mein wahres Ich bleibt unter Verschluss
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Lebensplanung, Standorte
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Jutta Rambler
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mein wahres Ich bleibt unter Verschluss

Post 1 im Thema

Beitrag von Jutta Rambler »

Ich bin als Mann geboren und werde wohl auch als Mann sterben. Zumindest nach Außen.

Es war eine ganz andere Zeit, als ich geboren wurde. Damals war es gar nicht denkbar seine Gefühle bezüglich seiner Sexualität offen zu legen. Zumindest wurde ich so erzogen. Es ist eine lange Geschichte, aber ich werde mich nur auf das wesentliche konzentrieren.

Mein Vater war Elektriker, meine Mutter Garderobiere. Beide arbeiteten im Theater. Hier verbrachte ich meine Kindheit. Nach und nach wurde mir bewusst, dass ich mich nur in der Garderobe der Künstlerinnen aufhielt und mich dort sehr wohl fühlte. Ich liebte es den Frauen zuzusehen, wie sie sich anzogen und für ihren Auftritt zurecht machten. Zu den Kleidungsstücken fühlte ich mich sehr hingezogen. Da es auch für Mädchen Kostüme gab, begann ich irgendwann diese anzuprobieren. Ich weiß noch, dass die Frauen sich darüber freuten und mich dabei inspirierten. Es war eine sehr schöne Zeit für mich. Für mich gab es eigentlich nur Frauenkleidung die ich gerne anzog. Während meiner Schulzeit habe ich unter meiner Kleidung auch nur Frauenunterwäsche getragen.

Mit 18 Jahren verließ ich mein Elternhaus und begann ein Studium. Ich wohnte in einem Studentenwohnheim. In dieser Zeit nahm alles seinen „normalen“ Weg. Nur eins war anders. Ich hielt mich hauptsächlich in Cliquen mit Kommilitoninnen auf. Nicht weil ich als junger Mann um eine Frau balzen wollte, nein, es war mir einfach angenehm Freundinnen zu haben.

Danach begann ich eine Tätigkeit als Ingenieur. Ich lernte ein nette Frau kennen und heiratete. Im Laufe der Zeit entwickelte meine Frau die Neigung nur noch Herren- Oberbekleidung zu tragen. Sie wollte werder Röcke, Feinstrumpfhosen noch Damenschuhe tragen. Das war bei mir der Auslöser selbst wieder Damenwäsche zu tragen. Heimlich kaufte ich mir Wäsche und trug sie unter meiner Männerkleidung. Das war damals gar nicht so einfach, da es noch kein Internet gab, und auch keine DHL Packstation :-) . Ich habe es dann mal meiner Frau gebeichtet. Sie hat damals großartig reagiert und mir gestattet Damenunterwäsche zu tragen. Später fand sie es sogar gut.

Kurz danach wechselte ich den Job und ging in den Außendienst bei einem Computerunternehmen. Ich war deutschlandweit die ganze Woche unterwegs und übernachtete in Hotels. Das war für mich die Gelegenheit, mir eine kleine Kollektion an Damenkleidung zuzulegen. Unterwäsche, Feinstrumpfhosen, BH, einen Rock und Bluse, Schuhe.
Tagsüber trug ich meine Dessous unter meinem Anzug. Nach Feierabend zog ich mich um und ging nach draußen. Erst nur auf Parkplätzen, später auch in der Stadt.
Allerdings war das alles noch nicht perfekt. Natürlich musste noch eine Perücke her und, was mir immer zu meinem Glück fehlte: Brüste. Ich liebte die Brüste meiner Frau so sehr, dass ich ein inniges Verlangen hatte selbst Brüste zu haben. Ich weiß es noch genau, dass ich mir meine ersten Silikonbrüste in Frankfurt in einem Shop für Transgender-Bedarf gekauft habe. Das erste anprobieren war schon grandios, es wurde aber durch meinen ersten Spaziergang noch übertroffen. Ich merkte, wie mir dieses Gefühl immer gefehlt hatte. Erst jetzt fühlte ich mich wirklich glücklich. So musste sich eine Frau fühlen.
In den Jahren darauf lebte ich meine Gefühle aus und führte ein Doppelleben als Frau. Es machte mich glücklich, wenn mir Männer hinterher schauten und manchmal auch pfiffen oder einen Kommentar abgaben.
Um mein Frau sein zu komplettieren trug an seit dann auch Slipeinlagen und einmal im Monat für ein paar Tage Tampons.

Als ich dann aufgehört habe zu arbeiten und zu Hause war, habe ich stückweise begonnen alle Aufgaben im Haushalt zu übernehmen, die klassischer weise in früheren Zeiten von Frauen gemacht wurden. Das hat mich sehr befriedigt, und das tut es heute noch.

Ich weiß nicht, was meine Bestimmung war und ist. Ich fühle mich in beiden Leben wohl und ich möchte keines davon ganz vermissen. Ich bin ein sehr starker Gefühlsmensch. Es ist nur schade, dass ich nicht ganz Frau sein kann. Ich hätte auch als Frau so viel zu geben.

