Das Ende ist nicht das Ende
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Claudia
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Das Ende ist nicht das Ende
Hier ist der vierte Teil meiner Lebenserzählung vom ersten Forumsaufenthalt bis heute.
Mit Seths Tod war unser gemeinsames Leben am Ende, war Vergangenheit mit vielen sehr schönen Erinnerungen. Aber er war auch der Beginn eines großen Streits, der genaugenommen immer noch nicht beendet ist, da sind die Anwälte am Werk. In dem Zusammenhang kann ich nur sehr deutlich für Vorsorgevollmachten plädieren, die wir leider nicht hatten. Und als notwendige Info vorweg muss ich nur erwähnen, dass Seths Eltern geschieden und extrem zerstritten sind, denn das spielt mit eine große Rolle.
Nach dem Tod sollte es ja möglichst eine Bestattung geben, die den Wünschen des Verstorbenen so nahe wie möglich kommt. Wir hatten da nichts abgesprochen, wäre in seinem Alter (35) auch etwas ungewöhnlich, aber in unseren Gesprächen über den Glauben hat er sich dann schon dazu geäußert. Wenn ihm etwas passieren sollte, wünschte er sich eine Bestattung hier im Ort als seiner neuen Heimat, "ich will nie wieder nach *** zurück", auf einem muslimischen Friedhof nach muslimischen Riten. Und einen Grabstein hätte er dann auch gerne gehabt. Diesen Wunsch hätte ich ihm sehr gerne erfüllt, einen passenden Friedhof gibt es sogar vor Ort. Und ich hätte einen Platz gehabt an den ich hätte gehen können, um ihm in Gedanken noch näher zu sein als jetzt hier. Diese Wünsche habe ich dann vor allem seiner Mutter eindringlich vermittelt und bin voll gegen die Wand gelaufen. Denn sie bestand auf einer Bestattung in seinem Geburtsort und als "nur Lebensgefährtin" hatte ich da keinerlei Mitbestimmungsrecht.
Der Vater war von der muslimischen Idee auch nicht begeistert und der Ort war ihm egal. Aber da er damit seiner Ex in die Quere kommen konnte, stellte er sich wohl mehr oder weniger zum Schein auf meine Seite und wollte mich in der Verwirklichung von Seths Wünschen unterstützen. Und das trieb er auf den Gipfel, leitete sogar per einstweiliger Verfügung ein Gerichtsverfahren ein. Und da es von Seth nichts Schriftliches gab, konnte ich seine Wünsche nur per eidesstattlicher Erklärung weitergeben. Die änderte aber nichts, die Mutter gewann dieses Verfahren und so gab es eine Bestattung nach ihren Wünschen.
Über die Bestattung wurde ich auch in keiner Form informiert, weder über den genauen Ort, noch das Datum und die Uhrzeit und die Form. All das habe ich nur durch meine geringen Kontakte zu seinen ehemaligen Freunden erfahren. Sie haben sich damit weiter von seinen Wünschen entfernt als das man es sich vorstellen kann. Sein Körper wurde hier im Norden in einem Krematorium verbrannt, für Muslime verboten, die Urne dann nach *** transportiert und dort in einem anonymen Waldgrab beigesetzt, also in meinen Augen unsichtbar verscharrt. So muss man sich wenigstens um nichts kümmern.
Diese Verbrennung ist angesichts seines Glaubens eine unverschämte Frechheit. Und nun hat er nicht einmal ein sichtbares Grab, nicht den gewünschten Grabstein. Und ich konnte nichts daran ändern. Das Einzige was mir blieb, war zum Zeitpunkt der Bestattung die entsprechenden muslimischen Fürbittengebete verlesen, ich meine er hat sie vernommen. So hat mir nicht nur der Tod meinen geliebten Mann genommen, sondern seine Mutter auch mir eine erreichbare und sichtbare Grabstätte. Es bleibt da nur Leere und ein unbeschreiblich großes Paket an Wut. Allerdings werde ich ihm nachträglich ein kleines Geschenk machen. Ich habe den von ihm gewünschten Grabstein in Auftrag gegeben, der dann auf unserem Familiengrab aufgestellt wird, auch wenn er dort nicht liegt. Aber so bleibt hier die Erinnerung an ihn erhalten und ich habe einen Ort, an den ich gehen kann. Er war sehr beliebt bei den Menschen um uns herum und die werden das dann sehen und sich auch erinnern.
