Wandlungsprozess
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Franzi42
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Wandlungsprozess

Post 1 im Thema

Beitrag von Franzi42 »

Hallo in die Runde,

ermutigt durch eure positiven Rückmeldungen möchte ich ein bisschen mehr erzählen, was mich bewegt.

Die letzten knapp vier Wochen war ich bei einer Gemeinschaft, die immer wieder Menschen auf Zeit aufnimmt und sie in deren Wandlungsprozessen unterstützt.
Ein Grund für mich waren Depression, Burnout und Sinnfragen, aber auch meine Einstellung zum Crossdressing.

Es gab jeden Tag eine Sharing-Runde. Das Prinzip dabei ist, dass jeder Mensch erzählt, was in ihm gerade lebendig ist, also was gerade für Körperempfindungen da sind, was der Kopf gerade so denkt, welche Gefühle auftauchen. Die anderen hören zugewandt zu, unterbrechen nicht, stellen keine Fragen. Daraus entwickelt sich mit der Zeit ein Vertrauen in sich und die Welt. Der psychologisch/spirituelle Unterbau geht davon aus, dass wir alle in starken Projektionen stecken, die uns im Kontakt mit unseren Mitmenschen das Leben schwer machen. Dazu die Erkenntnis, dass wir meistens in der Zukunft oder Vergangenheit denken und selten wirklich präsent sind.
Naja, so ganz verständlich habe ich das wohl nicht beschrieben. Wer mag, kann mal "Ehrliches Mitteilen" nach Gopal Norbert Klein suchen, das ist so ähnlich.

Auf jeden Fall konnte ich dort über meine Scham, das Gefühl nicht richtig zu sein, etc. sprechen. Ich habe erkannt, wie stark ich feststecke in alten Mustern, Konditionierungen, vermeintlichen Erwartungen anderer. Das hat einiges gelöst.

Das Crossdressing sehe ich jetzt als Ausdruck meiner Aufrichtigkeit mir selbst gegenüber. Zu lange wollte ich nicht wahrhaben und habe unterdrückt, was die ganze Zeit schon da war.
Irgendwie fühle ich mich echter, lebendiger, vollständiger im Rock.

Liebe Grüße
Lillie
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Re: Wandlungsprozess

Post 2 im Thema

Beitrag von Lillie »

Hallo Franzi42,
Es war bei mir auch erst einmal erschreckend als ich vor ein paar Jahren meine Neigung zu Damenwäsche und dann zu Damenkleidung entdeckt habe. Anfangs heimlich dann habe ich mich meiner Frau gegenüber geoutet. Irgendwie habe ich festgestellt, dass es schön und aufregend ist, auch eine weibliche Persönlichkeit zu haben. Auch wenn ich Mann bin und bleibe. Ich wünsche Dir auch die Freude am Crossdressen und möglichst wenig innere Barrieren.
Liebe Grüße
Lillie
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Re: Wandlungsprozess

Post 3 im Thema

Beitrag von Alicia »

Franzi42 hat geschrieben: Di 26. Aug 2025, 15:42 Das Crossdressing sehe ich jetzt als Ausdruck meiner Aufrichtigkeit mir selbst gegenüber. Zu lange wollte ich nicht wahrhaben und habe unterdrückt, was die ganze Zeit schon da war.
Irgendwie fühle ich mich echter, lebendiger, vollständiger im Rock.
Hallo Franzi,

das hätte ich genauso auch schreiben können. Ich kann deine Sehnsucht nachvollziehen, einerseits Frau sein zu wollen, andererseits aber akzeptieren zu müssen, dass da noch der Mann ist. Welcher Teil sich bei mir durchsetzen wird, bleibt derzeit spannend. Das Crossadressen ist auf jeden Fall ein Ventil, um Druck aus dem Emotionskessel zu lassen. Und dieses Ventil steht bei mir gerade völlig offen (ist halt Urlaub!).

