Lana hat geschrieben: Mi 21. Mai 2025, 00:15
Es ist viel mehr als nur eine gekonnte Aneinanderreihung von Klängen, es ist für mich die Tür zu einer anderen Welt
Hi Lana,
WIE WAHR!!! 50 Jahre ist das her und das Köln Concert ist eine Sternstunde der Musik. Einzigartig in seiner Inspiration, entstanden unter widrigen Umständen und aus reinem Mitgefühl gespielt auf einem drittklassigen Flügel, den der Klavierstimmer vor dem Konzert noch so gut‘s ging konzertreif gemacht hat. Die Natur bringt immer die schönsten Kostbarkeiten zustande, wenn Mangel herrscht - Besinnung auf das Wesentliche. So einfach, und doch so schwer.
Schade ist nur, dass Keith Jarrett kein einfacher Mensch zu sein scheint. In 2025 kam ein Film über das Köln Concert auf die Kinoleinwände. Eine Hommage an das Konzert und dessen Begleitumstände - die blutjunge Veranstalterin hatte sich verschuldet und alles auf eine Karte gesetzt. Aber Keith Jarrett, der diesem Konzert sicher eine extreme Popularität und auch Tantiemen zu verdanken hat, willigte nicht in die Erteilung der Musikrechte ein. Das finde ich dann doch traurig.
Keine seiner weiters veröffentlichten Solo-Spontanimprovisationen hat nach meinem Gefühl diesen Inspirationslevel nochmals erreicht. Ein weiterer Release (Wien?) steht unmittelbar bevor - bin vorsichtig gespannt. Auch hörte ich ihn live und Solo in den 90ern im Münchner Gasteig - ein verunglücktes Konzert mit Anklängen von Tumult im Publikum. Ok, das Münchner Publikum mag a bisserl g‘schleckt und selbstverliebt sein, aber die Location hat sich Keith Jarrett schon selber ausgesucht. Es war November, etliche Leut waren erkältet. Sobald es Huster im Publikum gab, während er sich im Übergang zwischen zwei Themen bewegte, hat‘s ihn irritiert und rausgeschmissen; er hat dann einfach abgesetzt. Nach dem zweitenmal referierte er vor dem Publikum, Erkältung und Husten sei menschlich, aber man könne sich zurücknehmen; ungenierte Huster sagen ihm, dass die Ohren für seine Musik nicht offen sind. Nach dem dritten Absetzer wollte er das Konzert abbrechen und verschwand mit einer Abschlusserklärung von der Bühne. Dass der nichthustende Fanclub darüber alles andere als begeistert war, ist klar. Es hagelte lautstarke Proteste und Keith kehrte zurück und war dann tatsächlich in der Verfassung, sich komplett auf sich selbst und nicht auf‘s Publikum einzulassen. So einfach, und doch so schwer.
WIR VERBINDEN MUSIK, ABER AUCH DÜFTE, MIT KONKRETEN ERINNERUNGEN.
Als ich mich mit der Martina in mir auseinandersetzte und mich den ersten Personen darüber mit völlig ungewissem Ausgang öffnete, hatte ich „eventide“ von Voces8 rauf und runter laufen. Besonders dieses eine Lied erinnert mich seitdem immer wieder an diese unsichere, ehrliche und erschütterliche Zeit, die ich zu erleben nie bereut habe.
https://youtu.be/-uPDpbPblzw?si=Nl5BAxlfdVHc9p2c
Von Musik schwer berührt - und von diesem Thread,
Martina, La Martina
