Lana hat geschrieben: So 2. Nov 2025, 00:48
Dass viele der Missverständnisse von unklaren Begriffen kommen haben wir ja schon öfter festgestellt. Daran hat auch die transaktivistische Seite ihren Anteil, die unbedingt den Begriff Geschlecht in seiner Bedeutung ändern wollte.
Es hätte meiner Meinung nach genügt, diesen Begriff unverändert zu verwenden und einen neuen Begriff, z.B. Geschlechtsidentität oder Gender, einzuführen. War aber irgendwie nicht gewollt, und nun streitet man ständig um des Kaisers Bart und wirft der anderen Seite unlauteteres Vorgehen vor.
Nun gut, kann man so machen. Die unbeteiligte Mehrheitsbevölkerung quittiert das im besten Fall mit einem Kopfschütteln, im schlechteren Fall mit Ablehnung der ganzen Transthematik.
Da stehen wir wir heute, und du kommst mit so Späßen wie
menstruierende Personen daher. Das ist doch genau so sinnlos, wie das, was du in Punkt 4 ausführst. Zudem ist es nicht deckungsgleich. Was ist mit den cis Frauen jenseits der Menopause? Wie bezeichnest du die dann korrekt? Was ist mit den Frauen, die gerade nicht ihre Tage haben?
Ich vermute, dass Du Dich auf meinen Beitrag beziehst, deshalb antworte ich mal.
Auch hier sehe ich etliche Missverständnisse und Probleme mit Begrifflichkeiten und Mehrdeutigkeiten von Wörtern in unterschiedlichen Umgebungen.
Es gibt ja die Wörter Gender, Geschlechtsidentität und etliche mehr. Leider werden sie, genau wie viele andere Wörter häufig nicht trennscharf verwendet. Schon weil nicht alle Menschen sich mit den Nuancen beschäftigen wollen. Sowohl auf der sendenden wie auf der empfangenden Seite.
Ich denke zB an Artikel oder Medienbeiträge, wo Menschen mit dem SBGG "ihr Geschlecht ändern können". Wo soziale, juristische und medizinische Transition munter vermischt werden, usw. Auf keiner "Seite" wird die Terminologie wirklich sauber verwendet. Nicht zuletzt werden auch von einigen bewusst Mehrdeutigkeiten verwendet, um Empörung zu erzeugen. Selbst wenn man einigen blosse Unkenntnis zugute halten kann.
Wie Du selbst schreibst, gehen diese Details an der "unbeteiligten Mehrheitsbevölkerung" ziemlich vorbei.
Auch gerade die präzisere Sprache, die sich um Genauigkeit und Inklusivität bemüht, wie bei den "menstruierenden Personen". Kurze Erinnerung: J.K.Rowlings anti-trans Rants starteten mit einem Kommentar zu einer Meldung, dass eine UN-Hilfsorganisation jetzt Produkte für menstruierende Personen verteilen würde. Sie sagte ungefähr das gleiche; dass "Frauen" doch ausreiche, bzw durch solche Bezeichnungen unsichtbar gemacht würden.
Naja, genau genommen eben nicht, weil der Effekt in der Praxis ist, dass sich Leute zB in den "Herren-Toiletten" fragen, was die Tamponspender da sollen - sofern die Toiletten-Betreibenden überhaupt auf die Idee gekommen sind, dort welche aufzustellen.
Der Begriff "Frau" trifft nämlich hier nicht genau die Zielgruppe. Es gibt menstruierende trans Männer und nichtbinäre Personen, die aufgrund ihres sozialen Passings und Genders die "Herren-Toiletten" benutzen. Zum Beispiel weil sie "bei den Damen" Aufruhr wegen ihres Äusseren erzeugen würden.
Und "was ist mit den cis Frauen jenseits der Menopause" und "Frauen, die gerade nicht ihre Tage haben"? Ja genau: Die sind tatsächlich nicht die Zielgruppe, weil sie (zumindest genau dann) keine Menstruationsprodukte brauchen. Ebenso wie trans Frauen.
Menstruationsprodukte sind für menstruierende Personen. Eine Teilmenge davon sind viele - nicht alle - Frauen und einige nicht-Frauen.
Insofern weiss ich jetzt nicht, was Du genau willst: Die unscharfen "Altbegriffe" wie "Geschlecht" und "Frauen" oder die präzisen wie "Gender" und "Menstruierende". Bei den einen laufen wir ständig auf Missverständnisse, bei den anderen müssen wir alle sehr sorgfältig sein.
Scheint mir nicht so einfach lösbar, ausser mit einer gehörigen Portion Wohlwollen und Zugewandtheit auf allen Seiten.
Lana hat geschrieben: So 2. Nov 2025, 00:48
Es hätte genügt, den Begriff Frau bei seiner alten Bedeutung zu belassen. Der Mehrheit deutet und verwendet ihn im Sinne der Fortpflanzungsbiologie. Das sind trans Frauen nun mal nicht dabei. [...]