Liebe Grüße, Alicia. (ki)
Eine Lebensweise zu erfinden ist nichts. Sie zu verinnerlichen, ein Anfang. Sie zu leben ist alles.
(Frei nach Otto Lilienthal)
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Re: Wandlungsprozess

Post 4 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Franzi42 hat geschrieben: Di 26. Aug 2025, 15:42 "Ehrliches Mitteilen" nach Gopal Norbert Klein
Hallo Franzi,

das erinnert mich an Lukas Michael Möller, Die Wahrheit beginnt zu zweit. https://www.rowohlt.de/buch/michael-luk ... 3644014718 Dabei geht es in der Paarbeziehung darum, regelmäßig für rinr bestimmte Zeit, seine Befindlichkeiten auszutauschen, die durch den/die Andere/n auch nicht kommentiert wird. Das soll dazu führen, stärker mit dem Gegenüber empathisch verbunden zu sein und so die Beziehung weiter zu entwickeln. Das gibt es schon viele Jahre und kann sehr nützlich sein.
Das Crossdressing sehe ich jetzt als Ausdruck meiner Aufrichtigkeit mir selbst gegenüber. Zu lange wollte ich nicht wahrhaben und habe unterdrückt, was die ganze Zeit schon da war.
Irgendwie fühle ich mich echter, lebendiger, vollständiger im Rock.
Ich kenne das auch, habe aber aufgehört, die Gründe dafür zu suchen. Die Frage ist, wie will ich das leben ? Hast Du da schon Antworten ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Wandlungsprozess

Post 5 im Thema

Beitrag von Franzi42 »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 27. Aug 2025, 07:04 Die Frage ist, wie will ich das leben ? Hast Du da schon Antworten ?
Hallo Vicky,

in mir sind wie in jedem Menschen männliche und weibliche Aspekte (wobei die Definition der Aspekte als männlich oder weiblich natürlich auch nur gesellschaftlich festgelegte Ideen sind).
Anscheinend bei mir sehr viele weibliche und wenige männliche, was mir etliche Therapeuten und auch einige Tests nahegelegt haben.
Bisher habe ich versucht, zu sein, was mir als männlich beigebracht wurde. Das hat nicht gut funktioniert. Jetzt versuche ich zu spüren, was ich eigentlich brauche, möchte mir erlauben zu fühlen und mich wirklich kennen zu lernen.
Dazu gehört meine weiche, zärtliche, verletzliche Seite, die ich bisher immer abgelehnt habe. Ich habe versucht, cool und stark zu sein, klare Entscheidungen zu treffen. Das bin ich nicht.

Äußerlich würde ich das aktuell gerne leben, indem ich weiblich gelesene Kleidung und Attribute mit meiner physisch männlichen Erscheinung mische.
Es ist aber letzlich ein innerer Prozess. Ich möchte authentisch ausdrücken, was in mir lebendig ist.
Keine Ahnung, wo mich das hinführt.

Viele Grüße
Franzi
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Re: Wandlungsprozess

Post 6 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Franzi42 hat geschrieben: Mi 27. Aug 2025, 11:49 Jetzt versuche ich zu spüren, was ich eigentlich brauche, möchte mir erlauben zu fühlen und mich wirklich kennen zu lernen.
Guter Anatz, wie ich finde. Meine Frau hat mich schon gefragt, warum ich das nicht in männlicher Optik leben kann ? Und schon wird es schwierig. Wären es nur gesellschaftliche Vorstellungen, die mein weiblich definieren, müsste es wohl gehen. In meiner Umgebung muss ich nicht den "Macker" geben. Im Gegenteil, das kommt gar nicht gut an, wie ich schon vor Jahrzehnten erleben musste. Also wirkt da noch etwas anderes im Hintergrund. Da folge ich heute deutlich mehr meinen Gefühen als früher. Etwas anderes scheint wenig Sinn zu machen. Ob ich mich dabei kennen lerne ? Keine Ahnung, aber ich finde immer wieder etwas Neues an und in mir ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Wandlungsprozess

Post 7 im Thema

Beitrag von Lana »

Liebe Franzi,
Franzi42 hat geschrieben: Di 26. Aug 2025, 15:42 Die letzten knapp vier Wochen war ich bei einer Gemeinschaft, die immer wieder Menschen auf Zeit aufnimmt und sie in deren Wandlungsprozessen unterstützt.
Ein Grund für mich waren Depression, Burnout und Sinnfragen, aber auch meine Einstellung zum Crossdressing.
ich finde es schön, dass du den Schritt gemacht hast und einen Weg suchst, wie du mit dir selber umgehen kannst und möchtest. Es ist schade, dass meistens erst dann Bewegung in die Sache kommt, wenn es einem bereits schlecht geht. Aber besser spät als nie
(moin)
Franzi42 hat geschrieben: Di 26. Aug 2025, 15:42 Das Crossdressing sehe ich jetzt als Ausdruck meiner Aufrichtigkeit mir selbst gegenüber. Zu lange wollte ich nicht wahrhaben und habe unterdrückt, was die ganze Zeit schon da war.
Oft spüren wir insgeheim, dass etwas nicht stimmt mit uns. Aber es fühlt sich unangenehm an, deshalb schieben wir es weg und lenken uns mit angenehmeren Dingen ab. So lange, bis dieses unangenehme Gefühl nicht mehr unterdrückt werden kann.

