Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...
Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ... - # 15

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Alicia
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 211 im Thema

Beitrag von Alicia »

Hallo Vicky, hallo Knäcke,

das mit der Selbstfindung ist so eine Sache. Nach sooo vielen Jahren aus einer definierten Rolle auszubrechen und eine neue zu finden, bzw. anzunehmen, ist keine Selbstverständlichkeit. Ok, Allgemeinplatz, Binsenweisheit.
Für mich selbst bedeutet diese Änderung aber auch ein Wechsel in meiner Lebensweise. Im Urlaub ist alles easy. Niemand kennt mich hier, die meisten schauen nicht einmal, wer da Moin sagt, oder erkennen den Mann unter dem Sonnenhut einfach nicht. Der restliche Körper lässt kaum einen Zweifel an einer weiblichen Person zu. Für mich ist dieser Zustand Entspannung pur. Ich lebe gerade, wie es mir gut tut. Morgen geht es zum nächsten Ort, an dem mich wieder keiner kennt. Also muss ich kein Outing und andere Konsequenzen befürchten. Feminine Kleidung und Schuhe, dezenter Schmuck, lackierte Nägel oben und unten, Lippenstift, etwas um die Augen und abgedeckte Stirnglatze, das ist der Look, den ich aktuell am Liebsten habe.

In zwei Wochen ist der Urlaub allerdings zu Ende. Dann trifft mich die männliche Realität wieder mit voller Breitseite. Ich sehne an jedem Arbeitstag den Moment her, an dem ich mich daheim wieder so anziehen kann, wie ich mich wohl fühle, also wie eben beschrieben. Ein Outing am Arbeitsplatz ist nahezu ausgeschlossen, zumal die Restlaufzeit noch (läppische) zwei Jahre dauert. Ich versuche mal, die Zähne zusammenzubeißen und die Zeit durchzustehen.
Die Freizeitaktivitäten sind auch sehr männlich geprägt und taugen für ein Outing weniger gut.

Also muss ich einen Kompromiss suchen, in dem meine beiden Lebenswelten irgendwie vorkommen, in welcher Mischung auch immer. Das meinte ich mit dem zweiten Lehrjahr. Genau diesen Kompromiss zu finden, mit dem ich gut leben kann. Da möchte ich auch nichts übers Knie brechen und keine voreilige Handlungen begehen, die ich hinterher bereue und die nicht reversibel sind. Also Gemach. Deshalb sauge ich die Informationen aus diesem Thema förmlich auf und versuche mir einen Reim auf mich selbst zu machen. Ich fand Knäckes 4 Optionen sehr anschaulich, würde es aber aktuell nicht wagen, eine auf Dauer zu wählen. Am Ehesten noch die Nummer 3, wobei die Rubrik "Familie" bei mir entfällt. Vielleicht noch eine Option 5 erfinden: Quasi auswandern, an einem anderen Ort leben, alle Brücken zum bisherigen Leben abbrechen. Das riecht aber nach viel Aufwand. Will ich das wirklich?

So jetzt reichts für heute, liebe Grüße und gute Nacht, Alicia. (ki)
Eine Lebensweise zu erfinden ist nichts. Sie zu verinnerlichen, ein Anfang. Sie zu leben ist alles.
(Frei nach Otto Lilienthal)
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 212 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Knäckebrötchen hat geschrieben: Mo 9. Jun 2025, 21:59 Vieles von dem, was Vicky hier so umtreibt finde ich zu kopflastig.
Moin Knäcke,

