Hallo meine Lieben,
Wow, was für ein Freitag
TLDR - sprich die Kurzversion:
Trans*/CD Treffen in Wien fand letzten Freitag aufgrund des in Graz stattfindenden Tuntenballs nicht statt. Freitag Abend fand in der Bar des Grazer Radisson Hotels eine Warumup Party statt, hingefahren, wundervollen Abend erlebt. Schwebe auf Wolke sieben.
Die Langversion:
Schon die ganze Woche habe ich mich auf das Trans*/CD-Treffen in Wien gefreut, weil der letzte Freitag für mich die einzige Gelegenheit im Februar gewesen wäre, teilzunehmen. Meine Freundin hatte wieder einen Mädelsabend und ich keine Abendbereitschaft. Als ich dann erfahren habe, daß das Treffen wegen des Tuntenballs in Graz nicht stattfinden würde, schwamm ich durch ein Wechselbad der Gefühle: Ich war abwechselnd enttäuscht, wütend, sauer, traurig und frustriert.
Beim lustlosen herumsurfen auf der Homepage des, am Samstag in Graz stattfindenden, Tuntenballs habe ich entdeckt, daß am Freitag davor eine Warmupparty in der Hotelbar im Radisson Hotel stattfindet und hab mir anfänglich noch nichts dabei gedacht. Irgendwann mal hatte ich den Geistesblitz, ich könne ja dort hin fahren. Zwei Stunden Hinfahrt, Party und danach wieder zwei Stunden Heimfahrt erschienen mir dann doch zu aufwändig.
lexes hat geschrieben: So 2. Feb 2025, 21:53
Also dann wollen wir einmal wieder.
Doch dann fiel mir wieder Lexis Erzählung von Ihrem Wahnsinnsabend ein, in der sie auch erwähnte, daß sie sich ein Hotelzimmer nahm. Vielen Dank für diesen Beitrag, liebe Lexi - er war Inspiration und Mutmacher. Beim Lesen dieses Beitrages hatte ich damals schon den Gedanken "Das will ich auch mal machen."
Tja, und dann nahm so einiges seinen Lauf. Kennt Ihr das - wenn man drauf und dran ist, sich einen Herzenswunsch zu erfüllen, wenn man etwas auslebt, was aus dem tiefsten Inneren an die Oberfläche möchte, dann legt einem "das Universum" keine allzu großen Steine in den Weg, oder besser gesagt, viele Kleinigkeiten ergeben sich wie von selbst. Soll heißen, ich habe noch am Freitag Vormittag einen Termin bei meiner Lieblingskosmetikerin beim DM zum Harzen bekommen, "zufälligerweise" waren im Radisson Hotel noch Zimmer frei, der freitägliche Nachmittagsverkehr aus Wien raus war ausnahmsweise harmlos, usw. usf.
Ach ja - nebenbei erwähnt: Beim Harzen habe ich mich der Kosmetikerin offenbart. Sie war im ersten Moment völlig baff (im positiven Sinne) und wolte unbedingt Fotos sehen. Sie war ganz begeistert, hat mir Komplimente gemacht und wir haben gleich ein wenig über diverse Makeupprodukte fachgesimpelt. Zum Schluß hat sie mir noch eine super Maskara empfohlen, die sich viel besser als meine bisherige auftragen läßt, die ich natürlich auch gleich im DM eingekauft habe.
Die ganze Zeit über gab es wieder endlose Dialoge zwischen Desiree und der Angst, die in etwa folgendermaßen abgelaufen sind:
Desiree: OK, alles klar, ich buche ein Zimmer in Graz.
Angst: Was das wieder kostet.
Desiree: Egal, ich möchte dorthin, Gleichgesinnte treffen und Spaß haben.
Angst: Was ist, wenn Du eine Panne hast?
Desiree: Ja klar, ich steige ja jedesmal ins Auto und hab permanent Angst vor einer Panne.
Angst: Was ist, wenn die Warmup Party ein Reinfall wird.
Desiree: OK, ich nehme den Laptop mit und wenn es wirklich ein Reinfall wird, kann ich mich ins Hotelzimmer verkrümeln und im Forum lesen. Und außerdem, das wird nicht passieren!!!
Angst: Was ist, wenn sie Dich auslachen.
Desiree: Genau, ich geh auf eine queere Party und dort werde ich als queere Person ausgelacht. Mach Dich nicht lächerlich, liebe Angst. Ich werde dort ganz bestimmt liebe Leute kennenlernen. Punkt. Ende der Dsikussion.
Das hin und her zwischen den beiden ging auch auf der zweistündigen Autofahrt noch ein wenig so dahin, aber je weiter ich mich Graz näherte, umso leiser wurde die Angst und umso größer die Vorfreude.
Nach dem Einchecken hatte ich noch ca. 3 Stunden Zeit bis zum Beginn der Party. Also bin ich noch ein wenig in der Stadt rumgebummmelt, habe eine Kleinigkeit gegessen und mich im Hotelzimmer noch ein paar Minuten ausgeruht. Danach machte ich mich an die Auswahl des Outfits. Ich hatte 3 Kleider, 3 Paar Schuhe und unterschiedliche Strumpfhosen mit. Das alles für EINEN Abend

Ein Koffer voll mit nichts zum anziehen

Schlußendlich entschied ich mich für das kleine Schwarze mit den rosa Ärmeln.