Geh raus an deine Backtheke und frag dort beliebige Leute. Da wirst du kaum jemanden finden, der die vor ihm wartende Person als "menstruierende Person" bezeichnen würde.
Ich verwende die Backtheke so gerne, weil es bei dem ganzen Genderkram im Alltag meiner Erfahrung nach hauptsächlich darum geht, wie Menschen in Situationen wie an der Backtheke nach Augenschein geschlechtlich einsortiert und behandelt werden. Das erzeugt unsere unmittelbare Gender-Realität und wenn es nicht zu uns passt auch den Hauptteil des Stresses mit dem ganzen Thema.
Die "Fortpflanzungsbiologie"
vermuten wir nur. Und im Falle von trans Personen mit gutem Passing vermuten wir falsch, ohne es - in der Regel - je zu erfahren. Ich habe letztens Menschen Videos von Nyke Slawik gezeigt. Das Erstaunen war groß, als ich sagte, dass sie trans ist.
Wenn ich also "an der Backtheke" fragen würde, ob die Person, die sie als weiblich deuten, wohl gelegentlich menstruiert, würden die meisten dies im Fall Nyke Slawik vermutlich bejahen.
Der Knackpunkt ist, dass wir im Alltag ständig Äusserlichkeiten sehen und unerlaubt Gender UND Geschlecht annehmen. Pronomen, Anreden, Verhaltensmuster, aber auch Genitalien. Alles ein grosser Mischmasch.
Zum Thema cis und trans. Mal ausgehend von ganz normalen Alltagsdingen, keine Genitalien, kein Sex, keine Fortpflanzung. Also zum Beispiel in den Öffis fahren, in einem Laden etwas kaufen, im Büro arbeiten, die Kinder von der Schule holen, die Yogastunde, der Lesekreis, das Abendessen mit Freunden; sowas. Was genau bedeutet "Frau" und welchen Unterschied macht cis vs trans - vor allem wenn Du es gar nicht weisst, sondern auf Deine Deutung "an der Backtheke" vertraust?
Im Alltag gilt: "Frau" ist, wer als Frau gedeutet wird.
Ich kenne keine trans Person, die Unterschiede zwischen cis und trans verleugnen würde. Im Gegenteil verwenden wir ja gerade cis und trans, um genau zu benennen, worum es genau geht,
wenn es darum geht. Die Frage ist, ob und welche Unterschiede wo tatsächlich eine Rolle spielen und was einfach nur Vorurteile ohne praktische Relevanz sind.
Das einzige Problem entsteht doch, wenn trans Personen ihr Gender - ihre Selbstaussage - nicht "geglaubt" wird. Weil sie nicht perfekt "weiblich" oder "männlich" aussehen, oder weil man weiss, dass sie trans sind.
Mit anderen Worten, wenn "die Fortpflanzungsbiologie" an die Backtheke gebracht wird, mindestens im eigenen Hirn.
Die Sache ist die, geringfügig vereinfacht: In allen wesentlichen Belangen im Alltag - siehe oben - sieht sich ein trans Mann als Mann. Fühlt sich als Mann, möchte Mann sein, wie Mann behandelt werden - was immer "Mann" eigentlich heisst. Das Fass mache ich hier aber nicht auf. Trans Frauen analog "als Frau".
Der Konflikt besteht zwischen Selbstbestimmung und Fremdbestimmung. Prinziell nicht zu unterscheiden vom Sexismus früherer Jahrzehnte, der Frauen alles mögliche abgesprochen hat. Vom reiten, rad- und autofahren über diverse Berufe bis zur Fähigkeit zu rationalem Denken generell. Auch da mit "medizinischen" Begründungen.
Ich nutze daher mal Deinen Absatz oben und tausche nur drei Wörter:
"Wenn man darauf beharrt, dass es zwischen Männern und Frauen keine Unterschiede gibt, wird man unglaubwürdig. Weil diese Unterschiede nun mal da sind. Daher kommt der Widerstand. Ihn wegdiskutieren zu wollen ist letztlich zum Scheitern verurteilt. Dazu sind die gesellschaftlichen Beharrungskräfte zu groß. Oder anders ausgedrückt:
Eine konservative Grundhaltung ist zu weit verbreitet, so dass von außen erzwungene Umdeutungen zentraler gesellschaftlicher Konzepte von der Mehrheit nicht akzeptiert werden. Egal, ob sie richtig sind oder nicht."
Wie gesagt: Klar gibt es Unterschiede. Mein Argument ist, dass die im Alltag keine Rolle spielen, wenn wir sie sie nicht künstlich wichtig machen, sondern wohlwollend und akzeptierend miteinander umgehen.
So kommen wir meines Erachtens aus dem Dilemma.