Rausgehen und verstecken ?
Rausgehen und verstecken ? - # 6

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
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Daniela04
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 76 im Thema

Beitrag von Daniela04 »

Liebe Vicky
Vicky_Rose hat geschrieben: Sa 8. Feb 2025, 09:11 "Ich sorge dafür, dass es in meinem Leben, mir immer besser geht".
Ich habe 45 Jahre gebraucht, um festzustellen, dass ich mich an meinen Partnerinnen teilweise extrem angepasst habe. Diese Erkenntnis war der Hauptschritt, um nun am mich zu denken. Schon das hat dazu geführt, dass es mir besser ging. Mein Prozess meine weibliche Seite zu entdecken und Sachen zu wagen, von denen ich vor weniger als einem Jahr nicht mal daran gedacht hatte, macht, dass es mir immer weiter besser geht. Ich schlafe in letzter Zeit oft durch, das ist auch ein Merkmal meines Wohlbefindens.

Ich bin so froh dass so viel Erfahrung in diesem Forum steckt, die mir hilft auch das Thema "rausgehen" nach meinem Tempo anzugehen, meine Tagträume sind da schon viel weiter (gitli) )

Lieber Gruss
Daniela
Ich will einfach der sein, der ich wirklich bin: ein Mann, der seine mittlerweile erkannte sehr bedeutende Weiblichkeit vertieft kennenlernen möchte.
Rockundabsatz
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 77 im Thema

Beitrag von Rockundabsatz »

Um mal auf das ursprüngliche Thema von Vicky_Rose zurückzukommen:

Für mich, der ich "nur" im Hybrid-Modus unterwegs bin, stellt sich die Frage des Versteckens, hinter Makeup und Perücke nicht. Oder gar hinter dem nächsten Busch oder in der Dunkelheit.

Ich bin über die Jahre soweit gekommen, dass ich auch Nachbarn, Bekannten und Verwandten gegenüber, Rock/Kleid und Absatzschuhe trage.
Damit bin ich bisher, bis auf ganz wenige Ausnahmen, gut gefahren.

Im Gegenteil habe ich eher das Gefühl, das wenn ich Rock/Kleid/HH trage, ich meist deutlich freundlicher behandelt werde als im Mann-Modus.

Sicherlich auch aus diesen Erfahrungen heraus gehe ich gerne im Hybrid-Modus raus. Treffe mich zum Teil regelmäßig, leider mit abnehmender Tendenz, mit anderen Männern mit den Interessen an HH und/oder Rock/Kleid.
Inga
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 78 im Thema

Beitrag von Inga »

Rockundabsatz hat geschrieben: Sa 8. Feb 2025, 17:33 ...
Im Gegenteil habe ich eher das Gefühl, das wenn ich Rock/Kleid/HH trage, ich meist deutlich freundlicher behandelt werde als im Mann-Modus.
.....
Hi

Den Eindruck, rücksichtsvoller behandelt zu werden, habe ich auch und zwar dann, wenn ich Perücke und Makeup habe, aber sonst die total gleiche Kleidung inkl. Schuhe trage. (Ich habe die meisten. Sachen aus der Damen-Abteilung, die ich auch im "Männer'Modus" trage..)

Verstehe die Menschen ?!

Liebe Grüße
Inga
Maya
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 79 im Thema

Beitrag von Maya »

Inga hat geschrieben: Sa 8. Feb 2025, 23:30
Rockundabsatz hat geschrieben: Sa 8. Feb 2025, 17:33 ...
Im Gegenteil habe ich eher das Gefühl, das wenn ich Rock/Kleid/HH trage, ich meist deutlich freundlicher behandelt werde als im Mann-Modus.
.....
Hi

Den Eindruck, rücksichtsvoller behandelt zu werden, habe ich auch und zwar dann, wenn ich Perücke und Makeup habe, aber sonst die total gleiche Kleidung inkl. Schuhe trage. (Ich habe die meisten. Sachen aus der Damen-Abteilung, die ich auch im "Männer'Modus" trage..)