echt jetzt ? Ich auch, manchmal ... :lol:
Wobei ich nach wie vor große Probleme damit habe, wie ihr mit dem Begriff "Weiblichkeit" umgeht. Als ob das eine sinnvoll abgrenzbare Eigenschaft wäre.
Ich empfinde "Weiblichkeit" eher als eine innere Erlebniswelt. Mein Leben fühlt sich anders an, wenn ich im en-femme-Modus bin. Das klingt wie ein Switch, ist aber eher ein hin und her gleiten. En femme bedeutet einen Seelenzustnd, der nichts mit meiner äußeren Erscheinung zu tun hat. Manchmal registriere ich, wie der Wunsch in mir wächst und dann auch wieder nachlässt. Ich meine nicht das Äußere wie Kleidung oder Accessoires, sondern das Gefühl dafür. Das Äußere ist meine Sprache. Ich habe meine Weiblichkeit und ob das mit dem Gefühl entspricht, das Frauen haben, weiß ich nicht und ist mir auch nicht wichtig. Ob es ein übereinstimmendes Gefühl für Weiblichkeit unter Bio-Frauen gibt, möchte ich auch bezweifeln. Weiblichkeit ist ein Ausdruck für das, was ich in mir spüre und das ist ein Teil von mir. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist kein Spiel, aber ich kann spielerisch damit umgehen.
wünschst Du dir das denn überhaupt? Du klingst sehr unentschlossen... Nur, Du wirst kein lockeres Leben führen können, wenn Du weiterhin davor zurück schreckst, diesen einen Schritt zu gehen.
Die Frage ist berechtigt. Und die Unentschlossenheit ist Angst, sorry der Respekt ;-), vor den Folgen. Es muss in meiner Pubertät gewesen sein, da stellte ich mir die Frage, was ich mir wünschen würde, wenn eine Fee vorbei käme. Ich bin darauf gekommen, das ich mir wünschen würde, dass, egal ich welches Geschlecht in mir spüre, es so leben kann, wie ich will und meine Umwelt das als nichts besonderes wahrnimmt. Das trifft den Kern bis heute. Locker leben ? Das kann ich mir kaum vorstellen, wie sich das anfühlt. Gefühlt habe ich das bestenfalls als kleines Kind erlebt. Meine Weiblichkeit ist für mich ein völlig normaler und guter Zustand. Was ihn so schwierig macht, sind die äußeren Einflüsse. Damit meine ich nicht, dass ich daran gehindert werde, etwas zu tun, sondern das Stereotyp von Frausein. Das wirkt in mir 24/7, ganz im Sinne meines vorherigen Beitrags. Ich spüre die Differenz zwischen dem, was ich in mir fühle, was auch meine Realität ist und dem was mit Weiblichkeit in unserer Kultur gemeint ist, was ich für eine künstliche Konstruktion halte. Ich drehe die Antwort, was den real ist, einfach um und siehe da, es wird etwas sinnvolles für mich.

Jede Kultur, die glaubt zu wissen, was ist, ist wie der Kaiser, der keine Kleider an hat. Jetzt ist Kultur nichts böses, aber sie ist ständig um uns und wir Menschen akzeptieren diese Kultur. Sie ist enorm bedeutsam, auch wenn wir alleine sind. Queere Menschen, egal welcher Couleur, rebellieren in irgendeiner Form dagegen, weil es nicht ihrer persönlichen Wahrheit entspricht. Ich wünsche mir eine Kultur, die persönliche Wahrheiten akzeptiert. Wir sind in weiten Teilen auf einem guten Weg, aber erreicht haben wir das noch nicht. Menschen so zu lesen, wie sie sich zeigen, das wäre mein Ziel.

Jetzt ist das alles sehr abgehoben von meinem persönlichem Leben. Aber ich muss mich auch erst frei machen, Stereotype als die Wahrheit zu nehmen. Ich brauche dafür die Auseinandersetzung, die ich hier mit einigen finde. Mein Transdasein zu akzeptieren und so zu leben, wie ich es spüre, ist meine kleine Emanzipation. Aber das reicht noch nicht, viele kleine Emanzipationen sind dann der Weg zu kulturellen Veränderungen. Wir sind mittendrin. Ich habe mir das nicht ausgesucht und würde mir das auch nicht aussuchen. Das will auch noch nicht so recht in meinen Kopf. Aber irgendwie bin ich ungewollt Sand, aber auch ein winziges Rädchen im Getriebe ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 213 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 07:13 Ich brauche dafür die Auseinandersetzung, die ich hier mit einigen finde. Mein Transdasein zu akzeptieren und so zu leben, wie ich es spüre, ist meine kleine Emanzipation.

Hey Vicky..

ach, du hast die letzten Jahre so viele Fortschritte gemacht und dann wechselt du die Position und schaust es dir aus einem anderen Blickwinkel
noch einmal an...nicht das das schlecht wäre, für dich.

Es erinnert mich aber alles ein wenig an "dukkha", dem buddhistischen "Leid" in dem die eigenen Begrifflichkeiten und deren Projektion das Schmerzhafte
sind. Nicht das sich das verstanden hätte, ich bin ja nur Teilzeitbuddhistin.

So ein wenig versuche ich aber, nicht mich meinem Leid zu ergeben und schon gar nicht das anzunehmen was mir wer von aussen zuschreibt.
Also kein "when shit happens you deserve it"

Also versuche ich mich grob an die vier edlen Wahrheiten zu halten, die ich so für mich wahrnehme.

Die erste ist "Alles was existiert (ob materiell oder geistig), ist unbeständig und verursacht Leid."

Die Zweite "Alles Leiden hat Ursachen, einen erkennbaren Ursprung: Unsere negativen Geisteszustände."

Die Dritte "Es gibt einen Übungsweg, um alles Leiden zu beenden."

Die Vierte "Das Ergebnis dieses Weges ist die endgültige Befreiung von Leiden."

Sprich, den Gedanken, die falsche Projektion, loslassen. Nicht gleichgültig sein, das meine ich nicht, aber wenn der Gedanken betrachtet ist,
gebe ich ihn frei und komme nicht darauf zurück, sonst wäre ich wieder bei Schritt 1. Das hat mich in den letzten Jahren bei jedem Trauerfall
gerettet, ich bin nicht mehr so tief versunken, sondern habe die Person frei gelassen, den Anhaftung an etwas macht Angst und Trauer.
So konnte ich auch mein altes Sein loslassen und konnte trotzdem geliebte Wesenszüge mitnehmen, ohne das mir das Schmerzen macht.

