ZEit vom 15.3.25: Die Transidentität ist häufig nur eine Scheinlösung"
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MoreThan2m
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ZEit vom 15.3.25: Die Transidentität ist häufig nur eine Scheinlösung"

Post 1 im Thema

Beitrag von MoreThan2m »

Fand ich ein sehr ausgewogenes Interview was die Problematik sehr gut herausgearbeitet hat

ZEit vom 15.3.25: Die Transidentität ist häufig nur eine Scheinlösung"
Jaddy
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Re: ZEit vom 15.3.25: Die Transidentität ist häufig nur eine Scheinlösung"

Post 2 im Thema

Beitrag von Jaddy »

MoreThan2m hat geschrieben: Sa 15. Mär 2025, 17:52 Fand ich ein sehr ausgewogenes Interview was die Problematik sehr gut herausgearbeitet hat
Nunja, es fehlen vielleicht ein paar Zusatzinfos. Fahrenkrug hat als Vertreterin der deutschen psychoanalytischen Gesellschaft - das sind die Freudianer - ein paar Sondervoten in der S2k Leitlinie abgegeben, die samt und sonders nichtbinäre Geschlechtsidentität faktisch von der Behandlung ausschliessen wollen. Begründet wird das mit typisch Freudianischen Psychomodellen:
"Eine non-binäre Identifizierung stellt in diesem Verständnis keine pathologische Lösung dar, sondern ist Ausdruck einer inneren Auseinandersetzung mit Entwicklungsaufgaben, Trennung von elterlichen Objekten und dem Aufbau eigener autonomer Fähigkeiten. In dieser Denkweise wäre eine frühzeitige medizinische Intervention bei einer anhaltend non-binären Identifizierung eine Unterbrechung des Entwicklungsprozesses und im ungünstigsten Fall eine körpermodifizierende Festschreibung eines Übergangsstadiums.
Lest es nach im Anhang der Leitlinie. Übersetzt: "Wir (ich, Fahrenkrug) glaube nicht an die Existanz stabiler nichtbinärer Geschlechtsidentitäten, sondern halte das (ohne Belege) pauschal für eine Entwicklungsstörung auf dem Weg zu einem binären Geschlecht". Wir kennen sowas bei der Bisexualität: "Du hast dich nur noch nicht entschieden, da muss nur di*er richtige kommen, ..."

In Artikeln aus den Jahren 2020-2023 (zu finden bei Researchgate) äussert sie sich ähnlich und macht vor allem social media verantwortlich, also den social contagion Mythos.

Eine wichtige Info unterschlägt sie auch: Die Geschlechterverhältnisse gleichen sich bis zum Alter von 30 wieder aus. Dann sind es gleich viele trans Frauen wie Männer und ein Drittel nichtbinäre (nicht die 17% aus Fahrenkrugs persönlicher Statistik). Trans Frauen haben nämlich immer noch ein etwas späteres Coming Out als trans Jungs. Ein ausreichend großer Abstand, dass diese Menschen nicht mehr in Fahrenkrugs Kinder- und Jugend-Abteilung auftauchen.

Die Gründe sind ihr wohl bewusst, aber ihr Nebensatz dazu ist fast unmerklich und wohl absichtlich nicht deutlich: "Ich denke, dass weiblich sein und werden mit großen Verunsicherungen und einem sehr komplexen ambivalenten Körpererleben verbunden ist".

Der eigentliche Punkt: Bei transmännlichen KuJ ist der Beginn der Pubertät ein viel größerer Umbruch als bei trans Mädchen. Die körperliche Veränderung - Menarche, Brustwachstum - ist eine besonders deutlich wahrnehmbare Veränderung des eigenen Körpers, aber auch durch andere. Sie werden als junge Frauen betrachtet, behandelt und sexualisiert. Das ist ein starker Trigger, genau dann etwas zu unternehmen.

Fahrenkrug verweist auch auf die dünne Datenlage, die ja auch der Grund war, aus der geplanten S3 eine S2k Leitlinie zu machen. Also einen Konsens der Fachgesellschaften, der best practices und praktischen Erfahrungen auch bei mangelhafter wissenschaftlicher Quellenlage. Genau wie bei der Problematik mit dem GBA (Anspruch auf Kassenleistungen) ist die Datenlage dünn, weil die Gruppe der Betroffenen klein, heterogen und stigmatisiert ist und gesellschaftliche und persönliche Faktoren das psychische Phänomen beeinflussen. Anders als bei Diabetes o.ä. Das wird sich auch nicht ändern.

