Ein paar Gedanken zu Trans*
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Violetta Arden
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Ein paar Gedanken zu Trans*

Post 1 im Thema

Beitrag von Violetta Arden »

Es werde sich wohl einige gefragt haben, was wäre, wenn ich als Mädchen auf die Welt gekommen wäre. Das habe ich mich auch schon öfters gefragt….nun die Antwort darauf ist müßig….ich bin es nunmal nicht, und das wird sich auch nicht ändern.
Und daher kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen, wie es da in mir aussehen würde. Nun muß ich mich damit abfinden, daß mein Körper sämtliche männliche Merkmale aufweist. Da ich nun schon über 65 Jahre damit lebe, komme ich auch ganz gut damit klar.
Nur hat sich da in meinem Wesen etwas eingeschlichen, das sich zuerst in der Volkschulzeit langsam eröffnete. Die Anziehungskraft weiblicher Kleidung. Zuerst – fast natürlich – Strumpfhosen. Dann weiter Kleider und Röcke, in den frühen 70ern ziemlich kurz. Diese Vorliebe ist mir geblieben. Auch verspielte Unterwäsche und Straps fingen mir an zu gefallen.
Und das Verlangen, das auch an mir zu spüren.
Das wurde mit der Zeit immer stärker und mußte lange im Verborgenen bleiben.
Und ich habe festgestellt, das geht nicht mehr weg.
Das kann man sich nicht abgewöhnen wie das Rauchen oder sonstige Angewohnheiten.
Da konnte ich mehrmals meinen ganzen Fundus in Reue und Scham verpackt wegwerfen……ich habe es einfach wieder nachgekauft.
Schlußendlich habe ich das große Glück, daß meine Liebste und Lebensmensch, der Weg zueinander war mit einigen Hindernissen verbunden, mir diese Freiheiten läßt, Violetta ausleben zu können. Da bin ich ihr sehr dankbar…das kann man gar nicht hoch genug einschätzen.

Aber einige Wünsche – die leider unerfüllbar bleiben werden – hätte ich gerne erfüllt. Trotz allen männlichen Attributen, die ich im Prinzip nicht missen möchte, würden die Wünsche an eine gute Fee so aussehen:

Ich hätte gerne eine Schuhgröße nicht mehr als 41 (ok. Zur Not auch 42) – da findet man alles, was so gefällt.

Auf Körperbehaarung an Beinen und Armen könnte ich locker verzichten.

Auch wäre ein so schütterer Bartwuchs wie der meines Sohnes eigentlich für mich ideal.

Gut, da die Achsel- und Schambehaarung auch Frauen betrifft kann das vernachlässigt werden.

Ich bin zwar kein Bass, aber eine etwas höhere Stimme würde ich bevorzugen.

Mit 177 cm bin ich keine Riesin, aber bei so 1,70 wären so ziemlich alle Optionen mit Highheels auch ohne großes Herausragen möglich.

Das führt mich aber unweigerlich zu einem Thema, das mich auch berührt. Und offensichtlich viele, die sich fragen, wohin ihr Weg führen soll.

Wie würde es für mich aussehen, wenn ich so weit ginge, mein Geschlecht ändern zu lassen ? Wie würde da mein Leben aussehen?
Auf jeden Fall nicht einfach.
Wie sicher ist eine angleichende Operation, funktioniert es auch danach mit den einfachen körperlichen Bedürfnissen?
Auf jeden Fall müsste ich lebenslang Medikamente und Hormone nehmen.
Auf eine tägliche Rasur müsste man sich auch einstellen.
Die Stimme anzugleichen kann auch nur selten gelingen.
Und ganz wesentlich: Wie würde die Beziehung dann aussehen und würde sie gelingen. Wenn ich von der momentanen Situation ausginge wohl nicht.
Aber auch Familie, Freunde und Bekannte würde diese Entscheidung sehr beeinflussen.

Und die Frage – will ich das auf mich nehmen – kann ich mit einem klaren NEIN beantworten.

Da ich keinen Leidensdruck verspüre, mein komplettes Leben als Frau zu gestalten, ist das auch nie für mich ernsthaft zur Diskussion gestanden.

Eine gute Zeit
Violetta
Mein weibliches Ich ist ein Teil von mir und lässt sich nicht mehr unterdrücken. Ungenützte Zeit lässt sich nie mehr zurückholen.
Lebe Dein Leben.

