Was mich zur Zeit bewegt und berührt (und Euch vielleicht auch ?)
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Violetta-TransFlower
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Was mich zur Zeit bewegt und berührt (und Euch vielleicht auch ?)

Post 1 im Thema

Beitrag von Violetta-TransFlower »

Meine Lieben,

Gestern abend hörte ich zum Duschen mal wieder Radio und es lief im mdr eine Sendung zum Krieg in Nahost.
Dort konnten Leute anrufen und ihre Meinung dazu äußern.

Ich höre und schaue derzeit wenig aktuelles, um diese wirklich furchtbaren Sachen die in der Welt passieren, nicht so sehr an mich heran zu lassen.
Es macht mich oft einfach nur traurig 😢.

Jedenfalls wurde wieder einmal viel diskutiert, über Waffen und Strategien und all diesen Mist. (arg)
Bis ( endlich) mal ein Anrufer in der Leitung war, der sagte: ...und wer denkt und kümmert sich um die davon betroffenen Menschen...??!!

Da dachte ich, Ja ! Genau das ist es doch !
Endlich mal jemand, der so denkt, wie ich.

Diese furchtbaren Kriege, immer wieder auf dieser Erde 🌎, wo Menschen abgeschlachtet werden, die einfach nur zur falschen Zeit, am falschen Ort sind.
Das macht mich wirklich traurig. :((a

Bei all der Euphorie und dem Glück, welches derzeit in meinem Leben vorherrscht ist es für mich umso schlimmer, daß nicht alle Menschen in Frieden leben dürfen und können.
Manchmal wenn ich nach Hause komme denke ich, Boah Violetta, was war das wieder für ein anstrengender Tag. Doch meist im selben Augenblick wird mir wieder bewußt, wie gut es mir geht, und ich bin dankbar und glücklich, in einer friedlichen Umgebung leben zu dürfen.

Dazu passt hier dieses wirklich schon alte Lied, leider aktueller denn je, von einem Künstler den ihr alle kennt und der sich schon immer für Frieden eingesetzt hat, ich sag nur:
"Gitarren statt Knarren "

UDO LINDENBERG- Wozu sind Kriege da



Hofft auf weltweiten Frieden,
und gibt die Hoffnung nicht auf ☮️🕊
Ich muß weinen, bewegt und traurig 😢 (cry)
Eure Violetta 💜

Hier noch die wikipwedia Seite mit der Liste der weltweiten Kriege: (die nackten Zahlen ohne das ganze Leid, das dahintersteckt)
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der ... _Konflikte


P.S. Wenn Ihr jetzt etwas schreibt/kommentiwert dazu, bitte ich Euch darum, keine politische Diskussion daraus werden zu lassen.
Dankeschön
💜
🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Was mich zur Zeit bewegt und berührt (und Euch vielleicht auch ?)

Post 2 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Mir ging es Anfang der 1990er Jahre ähnlich, da steckte die Welt in den Golfkriegen. Ich habe damals Gedichte geschrieben, um meine Betroffenheit auszudrücken. Neben meiner Arbeitsstelle gab es einen großen freien Platz, auf dem das Militär seine Fahrzeuge aufgestellt hat, die für den mittleren Osten vorgesehen waren. Als ich Kind war, tobte noch der Vietnamkrieg. Dazu die Hungersnöte und die Bürgerkriege in Afrika. Die Liste könnte ich beliebig fortsetzen.

Natürlich gibt es Muster und Gründe hinter diesen Ereignissen. Aber letztlich bräuchten wir eine Zivilisation 2.0. Die Konzepte, in denen wir leben, taugen nicht dafür. Es gibt schon gute Ansätze, aber die haben (noch?) nicht die Kraft sich durchzusetzen. Wir müssen in dieser Welt leben, aber wir müssen nicht mitmachen. Aber egal was wir tun, die Konsequenzen holen uns ein. Mit den Bildern im Kopf will ich auch nicht leben, aber das heißt nicht, dass ich den Kopf in den Sand stecke.

