AfD: Keine Gendersprache in Bundestagsdrucksachen | Bundestag
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Anne-Mette
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AfD: Keine Gendersprache in Bundestagsdrucksachen | Bundestag

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung/Antrag

Die AfD-Fraktion will in der Geschäftsordnung des Bundestages festschreiben, dass Drucksachen, vor allem Gesetzentwürfe und Anträge, die im Plenum oder Ausschüssen behandelt werden, in „klarer, verständlicher Schreibweise“ verfasst werden müssen. Die „sogenannte Gendersprache“ und damit vor allem Sternchen, Doppelpunkte und Binnen-I, sollen nicht zur Anwendung kommen, heißt es in ihrem Antrag (21/1559), der am Freitag im Plenum beraten wird.

Zur Begründung heißt es, durch sprachliche Eingriffe würden Texte unverständlicher, jedoch nicht gerechter. Gendern genieße in der Gesellschaft keinen Rückhalt und werde sogar von der Mehrheit der Frauen abgelehnt. Sowohl der Rechtschreibrat als auch die Gesellschaft für deutsche Sprache hätten sich von der Nutzung dieser Sonderzeichen innerhalb von Wörtern distanziert, schreiben die Abgeordneten.
Jaddy
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Re: AfD: Keine Gendersprache in Bundestagsdrucksachen | Bundestag

Post 2 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Der spannende Aspekt daran wird sein, wie sich die CxU dazu verhalten wird...

Lustig ist mal wieder die (kontrafaktische) Behauptung zum "generischen Maskulinum". Das gibt es nämlich grammatisch gar nicht (weil Semantik/Linguistik). Es ist eine reine Fiktion bzw Behauptung durch Gewohnheit. Schreibende/Sprechende mögen sich einbilden, alle zu meinen/anzusprechen. Nachweislich kommt das aber gerade bei nicht-männlichen auf der Empfangsseite nicht so an. Den Absatz müssen sie auch irgendwo abgeschrieben haben, denn der stand quasi wortgleich in einem CDU-geführten Antrag einer hiesigen Gemeinde.

Da der Antrag die Gesellschaft für deutsche Sprache anführt (deren diesbezüglicher Artikel allerdings mindestens für amtliche/offizielle Texte nicht mehr verfassungskonform und auch sonst nicht mehr gesellschaftlich auf der Höhe ist...), hier deren Ansicht dazu:
Wie bei allen Themen, die die Gesellschaft betreffen, sind auch bei der geschlechtergerechten Sprache die Meinungen kontrovers. Noch immer halten viele am generischen Maskulinum fest und argumentieren damit, dass es sich einerseits auf beide Geschlechter beziehe, andererseits Genus nichts mit Sexus, das grammatische also nichts mit dem natürlichen Geschlecht zu tun habe.

Speziell letzterer Ansicht schließt sich die Gesellschaft für deutsche Sprache nicht an. So gibt es zum Beispiel durchaus Fälle, in denen das natürliche Geschlecht sprachlich ausschließlich durch das Genus festgestellt werden kann (der Berechtigte vs. die Berechtigte). Es gilt als erwiesen, dass Sprache die Wahrnehmung lenkt, so dass es notwendig ist, sprachliche Gleichberechtigung umzusetzen, um die im Grundgesetz verankerte gesellschaftliche Gleichbehandlung von Männern und Frauen zu stützen. Beispielsweise benötigen einer Studie zufolge Frauen im Vergleich zu Männern mehr Zeit, um einen Text zu verstehen, in dem das generische Maskulinum verwendet wurde, denn sie müssen stets – auch unbewusst – am Kontext überprüfen, ob sie tatsächlich mitgemeint oder im Einzelfall nur Männer angesprochen sind. Neue Mittel sind nötig. (Vgl. hierzu auch Diewald/Steinhauer 2017: 28 f., 107 f.; Lobin/Nübling 2018; Nübling 2018.)
Doppelnennungen lässt der Antrag auch weg, obwohl es die verbreitetste Form von "gendern" ist - nur eben mindestens im staatlichen Bereich nicht mehr (verfassungsrechtlich) hinreichend. Nichtbinäre Menschen sind als Geschlechtsvariante neben weiblich und männlich seit 2013 in D staatlich anerkannt und demzufolge gleichwertig zu behandeln (Art.3(3)). Doppelnennungen tun das genausowenig wie rein maskuline Formen.
Anne-Mette
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Re: AfD: Keine Gendersprache in Bundestagsdrucksachen | Bundestag

Post 3 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Jaddy hat geschrieben: Do 11. Sep 2025, 12:58 Der spannende Aspekt daran wird sein, wie sich die CxU dazu verhalten wird...
Genau das habe ich auch gedacht (smili)
Michi
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Re: AfD: Keine Gendersprache in Bundestagsdrucksachen | Bundestag

Post 4 im Thema

Beitrag von Michi »

in „klarer, verständlicher Schreibweise“ verfasst werden müssen.
Man weiß ja, was die unter „klarrrerrr, verrrständlicherrr Schrrrrrraibwaise“ verstehen. (zeitung)
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
Jaddy
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Re: AfD: Keine Gendersprache in Bundestagsdrucksachen | Bundestag

Post 5 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Tja, an die Ausschüsse überwiesen, ohne dass dieser Antrag (von 10 alleine von den gesichert rechtsextremistischen) überhaupt zur Sprache gekommen wäre.
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