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Re: Ein paar Gedanken zu Trans*

Post 2 im Thema

Beitrag von MiriamR »

Ich beglückwünsche Dich zu Deiner klaren Einstellung.
Wenn man die Fragen, die Du Dir gestellt hast, auf diese Weise beantworten kann, sind Zweifel wohl eher nicht angebracht.

Als Trans-Frau sehen meine Antworten dann doch anders aus. Aber das sind meine Fragen, mit meinen Antworten, die mit den Deinen in keinster Weise übereinstimmen müssen.
Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Spaß, mit Deinen Antworten und den daraus resultierenden Lebenserfahrungen.

Möge Dich diese Klarheit auch weiterhin begleiten... (yes)

Miriam )))(:
Have fun.....always.
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Re: Ein paar Gedanken zu Trans*

Post 3 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Violetta Arden hat geschrieben: Mo 17. Mär 2025, 23:34 Es werde sich wohl einige gefragt haben, was wäre, wenn ich als Mädchen auf die Welt gekommen wäre. Das habe ich mich auch schon öfters gefragt….nun die Antwort darauf ist müßig….ich bin es nunmal nicht, und das wird sich auch nicht ändern.
Und daher kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen, wie es da in mir aussehen würde. Nun muß ich mich damit abfinden, daß mein Körper sämtliche männliche Merkmale aufweist. Da ich nun schon über 65 Jahre damit lebe, komme ich auch ganz gut damit klar.
[...]
Wie würde es für mich aussehen, wenn ich so weit ginge, mein Geschlecht ändern zu lassen ? Wie würde da mein Leben aussehen?
Ein paar Gedanken zu deinen Optionen, basierend auf meinen persönlichen Erfahrungen. Ich bin ja 2017 mit 52 Jahren nicht nur endlich auf das entscheidende Wort "nichtbinär" gekommen, sondern konnte auch feststellen, dass Transition inzwischen kein Komplettpaket mehr sein muss. Nichts davon. Weder die soziale, noch die juristische, noch medizinische. Auch im Detail nicht.

Nichts ist zwingend, sondern es ist ein Werzkeugkasten, aus dem wir uns die Teile nehmen können, die uns wichtig sind und zu dem Zeitpunkt, wo sie wichtig und notwendig sind.

Zweitens konnte ich feststellen, dass ein paar Jahrzehnte bügerliches Leben mich mit ausreichend finanziellen Mitteln ausgestattet hatten, mir diese einzelnen Dinge leisten zu können. Das heisst Dienstleistungen kaufen und Fachleute engagieren, statt Zeit und Nerven (und auch Geld) in Prozeduren mit Krankenkassen und so weiter zu investieren und für mich komplett unsinnige Zwangstherapie und Gutachten zu absolvieren.

Ich konnte mir sehr komfortabel von äusserst kund*innen- und serviceorientierten Fachleuten den Bart weglasern lassen. Ich konnte mir Konsultationen bei Endos kaufen (und das kostet weniger, als eins so denken mag) und meine Hormontherapie zuerst (EU-legal) selbst organisieren, dann in Ruhe medizinische Begleitung besorgen. Und ich konnte, als es an der Zeit war, mir eine selbstbestimmte genitale Neukonfiguration gönnen. Bei dem Spezi, der mich ordentlich behandelte, meine Wünsche berücksichtigte, usw.

Ja, das war insgesamt kein billiges "Hobby", aber ein sehr erfüllendes. Es hat sich gelohnt. Und nach den größeren Aktionen sind es jetzt zwei mal im Jahr eine Fahrt nach Bremen-Hannover und 40 Euro Rezeptgebühr für die Hormone.

Aber wie gesagt muss es nicht die volle Packung sein.

Wenn dir die Körperbehaarung oder der Bart lästig ist: Gönn dir professionelle Enthaarung mit Laser, oder wenn es nur ab und zu sein soll mit Waxing oder dergleichen. Das ist Wellness, Wohlbefinden und Selbstfürsorge.

Wenn du mehr stimmliche Varianz haben möchtest: Hol dir Logopädie und_oder lerne singen.