Nach der Auswahl des Outfits machte ich mich ans Schminken. Zum Glück hat sich in letzter Zeit schon ein wenig Routine etabliert. Einzig das Licht im Badezimmer war suboptimal. Es waren nur Deckenspots vorhanden und am Spiegel keinerlei Licht von vorne. Trotzdem ging mir alles leicht von der Hand. Und die neue Maskara ist eine Wucht.
Zu guter letzt bin ich noch mit den High Heels im Zimmer ein paar Schritte auf und ab gegangen, um zu überprüfen, ob mich mich auch wirklich halbwegs sicher damit bewegen kann. Noch drei mal durchgeatmet, raus auf den Flur und mit dem Lift runter in die Lobby. Das Herz schlug mir bis zum Hals während ich die paar Schritte zur Bar ging. Da ich relativ früh dran war, war dort noch sehr wenig Betrieb. Ich setzte mich an einen Tisch und bestellte etwas zu trinken. Vor lauter Unsicherheit "vergrub" ich mich hinter meinem Smartphone. Doch irgendwann mal reichte es mir und ich sprach ein paar Leute, die mittlerweile eintrafen, kurzerhand an. Zufälligerweise habe ich auch ein paar Leute, die mit der Organisation des Balls zu tun hatten, kennengelernt und nett mit ihnen geplaudert. Leider verabschiedeten sich die bald wieder, weil sie für den samstäglichen Ball ausgeschlafen sein wollten.
So saß ich wieder eine Zeit lang alleine an der Bar herum und nippte an meinem Getränk. Irgendwie hatte ich den Eindruck, daß sich bei der Warmup Party nur Leute aus der lokalen queeren Community trafen und kaum Notiz von auswärtigen Leuten nahmen. Doch dann entdeckte ich ein Paar - wie sich später herausstellen sollte, ein Crossdresser (eigentlich war sie schon mehr als ein CD) und seine/ihre Schwester. Die beiden sahen auch immer wieder mal zu mir her und ich hatte den Eindruck, daß sie vorhatten, mich anzusprechen. Allerdings kam ich ihnen zuvor. Alleine das ist für mich als sehr introvertierten und schüchternen Menschen ein Wunder. Es ist schon faszinierend, welche Kräfte und welcher Mut freigesetzt werden, wenn man seinem Herzen folgt.
Mit diesen beiden habe ich mich für den Rest des Abends unterhalten. Diese Unterhaltung war so spannend, anregend und interessant, daß ich keinerlei Zeitgefühl mehr hatte und gar nicht wollte, daß diese Unterhaltung je wieder enden würde. Einzig das stehen in den High Heels und die damit vebundenen Schmerzen (na ja, so arg war's auch wieder nicht), erinnerten mich ab und zu daran, wie lange ich hier wohl schon stehen würde. Die Themen waren so vielfältig und weitreichend, vom Outfit, dem Aussehen und den zugehörigen Komplimenten über unsere Entwicklung bis hin zur Sexualität reichte das Spektrum. Wir verstanden uns alle drei auf Anhieb so gut, sodaß wir auch sehr offen über all diese Themen sprechen konnten.
Gegen Mtternacht wurden wir dann doch müde und verabschiedeten uns voneinander. Ich schwebte voller Glücksgefühle ins Hotelzimmer und wollte mich noch eine Zeit lang weder abschminken noch fürs Schlafen umziehen. Irgendwann mal lag ich dann doch abgeschminkt und im Nachthemd im Bett. Noch sehr lange konnte ich nicht einschlafen, weil ich so voller Gedanken und intensiver Gefühle war. Außerdem schlafe ich sowieso die ersten Nächte in einem fremden Bett eher weniger gut.
Nach einer sehr kurzen und unruhigen Nacht wachte ich um 6:30 Uhr auf. Noch schnell den Koffer gepackt, das Frühstück genossen und dann ging es wieder zurück nach Wien. Immer wieder ließ ich während der zweistündigen Fahrt in Gedanken den letzten Abend Revue passieren. Und ehe ich mich versah, stand ich schon wieder auf meinem Parkplatz in Wien. Das restliche Wochenende gehörte nun meiner Familie - eine kleine Feier stand an - und meiner Freundin. Jetzt am Abend konnte ich endlich meine Erlebnisse aufschreiben - ich bin ja schon fast geplatzt
Wieder einmal möchte ich mich bei Euch allen für Eure Begleitung bedanken. Diesmal ganz besonders bei Lexi für Ihre Schilderung Ihres Ausfluges ins „GentleM“. Es war zwar nicht so spektakulär wie bei Dir und trotzdem der schönste Abend, den ich bisher en femme erleben durfte
Anbei noch 2 Fotos, die vor dem Verlassen des Hotelzimmers in Richtung Bar entstanden sind. Leider habe ich vor lauter Nervosität keine Fotos in der Bar gemacht.
Quelle: https://up.picr.de/49296343ni.jpg
Quelle: https://up.picr.de/49296344vi.jpg
Vielen Dank, daß Ihr bis hier gelesen habt
Alles Liebe
Desiree
"Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige." (Seneca)