Schönen Start in die Woche, Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 214 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hi Marie,

danke für Deine Worte. Ich glaube, das ist gar nicht so weit weg von dem, was ich meinte. Wobei mir klar ist, dass die buddhistische Philosophie noch wesentlich tiefer geht. Ich sehe nicht wirklich ein "shit happens", sondern ich habe mich angenommen, wie ich bin. Nur konsequent leben, kann ich es noch nicht, bewege mich aber ...

Wenn ich es richtig verstehe, sind die 4 Wahrheiten (einer ?) der Grundpfeiler des Buddhismus. Ich vesrstehe nicht, wie das Ende des Leidens noch Leben sein soll. Aber das ist hier nicht der Punkt. Die anderen drei Punkte sehe ich ähnlich. Und eigentlich geht es mir genau darum. Die Frage ist, was sind die "negativen Geisteszustände". Negativ in welchem Sinne ? Ich gehe davon aus, dass gerade der Buddhismus Wertungen ablehnt. Aber egal, mein negativer Geisteszustand ist gerade der, den ich oben beschrieben habe. Ich bin in diesem Geisteszustand, weil es mir schwer fällt, mich den äußeren Einflüssen zu entziehen. Es ist die falsche Projektionsfläche für mich. Mein Maßstab kann ich nur selber sein. Ich denke, das Schwierige und Mühevolle ist die Loslösung von alten Maßstäben. Das ist die eigentliche Häutung, die wir für Wachstum brauchen.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 215 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 07:13 Ich empfinde "Weiblichkeit" eher als eine innere Erlebniswelt. Mein Leben fühlt sich anders an, wenn ich im en-femme-Modus bin.
Danke, Vicky. Ich schätze, das ist einer der wichtigsten "Gründe", warum ich so manches hier nicht richtig verstehe, bzw. ich einfach große Fragezeichen habe: für mich gibt es keine Differenzierung zwischen einer "Männlichkeit" und einer "Weiblichkeit". Vielleicht, weil da nur diese eine Empfindung ist (war), oder weil ich meine Eigenschaften nie kategorisiert habe (was definitiv auch der Fall ist). Ich lese auch hier so oft, dass Entscheidungsfindung und so technische Sachen als "Männermodus" bezeichnet, die Weiblichkeit dann demgegenüber mit den kuscheligen Momenten auf der Couch, dem Weinen bei bestimmten Filmen oder allgemein erhöhter Empfindsamkeit identifiziert werden. Und da muss ich sagen, ich finde diese Art der Stereotypisierung falsch. Ja, das sind alles Eigenschaften, die ich besitze - neben vielen anderen. Aber ich sehe keinen Sinn darin, sie (und damit mich) in eine von zwei Schubladen einzusortieren.

Also, wenn es euch hilft, dann bitte macht. Ich bin der Meinung, dass wir uns dadurch aber selbst Fesseln anlegen.
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 07:13 Ich habe meine Weiblichkeit und ob das mit dem Gefühl entspricht, das Frauen haben, weiß ich nicht und ist mir auch nicht wichtig. Ob es ein übereinstimmendes Gefühl für Weiblichkeit unter Bio-Frauen gibt, möchte ich auch bezweifeln.
100% d'accor. Und das ist auch total hilfreich, denn so dürfen auch wir ganz wir selbst sein.
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 07:13 Was ihn so schwierig macht,[...] sondern das Stereotyp von Frausein. [...]Ich spüre die Differenz zwischen dem, was ich in mir fühle, was auch meine Realität ist und dem was mit Weiblichkeit in unserer Kultur gemeint ist, was ich für eine künstliche Konstruktion halte.
Ok, aber wenn Du dich eh nicht "klar" feminin zuordnen willst oder kannst - und auch gar nicht musst! Dann wird sich diese Differenz nie auflösen lassen. Ich weiß jetzt nicht, welches Stereotyp dir so vorschwebt, mir fallen auf Anhieb diverse Arten ein, wie Frauen so "typisch" sind. Genauso, wie es etliche Varianten von "Weiblichkeit" allein in unserer Gesellschaft gibt. Die sind abhängig von Umwelt, Alter, sozialem Status und anderen Dingen. Und das nur in "unserer" Kultur, allein in Deutschland, ohne auf Europa oder gar den "Westen" zu schauen.