Ich bin innerlich gespalten, wenn ich sehe, was in der Ukraine vorgeht. Wie würde ich mich verhalten, wenn ich Ukrainer wäre ? Wenn meine Kinder sich stritten, habe ich immer gesagt, mich interessiert nicht, wer angefangen hat. Mich interessiert, wer damit als erster aufhört. Soll man vor Menschen wie Putin kuschen oder verteidigen ? Verteidigung bedeutet Gewalt gegen andere. Nicht verteidigen bedeutet, Gewalt gegen mich. Viele von uns haben Gewalt, in welcher Form auch immer, erlebt. Die andere Backe hinhalten ?

Wir leben in einer Welt voller Widersprüche. Denen können wir nicht (immer) ausweichen. Ich glaube, wir müssen eine Haltung entwickeln, damit es erträglich wird. Im Ernstfall übernimmt sowieso unser "Reptiliengehirn" die Führung. Es macht aus meiner Sicht aber wenig Sinn, über die Schlechtigkeit der Welt zu lamentieren. Das hilft niemanden, am wenigsten mir selber. Natürlich fühle ich mich ohnmächtig, was die großen Konflikte angeht. Aber ich habe meine kleinen Kräfte, dagegen zu wirken. Dazu brauche ich meine Haltung. Und viele kleine Kräfte können auch etwas bewirken. Als queerer Mensch weiß ich das.

Meine Ohnmacht hat einen Namen: Passivität. Aktivität ist Selbstermächtigung. Damit kann ich auf de Nase fallen oder die selbstgesteckten ZIele nicht erreichen. Aber vielleicht kann es die nächste Generation. Ist es nicht das, worauf es ankommt, sich zu engagieren ? Aktivität bedeutet, der Ohnmacht zu trotzen. Wie und in welchem Umfang ich aktiv werde, entscheide ich selber.

Es gibt die nette Geschichte von den zwei Fröschen, die in einen Milchkrug gefallen sind. Sie versuchen, heraus zu kommen, doch sie rutschen immer wieder ab. Der eine sagt, ich kann nichts tun und ertrinkt. Der Andere strampelt immer weiter, bis aus der Milch Butter wird. Mit festem Boden unter den Füßen kann er aus dem Krug springen. Welcher Frosch hat es besser getroffen ?

Lamentieren über die Welt ist wie aufgeben. Etwas anpacken ist wie strampeln. Die Welt ist schlecht ? Mach sie etwas besser. Im Talmud, im Koran und auch im Christentum heißt es: "Wer ein Menschenleben rettet, dem wird es angerechnet, als würde er die ganze Welt retten." Gilt das nicht auch im Kleinen ? Was andere Menschen tun, ist dabei kein Maßstab. Ich selbst bin mein Maßstab. Betroffenheit und Traurigkeit sollten uns Ansporn für das Leben sein.

Leicht geschrieben, aber einen Versuch ist es wert.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Was mich zur Zeit bewegt und berührt (und Euch vielleicht auch ?)

Post 3 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Ich bin im kalten Krieg aufgewachsen und habe jede Menge an Stellvertreterkriegen überlebt, aber eins ist mir in Erinnerung geblieben. Viele unserer Politiker redeten davon Kriege zu beenden und der Diplomatie eine Chance zu geben. Die Realität sind aber Waffenproduktionen und Waffenlieferungen (auch aus Deutschland) um damit angeblich Kriege zu verhindern. Doch Waffen haben noch nie Kriege verhindert. Letztlich bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass Menschen niemals in Frieden leben können und sich deshalb bekriegen, sei es aus religiösen Gründen, wegen Bodenschätzen und vielleicht später um ganz existenzielle Dinge wie Wasser. Durch das Aufwachsen im kalten Krieg und durch Kriege im persönlichen Umfeld bin ich emotional abgestumpft.
Trotzdem macht mich jeder Krieg traurig, egal ob es zwischen Staaten oder in persönlichen Beziehungen ist. Genau darin aber sehe ich ein Problem, denn aus Trauer kann ganz schnell Wut werden und Wut ist ein Wegbereiter zu Unfrieden und Krieg. Vom Krieg über gegenseitiges Vertrauen zu Frieden zu kommen ist ein sehr langer Weg, der vielleicht mehrere Generationen benötigt denn es ist psychologisch erwiesen dass Kriegserlebnisse z.B. aus dem 1. und 2. Weltkrieg auf spätere Generationen übertragen werden können.
Wir alle sind nur ein unbedeutendes Staubkorn im Universum
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Re: Was mich zur Zeit bewegt und berührt (und Euch vielleicht auch ?)