Aber noch ist der Streit nicht zu Ende, es ist nur nicht meiner, aber ich leide darunter. Jetzt wird es etwas rechtlich: Ich bin die Erbbesitzerin, weil ich direkten Zugriff auf seinen Nachlass habe. Bin aber nicht Erbin, das sind die Eltern als Erbgemeinschaft. Ohne deren Einwilligung darf ich nichts entsorgen, etwa die Studienunterlagen, oder weitergeben, die Kleidung an das Soziakaufhaus, seine guten Wörterbücher an die Bibliothek. Und Wünsche von den Eltern darf ich nur weitergeben, wenn sie gemeinschaftlich geäußert werden. Und nun gibt es gegensätzliche Wünsche von beiden Seiten, beide wollen sein Handy mit den gegenseitig unbekannten Kontakten und gespeicherten Nachrichten. Da streiten sich jetzt die Anwälte und ich kann mich hier von nichts trennen, um für mich ein wenig Platz zu schaffen den ich bräuchte. Was ihm/uns wichtig war, vor allem seine selbstgemalten Bilder, möchte ich als Erinnerung hier behalten, aber alles andere dann doch entfernen.
LG Claudia
Mit Seths Tod war unser gemeinsames Leben am Ende, war Vergangenheit mit vielen sehr schönen Erinnerungen. Aber er war auch der Beginn eines großen Streits, der genaugenommen immer noch nicht beendet ist, da sind die Anwälte am Werk. In dem Zusammenhang kann ich nur sehr deutlich für Vorsorgevollmachten plädieren, die wir leider nicht hatten. Und als notwendige Info vorweg muss ich nur erwähnen, dass Seths Eltern geschieden und extrem zerstritten sind, denn das spielt mit eine große Rolle.
Nach dem Tod sollte es ja möglichst eine Bestattung geben, die den Wünschen des Verstorbenen so nahe wie möglich kommt. Wir hatten da nichts abgesprochen, wäre in seinem Alter (35) auch etwas ungewöhnlich, aber in unseren Gesprächen über den Glauben hat er sich dann schon dazu geäußert. Wenn ihm etwas passieren sollte, wünschte er sich eine Bestattung hier im Ort als seiner neuen Heimat, "ich will nie wieder nach *** zurück", auf einem muslimischen Friedhof nach muslimischen Riten. Und einen Grabstein hätte er dann auch gerne gehabt. Diesen Wunsch hätte ich ihm sehr gerne erfüllt, einen passenden Friedhof gibt es sogar vor Ort. Und ich hätte einen Platz gehabt an den ich hätte gehen können, um ihm in Gedanken noch näher zu sein als jetzt hier. Diese Wünsche habe ich dann vor allem seiner Mutter eindringlich vermittelt und bin voll gegen die Wand gelaufen. Denn sie bestand auf einer Bestattung in seinem Geburtsort und als "nur Lebensgefährtin" hatte ich da keinerlei Mitbestimmungsrecht.
Der Vater war von der muslimischen Idee auch nicht begeistert und der Ort war ihm egal. Aber da er damit seiner Ex in die Quere kommen konnte, stellte er sich wohl mehr oder weniger zum Schein auf meine Seite und wollte mich in der Verwirklichung von Seths Wünschen unterstützen. Und das trieb er auf den Gipfel, leitete sogar per einstweiliger Verfügung ein Gerichtsverfahren ein. Und da es von Seth nichts Schriftliches gab, konnte ich seine Wünsche nur per eidesstattlicher Erklärung weitergeben. Die änderte aber nichts, die Mutter gewann dieses Verfahren und so gab es eine Bestattung nach ihren Wünschen.
Über die Bestattung wurde ich auch in keiner Form informiert, weder über den genauen Ort, noch das Datum und die Uhrzeit und die Form. All das habe ich nur durch meine geringen Kontakte zu seinen ehemaligen Freunden erfahren. Sie haben sich damit weiter von seinen Wünschen entfernt als das man es sich vorstellen kann. Sein Körper wurde hier im Norden in einem Krematorium verbrannt, für Muslime verboten, die Urne dann nach *** transportiert und dort in einem anonymen Waldgrab beigesetzt, also in meinen Augen unsichtbar verscharrt. So muss man sich wenigstens um nichts kümmern.
Diese Verbrennung ist angesichts seines Glaubens eine unverschämte Frechheit. Und nun hat er nicht einmal ein sichtbares Grab, nicht den gewünschten Grabstein. Und ich konnte nichts daran ändern. Das Einzige was mir blieb, war zum Zeitpunkt der Bestattung die entsprechenden muslimischen Fürbittengebete verlesen, ich meine er hat sie vernommen. So hat mir nicht nur der Tod meinen geliebten Mann genommen, sondern seine Mutter auch mir eine erreichbare und sichtbare Grabstätte. Es bleibt da nur Leere und ein unbeschreiblich großes Paket an Wut. Allerdings werde ich ihm nachträglich ein kleines Geschenk machen. Ich habe den von ihm gewünschten Grabstein in Auftrag gegeben, der dann auf unserem Familiengrab aufgestellt wird, auch wenn er dort nicht liegt. Aber so bleibt hier die Erinnerung an ihn erhalten und ich habe einen Ort, an den ich gehen kann. Er war sehr beliebt bei den Menschen um uns herum und die werden das dann sehen und sich auch erinnern.