Mit einer der Gründe, warum ich sehr dankbar dafür bin, keine Beziehung zu haben, in der ich mich nach den Wünschen und Bedürfnissen einer anderen erwachsenen Person richten müsste. Wenn ich mir überlege, wie eingeschränkt meine Sicht auf "Weiblichkeit" wäre, wenn ich noch in meiner Ehe stecken würde... ein straff gezogenes Korsett ist nichts dagegen. Was hab ich da nicht alles gehört, wie sich Frauen auf keinen Fall verhalten oder was nur bestimmte Frauen tun, andere (die, die wirklich das Frauenleben leben) nicht... ich hätte mich nie so frei und selbstbewußt entwickeln können, ewig mit den offenen und unausgesprochenen Vorhaltungen darüber, dass "echte Frauen" keine Zeit haben, sich die Nägel zu lackieren oder morgens Make up aufzulegen... Und mit "echte Frauen" meinte sie natürlich sich.

Was halt aber ein Bullshit-Argument ist, ich hatte die Zeit ja auch nur, weil ich halt ne Stunde früher aufgestanden, oder Abends länger wach geblieben bin. So wie die Frauen, denen Make-Up und lackierte Nägel wichtig sind. Aber deswegen ist doch weder die eine, noch die andere Frau echter oder richtiger Frau?
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 07:13 Mein Transdasein zu akzeptieren und so zu leben, wie ich es spüre, ist meine kleine Emanzipation. Aber das reicht noch nicht, viele kleine Emanzipationen sind dann der Weg zu kulturellen Veränderungen. Wir sind mittendrin. Ich habe mir das nicht ausgesucht und würde mir das auch nicht aussuchen. Das will auch noch nicht so recht in meinen Kopf. Aber irgendwie bin ich ungewollt Sand, aber auch ein winziges Rädchen im Getriebe ...
Ohje, bürdest Du dir da nicht etwas viel auf? Also neben der eigenen Entwicklung auch gleich noch große politische Ambitionen verwirklichen? Vielleicht erstmal das eine und dann den nächsten Schritt?
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 216 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Knäckebrötchen hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 11:05 Also, wenn es euch hilft, dann bitte macht. Ich bin der Meinung, dass wir uns dadurch aber selbst Fesseln anlegen.
Absolut, wenn ich meine, etwas tun zu müssen, um Bildern zu entsprechen. Etwas anderes ist es, wenn ich mich aber auf meine Seelenlage einstellen kann. Ich bewege mich nicht im Dualismus männlich/weiblich. Ich bin weiblich oder neutral. Mit Männlichkeit kann ich nur wenig verbinden.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 11:05 Ich weiß jetzt nicht, welches Stereotyp dir so vorschwebt
Kein Spezielles. Aber es gibt vieles in mir, was in weiblichen Stereotypen auftaucht. Ich genieße es, diese Facetten intensiv zu leben. Es macht mich lebendig. Das mache ich jedoch nicht 24/7. Dazwischen habe ich einen ganz "normalen" Alltag. Die Menschen um mich herum sehen mich männlich. Bisher habe ich sie in diesem Glauben gelassen.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 11:05 wenn ich noch in meiner Ehe stecken würde... ein straff gezogenes Korsett ist nichts dagegen.
Ich empfinde die Ehe nicht als ein Korsett. Das lege ich mir schon selber an. Es tut mir leid, wenn es bei DIr in die Brüche gegangen ist. Ich hatte das auch einmal. Die Ehe kann aber auch ein fruchtbarer Boden sein, sich weiter zu entwickeln. Es ist nicht so, dass mir meine Frau "vorschreibt", was ich tragen kann und was nicht. Die Hemmung liegt in meinem Kopf, weil ich weiß, was ihr gefällt und was nicht.

Klar habe ich auch schon gedacht, was wäre, wenn ich alleine leben würde ? Klar könnte ich mich viel leichter in meinem Wunsch nach Weiblichkeit entwickeln. Für mich wäre das aber ein trauriges Leben.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 11:05 auch gleich noch große politische Ambitionen verwirklichen?
Nein, ich bin nicht die Kämpferin für Gerechtigkeit. Die heilige Johanna des Boudoirs sozusagen ... LOL Was ich meine, alleine durch die Tatsache, dass ich in irgendeiner Form Trans bin, bringt mich automatisch dazu. Mich selber anzuerkennen bedeutet, zu erkennen, dass die Binarität, in der unsere Kultur lebt, so nicht existiert. Entweder ich emanzipiere oder ich unterwerfe mich. Mich en femme zu zeigen, ist ein politisches Statement, ob ich will oder nicht. Auch Frau kann nicht nicht kommunizieren. Eine Aktivistin bin ich trotzdem nicht.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 217 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 12:27 Ich empfinde die Ehe nicht als ein Korsett. Das lege ich mir schon selber an. [...] Es ist nicht so, dass mir meine Frau "vorschreibt", was ich tragen kann und was nicht. Die Hemmung liegt in meinem Kopf, weil ich weiß, was ihr gefällt und was nicht.