Ich finde ihre Aussagen also insgesamt recht kritikwürdig. Bzw hätten sie durch eine zweite Person der Kommission eingeordnet werden sollen.

Martin Spiewak schreibt seit 20 Jahren zu Transgeschlechtlichkeit. Und quasi immer gegen den Strich gebürstet. Interviews mit Amelung, Verteidigung von Korte bzw Unterschlagung der Tatsache, dass er eine absolute Randmeinung vertritt, die sich mit den praktischen Erfahrungen der Mehrheit (s.o.) nicht decken.

Ich denke, das sollte eins alles bedenken bei dem Artikel.
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Re: ZEit vom 15.3.25: Die Transidentität ist häufig nur eine Scheinlösung"

Post 3 im Thema

Beitrag von Elvira »

Der Artikel kommt wirklich ziemlich sachlich daher.
Aber ich finde, jemandem, der so jung Leiterin einer Beratungsstelle (also an entscheidender Stelle) ist, sollte man mit äußerster Vorsicht begegnen. Liest man sich mal die Publikationsliste von ihr durch, so stellt sich heraus, daß sie bis auf ihre Diplomarbeit lediglich ein paar kleinere Aufsätze mit jeweils weniger als 21 Seiten veröffentlicht hat. Da muß einfach mehr Lebenserfahrung ran!
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Re: ZEit vom 15.3.25: Die Transidentität ist häufig nur eine Scheinlösung"

Post 4 im Thema

Beitrag von Vesta »

Jaddy hat geschrieben: Sa 15. Mär 2025, 19:03 Eine wichtige Info unterschlägt sie auch: Die Geschlechterverhältnisse gleichen sich bis zum Alter von 30 wieder aus.
Nein, eigentlich unterschlägt sie das nicht, denn das Geschlechterverhältnis ist nicht der Aufhänger, sondern der starke Zuwachs bei biologischen Mädchen, die ein Junge sein wollen. Noch vor 10, 15 Jahren waren Transmänner wesentlich seltener als Transfrauen. Seitdem hat sich das Gechlechterverhältnis bei Jugendlichen radikal geändert. Mein Psych hat mir erzählt, eine junge Klientin meinte. in ihrer Klasse hätten noch zwei weitere Mädchen so etwas.

Daher ist es sehr wichtig, an dieser Stelle Motivation und Behandlung zu hinterfragen. Da Transsexualität wesentlich präsenter in den Medien ist, mag es sein, dass so einige Mädchen das als Lösung völlig anderer Probleme suchen, während früher nur diejenigen, die unbedingt mussten, diesen Weg genommen haben.

Die ärztliche und psychotherapeutische Behandlung muss sich darauf einstellen.
Jaddy
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Re: ZEit vom 15.3.25: Die Transidentität ist häufig nur eine Scheinlösung"

Post 5 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Vesta hat geschrieben: So 16. Mär 2025, 22:09
Jaddy hat geschrieben: Sa 15. Mär 2025, 19:03 Eine wichtige Info unterschlägt sie auch: Die Geschlechterverhältnisse gleichen sich bis zum Alter von 30 wieder aus.
Nein, eigentlich unterschlägt sie das nicht, denn das Geschlechterverhältnis ist nicht der Aufhänger, sondern der starke Zuwachs bei biologischen Mädchen, die ein Junge sein wollen. Noch vor 10, 15 Jahren waren Transmänner wesentlich seltener als Transfrauen. Seitdem hat sich das Gechlechterverhältnis bei Jugendlichen radikal geändert. Mein Psych hat mir erzählt, eine junge Klientin meinte. in ihrer Klasse hätten noch zwei weitere Mädchen so etwas.

Daher ist es sehr wichtig, an dieser Stelle Motivation und Behandlung zu hinterfragen. Da Transsexualität wesentlich präsenter in den Medien ist, mag es sein, dass so einige Mädchen das als Lösung völlig anderer Probleme suchen, während früher nur diejenigen, die unbedingt mussten, diesen Weg genommen haben.