Post 4 im Thema

Beitrag von conny »

Momo58 hat geschrieben: Di 24. Jun 2025, 20:03 Doch Waffen haben noch nie Kriege verhindert.
Doch. Im kalten Krieg hat die Waffengleichheit dafür gesorgt, dass er kalt blieb und erst der NATO-Doppelbeschluss hat dem Wettrüsten ein Ende gesetzt.
Ein altes Sprichwort:
"Si vis pacem, para bellum" bedeutet: "Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor".
Traurig aber wahr.
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Re: Was mich zur Zeit bewegt und berührt (und Euch vielleicht auch ?)

Post 5 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 24. Jun 2025, 09:18 Die andere Backe hinhalten
:!:

Fakt ist, es gibt wenig, was auf Dauer Frieden schafft. Gewaltverzicht ist das einzige Tool, das wirklich und verlässlich zu weniger Gewalt führt. Klingt herausfordern, ist es auch.






Spoiler: aber am Ende dürfen wir alle wissen: wir sind nur Menschen und das was uns als Vorbild gegeben wurde ist auf einem vollkommen anderen Niveau. Da kommen wir niemals hin. Aber versuchen sollen wir es trotzdem.
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Re: Was mich zur Zeit bewegt und berührt (und Euch vielleicht auch ?)

Post 6 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

conny hat geschrieben: Di 24. Jun 2025, 21:54 Doch. Im kalten Krieg hat die Waffengleichheit dafür gesorgt, dass er kalt blieb und erst der NATO-Doppelbeschluss hat dem Wettrüsten ein Ende gesetzt.
Und die damalige Regierungsgeneration hat den 2.Wk noch erlebt und größtenteils mitmachen müssen, Schmidt z.B. war Offizier, die wußten also noch was sowas bedeutet. Bei einigen von heute glaube ich manchmal das es wie beim PC-Spiel ist, z.B. Hofreiter, keine Ahnung von nichts aber am lautesten schreien.
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Re: Was mich zur Zeit bewegt und berührt (und Euch vielleicht auch ?)

Post 7 im Thema

Beitrag von Manuelaw »

Mir geht es genauso. Ich verstehe nicht wieso es immer wieder neue Kriege gibt. Hat die Menschheit in der Vergangenheit nichts gelernt? Wieso müssen wir Waffen produzieren? Können wir nicht einfach Waffen verbannen? Was aktuell auf der Welt würde es mich nicht wundern, wenn irgendwann der dritte Weltkrieg kommt. :((a
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Re: Was mich zur Zeit bewegt und berührt (und Euch vielleicht auch ?)

Post 8 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Knäckebrötchen hat geschrieben: Di 24. Jun 2025, 22:26 Gewaltverzicht ist das einzige Tool, das wirklich und verlässlich zu weniger Gewalt führt.
Kann das nicht auch als eine Einladung an Dritte gelesen werden, Gewalt auszuüben ? So schön der Satz oben klingt, geht er nicht an der Natur des Menschen vorbei ? Geht er nicht sogar an der Natur im Ganzen vorbei ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Was mich zur Zeit bewegt und berührt (und Euch vielleicht auch ?)

Post 9 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 25. Jun 2025, 07:13
Knäckebrötchen hat geschrieben: Di 24. Jun 2025, 22:26 Gewaltverzicht ist das einzige Tool, das wirklich und verlässlich zu weniger Gewalt führt.
Kann das nicht auch als eine Einladung an Dritte gelesen werden, Gewalt auszuüben ? So schön der Satz oben klingt, geht er nicht an der Natur des Menschen vorbei ? Geht er nicht sogar an der Natur im Ganzen vorbei ?
Kann, ja natürlich. Und ja, es widerspricht unseren Instinkten, es widerspricht unseren moralischen Vorstellungen von Strafe und Abgleich eines Unrechts.

Das ist aber nicht "natürlich" sondern auch nur sozial konstruiert. Genauso kann ich aber auf meinen, rein moralisch begründeten, "Anspruch" auf Retaliation verzichten und die Spirale nicht weiter drehen.