Klar habe ich auch schon gedacht, was wäre, wenn ich alleine leben würde ? Klar könnte ich mich viel leichter in meinem Wunsch nach Weiblichkeit entwickeln. Für mich wäre das aber ein trauriges Leben.
Solange ich verheiratet war, und als Mann gelesen wurde, war ja auch vordergründig alles ok. Das Korsett kam erst, nachdem ich mich geoutet habe. Und nein, das habe nicht ich mir angelegt. Es wurde mir angelegt, von einer Person, die mir vorschreiben wollte, wie ich als Frau sein darf oder eben auch nicht. Bitte hör auf, immer alles als Selbstverantwortung darzustellen. Das ist schädlich und macht Menschen kaputt.
Es ist nicht so, dass mir meine Frau "vorschreibt", was ich tragen kann und was nicht. Die Hemmung liegt in meinem Kopf, weil ich weiß, was ihr gefällt und was nicht.
Ganz genau mein Punkt und wie oben - bitte lass dieses "das kommt nur aus mir". Wenn ich weiß, was meiner Partnerperson nicht gefällt, werde ich es nicht machen. Weil ich die andere Person nicht provozieren möchte. Warum sonst sollte ich darauf verzichten, bestimmte Sachen zu tragen die mir vielleicht wichtig sind? Also schränkt mich die andere Person ein. Nicht ich schränke mich ein. Je nach Begründung und Reaktion auf einen Verstoß gegen die Einschränkung werde ich das Bedürfnis der anderen Seite schlußendlich verinnerlichen und übernehmen. Und dann "liegt die Hemmung in meinem Kopf".

Du selbst hast etwas über Kompromisse geschrieben, die in deiner Aussage quasi nur Verlierer produzieren. Was also soll an einer Beziehung, die nunmal an vielen Stellen Kompromisse bedeutet, gut sein, wenn ich in einer Phase bin, in der ich mich so frei und unbeschränkt selbst entdecken möchte, wie möglich? Das muss ja kein Dauerzustand sein. Aber aktuell genieße ich diese Freiheit über mich.

Und um das nochmal hervor zu heben: wir existieren nicht in einem Vakuum, in dem nur wir über unser Handeln bestimmen. Ja, wir tragen die Hauptverantwortung für uns und unser Handeln, aber da sind auch Menschen und Dinge um uns herum, die uns zu Handlungen zwingen. Und je nach dem, wie dieser Zwang ausgeübt wird - physisch, moralisch, emotional, können wir uns dagegen stellen, oder auch nicht. In einer Beziehung mit Kindern bist Du nicht vollkommen frei, über deine Handlungen zu entscheiden. Das mag in libertären Denken so theoretisch sein, in der Praxis gelebt führt es nur zu Konflikten und Zerbruch.
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 218 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Knäckebrötchen hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 13:43 Bitte hör auf, immer alles als Selbstverantwortung darzustellen.
Sorry, as habe ich nicht. Ich habe von meinen Erfahrungen geschrieben. Und ich verstehe auch, dass die Ehe ein Korsett sein kann. Ich habe das in einer Beziehung auch einmal erlebt, was dazu führte, dass wir uns getrennt haben. Ich werde einen Teufel tun und irgend jemand etwas vorschreiben. Ich finde Selbstverantwortung wichtig und ich finde den Hinweis auf die Perspektive zur Selbstverantwortung wichtig, sonst gerät man in die Gefahr Opfer zu werden.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 13:43 Wenn ich weiß, was meiner Partnerperson nicht gefällt, werde ich es nicht machen....Also schränkt mich die andere Person ein. Nicht ich schränke mich ein.
Aber wer trifft denn die Entscheidung, wer handelt ? Die Partnerperson ? Mit der von Dir beschriebenen Verhaltensweise entscheidest Du Dich für weniger Konflikt und das auf eigene Kosten. Der aktive Part liegt bei dem der entscheidet.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 13:43 Was also soll an einer Beziehung, die nunmal an vielen Stellen Kompromisse bedeutet, gut sein, wenn ich in einer Phase bin, in der ich mich so frei und unbeschränkt selbst entdecken möchte, wie möglich?
Es ist doch völlig legitim, wenn Du nicht in einer Beziehung leben möchtest. Ich will sie Dir nicht einreden. Ich bekomme aber Haarausfall, wenn immer wieder postuliert wird, dass Beziehung per se Kompromiss bedeutet. Ich will nicht die Notwendigkeit von Kompromisse ausschließen. Aus meiner Sicht wird der Kompromiss in vielen Fällen zum kleinen Bruder der Konfliktvermeidung. Jede/r muss hier selber wissen, was wirklich bedeutender ist. Ein Konflikt basiert auf Forderungen. So kann z.B. die Verwendung einer Ressource wie Geld oder Zeit zu Kompromissen führen. Das ist evtl. eine brauchbare Lösung, evtl. ist aber eine Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen der bessere Weg. Beispiel: Wird wirklich das 27. Paar Schuhe gebraucht oder ist es nicht doch besser investiertes Geld, wenn der/die Andere ein neues Hemd braucht ? Was ich sagen will, der Kompromiss ist die zweit- oder drittbeste Lösung. Dazu muss man erkennen, was hinter der eigenen Forderung wirklich steht. Das ist für mich ein Idealfall, den ich anstrebe und das ist gar nicht so einfach.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 13:43 aber da sind auch Menschen und Dinge um uns herum, die uns zu Handlungen zwingen.
Wenn das so wäre, wäre für mich die Beziehung toxisch. Und warum bin ich nicht frei in meinen Entscheidungen, wenn Kinder im Spiel sind ? Ich fürchte, Du verwechselst Unfreiheit mit Einschränkung. Mein Leben mit Partnerin, auch mit evtl. Kindern ist im Vergleich zu einem ungebundenen Leben mit Einschränkungen verbunden. Dazu habe ich mich frei entschieden. Und mit dieser freien Entscheidung sind Konsequenzen und Einschränkungen verbunden. Das ist mit Verantwortung verbunden, aber nicht notwendigerweise mit Zwang. Erlebe ich das Verhalten meiner Partnerin als Zwang, führt das zu Konflikt und evtl. auch zum Bruch. Ist das dann die schlechteste Lösung ? Ich empfinge mein Denken als gar nicht so libertär. Ich versuche meiner Verantwortung gerecht zu werden. Verantwortung ist ein Kind der Freiheit. Als libertär würde ich eher ein Verhalten beschreiben, das darauf zielt, möglichst viele Freiheiten zu erhalten. In der Beziehung würde das bedeuten, dass man seine eigenen Forderungen möglichst weit durchzusetzen. Darum geht es in der Krise mMn aber nicht. Auf das Transsein bezogen, geht es nicht darum, wie man Weiblichkeit lebt oder meine Partnerin mich noch im Rock akzeptiert. Es geht um die Frage, was Transsein mit uns und der Beziehung macht. Sind meine Vorstellungen eine Sackgasse oder ist vielleicht ihr Denken von außen dominiert ? Es gibt nicht die ein- oder andere Sichtweise, auch nicht um einen Ausgleich oder einen Kompromiss, sondern um etwas Drittes, etwas Neues. Davon können beide profitieren. Best case. Eine Trennung muss auch nicht der worst case sein. Worst case ist für mich, wenn beide versuchen, den anderen zu zwingen.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 219 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Hey Vicky,

