Gedanken zum Outing
Gedanken zum Outing

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
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Heike-Simone
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Gedanken zum Outing

Post 1 im Thema

Beitrag von Heike-Simone »

Vor sieben Jahren hatte ich ein unfreiwilliges Outing meiner Frau gegenüber nachdem sie zufällig Bilder von mir auf dem PC fand.Es gab ein kräftiges Donnergrollen,aber wir haben die Kurve gekriegt und uns wieder vertragen.Ob ich mich irgendwann mal freiwillig geoutet hätte kann ich so nicht sagen.Naja,sie läßt mich halt gewähren,aber nur wenn sie nicht dabei ist.Auf den Seiten von Transnormal Frankfurt schreibt Manuela in den FAQ`s zum Thema Outing:"Lassen Sie es lieber".Es ist aber sicher nicht schön wenn man zufällig auffliegt.
Frau sein ist schön!
Annette
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Re: Gedanken zum Outing

Post 2 im Thema

Beitrag von Annette »

Heike-Simone hat geschrieben: Fr 28. Feb 2025, 12:13hatte ich ein unfreiwilliges Outing meiner Frau gegenüber...
Moin Moin

Ein unfreiwilliges Outing mag nicht so schön sein, das wollte ich auch immer vermeiden. So habe ich lange gewartet, bis ich mich endlich dazu getraut hatte. Im Nachhinein aber wünschte ich, ich hätte es früher getan, bzw. wäre unfreiwillig aufgeflogen. Dann hätte es massiven Erklärungsbedarf gegeben, doch ich wäre diesen unsäglichen Leidensdruck auch viel früher losgewesen! Nicht auszudenken was ich alles an Lebensqualität gewonnen hätte! Ob freiwillig oder unfreiwillig!

LG, Annette
Anja61
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Re: Gedanken zum Outing

Post 3 im Thema

Beitrag von Anja61 »

Hallo,

ein unfreiwilliges Outing ist überhaupt nicht schön, besonders dann nicht, wenn frau zufällig auffliegt, und das Geheimnis ganz plötzlich offenliegt.

Auch nicht erstrebenswert ist ein erzwungenes Outing wie in meinem Falle. Vor einem Besuch bei meiner Partnerin hatte ich meine Frauensachen offen im Schlafzimmer liegen- bzw. stehengelassen. Dummerweise hatte ich einen Unfall während des Besuchs bei ihr. Da sie mich in meine Wohnung zurückfahren wollte/musste, war ich gezwungen, ich mir gegenüber zu einem Zeitpunkt zu offenbaren, den ich mir nicht selbst aussuchen konnte. Das war einer der schlimmsten Momente meines Lebens.

Bisher ist es glimpflich verlaufen. Sie hat sich nicht von mir getrennt, auch wenn sie vieles nicht mag. Hätte ich es ihr früher erzählen sollen? Vielleicht... Aber wann genau, was ist der richtige Zeitpunkt? Wir woll(t)en uns eine gemeinsame Zukunft an einem Wohnort (bisher sind es zwei) aufbauen. Ich hätte es ihr auf jeden Fall bald gesagt. Der Zufall kam mir in die Quere (oder zur Hilfe?). Wir sind schon ganz lange zusammen. Ansonsten wäre ich jetzt wahrscheinlich sehr einsam nach meiner Offenbarung...

Vieles spricht aber auch für Annettes Appell, nicht so lange zu zögern und sich früher zu erklären, um einiges überflüssige Leid zu vermeiden...

Nachdenkliche Grüße
Anja
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Re: Gedanken zum Outing

Post 4 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Es führt früher oder später kein Weg daran vorbei. Es mag bei einigen so sein das es für immer ein Geheimnis bleiben kann. Bei den allermeisten glaube ich nicht das es für die innere Zufriedenheit gut ist. Einmal hab ich damit Pech gehabt, im Rückblick gesehen war das auch gut so. Jetzt beim zweitenmal ist alles gut gelaufen, und so ist damit alles vollkommen. Die Frage warum nicht früher kam natürlich auch auf, aber wann ist denn der richtige Zeitpunkt? In den ersten Jahren war es nicht akut, daß wurde es erst nach 22 Jahren.

LG Heike
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Re: Gedanken zum Outing

Post 5 im Thema

Beitrag von Liv »

Heike-Simone hat geschrieben: Fr 28. Feb 2025, 12:13 Auf den Seiten von Transnormal Frankfurt schreibt Manuela in den FAQ`s zum Thema Outing:"Lassen Sie es lieber".
Ich kenne Manuela nicht, aber ich finde ihre Argumentation ziemlichen Käse. Was sind denn Alternativen?
Mit der Partnerin für den Rest seines Lebens ein doppeltes Spiel spielen? Einen wichtigen Teil der seiner Persönlichkeit vor der Partnerin verbergen und sich selbst verleugnen? In ständiger Angst leben, das man auffliegt, dass das Versteck gefunden wird oder die heimlich zum Trocknen aufgehängte Wäsche? Bei jeder Kleinigkeit auf externe (kommerzielle) Dienstleister angewiesen sein, so wie Manuela? Nachtigall, ich hör dir trapsen!
Wenn es dann doch rauskommt, dann ist die Kacke so richtig am Dampfen. Letztendlich ist das alles nur eine Frage Zeit, irgendwann geht irgendwas schief. Siehe auch die anderen Postings hier.