Wir haben verschiedene Menschen in der Geschichte, die einen solchen Weg beschritten haben.
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Re: Was mich zur Zeit bewegt und berührt (und Euch vielleicht auch ?)

Post 10 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Knäckebrötchen hat geschrieben: Mi 25. Jun 2025, 07:29 Das ist aber nicht "natürlich" sondern auch nur sozial konstruiert.
Das bezweifle ich massiv. Wo ich in der Natur hinschaue, geht es um Aneignung (z.B. bei Futter, aber immer auf das Leben anderer), Verteidigung, Revierausdehnung, Vermehrung etc. Das geht nicht friedlich ab. Menschen sind in diesem Sinne auch nur Tiere, die genau das wollen und tun. Das ist unsere "natürliche" Seite. Und da gibt es die kulturelle, die versucht, eben diese natürliche Seite zu bändigen, um ein gemeinsames Leben zu ermöglichen. Wenn alle Menschen sich primär an den gemeinsamen Kodex halten würden, wäre das schön und wir sollten auch nicht die Bemühungen nachlassen, das zu erreichen. Aber mein Gefühl sagt mir, dass wir das nicht schaffen. Es wird immer Menschen, die davon abweichen. Ich schließe mich davon gar nicht aus. Das fängt im Kleinen an, wenn ich ein Parkverbot oder eine Geschwindigeitsbegrenzung für mich außer Kraft setze. Was passiert denn, wenn jemand, durch welchen Grund auch immer, ausrastet und nur noch von seinem Reptiliengehirn (ein natürlicher Prozess) gesteuert wird ? Manche schreien herum, manche fangen einen Krieg an.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Mi 25. Jun 2025, 07:29 Genauso kann ich aber auf meinen, rein moralisch begründeten, "Anspruch" auf Retaliation verzichten und die Spirale nicht weiter drehen.
Das kannst Du und es ehrt Dich, wenn Du es tust. Und es kann zu einer Befriedung der Situation beitragen. Es ist wahrscheinlich auch der notwendige erste Schritt. Das ist das was ich versucht habe, meinen Kindern beizubringen. Aber es setzt voraus, dass beide Seiten die friedliche Koexistenz wollen. Wenn hier ein Ungleichgewicht vorhanden ist, bringt Gewaltlosigkeit mMn nicht viel. Das ist auf allen Ebenen ähnlich. Beim Nachbarschaftsstreit wie auch im Krieg zwischen Staaten. Ich kann nur auf Gewalt verzichten, wenn ich die Möglichkeit zur Gewalt habe. Wenn einer mit einem Messer vor mir steht, kann ich nicht auf Gewalt verzichten. Ich habe schlicht nicht die Mittel. Ich bin sein Opfer. Erst wenn ich auch ein Messer habe, kann ich durch Niederlegen der Waffe, guten Willen zur Koexistenz zeigen und einen ersten Schritt tun. Das ist dann Deeskalation.

Ich finde die aktuelle Aufrüstung sehr bedrückend, aber ich sehe keinen anderen Weg zu einer friedlichen Koexistenz mit einem Regime, dass auf Expansion aus ist. Das ist ziemlich bescheiden, haben wir doch global genügend andere Probleme. Aber sich nicht auf mögliche Szenarien vorzubereiten, löst die anderen Probleme auch nicht. Im Gegenteil, sie werden weiter verschärft.

Einfach zu sagen, dass man selber keine Gewalt anwenden werde, ist mMn eine Beschleunigung von Gewalt. Gewaltverzicht ist ein Mittel, dessen Einsatz von den Umständen bestimmt wird. Es ist Voraussetzung für Deeskalation, hat aber die Gefahr, dass es der Verstärkung dient.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Was mich zur Zeit bewegt und berührt (und Euch vielleicht auch ?)

Post 11 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 25. Jun 2025, 09:03 Wo ich in der Natur hinschaue, geht es um Aneignung (z.B. bei Futter, aber immer auf das Leben anderer), Verteidigung, Revierausdehnung, Vermehrung etc. Das geht nicht friedlich ab.
Hallo Vicky,

bitte wirf nicht Überlebensstrategien und das was wir hier diskutieren (Krieg) in einen Topf. Ein Löwe reisst eine Gazelle als Nahrungsquelle und ja, das ist kein friedlicher Prozess. Aber die Gazellen gehen jetzt nicht her und trampeln als Strafe (oder sogar präemptiv) auf dem Löwennachwuchs herum um dem Löwen sein Verhalten auszutreiben.