auf den Buddhismus komme ich gerne nochmal später zurück, beziehungsweise sieht man an dem was ich schreibe,
wie wir in unserer Partnerschaft darüber denken und dann auch versuchen die Philosophie anzuwenden.
Was das angeht vermisse ich die liebe Frieda hier sehr...

Knäckebrötchen hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 13:43 Wenn ich weiß, was meiner Partnerperson nicht gefällt, werde ich es nicht machen. Weil ich die andere Person nicht provozieren möchte. Warum sonst sollte ich darauf verzichten, bestimmte Sachen zu tragen die mir vielleicht wichtig sind? Also schränkt mich die andere Person ein. Nicht ich schränke mich ein. Je nach Begründung und Reaktion auf einen Verstoß gegen die Einschränkung werde ich das Bedürfnis der anderen Seite schlußendlich verinnerlichen und übernehmen.
Hmmm..bei den Sätzen habe ich geschluckt. Dann verstehe ich wirklich völlig, warum diese Beziehung in die Brüche gegangen ist.
Wir wissen beide sehr genau was der anderen Person nicht gefällt, machen tun wir es aber trotzdem. Oder tun etwas nicht was gewünscht wäre.
Das ist nicht provokant, es ist einfach nur zu erwarten. Ich denke unser Gefühl für die andere Person ist so gut, das wir auch kaum einen
Bogen überspannen..da muss nichts ausgesprochen sein oder noch schlimmer irgendwo fixiert.

Ich habe einfach nicht das Recht, dem Menschen den ich zutiefst liebe, Vorschriften zu machen, wir sind 2 Faktoren unter einem
grösseren Faktor Partnerschaft. Also 2 Individuen, eigene Gefühle, eigene Rechte, eigene Gedanken, Lust auf, ja whatever.
Wir können etwas gemeinsam machen, müssen aber nicht. Wir funktionieren autark und haben Schnittpunkte an denen wir uns treffen.
Kompromisse machen Leid, weil jede der Parteien nicht bekommt was sie möchte, sondern nur einen Anteil daraus.
Und noch schlimmer, man ist so verquickt, das man es irgendwann nicht mehr separieren kann. Damit ist uns beiden unwohl.
Es ist also Verpflichtung wo Vertrauen sein könnte...

und was ich super cool finde, wir wachsen an der anderen Person, weil wir frei handeln, neues entdecken und tun.
Wir haben nicht mal ein gemeinsames Konto und wir werden nie eines haben, es gleicht sich alles aus. Wir wissen aber über was die
andere Person verfügen kann, es liegt quasi alles offen. Ist das libertär? Mag sein..vor allem mag ich aber keine geschlossenen Türen.
Ein das "Geht dich nichts an" wäre ein gegenseitiger Stich ins Herz