Die ärztliche und psychotherapeutische Behandlung muss sich darauf einstellen.
Also: Das Verhältnis von trans Frauen zu trans Männern ist über alles betrachtet relativ stabil und zwar fast ausgeglichen (und zwar weltweit). Ebenso sind über alles gesehen ca 30% aller sich irgendwie zeigenden non-cis Menschen nichtbinär. Nicht ausgeglichen ist u.a. das durchschnittliche Alter, in dem sich trans Personen professionelle Hilfe suchen und das Verhältnis in dem sie sich HIlfe suchen. Und das führt zu einem sehr heftigen selection bias, von mir auch Krafft-Ebing-Irrtum genannt: Die Profis selbst sehen nur das Sample, das ihnen selbst begegnet, aber nicht unbedingt das größere Bild.

Mal in Zahlen einer trans-Beratung in Hamburg:
Das innere Coming Out, also eine innere Klarheit über das eigene trans Sein, haben trans Jungen im 15,4. Lebensjahr und trans Mädchen erst mit 18,5 Jahren (Kost, 2024). Dieser Altersunterschied erklärt die großen Unterschiede bei den Behandlungseinrichtungen, in denen in diesem Altersabschnitt vor allem als Mädchen kategorisierte Jugendliche nach Unterstützung fragen.
[...]
In der therapeutischen Beratungsarbeit bleiben Kinder und Jugendliche eine kleine Gruppe. Das liegt an dem nach wie vor großen Abstand zwischen innerem Coming Out und dem Ergreifen von konkreten Schritten zur Transition. Den entscheidenden Impuls für das innere Coming Out geben die körperlichen Veränderungen in der Pubertät. Die unterschiedlichen hormonspezifischen Pubertätsverläufe sind eine mögliche Erklärung für eine frühere Entwicklung bei den trans Jungen.
Konkrete Schritte zur Transition, etwa das Aufsuchen einer Beratungsstelle, werden in der Regel erst im erwachsenen Alter unternommen.
und dann passiert folgendes
Der Altersschnitt war in den letzten Jahren stabil. Er liegt bei den trans Männern bei 24,6 Jahren. Vorher haben sie 3,6 Jahre vergeblich um Hilfe gesucht (21) und sind 3 mal abgewiesen worden. Vergleichbare Zahlen sind der Altersdurchschnitt beim Ausstellen des dgti Ergänzungsausweis mit 24,5 Jahren für das Jahr 2016 (Schaaf, 2019) und in der Studie von Kurt Seikowksi lag er ebenfalls bei 24 Jahren (Seikowski, 2019).

Die trans Frauen unternehmen deutlich später Schritte für eine Transition. Der Altersdurchschnitt für den Kontakt mit der Beratungsstelle liegt bei 30,5 Jahren. Vorher haben sie 3,5 Jahre vergeblich um Hilfe gesucht (27) und sind 2 mal abgewiesen worden. Vergleichbare Zahlen sind auch hier der dgti Ergänzungsausweis für das Jahr 2016 mit 37,9 Jahren (Schaaf, 2019) und bei der Untersuchung von Seikowski lag der Schnitt bei 35,5 Jahren (Seikowski, 2019). Der Abstand zwischen den Geschlechtern liegt bei 6 Jahren und nimmt leicht ab.
[...]
Dabei ist die Verteilung der Geschlechter unter den Menschen, die sich als trans definieren, seit Jahren stabil und liegt bei 1 zu 1,2, Frauen zu Männer.
Zu finden mit Grafiken in https://www.cornelia-mertens.de/?p=18199 Ähnliche Zahlen von Georg Romer (pdf, 2023) oder in diesem Artikel) mit ausführlichen Quellen, usw.

Zur Steigerung allgemein zitiere ich mal aus der S2k Leitlinie (Einleitung):
Steigende Behandlungszahlen sind dabei kein spezielles Phänomen im Jugendalter. Sie sind im Erwachsenenalter in ähnlichen Relationen beobachtbar. So stieg nach einer aktuellen Hochrechnung auf der Basis von anonymisierten Versichertendaten der BARMER zwischen 2014 und 2019 deutschlandweit die Zahl neu begonnener hormoneller Behandlungen von unter 18-jährigen Jugendlichen mit Geschlechtsinkongruenz auf das 3,2-fache an (von ca. 330 auf ca. 1.060) und bei Erwachsenen zwischen 18 und 30 Jahren im selben Zeitraum auf das 3,5-fache (von ca. 510 auf ca. 1.800).
Das ganze Kapitel zur Epidemiologie aka Häufigkeitszahlen der S2k-Leitlinie ist zu lang, um es hier zu zitieren. Darin steht aber insgesamt dasselbe: Die Geschlechtsverhältnisse sind im Alter von ca 30 wieder ausgeglichen.