Natürliche Systeme in denen es um das reine Überleben der Spezies geht, sind in den meisten Fällen koexistent und balanciert.

Der Mensch hat die Möglichkeit, umfassend zu kommunizieren und sich aufgrund seiner Eigenschaften auch neue Lebensräume zu erschließen. Das hat ein Löwe nicht und eine Gazelle auch nicht.
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 25. Jun 2025, 09:03 Wenn alle Menschen sich primär an den gemeinsamen Kodex halten würden, wäre das schön und wir sollten auch nicht die Bemühungen nachlassen, das zu erreichen.
Wäre toll, nicht wahr? Wir können uns ja nicht einmal darauf verständigen, das es "universelle Menschenrechte" gibt. Oder wie die genau aussehen sollen und wer dann tatsächlich daran partizipieren darf.
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 25. Jun 2025, 09:03 Ich kann nur auf Gewalt verzichten, wenn ich die Möglichkeit zur Gewalt habe. Wenn einer mit einem Messer vor mir steht, kann ich nicht auf Gewalt verzichten. Ich habe schlicht nicht die Mittel. Ich bin sein Opfer. Erst wenn ich auch ein Messer habe, kann ich durch Niederlegen der Waffe, guten Willen zur Koexistenz zeigen und einen ersten Schritt tun. Das ist dann Deeskalation.
Also heißt das im Umkehrschluß, wir müssen doch alle auch so wie in den USA selbst mit Waffen ausgestattet werden, um dann demonstrativ nicht zuzustechen oder zu schießen? Grotesk.

Gewaltverzicht geht doch viel weiter als dein simpler Vergleich: Wenn mich jemand mit dem Messer bedroht, dann bin ich dieser Gewalt ausgeliefert. Meine Gewalt liegt aber ausgelagert in Form von einer staatlichen Gewalt, der Polizei, vor. Das ist unser Gesellschaftskonzept. Ich muss mich nicht selbst schützen und eine Waffe tragen, weil es dafür ausgebildete und nach außen erkennbare Dienstleister gibt.

Darüber hinaus kann ich auf Gewalt verzichten, wenn ich jetzt z.B. dieses Instrument nicht nutze. Oder auf eine Anzeige (Gewalt der Rache/Strafe/Sühne) verzichte.

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 25. Jun 2025, 09:03 Einfach zu sagen, dass man selber keine Gewalt anwenden werde, ist mMn eine Beschleunigung von Gewalt.
Das ist der krasseste Plot-Twist, den ich seit langem erlebt habe. Wow. Also ist doch auch jede Frau schuld, weil der Rock zu kurz war? Weil genau das bedeutet das, was Du da geschrieben hast: Ich verzichte auf Gewalt und lade dazu ein, ja provoziere damit geradezu, dass andere Menschen Gewalt anwenden? Sick.
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Re: Was mich zur Zeit bewegt und berührt (und Euch vielleicht auch ?)

Post 12 im Thema

Beitrag von conny »

Knäckebrötchen hat geschrieben: Mi 25. Jun 2025, 09:26 Wenn mich jemand mit dem Messer bedroht, dann bin ich dieser Gewalt ausgeliefert. Meine Gewalt liegt aber ausgelagert in Form von einer staatlichen Gewalt, der Polizei, vor. Das ist unser Gesellschaftskonzept. Ich muss mich nicht selbst schützen und eine Waffe tragen, weil es dafür ausgebildete und nach außen erkennbare Dienstleister gibt.
Dann bittest Du denjenigen mit einer beabsichtigten Attacke zu warten, bis die von Dir gerufene Polizei vor Ort ist? :roll:
Funktioniert, wie die fast täglichen Meldungen über Messerangriffe zeigen, nicht immer so ganz.
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Re: Was mich zur Zeit bewegt und berührt (und Euch vielleicht auch ?)