Wir versuchen der anderen Person kein Leid zuzufügen und eben die maximale Freiheit zu lassen, das klappt auch nicht immer gut
und wir haben auch mal Streit und schmieren uns alte Themen aufs Brot die doch nicht ganz bearbeitet sind.
Wichtig ist, das wir nach dem Streit verzeihen und loslassen können um auf einer anderen Ebene dann weiter zu lernen und uns
mehr zu erfahren.
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 15:18 Es geht um die Frage, was Transsein mit uns und der Beziehung macht.
Was hat es mit unserer Beziehung gemacht? Ich weiss, das in meinem Lieblingsmenschen manchmal die Frage keimt,
ob ich von Anfang an mit den falschen Bedingungen gestartet bin. Ja bin ich, auch wenn ich vom Anfang an als
weiblicher "Mann" gelesen wurde. Andererseits habe ich aber nie gesagt, das ich einer wäre. Ich habe auch nicht
gesagt, das ich weiblich bin. Ich habe dazu einfach nichts gesagt, das war falsch. Und tut mir leid.
Weil es einfach ein eklatanter Vertrauensbruch ist. Ein Ausnutzen fast.

Wir sind daran gewachsen, ebenso wie meine Familie, die Familie meines Lieblingsmenschen, unsere Freunde
egal von welcher Seite. Wachsen kann man nur mit zulassen, Leid loslassen kann man nur wenn der Gedanke abgeschlossen ist.
Leben startet da, wo man den anderen mehr liebt als sich selbst und frei sein lässt, das führt dann zur Liebe für
alle Wesenheiten...

das war jetzt nur ganz kurz, weil mir mal wieder die Zeit fehlt, schade.
Ich würde da auch mal super gerne eine Gruppendiskussion in einem Sprachraum führen, wenn dazu jemand Interesse hat.


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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 220 im Thema

Beitrag von Anja61 »

Lavendellöwin hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 16:43
das war jetzt nur ganz kurz, weil mir mal wieder die Zeit fehlt, schade.
Ich würde da auch mal super gerne eine Gruppendiskussion in einem Sprachraum führen, wenn dazu jemand Interesse hat.

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Liebe Marie,

was hier verhandelt wird, ist für mich persönlich sehr essentiell. Es ist zeitlich sehr schwierig für mich, viele für mich wichtige einzelne Beiträge in einem zeitnahen Abstand angemessen zu berücksichtigen bzw. zu kommentieren.
Schön wäre es, alle die es betrifft, einmal zumindest virtuell zu treffen, und sich auszutauschen. Mir ist nur nicht ganz klar, wie frau das organisieren könnte.

Ich habe auf jeden Fall großes Interesse und würde das terminlich auch entsprechend priorisieren. (super)

Liebe Grüße
Anja
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

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Beitrag von Knäckebrötchen »

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 15:18 Aber wer trifft denn die Entscheidung, wer handelt ? Die Partnerperson ? Mit der von Dir beschriebenen Verhaltensweise entscheidest Du Dich für weniger Konflikt und das auf eigene Kosten. Der aktive Part liegt bei dem der entscheidet.
Hey,

sorry, das ist mir zu schlicht. Theoretisch habe ich immer die Freiheit, eine Entscheidung zu treffen. Und die Konsequenzen zu tragen. Praktisch habe ich diese Freiheit nur in sehr wenigen Fällen wirklich.

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 15:18 Und warum bin ich nicht frei in meinen Entscheidungen, wenn Kinder im Spiel sind ?
Das kann nur sagen, wer keine eigenen Kinder hat. Kinder sind abhängig. Ich als Elternteil bin verantwortlich für diese Menschen. Ende der Geschichte.

Als halbwegs funktionierendes Sozialwesen wirst Du die Beziehung zu deinen Kindern nicht mal eben so trennen. Und eine Trennung der Eltern ist in vielen Fällen mit einer weitgehenden Trennung der Kinder von einem der Elternteile (meist dem Vater) verbunden. Das ist für viele Männer tatsächlich nicht so relevant. Die beschweren sich dann nur, wenn sich die Kinder nicht mit ihnen abgeben wollen.
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 15:18 Ich fürchte, Du verwechselst Unfreiheit mit Einschränkung. Mein Leben mit Partnerin, auch mit evtl. Kindern ist im Vergleich zu einem ungebundenen Leben mit Einschränkungen verbunden. Dazu habe ich mich frei entschieden. Und mit dieser freien Entscheidung sind Konsequenzen und Einschränkungen verbunden. Das ist mit Verantwortung verbunden, aber nicht notwendigerweise mit Zwang.
Ich verwechsle das nicht, keineswegs. Verantwortung übernehmen heißt, die Bedürfnisse eines abhängigen Menschen über die eigenen zu stellen. Da Kinder ihre Bedürfnisse nicht immer selbst befriedigen können, habe ich theoretisch natürlich die Freiheit, mit nachts im Bett umzudrehen und nicht aufzustehen wenn das Kind Hunger hat. Ich hoffe nur, dass dann ganz mal jemand kommt und ganz praktisch das Jugendamt informiert.