Bemerkenswert auch dieser Abschnitt:
Eine viel diskutierte Beobachtung für das Jugendalter ist die in den vergangenen zehn Jahren zunehmende Veränderung der berichteten relativen Häufigkeitsverteilung zwischen den Geschlechtern (Sex-Ratio). Diese fällt bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten (z.B. Anmeldezahlen von Spezialkliniken) zugunsten des Anteils an geburtsgeschlechtlich weiblichen Jugendlichen aus. Hier wird in mehreren Studien übereinstimmend eine Sex-Ratio in der
Größenordnung von 80:20 angegeben ([viele Quellen]). Eine solche ungleiche Sex-Ratio findet sich in bevölkerungsbasierten Befragungen von Jugendlichen zu selbst empfundener nonkonformer Geschlechtsidentität nicht (siehe vorangegangenen Abschnitt 2.2), was dafürspricht, dass es keinen geschlechtsspezifischen „Trans-Hype“ insbesondere bei geburtsgeschlechtlichen Mädchen gibt. Die Diskrepanz bei den Sex Ratios zwischen repräsentativ erhobenen Selbstauskünften gender-nonkonformer Jugendlicher und selektiven Inanspruchnahmezahlen von Gesundheitsdiensten deutet vielmehr auf geschlechtsbezogene Unterschiede in der Schwelle zur Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen bei gender-nonkonformen Personen.
Wenn also wegen der Profession - Kinder- und Jugendpsychologie/Psychiatrie - nur Klientel bis 21 kommt, ist die eigene Statistik notwendigerweise verzerrt. Aber, Merksatz: Es gibt letztlich ziemlich genau so viele trans Männer wie trans Frauen.

Schlussfolgerung: Es ist gefährlicher Unfug trans Jungs wegen ihres früheren (pubertätsbedingten) Leidensdrucks und Hilfeersuchens zu unterstellen, sie seien gar nicht trans, nur weil sich in dem Alter (noch) nicht genausoviele trans Mädchen vorstellen.


Was ich allerdings infam finde: "Die ärztliche und psychotherapeutische Behandlung muss sich darauf einstellen". Ja hallo? Die Therapeutys und Medizinys sind darauf eingestellt! Vielleicht mal die ganze PK lesen/anhören und die Leitlinie lesen. Die ganze Leitlinie und die sieben Jahre Arbeit, sie zu erstellen, drehen sich genau darum, dieses Dilemma bestmöglich zu lösen, dass rund um die Pubertät einiges in Aufruhr ist. Gerade Pubertätsblocker sind doch der Weg, der betroffenen Person Zeit zu geben und in Ruhe zu reflektieren, wenn angesichts beginnender körperlicher Veränderung die helle Panik ausbricht.

Die anti-Propaganda stellt es so dar, als würden Blocker und später Hormone einfach so gegeben. Das ist nicht wahr.
Sie behaupten auch, Pubertätsverzögerung sei unerforscht und experimentell. Das ist auch nicht wahr.
Einige behaupten auch irgendwas von Operationen bei Minderjährigen: Reine Erfindungen - und zwar u.a. weil, wenn es gut läuft, körperliche Entwicklung in die falsche Richtung verhindert wird und erst nach einer stabilen Entscheidungsfindung die richtige Pubertät stattfinden kann.

Natürlich findet vor irgendwelchen medizinischen Massnahmen ausführliche Psychotherapie statt und Blocker werden auch nicht vor Tanner 2 gegeben und erst nach allen notwendigen medizinischen Untersuchungen und mit entsprechender Begleitung gemäss der Erfahrungen mit GnRH Analoga seit über 40 Jahren. Sie werden maximal 1-2 Jahre gegeben, weil die geistige Reife und weitere Therapie dann die Entscheidung geklärt und gefestigt haben. Und zwar ohne dass sich Kids umbringen oder verstümmeln, weil dieser Körper für sie schrecklich wird.

Das System funktioniert erstaunlich gut. Viel besser als manch andere Versorgung und das angesichts äusserst knapper Plätze. Das zeigt sich an den bekannt niedrigen Detransitionsquoten von 1% und weniger, wenn später eine Transition eingeleitet wird.