Post 13 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-01-22 »

Violetta CD hat geschrieben: Di 24. Jun 2025, 06:30 Gestern abend hörte ich zum Duschen mal wieder Radio und es lief im mdr eine Sendung zum Krieg in Nahost.
Die Lösung ist so einfach - endlich mal den Amis ihre Grenzen aufzeigen, daß ihnen NICHT die Welt gehört und alles tun können was sie wollen! Überall in der Welt schüren die seit zig-Jahrzehnten Konflikte und stellen sich danach so hin, als wären sie die Weltpolizei und müssen das "Unheil" bekämpfen - was nur sie allein durch ihre Außenpolitik entfacht haben. Aber niemand interessiert das, aber die Russen verteufeln und ihnen einen Boykott nach dem anderen auf den Hals jagen. Allerdings lachen die Russen nur darüber - die sind nicht auf uns angewiesen, sondern wir auf sie, weshalb wir uns nur selber ins Knie schießen, aber unsere Regierung muß ja weiterhin am Rockzipfel der Amis hängen... :twisted:

Zudem wird auch gerne mal vergessen wer bisher aktiv Atomwaffen/rakten eingesetzt hat - das waren bekanntermaßen die Amis. Und heute nehmen die sich das Recht heraus und wollen bestimmen, welches Land über Atomwaffen verfügen darf?!? Und das nur, weil sich die Amis eben diese Länder selbst zum Feind gemacht haben - das ist fast schon kurios, wenn man deswegen net heulen müsste!

Ich schaue schon seit Jahren keine Nachrichten mehr an, leider bekommt man dennoch mit, was politisch so in der Welt passiert und wer davon die Wurzel allen Übels ist...

Das ist meine Meinung und alle Pro-USA-Eingestellten dürfen mir jetzt gerne den Kopf abreisen.

Jennifer
P.S.: Meine Meinung steht und ich werde mich diesbezüglich nicht mehr äußern. Zudem denke ich, daß es nur eine Frage der Zeit sein wird, daß Diskussionen hier aus dem Ruder laufen und Anne-Mette hier dicht macht...
=================================

Aktueller Beziehungsstatus: Jennifer ist verliebt !-!-!

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Re: Was mich zur Zeit bewegt und berührt (und Euch vielleicht auch ?)

Post 14 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

conny hat geschrieben: Mi 25. Jun 2025, 10:54
Knäckebrötchen hat geschrieben: Mi 25. Jun 2025, 09:26 Wenn mich jemand mit dem Messer bedroht, dann bin ich dieser Gewalt ausgeliefert. Meine Gewalt liegt aber ausgelagert in Form von einer staatlichen Gewalt, der Polizei, vor. Das ist unser Gesellschaftskonzept. Ich muss mich nicht selbst schützen und eine Waffe tragen, weil es dafür ausgebildete und nach außen erkennbare Dienstleister gibt.
Dann bittest Du denjenigen mit einer beabsichtigten Attacke zu warten, bis die von Dir gerufene Polizei vor Ort ist? :roll:
Funktioniert, wie die fast täglichen Meldungen über Messerangriffe zeigen, nicht immer so ganz.
1. Tatsächlich ist das im Zweifelsfall der sinnvollere Weg ja. Es ist unfassbar naiv, anzunehmen ihr könntet wie unsere großen Actionhelden den Angreifer entwaffnen, oder mit einem eigenen Messer etwas dagegen halten. Kein halbwegs seriöser Selbstverteidigungskurs wird euch in einem Messerkampf etwas anderes empfehlen als: weg. Raus da.

Was sowieso immer die Beste Verteidigung ist: Abstand gewinnen.

Ahso und: in den seltensten Fällen hat der Angreifer das Messer schon in der Hand. Meistens wird es während der Auseinandersetzung gezogen und dann siehst Du es gar nicht, bis es in dir steckt. Und dann steckt das ja auch selten nur 1x, sondern zig-mal. Da machst Du gar nichts. Nada.

Aber haltet euch nur für die großen Kung-Fu-Meister, die das alles ohne Probleme abwenden. :lol:

2. Ja, weil wir keinen Polizeistaat wollen. Wir nehmen das Risiko in Kauf, nicht jeden Bereich zu 100% vollständig und dauerhaft bis ins Kleinste überwachen und kontrollieren zu können. In anderen Ländern wird das anders gehandhabt, mit mehr oder weniger genauso "viel" Erfolg. In anderen Ländern gibt es auch viel drakonischere Strafen - verhindert auch nichts wirklich.