Ich glaube, alle suchen (und finden hoffentlich!) eine Möglichkeit, damit klarzukommen. Jeder hat dabei seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche, jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten. Ich finde es ganz interessant, dass du dir auf diese Weise (ehrliches Mitteilen) ein bisschen näher gekommen bist. Ich sage manchmal auch "zu sich kommen". Letztlich haben wir bisher viel von uns unterdrückt, ganz unbewusst, weil wir nicht "bei uns waren". Es geht auch um Bewusstwerdung in diesem sehr persönlichen Prozess, der (wenn man sich mal darauf einlässt) weit über die reine Genderfrage hinausgehen kann. Das macht ihn so wertvoll, aber auch so anstrengend.

Mein Weg verlief eher umgekehrt, durch Bewusstseinsarbeit ist das Thema Genderidentität bei mir erst an die Oberfläche gekommen. Inzwischen bin ich mit mir großenteils im Reinen, was dieses Thema angeht. Andere Baustellen bleiben noch, immer mal wieder kommt eine dazu, oder etwas löst sich. Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass es ein imnerwährender Prozess ist, den man vielleicht Ganzwerdung nennen könnte, in dem Sinne, dass wir nach und nach versuchen, alle unsere bisher unterdrückten oder unbewussten Anteile in unsere Persönlichkeit zu integrieren und sie zu leben.
Wenn dabei ein Rock helfen kann, warum nicht?
)))(:


Es ist gut, dass wir hier eine Plattform haben, auf der wir uns dazu austauschen können, und ich freue mich, dass du das Angebot wahrnimmst und ein eigenes Thema eröffnet hast.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
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Re: Wandlungsprozess

Post 8 im Thema

Beitrag von Daniela04 »

Liebe Franzi
Herzlich willkommen in diesem Forum, das mir schon so viel gegeben hat!
(na)
Franzi42 hat geschrieben: Di 26. Aug 2025, 15:42 Irgendwie fühle ich mich echter, lebendiger, vollständiger im Rock.
Dieses Gefühl habe ich auch, und versuche soviel wie möglich ein Kleid anzuziehen. Aus welcher Region bist Du?
Mir haben auch Treffen sehr viel geholfen und konnte so auch weiblich rausgehen, den Schritt zur Schminke erleichtert und vor allem festzustellen, dass die Umgebung es gar nicht kümmert.
Franzi42 hat geschrieben: Mi 27. Aug 2025, 11:49 Anscheinend bei mir sehr viele weibliche und wenige männliche, was mir etliche Therapeuten und auch einige Tests nahegelegt haben.
Ich habe auch einige Tests gemacht. Mein weiblicher Anteil ist etwas grösser als der Männliche, das zeigt auch auf, wie bunt unsere Welt ist!
(flo)
Franzi42 hat geschrieben: Mi 27. Aug 2025, 11:49 Dazu gehört meine weiche, zärtliche, verletzliche Seite, die ich bisher immer abgelehnt habe. Ich habe versucht, cool und stark zu sein, klare Entscheidungen zu treffen. Das bin ich nicht.
Ich bin beides, war/bin vor allem im beruflichen Umfeld stark, meine nachgesagte Einfühlsamkeit und mein Wesen das nach am Wasser ist ist ein Teil des weiblichen Anteils, den ich erst seit gut einem Jahr auslebe.
Lass Dein weiblicher Teil raus, finde Geschichten im Forum, welche ähnlich Deiner sind (die gibt es sicher) und lebe es einfach aus, so dass Du Dein Gleichgewicht wieder findest.