Wenn du probieren möchtest, wie sich "weibliche" Hormone anfühlen und_oder du mehr ihrer Effekte haben möchtest: Engagiere erfahrene Profis oder teste DIY. Absetzen geht immer (solange die körpereigene Produktion nicht entfernt wird)

Und so weiter.

Ich habe 2017 herum noch gesagt, ich würde ja nichts davon brauchen. Wobei mir nicht klar war, wie viel Dysphorie ich einfach verdrängt zu zugedeckelt hatte, um besser nichts zu fühlen, als diese Unzufreidenheit und die Hilflosigkeit, nichts daran ändern zu können. Erst mit dem antesten und ausprobieren wurde der Deckel langsam gelüftet. Alles selbstbestimmt, zu seiner Zeit.

Meine Anregung also: Gönn dir. In kleinen Schritten, das was einfach "schön" wäre. Selbstbestimmung und für dein Wohlgefühl.
Daniela04
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Re: Ein paar Gedanken zu Trans*

Post 4 im Thema

Beitrag von Daniela04 »

Liebe Violetta
Violetta Arden hat geschrieben: Mo 17. Mär 2025, 23:34 Diese Vorliebe ist mir geblieben. Auch verspielte Unterwäsche und Straps fingen mir an zu gefallen.
Und das Verlangen, das auch an mir zu spüren.
Das wurde mit der Zeit immer stärker und mußte lange im Verborgenen bleiben.
Und ich habe festgestellt, das geht nicht mehr weg.
Das kann man sich nicht abgewöhnen wie das Rauchen oder sonstige Angewohnheiten.
Da konnte ich mehrmals meinen ganzen Fundus in Reue und Scham verpackt wegwerfen……ich habe es einfach wieder nachgekauft.
Da sprichst Du mir aus dem Herzen!

Ich mag sehr Deine Fragen, weil (bis auf die Schuhgrösse, ich habe 42), ziemlich alles stimmt, bzw. ich dieselben Fragen stellen würde, Dank Dir stelle ich sie mir auch. Dein Beitrag ist eine Bereicherung für mein Wohlbefinden.
Violetta Arden hat geschrieben: Mo 17. Mär 2025, 23:34 Da ich nun schon über 65 Jahre damit lebe, komme ich auch ganz gut damit klar.
Mit bald 70 stelle ich aber nicht die Fragen zu einer Umwandlung oder körperliche Veränderung bis eventuell das Lasern von Haaren. Ich hatte früher genug Stress und Burnouts. Dank der Akzeptanz meiner Weiblichkeit hat sich jetzt ein Gleichgewicht eingestellt, das ich nicht einfach aufs Spiel setzen möchte.
Violetta Arden hat geschrieben: Mo 17. Mär 2025, 23:34 Da ich keinen Leidensdruck verspüre, mein komplettes Leben als Frau zu gestalten, ist das auch nie für mich ernsthaft zur Diskussion gestanden.
Dein Schlusswort unterschreibe ich.

Herzliche Grüsse
Daniela
Ich will einfach der sein, der ich wirklich bin: ein Mann, der seine mittlerweile erkannte sehr bedeutende Weiblichkeit vertieft kennenlernen möchte.
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Re: Ein paar Gedanken zu Trans*

Post 5 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Hey...

ich habe mal aus der Sicht meines Zukunfts-Ichs einen Brief an mein damaliges
Jetzt-Ich geschrieben (Knoten in den Gedanken)..aber es gemacht zu haben war einfach gut,
das hat mir Energie gegeben, meinen Fokus gesetzt.

Ich bin mir sicher einige hier die schon länger da sind können sich noch erinnern. Der Brief
wird bald 5 Jahre alt, die ersten Versionen sind sogar älter..
fast alles kam so, manches noch nicht, aber es ist gut wie ist, ich bin froh..

Lest selbst


"Liebe Marie,

es ist Ende Juni 2021 und ich möchte dir dafür danken (hör auf zu weinen, ich weiss das dus machst), dass du mein Leben heute ermöglicht hast. Das ist so unendlich wertvoll für mich. Ich wäre nicht da, wo ich bin ohne dich!

Erinnerst du dich an deine Zweifel und deinen rasenden Herzschlag, als du das erste Mal laut sagtest „Ich bin eine Frau!“? Doch, das tust du bestimmt und da waren offene Arme die dich in deinem Sein anerkannt und liebevoll festgehalten haben. Es gab auch Tränen, aber du hast unendliche Zufriedenheit und Freiheit empfunden. Wahrscheinlich gabs die Tränen gerade deshalb..