Das was ihr wollt ist eine Eskalationsspirale, an deren Ende die Todesstrafe steht. Nur: welches Verbrechen wird dadurch ungeschehen gemacht? Das Prinzip Auge um Auge funktioniert nur begrenzt. Ihr werdet nie einen wirklich adäquaten und analogen Schadenersatz erreichen.

Euer Vorschlag ist: selber aufrüsten und damit selbst so bedrohlich zu werden, das euch niemand angreifen möchte.

Ich hätte gerne, dass wir gar nicht auf die Idee kommen - oder die Notwendigkeit entsteht, jemanden angreifen zu wollen. Oder zu müssen, weil Ressourcen knapp werden und sie nicht geteilt werden. Ihr denkt klassisch kapitalistisch, materialistisch und libertär. Das ist nicht verwerflich, aber in meinen Augen eine Sackgasse.

Denn dann heißt es - so wie ja aktuell: der hat ein Messer - ich brauche auch ein Messer. Jetzt ist der aber auch noch viel größer und stärker als ich - also brauche ich eigentlich eher was anderes, denn bei einer 1:1-Konfrontation macht der mich trotzdem platt, Messer hin oder her. Dann nehme ich doch wohl gleich eine Pistole. Das sieht jetzt der andere und die Spirale eskaliert auf die nächste Stufe. Das ist so mit das Dümmste, was man sich so vorstellen kann.

Und noch viel absurder und grotesker wird es ja, wenn ich nicht mal sicher weiß, das der andere ein Messer hat. Sondern es ihm nur unterstelle. Und mich allein deshalb bewaffne. Oder den anderen mit einem Messer angreife, weil ich denke, er hätte eins und will mich angreifen.

Wollen wir das wirklich weiter durchspielen?
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Re: Was mich zur Zeit bewegt und berührt (und Euch vielleicht auch ?)

Post 15 im Thema

Beitrag von MelanieD »

Ach ja, "Die Amerikaner" und "Die Russen" und "Die Deutschen"...

Ich sage jetzt bloss mal, in einer Schulklasse mit 30 Kindern und einem Lehrer gibt es eine Person, die für den Unterricht verantwortlich ist und ca. 60, die wissen, wie es wirklich gemacht werden muss.
Lady Jennifer hat geschrieben: Mi 25. Jun 2025, 11:28 Die Lösung ist so einfach - endlich mal den Amis ihre Grenzen aufzeigen, daß ihnen NICHT die Welt gehört und alles tun können was sie wollen!
"Für jedes Problem gibt es eine Lösung, die einfach, klar und falsch ist" - H.L. Mencken
Lady Jennifer hat geschrieben: Mi 25. Jun 2025, 11:28 Ich schaue schon seit Jahren keine Nachrichten mehr an, leider bekommt man dennoch mit, was politisch so in der Welt passiert und wer davon die Wurzel allen Übels ist...
Dann würde ich Dir mal ganz dringend empfehlen, mal wieder Nachrichten anzuschauen, oder noch besser Analysen und Kommentare. Da ist doch gerade bei den aktuellen Konflikten interessant zu sehen, wer wen angegriffen hat. (Hint 1: Im Iran war das erstmal NICHT das US Militär, auch wenn das sich später dann doch eingemischt hat, so wurde die USA erstmal von Israels Regierung in ihren Verhandlungen düpiert. Hint 2: Wer hat im Ukraine Konflikt auf Atomwaffen verzichtet, wer hat die gemeinsam vereinbarten Grenzen überschritten? Und mit welchen Begründungen ist das passiert und sind die Begründungen haltbar?)
[/quote]


Um zum eigentlichen Thema zurückzukommen: Was mich bewegt ist die Naivität, mit der manche Meinungen von vielen ungefragt übernommen werden.
Was mich auch bewegt, mit welcher Intensität manche dieser Meinungen verbreitet werden, etwa von AI bots auf tiktok und Telegram. (Leider manchmal auch durch Unfachleute in den Talkshows)

Was mich wirklich erschüttert ist die Kombination aus beidem.

Melanie
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