Zwang heißt doch nur, ich habe keine Handlungsfreiheit. Entscheidungsfreiheit habe ich, die ist aber nichts wert, wenn die Konsequenz heißt, mein Kind stirbt.
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 222 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Lavendellöwin hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 16:43 Ich habe einfach nicht das Recht, dem Menschen den ich zutiefst liebe, Vorschriften zu machen, wir sind 2 Faktoren unter einem
grösseren Faktor Partnerschaft. Also 2 Individuen, eigene Gefühle, eigene Rechte, eigene Gedanken, Lust auf, ja whatever.
Wir können etwas gemeinsam machen, müssen aber nicht. Wir funktionieren autark und haben Schnittpunkte an denen wir uns treffen.
Kompromisse machen Leid, weil jede der Parteien nicht bekommt was sie möchte, sondern nur einen Anteil daraus.
Und noch schlimmer, man ist so verquickt, das man es irgendwann nicht mehr separieren kann. Damit ist uns beiden unwohl.
Es ist also Verpflichtung wo Vertrauen sein könnte...
Ja, das Leben kann so schön sein. Ohne Kinder.

Also ganz unironisch, ohne Kinder kannst Du so ein Leben führen und wenn ihr das habt, dann bin ich glücklich für Dich und euch. Mit Kindern funktioniert das halt nicht mehr.
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 223 im Thema

Beitrag von Lana »

Oh, da geht ja schon wieder was voran :P

War ich gerade noch dabei, die Gedanken der älteren Beiträge ein bisschen sacken zu lassen und hab dem Mond zugeschaut, wie er langsam übers Meer hinwegzieht...

Und schon sind wir wieder wo ganz anders angekommen, irgendwo zwischen Buddhismus und der Verantwortung für Kinder und Partner und den unendlichen Möglichkeiten, eine erwachsene Partnerschaft auszugestalten.

Dazu fallen mir viele Dinge ein, die ich jetzt doch nicht aufschreibe - ich bin müde.

Der Vorschlag, eine Gesprächsrunde zu machen, gefällt mir sehr. Die Technik dazu gibt es kostenlos, allein die Terminfindung kann uns niemand abnehmen. Aber vielleicht bekommen wir das ja hin? Ein Doodle oder sowas ist schnell aufgesetzt...

LGL
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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 224 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Knäckebrötchen hat geschrieben: Di 10. Jun 2025, 21:34 Das kann nur sagen, wer keine eigenen Kinder hat. Kinder sind abhängig. Ich als Elternteil bin verantwortlich für diese Menschen.
Ich will Lana nicht abhängen ... deshalb nur kurz.

Ich habe zwei KInder, die erwachsen sind. Ich habe das Gefühl, dass wir aneinander vorbei schreiben. Ich mich ja vielleicht nicht gut ausgedrückt. Natürlich steht die Verantwortung im Mittelpunkt, aber ich habe in diesem Rahmen meine Entscheidungsfreiheit. Was sollen denn KInder von mir lernen, wenn ich sie als Zwang erlebe, die mir meine Entscheidungsfreiheit nimmt. Der Knackpunt liegt möglicherweise darin, wie ich die Situation bewerte. Übrigens haben meine Kinder auch eine Trennung erlebt und ich habe geheult wie ein Schlosshund. Es hat Jahre gedauert, bis ich das Thema überwunden hatte. Das war für mich mehr als nur relevant. Mir fehlen 10 Jahre mit meinen Kindern.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich fühle mich, als wäre ich eine Marionette ...

Post 225 im Thema

Beitrag von Susi T »

Danke Vicky,
auch wenn ich hier kaum Zeit habe mitzulesen, so möchte ich auch darauf hinweisen das das mit den Kindern sehr unterschiedlich sein kann. Ich habe die letzten Jahre bis zu ihrer Volljährigkeit meine Tochter alleine groß gezogen und mit mir ist sie dabei langsam aufzublühen/im Leben sich wieder wohl zu fühlen. Die Ehe hat allen massiv geschadet.
Ich habe meinen Schatz als allein erziehenden wundervollen Gluckenpapa kennen gelernt und auch Heute ist es wichtig für die Kinder die schon Erwachsen sind, wie wir miteinander umgehen und das wir es auch außerhalb der Norm schaffen uns ein Glückliches Leben aufzubauen.
Sowas gibt Mut und fördert das Selbstvertrauen, selbst wenn man nur ganz normal seinen Weg geht.
Liebe Grüße, Tira (flo)
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