So, das war nun in Kurzform mein Leben. Ich hoffe ihr zerreißt mich jetzt nicht in der Luft. Ich habe versucht so zu schreiben, wie ich mich fühle.
Auf jeden Fall bin ich sehr froh, dass ich eine Form gefunden habe alles einmal von mir zu geben. Ich bin überzeugt davon, dass ihr das Eine oder Andere nachvollziehen könnt.

Lieben Dank Jutta
Das Leben ist wie zeichnen, nur ohne Radiergummi

Wer denkt, dass man Glück nicht kaufen kann, hat keine Ahnung und noch nie Damenkleidung gekauft.
Alicia
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Re: mein wahres Ich bleibt unter Verschluss

Post 2 im Thema

Beitrag von Alicia »

Liebe Jutta,

vielen Dank für die Einblicke in dein Leben mit den zwei Persönlichkeiten. Wenn ich das so lese, scheint ziemlich viel glatt gegangen zu sein, was nicht alle hier im Forum von sich behaupten können.
Alleine die Akzeptanz durch deine Frau ist gar nicht hoch genug einzuordnen. Auf jeden Fall hat es dich zufrieden und erfüllt gemacht. Dass die letzte Lücke zum kompletten Frausein für viele hier nicht zu schließen ist, ist nunmal unser Schicksal.
Ich wünsche dir jetzt im Ruhestand viele schöne und entspannte Jutta-Stunden.

Liebe Grüße, Alicia. (ki)
Eine Lebensweise zu erfinden ist nichts. Sie zu verinnerlichen, ein Anfang. Sie zu leben ist alles.
(Frei nach Otto Lilienthal)
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Re: mein wahres Ich bleibt unter Verschluss

Post 3 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Hallo Jutta,

warum sollte Dich irgendwer für das, was Du geschrieben hast, zerreissen?

Ich finde, das ist eine schöne Geschichte. Du klingst so, als ob Du einen insgesamt guten und für dich entspannten Weg gefunden hast, Mann und Frau parallel zu leben. Und wenn ich das so richtig verstehe, auch mit einer Frau an deiner Seite, vor der Du dich nicht verstecken musst?

Ich finde es persönlich zwar immer etwas skurril, wenn Menschen, die definitv keine Monatsblutung haben, mit Tampons hantieren - wo geht der denn hin? Aber wenn es für dich dazu gehört, you go, girl!


In diesem Sinne: willkommen im Forum. (has-o)
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Stephania
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Re: mein wahres Ich bleibt unter Verschluss

Post 4 im Thema

Beitrag von Stephania »

Von mir auch ein herzliches willkommen hier im Forum.

Ich finde deinen Weg gut und es ist toll, dass du eine Partnerin an deiner Seite hast, die dich auf deinem Weg begleitet und ihn mit dir geht.

Sowas hätte ich mir u d wahrscheinlich sehr viele hier, auch gewünscht.

Leb dein Leben wie es für dich am besten ist!

LG Steph
Céline
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Re: mein wahres Ich bleibt unter Verschluss

Post 5 im Thema

Beitrag von Céline »

Vielen Dank für Deine Offenheit und Deinen sehr lesenswerten Beitrag
Viele Grüße
Céline
"Sprache und Worte können mich nicht verletzten...nur der Mensch und seine Absicht dahinter"
C.B.
Manuelaw
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Re: mein wahres Ich bleibt unter Verschluss

Post 6 im Thema

Beitrag von Manuelaw »

Hallo Jutta,

Du scheinst einen Kompromiss gefunden zu haben. Es ist toll, dass du eine Partnerin an deiner Seite hast, die das toleriert. Das ist nicht selbstverständlich.

Liebe Grüße Manuela
Daniela04
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Re: mein wahres Ich bleibt unter Verschluss

Post 7 im Thema

Beitrag von Daniela04 »

Liebe Jutta

Vielen Dank für Deine Offenheit und den spannenden Bericht über Dein Wesen! Schön, dass Deine Frau Deine weibliche Seele akzeptiert.

Herzlicher Gruss
Daniela
Ich will einfach der sein, der ich wirklich bin: ein Mann, der seine mittlerweile erkannte sehr bedeutende Weiblichkeit vertieft kennenlernen möchte.
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Re: mein wahres Ich bleibt unter Verschluss

Post 8 im Thema

Beitrag von GudrunWeiblein »

Hallo Jutta,
rambler hat geschrieben: Fr 9. Mai 2025, 11:00 Um mein Frau sein zu komplettieren trug an seit dann auch Slipeinlagen und einmal im Monat für ein paar Tage Tampons.
ich kann dich sehr gut verstehen!
Auch für mich gehören Binden und Tampons dazu, Slipeinlagen trage ich sowieso täglich.
Ich fühle mich dabei weiblicher.

Was ich noch Fragen wollte ist, ob deine Frau noch immer Herrenoberbekleidung trägt?

Grüße Gudrun
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