Wally hat geschrieben: Mo 10. Feb 2025, 21:49
Es würde mich schon sehr wundern, wenn da bei Dir so gar kein Relikt männlicher Sozialisation zu finden wäre: Z. B., dass es Dir "tierisch auf den Senkel geht", wenn Du auf der Suche nach Hilfe bei einer körperlichen Schwerarbeit ausgeklammert wirst - weil man Dir als Frau das nicht zutraut. Warum eigentlich? Ich kenne keine, wirklich keine einzige cis-Frau, die sich darüber aufregt.
Mhm...
ich erinner mich noch an die Zeit, in der ich reagiert hab wie Knäcke jetzt grade, ich schätze mal vor
4 oder 5 Jahren. Inzwischen habe ich gelernt, dankend Hilfe anzunehmen und mich darüber auch zu freuen.
Denn irgendwie leicht verdreht bestätigt mich das sogar.
Klar könnte ich einiges auch immer noch alleine schaffen, ABER, mit Hilfe ist einfach alles leichter und das ist schön so.
Eine weise Frau sagte mal zu mir "sei jetzt einfach still.."
Deswegen bin ich ja nicht weniger emanzipiert, nur eben nicht so wahnsinnig übertrieben, wie ein neugeborener Vampir
im Blutrausch..die Spitzen schleifen sich aber mit der Zeit ab.
Und es ist genau das, es sind trotzdem noch immer Relikte da, die ich von früher mitgenommen habe. Es nutzt aber wenig
die zu verteufeln, denn sie nutzvoll zu integrieren macht einfach mehr Sinn. Da habe nicht nur ich was davon sondern alle
in meinem Umfeld. Talente für gewisse Dinge über Bord zu werfen ist in meinen Augen Verschwendung..aber gut..
Wally hat geschrieben: Mo 10. Feb 2025, 21:49
Das mit dem Weinen habe ich dann erst in der späten Pubertät - so mit 16 - in den Griff gekriegt; ich musste dazu meine gesamte Gefühlswelt so sehr abwürgen, dass ich anschließend 10 Jahre lang gar nicht mehr weinen konnte.....ich hatte mir sowas insgeheim gewünscht, ich wollte gar nicht mehr weiterleben; es wäre mir recht gewesen, daran zu sterben.
Das ist fast schon traurig, warum haben die euch das angetan. Weinen war doch nie etwas Schlechtes.
Weinen vor Glück, vor Trauer, weil man berührt ist, reinigt doch die Seele. Nicht zuletzt gehört es zu einer vollständigen
Identität..ich hab den Spruch bestimmt auch mal gehört, richtig erinnern kann ich mich aber nicht.
Ich kann heute noch vor und mit völlig fremden Personen weinen, das ist authentisches Gefühle zeigen.
Ich habe aber auch erst mit 15, 16 angefangen das Mann-Sein zu versuchen, das ich daran gescheitert bin find ich jetzt
nicht sooo sehr schlimm.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Mo 10. Feb 2025, 22:42
Und im Grunde haben wohl viele gedacht (später auch gesagt), ich wäre homosexuell und würde mich halt nur nicht trauen.
Das mal wieder..also a gibt es da nichts zu trauen und b was wenn? Wäre es denn schlimm gewesen? Nein.
Ich stehe nach wie vor auf Menschen die mich mit ihrer Art fesseln, was da zwischen den Beinen ist, ist nicht weiter
wichtig..ich komme mit allem klar.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Mo 10. Feb 2025, 22:42
Noch etwas, wo ich anscheinend merkwürdig bin: ich habe das nie als Problem wahrgenommen.
Das ist nicht merkwürdig, sondern völlig normal. Wie sind wie wir sind, mag schon sein, das das strange für andere
ist. Aber seis drum, man muss ja gut zu sich und seinem Herzen sein..
Aber ganz allgemein, weil ich immer wieder sehe wie eine völlig normale Sache zu etwas Besonderem gemacht wird,
zerdacht, zerlegt und tranchiert wird, Leben, einfach nur Leben wie es grade im Moment ist, ist immer das Wichtigste.
Hab es gut, Marie

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