Was allerdings immer noch vollkommen daneben ist, ist diese völlig oskure, frei erfundene Vorstellung von Psychoanalytiker*innen wie Fahrenkrug, jeder Mensch müsse eine binäre Geschlechtsidentität entwickeln; aka nichtbinäre Menschen seien quasi unfertig und deshalb therapiebedürftig. Um's mal ganz deutlich zu sagen: Die Denkmodelle von Freud, was gut, gesund und richtig ist oder wie Menschen ticken bzw sich entwickeln, waren und sind genau so ein Unfug wie Steiner'sche "Schauungen", Hahnemanns "Prinzipien", Schüsslers Mineralien Phantasien und Bachs Blüten-Mystizismus. Die jetzt genauso evidenzfrei fortzuschreiben in einem völlig aus der Luft gegriffenen geschlechtlichen Seelenmodell, ist im 21sten Jahrhundert wirklich nur als Scharlatanerie zu bezeichnen.
ExUserIn-2026-04-08
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Re: ZEit vom 15.3.25: Die Transidentität ist häufig nur eine Scheinlösung"

Post 6 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Immer mehr Jugendliche lehnen ihr biologisches Geschlecht ab. Nun erscheint eine Leitlinie, die die Behandlung verbessern soll: Was brauchen die Betroffenen wirklich?
...
Weltweit streiten sich Wissenschaft, Medizin und Betroffene über die Ursachen und die Behandlung von trans Jugendlichen.
Moin,

wenn ich die einleitenen Sätze so lese, kommt in mir die Galle hoch. Warum ?

Erstens: Was brauchen die Betroffenen wirklich ? Aus meiner Sicht nur eines. Sie müssen als Menschen akzeptiert werden, die, so wie sie sind, richtig sind. Damit wäre schon äußerst viel gewonnen. Was ist schlimm daran, dass sich jemand anders fühlt als die Gesellschaft erwartet ? Wer hat denn das Recht zu bestimmen, was jemand zu fühlen hat ? Wann werden Menschen, die "anders ticken" endlich als Bereicherung und nicht als behandlungswürdig anerkannt ?

Daraus ergibt sich zweitens: Man kann über Ursachen nachdenken, aber warum braucht es eine Behandlung ? Die Behandlungswürdigkeit beruht auf einer Bewertung. Meine These: ohne diese Bewertung wären Trans- und nichtbinäre Menschen zum allergrößten Teil gar nicht leidend. Sie könnten ihr Leben so leben, wie es ihnen gerecht wird. Die Behandlungsnotwendigkeit liegt auf seiten der Bewerter. Das Problem ist das Postulat, dass es genau zwei Arten von Menschen gibt. Alles andere sei "behandlungswürdig". Diese Annahme ist schlicht dumm, schafft viel Leid und kostet Energie, Zeit und Geld.

Warum lässst man Menschen nicht einfach Menschen sein und gönnt ihnen ihren Anteil von Glück und ZuFRIEDENheit ? DIeses ständige Aufrühren von überholten Thesen schafft nur Unfrieden. Ja, Trans-und Nichtbinäre brauchen gelegentlich psychologische Behandlungen, aber nicht wegen ihrer Transidentität, sondern weil sie einfach nicht in Ruhe gelassen werden und sie daran verzweifeln.
Viele Grüße
Vicky

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Re: ZEit vom 15.3.25: Die Transidentität ist häufig nur eine Scheinlösung"

Post 7 im Thema

Beitrag von Vesta »

Jaddy hat geschrieben: Mo 17. Mär 2025, 01:50 Also: Das Verhältnis von trans Frauen zu trans Männern ist über alles betrachtet relativ stabil
Die Zahl derjenigen, die tatsächlich transsexuell sind, mag stabil sein.
Nicht stabil ist die Zahl derjenigen, die mit dem Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugehören, in einer psychologischen Praxis aufschlagen.

Bei all unserem Reden nach Toleranz und erfolgreichen Transitionen sollten wir nicht vergessen, dass lange nicht alle Menschen, die mal (Psychologen gegenüber) den Wunsch äußern, dem anderen Geschlecht anzugehören, auch tatsächlich transsexuell sind. Für diese wären irreversible medizinische Maßnahmen fatal. Und hier verschieben sich derzeit die Fallzahlen, gerade bei jungen Mädchen.
Nico
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Re: ZEit vom 15.3.25: Die Transidentität ist häufig nur eine Scheinlösung"

Post 8 im Thema

Beitrag von Nico »

@Vesta
Könntest du mal deine Behauptungen mit Quellen unterlegen? Soweit mir bekannt ist die relative Zahl der Menschen, die eine Angleichung rückgängig machen, konstant. Die absolute Zahl steigt natürlich, weil auch die Zahl der trans Menschen steigt, die sich outen und angleichen lassen.