Es war sehr emotional..das ist es auch heute noch, wenn du daran zurückdenkst.

Du hast dir eine Therapeutin gesucht und gefunden, die dich so sehr verständnisvoll auf deinem Weg begleitet und deine tiefsten Wünsche entdecken hilft und sie dann mit dir in die Wirklichkeit überträgt. Dann hast du langsam mit den Outings begonnen und deinen Hausarzt mit eingeweiht, dem es eine Ehre ist dich zu unterstützen. Auch wenn es aus meiner Sicht heute ein eher verhaltener weiblicher Eindruck war den du hinterlassen hast, hast du es für dich genau richtig gemacht, du hast niemanden aus der Familie und keinen deiner Freunde und Bekannten verloren. Ganz im Gegenteil es war für alle stimmig und vielleicht war es ihnen schon eher klar als dir das du eine Frau bist. Naja, ein Mann bist du für die meisten eh nicht gewesen. Wie denn auch?

Umso schneller wolltest du die HRT starten und ein Arzt, den du schon lange kennst hat dir ein Rezept ausgestellt-aber das war nicht der Weg auf Dauer. Als du dann die Indikation für die HRT bekommen hast und der Termin in der Endokrinologie gemacht war, war das wie eine Bestätigung für das, was du schon so lange gefühlt hast. Die Tür zur Frau war auf und die zum Mann endgültig verschlossen. Und das war gut..kein Weg zurück.

Mit weichen Knien bist du damals in der Endokrinologie der Frauenklinik angekommen, aber deine Sorgen waren umsonst-du bist da wunderbar aufgehoben und versorgt. Das du noch einen Befundbericht aus der Urologie brauchtest hat dich dazu gebracht dich dort auch gleich zur GaOP beraten zu lassen. Aber das stand da noch nicht so sehr im Vordergrund. Und das ist okay, denn dein Tempo ist das richtige für dich-es geht hier nicht um einen Wettlauf, es geht um dein „Werden“. Lass dir da nichts einreden.

Körperlich hast du dich schon super schön entwickelt, aber du solltest bitte noch etwas mehr darauf achten, das Richtige und mehr zu essen-ich weiss das du bei schlechter Laune dazu neigst Essen einfach zu vergessen. Tu deinem Körper was Gutes, denn er leistet wahnsinnige Arbeit.

Mit dem Schritt Logopädiestunden zu nehmen, hast du sogar so etwas wie eine neue Berufung gefunden, denn du hast daran super viel Spass und das merkt man auch. Dein Herz schlägt dafür und die Stimme ist für dich der Klang hin zu einer vollständigen Frau. Die Musik auf dem Weg, so wie alle Schritte wie ein Takt im Leben sind.

Trotzdem gibt der Weg nicht nur Kraft, er kostet auch welche. Deswegen finde ich es super,
dass nachdem du schon aufgegeben hattest und begonnen hast dich wegen dem Bart zurückzuziehen, du erneut den Antrag gestellt hast und nun den Willen hast dich durchzusetzen, mach das, du hast die Kraft und schaffst das. Für alle ist es einsichtig, dass eine Elektrologistin die Fachperson ist, die dir am besten helfen kann…

Das du die VÄ/PÄ nicht so hochgespielt hast, hat dir Ruhe gegeben und ich weiss ja, es ist dir viel wichtiger das dich dein Umfeld Marie nennt und dich so annimmt wie du bist, das schafft so ein Verwaltungsvorgang niemals. Denn dein Herz, dein Körper und alle die dich so wie du bist mögen machen dich zu der die du bist-keine Plastikkarte…

Es gab und gibt noch so viele kleine Dinge die dich bestätigt haben, für die hier jetzt aber kein Platz ist, hier ein Lob für deine verunglückte Frisur und da ein ganz liebes Kompliment.

Und was jetzt noch ein ganz grosses Ziel für dich ist (du weinst schon wieder), habe ich gerade erreicht. Ich danke dir aus ganzem Herzen, denn du hast mich zu der Frau gemacht, die du schon immer warst…"


Habt es gut, Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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