Ich würde die Frage eher umgekehrt stellen: Sollte ich zu einem Anbieter wie Transnormal gehen, ohne dass es meine Partnerin weiß? Ich kann den Gedankengang gut nachvollziehen, erstmal verstehen zu wollen, was da in einem schlummert, bevor man der Partnerin die Karten auf den Tisch legt. Aus heutiger Sicht kann ich nur sagen: Die Klarheit kommt so schnell nicht, aber es ensteht ein längerer Erkenntnisprozess. Je früher die Partnerin da mit einbezogen wird umso besser für die Beziehung. Meine Frau sagt heute: "Das Schlimme ist nicht deine feminine Seite, sondern dass Du sie mir sooo lange verheimlicht hast." Bei mir waren es 20 Jahre! Aber sie versteht heute, dass da viel Selbstverleugung dabei war.
Daher: Redet mit euren Partnerinnen, bevor ihr aktiv werdet! Wenn das Sprechen schwer fällt, schreibt einen Brief - bei mir waren es sieben kleingeschriebene Seiten. Ihr müsst dabei gar nicht wissen ob ihr transident oder Crossdresser seid oder einfach nur einen Fetisch habt. Jede Beziehung sollte es aushalten können, wenn ihr sagt: "Schatz ich habe da ein Problem... eine Phantasie... einen Wunsch... der nicht mehr aus meinem Kopf will. Ich weiß selbst nicht genau was es ist, aber es macht mir Angst, es fällt mir schwer darüber zu sprechen, es quält mich." Das funktioniert aber nur, solange sich das bislang im Wesentlichen in eurem Kopf abspielt. Wenn ihr aber schon viel Geld ausgegeben und viel Zeit irgendwo heimlich verbracht habt, geht es nicht mehr um euch, sondern um verspieltes Vertrauen - und dann wird es mit dem Outing so richtig kompliziert.

LG
Liv
Anja61
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Re: Gedanken zum Outing

Post 6 im Thema

Beitrag von Anja61 »

Also, ich habe jetzt auch mal auf den "Transnormal"-Seiten gestöbert. Das Angebot finde ich sehr interessant, aber was unter FAQ's zu lesen ist ("Lassen Sie es lieber") ist vollkommen daneben, weil lebensfremd.

Liebe Liv, einen Brief hatte ich auch schon vor drei Jahren vorbereitet, aber nie den Mut gehabt, ihn zu übergeben. Ich kenne auch ein Beispiel, da ist das Coming Out gegenüber der Partnerin per Mail erfolgt. Hat auch gut funktioniert.

Du schreibst: "Jede Beziehung sollte es aushalten können, wenn ihr sagt: "Schatz ich habe da ein Problem... eine Phantasie... einen Wunsch... der nicht mehr aus meinem Kopf will. Ich weiß selbst nicht genau was es ist, aber es macht mir Angst, es fällt mir schwer darüber zu sprechen, es quält mich."
Ja, ich habe mir auch sagen lassen, dass es zu 90% klappt in der Regel. Das nützt aber auch nicht unbedingt etwas, das Risiko ist immer im Vordergrund, wenn Du Deine Partnerin nicht verlieren willst. Es ist nur so schwer, den richtigen Zeitpunkt zu finden...
Letzten Endes muss ich Dir aber zustimmen, dass es besser ist, sich früher zu outen, wenn möglich. Auch meine Partnerin hält mir vor, dass es erst jetzt passiert ist. Meine Bedürfnisse hat sie zur Kenntnis genommen, und sie toleriert sie auch in gewissen Grenzen, die noch nicht hundertprozentig klar sind. Aber ich verstehe sie auch, wenn sie sagt, dass sie es gerne früher gewusst hätte.

Liebe Grüße
Anja
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Re: Gedanken zum Outing

Post 7 im Thema

Beitrag von Vesta »

Heike-Simone hat geschrieben: Fr 28. Feb 2025, 12:13 Auf den Seiten von Transnormal Frankfurt schreibt Manuela in den FAQ`s zum Thema Outing:"Lassen Sie es lieber".
Manuela verdient ihr Geld mit den Leuten, die ihre weibliche Seite zu Hause nicht ausleben können. Das ist ein egoistischer und schlechter Rat.
Liv hat geschrieben: Fr 28. Feb 2025, 20:32 "Schatz ich habe da ein Problem...
Das ist der richtige Anfang.

Wir muten unserer Partnerin das Ganze nur zu, weil wir ein Problem damit haben, mit dem wir sonst nicht fertig werden.