Wie Lana es so gut sagte:
Lana hat geschrieben: Mi 27. Aug 2025, 14:29 Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass es ein imnerwährender Prozess ist, den man vielleicht Ganzwerdung nennen könnte, in dem Sinne, dass wir nach und nach versuchen, alle unsere bisher unterdrückten oder unbewussten Anteile in unsere Persönlichkeit zu integrieren und sie zu leben.
Lieber Gruss
Daniela
Ich will einfach der sein, der ich wirklich bin: ein Mann, der seine mittlerweile erkannte sehr bedeutende Weiblichkeit vertieft kennenlernen möchte.
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Re: Wandlungsprozess

Post 9 im Thema

Beitrag von Joo »

Hallo Franzi,
schön, dass du zu uns gefunden hast. Ich denke, hier sind viele Menschen, die genauso fühlen und denken wie du und sich den gleichen Konflikten stellen müssen. Zu erkennen, dass ich nicht allein mit mir und meinen Ängsten und Zweifeln bin, hat mir sehr geholfen. Hier habe ich gelernt, dass das polare Denken für mich kein Weg ist und meine Realität nicht beschreibt. Fast lebenslang haben sich meine Gedanken in diesem starren System bewegt und die Scham, von der du sprichst, war mein täglicher Begleiter.

Auch heute noch spielt die Scham eine bedeutende Rolle in meinem Leben, aber ich lerne, mit ihr umzugehen und sie verliert zusehends ihren Schrecken. Je deutlicher ich die bunte Vielfalt unserer nicht binären Welt sehe, umso ruhiger wird meine Seele. Es ist ein gutes Gefühl, zu sich
selbst zu stehen.

Besonders wertvoll für mich ist, dass ich hier Menschen treffe, die meine Empfindungen teilen und die ich als meine Seelenverwandten erkenne.

LG Joo
Mein Name ist Mensch.
Die Toleranz der Anderen ist meine Freiheit.
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Re: Wandlungsprozess

Post 10 im Thema

Beitrag von Franzi42 »

Joo hat geschrieben: Di 2. Sep 2025, 22:30 Je deutlicher ich die bunte Vielfalt unserer nicht binären Welt sehe, umso ruhiger wird meine Seele.
Gestern war ich auf einen Umtrunk eingeladen. Dabei hat ein guter Freund von mir seinen neuen Partner dem Freundeskreis vorgestellt.
Das war für ihn nicht einfach, da er sich erst spät zu seiner Homosexualität bekannt hat.
Ich war im Rock und leicht geschminkt unterwegs und habe die bunte, offene, herzliche, verbindende Atmosphäre sooo genossen.

Das wollte ich euch einfach erzählen :).

Liebe Grüße
Franzi
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Re: Wandlungsprozess

Post 11 im Thema

Beitrag von Silke_30 »

Liebe Franzi, Du schreibst mir aus der Seele. Denn auch Ich lebe nicht immer zu einhundert Prozent gefühlt in der Gegenwart mit mir selbst. Erfahrungen mit Meinungen Dritter aus meiner Vergangenheit und der Wunsch nach Ankommen in meinem Wunschgeschlecht, leiten mich. Rock und Kleid trage ich nur zu Hause und immer mehr und gerne. Mit samtiger Wäsche ist es einfacher auch außerhalb. Seit vielen Monaten verwende ich Produkte, die meinen Östrogenspiegel erhöht haben, mit mittlerweile sichtbaren Veränderungen. Diese sind natürlich nicht immer zu kaschieren. Spannend ist, das es niemand richtig interessiert, warum sich meine Oberweite durch den Pullover abzeichnet, ganz zu schweigen vom Shirt und zwar so deutlich das es auffallen müsste. Vielleicht lebt ja jeder in seiner ganz eigenen Blase in dieser Welt, selbst definiert was er /sie gerade sieht und was für ihn/sie real zu erklären ist. Liebe Grüße und einen schönen Abend. Silke.
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Re: Wandlungsprozess

Post 12 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo Franzi,

ich bin gerade eben auf das Thema gestoßen. - Eine Gruppe oder Gemeinschaft, in der offen über Depression, Burnout und Sinnfragen gesprochen wird, wäre für mich sicher auch hilfreich - oder auch umgekehrt. Ich habe da Erfahrungen aus über 50 Jahren. Hier auf dem Land bin ich aber auf so etwas noch nicht gestoßen.
Franzi42 hat geschrieben: Di 26. Aug 2025, 15:42 Auf jeden Fall konnte ich dort über meine Scham, das Gefühl nicht richtig zu sein, etc. sprechen. Ich habe erkannt, wie stark ich feststecke in alten Mustern, Konditionierungen, vermeintlichen Erwartungen anderer. Das hat einiges gelöst.
Bei mir gab es lediglich eine Trans-Selbsthilfegruppe in Koblenz. Dort ging es aber letztlich immer nur um Themen der Transition. Da ich eine solche nicht anstrebe, zog ich mich dort zurück. Für mich ist das Zitierte die Ursache, und kein falscher Körper. Ein Junge lernt heute nicht mehr, was es wirklich bedeutet Mann zu sein. Sein Vater und oft auch schon sein Großvater haben es bereits auch nicht gelernt. In Kindergarten, Schule und Beruf wird uns ein männliches Bild vermittelt, mit dem ein sensibler Mensch nichts anfangen kann. Also spielt man(n) im Sinne einer Strategie zum Überleben nur eine Rolle, aus der es sehr schwer fällt, sich zu befreien. Frauenkleider sind da nur ein Aspekt von vielen.