Aber noch ist der Streit nicht zu Ende, es ist nur nicht meiner, aber ich leide darunter. Jetzt wird es etwas rechtlich: Ich bin die Erbbesitzerin, weil ich direkten Zugriff auf seinen Nachlass habe. Bin aber nicht Erbin, das sind die Eltern als Erbgemeinschaft. Ohne deren Einwilligung darf ich nichts entsorgen, etwa die Studienunterlagen, oder weitergeben, die Kleidung an das Soziakaufhaus, seine guten Wörterbücher an die Bibliothek. Und Wünsche von den Eltern darf ich nur weitergeben, wenn sie gemeinschaftlich geäußert werden. Und nun gibt es gegensätzliche Wünsche von beiden Seiten, beide wollen sein Handy mit den gegenseitig unbekannten Kontakten und gespeicherten Nachrichten. Da streiten sich jetzt die Anwälte und ich kann mich hier von nichts trennen, um für mich ein wenig Platz zu schaffen den ich bräuchte. Was ihm/uns wichtig war, vor allem seine selbstgemalten Bilder, möchte ich als Erinnerung hier behalten, aber alles andere dann doch entfernen.
LG Claudia
The greatest act of courage is to be & own all that you are. Without apology.
Without excuses & without any masks to cover the truth of who you truly are.
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Momo58
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Re: Das Ende ist nicht das Ende
Hallo Claudia,
Erst mal möchte ich dir mein herzliches Beileid ausdrücken. Mein Mann und ich haben ziemlich ähnliche Erfahrungen gemacht. Solche Auseinandersetzungen sind ätzend.
Mein Rat an andere transidente Paare:
als transidentes Ehepaar haben wir eine gegenseitige Generalvollmacht. Damit unsere verhassten Familien nicht ans Erbe kommen haben wir über einen Notar einen Erbvertrag mit der Münchner Regenbogenstiftung gemacht. Der Erbvertrag ist im zentralen Melderegister der Notare hinterlegt, damit er nach unserem Tod nicht unbemerkt beseitigt werden kann. Im Erbvertrag sind wir gegenseitig als Alleinerbe eingesetzt und nach unser beider Tod ist die Regenbogenstiftung der endgültige Schlusserbe. So kommt unser Erbe da an, wo es gebraucht wird.
Liebe Grüße
Manuela
Erst mal möchte ich dir mein herzliches Beileid ausdrücken. Mein Mann und ich haben ziemlich ähnliche Erfahrungen gemacht. Solche Auseinandersetzungen sind ätzend.
Mein Rat an andere transidente Paare:
als transidentes Ehepaar haben wir eine gegenseitige Generalvollmacht. Damit unsere verhassten Familien nicht ans Erbe kommen haben wir über einen Notar einen Erbvertrag mit der Münchner Regenbogenstiftung gemacht. Der Erbvertrag ist im zentralen Melderegister der Notare hinterlegt, damit er nach unserem Tod nicht unbemerkt beseitigt werden kann. Im Erbvertrag sind wir gegenseitig als Alleinerbe eingesetzt und nach unser beider Tod ist die Regenbogenstiftung der endgültige Schlusserbe. So kommt unser Erbe da an, wo es gebraucht wird.
Liebe Grüße
Manuela
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Claudia
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Re: Das Ende ist nicht das Ende
Moin Momo!
Ich hatte schon beim Standesamt den Trauungstermin gebucht.
Mit dem, was jetzt passiert ist, konnte ja niemand rechnen, nicht in so jungen Jahren. Seth war gerade mal 35 Jahre alt, ein Frischling sozusagen.
LG Claudia
Sowas kann und sollte man rechtzeitig machen, das ist ja auch ein bißchen altersbedingt. Wir hatten einen anderen Plan. Wir wollten schon seit längerer Zeit heiraten, das hatten wir fest im Blick und es gäbe dann diese ganzen Probleme nicht. Nur kamen bei mir immer wieder gesundheitliche Probleme dazwischen, weswegen wir das immer wieder aufschieben mussten.Momo58 hat geschrieben: Mo 31. Mär 2025, 14:11 als transidentes Ehepaar haben wir eine gegenseitige Generalvollmacht. Damit unsere verhassten Familien nicht ans Erbe kommen haben wir über einen Notar einen Erbvertrag mit der Münchner Regenbogenstiftung gemacht.
Ich hatte schon beim Standesamt den Trauungstermin gebucht.
Mit dem, was jetzt passiert ist, konnte ja niemand rechnen, nicht in so jungen Jahren. Seth war gerade mal 35 Jahre alt, ein Frischling sozusagen.
LG Claudia
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