Wer ist für dich überhaupt „richtig Transsexuell“ und woran erkennt man es?

Der einzige Weg den ich für alle Menschen sehe, die mit dem Thema Probleme haben, ist sich auszuprobieren und sich ggf. ergebnisoffene Unterstützung holen. Eine offene Gesellschaft ist dabei unglaublich unterstützend, da der Fokus bei der Identität bleiben kann, und sich nicht auf den Kampf um Akzeptanz oder die Angst vor Ablehnung konzentriert. Niemand legt sich leichtfertig unters Messer.
LG Nico
[er]
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Re: ZEit vom 15.3.25: Die Transidentität ist häufig nur eine Scheinlösung"

Post 9 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Vesta hat geschrieben: Di 18. Mär 2025, 23:26
Jaddy hat geschrieben: Mo 17. Mär 2025, 01:50 Also: Das Verhältnis von trans Frauen zu trans Männern ist über alles betrachtet relativ stabil
Die Zahl derjenigen, die tatsächlich transsexuell sind, mag stabil sein.
Nicht stabil ist die Zahl derjenigen, die mit dem Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugehören, in einer psychologischen Praxis aufschlagen.

Bei all unserem Reden nach Toleranz und erfolgreichen Transitionen sollten wir nicht vergessen, dass lange nicht alle Menschen, die mal (Psychologen gegenüber) den Wunsch äußern, dem anderen Geschlecht anzugehören, auch tatsächlich transsexuell sind. Für diese wären irreversible medizinische Maßnahmen fatal. Und hier verschieben sich derzeit die Fallzahlen, gerade bei jungen Mädchen.
Da ist meine Darstellung wohl etwas falsch rübergekommen. Deine Interpretation passt jedenfalls nicht dazu. Hier meine Aussagen noch mal konzentriert:
  1. Die Zahl derer, die sich als trans outen und irgendwie im medizinisch-therateutischen System registriert werden, steigt generell in allen Altersgruppen. Und zwar seit 15-20 Jahren beträchtlich.
    Es sind also nicht nur immer mehr Kinder und Jugendliche (KuJ), sondern auch Erwachsene. Das liegt sehr wahrscheinlich an besserer Information und Aufklärung (Medien, Internet) und an der Lebbarkeit (Toleranz, Akzeptanz, Transitionsmöglichkeiten).
    Es gibt also nicht irgendwie "mehr" trans Personen als früher, sondern es ergreifen nur mehr die Möglichkeit zur Transition (sozial, juristisch, medizinisch).
    Dennoch sind die Zahlen weiterhin gering, bei 1% offiziell registrierten bzw bis ~3% in Umfragen. Wir haben also noch Potenzial für weitere Entwicklung.
  2. trans Jungs (bei Geburt als Mädchen zugewiesen) outen sich im Durchschnitt ein paar Jahre früher als trans Mädchen(1).
    Bei trans Jungs beginnt die Pubertät (Menarche, Brustwachstum) 1-2 Jahre früher als bei trans Mädchen. Tw mit 10-11.
    Trans Mädchen/Frauen outen sich häufig erst mit 20+ und sind damit aus der KuJ Versorgung raus.
    Als Mädchen zugewiesene KuJ nehmem generell häufiger medizinische Hilfe in Anspruch als Jungs. D.h. auch trans Jungs gehen häufiger zu Ärztys / Therapeutys als trans Mädchen.
    All das verzerrt die Statistik.
    Deshalb sieht es für KuJ-Therapeutys so aus, als ob es gigantisch viel mehr trans Jungs als trans Mädchen geben würde.
    Dieser Eindruck ist aber falsch.
    [1]
  3. Durch diese zeitlichen Verzerrungen ist das Zahlenverhöltnis von trans Jungs/Männern zu trans Mädchen/Frauen im Alter ab ca 30 wieder ausgeglichen und zwar ca. 1:1 plusminus ein paar Prozente. Von dramatisch viel mehr trans männlichen Personen kann also letztlich keine Rede sein.
  4. Jeder regulären medizinischen Transition (Hormone, OPs) ist in D eine psychologische Beratung und Therapie vorgeschaltet. Gerade bei Kindern und Jugendlichen.
