, kein Besichtigen, kein Shopping, obwohl Ohrringe aus Handarbeit und hiesiger Honig gehen immer.
Die Tage davor waren wieder pickepacke voll gestopft. Sowohl der Tag in Pärnu (Estland) ...
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und die zwei Tage in Riga waren bestimmt von Pflastertreten, schöne Läden anschauen, Stadt atmen, Kaffeetrinken und Radfahren in letzterer Stadt (fast) ohne Radwege aber großen Entfernungen und fieses Kopfsteinpflaster auf den Straßen. Also musste der Gehweg herhalten, andere machen's auch so. Zu Beginn besuchten wir in Riga die Markthallen, wo auch die ortsansässige Bevölkerung einkauft. Da waren gleich mal fünf Pfund feinster Honig aus dem Hinterland von einer netten Imkerin für echt kleines Geld fällig, den ich dann den ganzen Tag durch die Stadt schleppen durfte.
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Bei Swarowski habe ich letztes Jahr eine schöne Halskette mit blauem Anhänger gekauft und mir dieses Jahr den passenden Ring gegönnt. Ansonsten sind halt noch einige Kleidungsstücke dazugekommen, Schuhe waren mal nicht dabei, der Platz im Auto wird auch langsam knapp. Das ist aber auch der stattlichen Anzahl an Flaschen mit den herrlich süffigen hiesigen Bieren geschuldet, denn der Urlaub soll auch daheim noch nachschmecken.
Gestern hatte ich einen halboffiziellen Termin bei einem Flugzeughersteller in Litauen und somit ein kleines Kleidungsproblem, da keine Männerklamotten an Bord. Schließlich fand sich eine leichte Stoffhose und ein androgynes T-Shirt im Fundus, beide noch nicht verdreckelt oder verschwitzt. Ach ja, seit gestern ist der Sommer in Litauen zurück mit 23-26°! Endlich wieder Sandalen und keine Strumpfhosen oder Leggings mehr.
Unser bisher längster gemeinsamer Urlaub überhaupt ist natürlich geprägt von Alicia.
Es ist ein Urlaub mit der besten Freundin und Partnerin in einer Person. Die eine liefert stilsichere und wunderbare Beratung bei der Auswahl des Tagesoutfits. Dabei setze ich die Richtung, worauf ich aktuell Lust habe. Die Details kommen dann von ihr, bis hin zu den Tipps zum Schmuck. Die andere ist die liebe und vertraute Begleitung, wobei wir uns kongenial ergänzen und ähnliche Interessen haben, mittlerweile sogar das Shoppen, da ist sie wieder beides.
Im Gegensatz zu den Urlauben vor zwei Jahren und vorher merke ich den deutlichen Mehraufwand, um als Frau gut aussehend zu reisen. Die Vorbereitungszeit bis es schließlich losgeht ist erheblich lânger als im MM. Dabei lege ich nicht einmal Wert auf ein tolles Passing, was letztlich eh nicht erreichbar ist. Da habe ich jenen Punkt übersprungen, den Wally so schön beschrieben hat (Was ich niemals machen würde..., Post 39) und der bei ihr Jahrzehnte dauerte.
Die Initialzündung dafür lieferte Anfang des Jahres bei einem Ausflug in einer Nachbarstadt ein Sandler (bei uns ein meist obdachloser Mitbürger , der gewöhnlich gut Allohol gefrühstückt hat) mit seiner ehrlichen Bemerkung gerade raus: "Oh, ein Mann, aber ein schöner", und das trotz Perücke und Makeup. Folglich ist der Mann nur sehr schwierig zu tarnen.
Also geht's raus mit Männerkopf und abgedeckter Stirn, wie ihr auf den vielen Bildern immer wieder sehen könnt. Augen- und Ohren-abwärts wird's dann absolut weiblich, wobei auch das Makeup im Gesicht, aber nicht an den Augen, eingespart wird. Die Kosmetikerin bei der Gala verbrachte die meiste Zeit damit, die passende Foundation für meine wohlgebräunte Haut zu finden. Sie meinte am Ende, dass an meinem Teint wohl wenig zu verbessern sei. (freu)
Interessant ist es immer wieder, in die Augen der Passanten zu schauen. In Helsinki und Tallinn ist meine Erscheinung keine Aufregung wert., außer bei manchen Touristen. Je südlicher wir kommen, desto fragender werden die Blicke und desto länger dauert das Hinsehen, incl. Kopf nachdrehen. Ich drehe neugierigerweise ja auch und will sehen. Hier in Litauen (katholisch geprägt), ist manchmal ein gewisses Unverständnis spürbar. So habe ich heute im Kurpark zwei Damen beobachtet, die, nachdem ich vorbeigegangen war, sich seeehr aufgeregt unterhalten haben und den Blick nicht von mir abwandten. Ich kann kein litauisch und somit ist es mir egal.
Auch sonst gibt es keine Kommentare wenn ich wie selbstverständlich aufs D-WC gehe. Nur einmal hat bei uns daheim eine Frau mit Kind (enges Kopftuch, bodenlanger Mantel) verdruckst gesagt: "Hier nur Frauen". Anderer Kulturkreis, andere Auffassung. In Deutschland gilt nun Mal in der Öffentlichkeit die liberale Auffassung, also meine. Hier im Baltikum sind die meisten Toiletten eh unisex, und da mault dann auch niemand.
Jetzt ist es doch wieder ganz schön viel Text geworden, aber der musste mal raus. Urlaub halt. Es ist wunderbar, solche Erfahrungen und Gedanken hier teilen zu können.
Sveikinimai is Lietuvos ir labanakt , Alicia.
oder auch liebe Grüße aus Litauen und gute Nacht.

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(Frei nach Otto Lilienthal)