So viel erst einmal.

Liebe Grüße
Nicole
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Re: Wandlungsprozess

Post 13 im Thema

Beitrag von Franzi42 »

Nicole Fritz hat geschrieben: So 28. Sep 2025, 19:37 Frauenkleider sind da nur ein Aspekt von vielen.
Liebe Nicole,
Da bin ich ganz bei dir.
Nicole Fritz hat geschrieben: So 28. Sep 2025, 19:37 Eine Gruppe oder Gemeinschaft, in der offen über Depression, Burnout und Sinnfragen gesprochen wird, wäre für mich sicher auch hilfreich - oder auch umgekehrt.
Das Forum hier ist schon eine tolle Sache, finde ich.
In einer kleineren Gruppe von ähnlich offenen Menschen im persönlichen Kontakt ist es natürlich nochmal intensiver.
Ich lebe in der Nähe von München, und selbst hier ist es nicht so einfach, eine solche Gemeinschaft zu finden.
Mein Freundeskreis hat sich verändert, seit ich nicht mehr bereit bin, mit "Spezeln" Nächte durchzusaufen und über unpersönliche Themen zu sprechen.
Ich wünsche dir, dass du auch "auf dem Land" auf Menschen mit offener Gesinnung triffst.
Liebe Grüße
Franzi
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Re: Wandlungsprozess

Post 14 im Thema

Beitrag von Franzi42 »

Silke_30 hat geschrieben: So 28. Sep 2025, 18:16 Spannend ist, das es niemand richtig interessiert, warum sich meine Oberweite durch den Pullover abzeichnet, ganz zu schweigen vom Shirt und zwar so deutlich das es auffallen müsste.
Liebe Silke,
danke für deinen Beitrag.
Gestern war ich im Supermarkt mit meiner Frau in einem "Halbmodus", nur leicht geschminkt um die Augen, mit Schmuck, BH und femininem Oberteil, dazu Herren-Jeans.
Hat anscheinend auch niemanden interessiert außer mich. Zumindest hat mich kein Mensch blöd angeredet oder ist handgreiflich geworden. Ich kann aber nicht in die Köpfe der Menschen gucken, deshalb sind Spekulationen müßig.
Liebe Grüße
Franzi
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Re: Wandlungsprozess

Post 15 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Franzi42 hat geschrieben: Di 30. Sep 2025, 10:30 Ich wünsche dir, dass du auch "auf dem Land" auf Menschen mit offener Gesinnung triffst.
Danke Franzi.

Ich vermute sehr stark, dass es hier nicht wenige gibt. Aber die sind wohl alle von "Aspi" (Asperger, Autismus) betroffen, wie es MichiWell nennt. Solche Menschen sind von dem, was man "Geselligkeit" nennt, extrem genervt. Es ist für sie nur sinnlos anstrengend. Also ziehen sie sich in ihre Privatsphäre zurück. Folglich laufen wir immer wieder aneinander vorbei, kommen aber nie in Kontakt.

Da konnte man jetzt auf die Idee kommen, selbst so eine Gruppe zu gründen. Ich habe da aber schlechte Erfahrungen mit einer Trans*-Selbsthilfegruppe in Simmern/Hunsrück gemacht. Am Anfang kamen einige Leute aus ganz Rheinland-Pfalz - nur aus Simmern und der näheren Umgebung kam nur eine Trans-Frau, die ich schon vorher kannte. Als dann die Themen statt zur Transition mehr in Richtung nicht binär gingen, kam schließlich keiner mehr.

Der erste oder wichtigste Grund war wohl: Es wollte niemand erkannt werden, wenn er zu dieser Gruppe geht. Die Gruppe wurde von der KISS Mainz https://www.google.com/search?q=KISS+Ma ... s-wiz-serp in der Presse bekannt gemacht. Also wusste jeder in der Gegend, was zu den genannten Zeiten in dem entsprechenden Gebäude statt fand.

LG Nicole
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