Wir haben keineswegs vor, uns auf Kosten unserer Partnerin nur zu amüsieren. (Allerdings habe ich auch schon TG getroffen, für die das galt oder die keinerlei Rücksicht auf die Partnerin genommen haben.)
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Re: Gedanken zum Outing

Post 8 im Thema

Beitrag von Michi »

Vesta hat geschrieben: Fr 28. Feb 2025, 23:39
Heike-Simone hat geschrieben: Fr 28. Feb 2025, 12:13 Auf den Seiten von Transnormal Frankfurt schreibt Manuela in den FAQ`s zum Thema Outing:"Lassen Sie es lieber".
Manuela verdient ihr Geld mit den Leuten, die ihre weibliche Seite zu Hause nicht ausleben können. Das ist ein egoistischer und schlechter Rat.
Genau das habe ich auch spontan gedacht. Wäre trans* normal, bräuchte es kein Transnormal.
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Gedanken zum Outing

Post 9 im Thema

Beitrag von Juliane »

Liv hat geschrieben: Fr 28. Feb 2025, 20:32 ........ "Das Schlimme ist nicht deine feminine Seite, sondern dass Du sie mir sooo lange verheimlicht hast." Bei mir waren es 20 Jahre! Aber sie versteht heute, dass da viel Selbstverleugung dabei war.

LG
Liv

Moin (moin) zusammen.

Genau diese Worte und Gedanken hatte auch meine Frau vor nun bereits 25 Jahren.
Nachzulesen hier:

viewtopic.php?p=329142#p329142

Und inzwischen hat sich da soviel Normalität aufgebaut, die ich nie zu denken gewagt hätte.
Und trotzdem muss jede und jeder das für sich selber abwägen und darüber entscheiden.

Ich drücke euch allen die Daumen das es klappt.

)))(: Juliane
Die mich kennen mögen mich. Die mich nicht mögen können mich. Frei nach Konrad Adenauer
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Re: Gedanken zum Outing

Post 10 im Thema

Beitrag von Stephania »

Ich hatte vor vielen Jahren ein unfreiwilliges Outing meiner Frau gegenüber. Sie hat es nicht besonders gut aufgenommen aber sie meinte, es geht auch niemanden was an.
Als es zur Scheidung kam, hat sie ihre Meinung geändert und dachte wohl, sie müsse es jedem erzählen der mich kennt - ob er es nun hören wollte oder nicht...
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Re: Gedanken zum Outing

Post 11 im Thema

Beitrag von Claudia »

Anja61 hat geschrieben: Fr 28. Feb 2025, 21:39 [...] das Risiko ist immer im Vordergrund, wenn Du Deine Partnerin nicht verlieren willst. Es ist nur so schwer, den richtigen Zeitpunkt zu finden...
Der beste Zeitpunkt ist - denke ich - vor der Ehe. So habe ich es gemacht und es hat über 30 Jahre gut funktioniert. Ich hatte viele Freiheiten, bekam auch kleine Hilfen, die Kinder sind damit groß geworden. Damals allerdings so wie es sich für mich anfühlte als CD. Über die Jahre spürte ich allerdings immer mehr, dass es in mir intensiver wurde, ich wollte nach draußen, auch das Versteckspielen in der weiteren Familie lassen. Und dann fragte meine Frau mich nach diesen 30 Jahren: "Ich weiß nicht, warum du nicht den ganzen Weg gehst, du bist doch immer Claudia."

Wie ich mich selbst, wie sich meine Persönlichkeit verändert hatte, war mir gar nicht bewußt geworden. Aber diese Worte war sozusagen der kleine Tritt, den brauchte. So suchte ich mir einen Therapieplatz und dann ging alles ganz schnell. An einem Freitag das erste Gespräch, am nächsten Arbeitstag als Frau in die Firma. Wir haben weiter versucht zusammen zu leben, aber mit mir permanent als Frau, noch dazu ganz offen für alle, war dann doch zuviel für sie und es gab die Trennung. Allerdings verstehen wir uns immer noch gut, nur zusammen leben ging nicht mehr.

Ich will damit nur sagen, macht es sehr früh, seit sehr früh offen und ehrlich.

LG Claudia
The greatest act of courage is to be & own all that you are. Without apology.
Without excuses & without any masks to cover the truth of who you truly are.
HeikeCD
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Re: Gedanken zum Outing

Post 12 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Stephania hat geschrieben: Mi 23. Apr 2025, 19:43 Als es zur Scheidung kam, hat sie ihre Meinung geändert und dachte wohl, sie müsse es jedem erzählen der mich kennt - ob er es nun hören wollte oder nicht...
Das ist immer schade und beschädigt ein gutes bzw. eventuell noch passables Verhältnis nach einer Trennung. Denn das geht ja schon in den privatesten Bereich eines Menschen. Ich hatte mich auch mal bei einer vorigen Freundin dahingehend geäußert, sie wußte Bescheid, hat aber im nachhinein wohl auch nichts erzählt, jedenfalls ist mir nichts zu Ohren gekommen.

Liebe Grüße Heike
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