    Von denen, die danach eine Hormonbehandlung beginnen, sind nach 5 Jahren noch 95% dabei. Die restlichen 5% sind aber nicht pauschal Regretter oder Detrans, sondern zB nichtbinäre Personen, denen die erreichten Veränderungen reichen(2).[2][3]
    Die effektive Quote jener, die komplett in ihr cis Geschlecht zurück gehen, liegt bei ~1%. Davon aber in 80% der Fälle, weil ihre Umwelt sie nicht trans leben lässt.[4]
    Das therapeutische System, wie es in den Leitlinien abgebildet ist, funktioniert.
    Und zwar genau das affirmative, das die Bedürfnisse ernst nimmt und von da aus diskutiert (statt wie Korte generell anzuzweifeln oder wie Fahrenkrug eine vorgefasste Meinung über "richtige" Geschlechtlichkeit vorauszusetzen)
  5. Die tatsächlichen Fallzahlen sind gerade im Bereich KuJ verschwindend gering. Insgesamt knapp über 1000 pro Jahr in D, entsprechend unter 1% der KuJ.
    Von irgendwelchen Wellen, Hypes oder Trends kann also keine Rede sein.
  6. Die "social contagion" Hypothese, dass social media, Gruppendruck oder dergleichen für plötzliche "transness" verantwortlich sei, ist nachweislich falsch.
    Wissenschaftlich widerlegt.
    Ebenso die "rapid onset gender dysphoria" aka "es gab doch keine Anzeichen" Idee.
    Studien belegen, dass alle Kids, die in in Beratungen und Therapien auftauchen, sich schon lange vor dem coming out Gedanken gemacht haben - aber diese aus guten Gründen nicht mit ihren Eltern geteilt haben. Stattdessen suchen sie natürlich Kontakt zu anderen, bevorzugt gleichaltrigen, um sich auszutauschen.
  7. Pubertätsblocker sind selten, medizinisch gut verstanden und werden höchstens nach psychologischer Beratung/Therapie bei extremem Leidensdruck und einsetzender Pubertät gegeben.
    Hormone werden U18 erst bei in der psychologischen Begleittherapie festgestellter gefestigter Geschlechtsidentität gegeben.
    Geschlechtsangleichende OPs - was bei trans Jungs in der Regel Mastektomie heisst - U18 gibt es quasi nie.
    Erstens weil die Lebensplanung noch nicht abgeschlossen ist, also psychologische Gründe.
    Zweitens weil die Pubertät noch nicht durch ist und es körperliche Probleme geben kann.
    Drittens, weil wenn es gut läuft, die Pubertätsblocker die falsche körperliche Entwicklung verhindert.
    Es besteht also kein Grund für irgendwelche Beschränkungen der jetzigen Praxis
Fazit: Das aktuell praktizierte Diagnose- und Therapiesystem beachtet sehr wohl, dass nicht für alle ihre Klientys "trans" die Lösung ihrer Probleme ist. Der ganze Alarmismus ist Unfug. Ebenso die Zweifel an dieser seit Jahren gelebten Praxis, die die Leitlinien ja lediglich beschreiben als "best practices".

Die "Fallzahlen bei jungen Mädchen" sind nur bei sehr eingeschränkter Betrachtungsweise veschoben. Ihnen steht keine Steigerung bei Regret und Detransition gegenüber. Mit anderen Worten: Jene "jungen Mädchen", die dann mit und nach psychologischer Beratung und Therapie in die medizinische Transition gehen, sind trans Jungs und bleiben dabei.

Deine Bedenken und Mahnungen sind also völlig überflüssig, weil längst gängige Praxis.


[1] Seite der AWMF zur Leitlinie KuJ: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/028-014, Langfassung der Leitlinie als PDF: https://register.awmf.org/assets/guidel ... 5-03_1.pdf
[2] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29463477/
[3] https://dgti.org/2022/09/28/jenny-wilke ... -9-2-2022/
[4] https://www.gendergp.com/detransition-facts/


(1) Häufig bei Beginn der Pubertät. Vermutlich weil die körperliche Veränderung die Dysphorie stark triggert. Die Pubertät beginnt bei Jungs und Mädchen heute früher. Körperlich weibliche Kinder sind tendenziell 2 Jahre früher dran.
(2) nichtbinäre machen 30% aller trans Personen aus.
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