Verstehe die Menschen ?!

Liebe Grüße
Inga
Ich stimme da mal mit ein.
Das ist nämlich nicht nur ein Eindruck, sondern tatsächlich so.
Man muss noch nicht mal komplett gestylt sein.
Am Montag bin ich mit dunkelblau lackierten Fingernägeln als Mann unterwegs gewesen.
Überbleibsel vom Stammtisch am Samstag davor.
Ich musste zu 2 Kunden, zum Getränkefritzen und tanken.
Beide Kunden (Männer) keinerlei Regung. (Mal sehen was da noch kommt.......... :roll:)
Im Getränkeshop an der Kasse eine etwa 40 jährige Frau die mit einem freudigen Lächeln meinte: cooler Nagellack. Worauf wir noch 2/3 Sätze wechselten.
Dann beim Tanken eine etwa 25 jährige Frau, die mich anstrahlte und sagte: Das ist aber eine schöne Farbe. Worauf auch hier ein paar Sätze gewechselt wurden.
Im Sommer laufe ich in meiner Freizeit immer in offenen Sandalen im MM herum, wobei meine lackierten Fussnägel dann immer sofort zu sehen sind.
(zur Zeit im Avatar zu sehen)
In den letzten ca 4 Jahren , habe ich ausschliesslich positive Erfahrungen gemacht.
Allerdings auch ausschliesslich mit Frauen (oder schwulen Männern in der Stammikneipe, sie sich selbst als als solche outen). Da gab und gibt es reichlich nette Gespräche. Normale Männer interessiert das nicht, sie sehen es vielleicht gar nicht, oder sie trauen sich nix zu sagen, weil sie gerade damit überfordert sind.
Was auffällt bei den Frauen, wenn sie die lackierten Fussnägel entdecken, ist , dass sie sofort lächeln und schlagartig offener und umgänglicher werden.
Und das ist nicht nur mein Eindruck, sondern Tatsache.
Letzte Woche Samstag war Stammtisch, im Kattwinkel in Köln. Da sass am Tisch gegenüber ein lesbisches Päärchen. Die eine Frau lächelte mich eine ganze Zeit lang an. Ich winkte mal lächelnd zurück, als sie dann meinte, wie ich nur so selbstverständlich mit meinen Highheels laufen könnt, sie käme damit keine 3 Schritte. Schon war ein sehr nettes Gespräch im Gange. Dann kommt Marcella67 von draussen herein und meinte, dass deren Frau ihr gerade ein Kompliment für ihr tolles Outfit gemacht hätte.
Hallo? Das kam jedes Mal von DENEN! Niemand hat sie aufgefordert uns anzusprechen. Also müssen wir doch total positiv auf viele Frauen wirken.
Ähnliches passiert mir übers Jahr gesehen sehr oft.
Wenn ich im Aussendienst mit geschlossenen Schuhen unterwegs bin; also erkennbar als ganz "normaler Mann" wie die breite Masse da draussen, passiert mir sowas eigentlich nie.
Da bin ich dann wohl nur irgendein "alter Knacker". Nix Interessantes. Irgendwie ein Jeder.

So erlebe ich das jedenfalls.

LG, Maya
Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.
Hakuna Matata
Wally
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 80 im Thema

Beitrag von Wally »

Rockundabsatz hat geschrieben: Sa 8. Feb 2025, 17:33 Im Gegenteil habe ich eher das Gefühl, das wenn ich Rock/Kleid/HH trage, ich meist deutlich freundlicher behandelt werde als im Mann-Modus.
Geht mir auch so - obwohl ich ja ebenfalls "hybrid" im Alltag herumlaufe: mit unverborgen männlichem Kopf (Halbglatze; keine Perücke, ohne jede Schminke, nur zwei große Perlmutt-Ohrhänger und eine Perlenkette um den Hals); auch die Stimme versuche ich gar nicht erst zu verstellen. Ansonsten aber konsequent und unmissverständlich weiblich: Kleid/Bluse/Rock, drunter Silis und Hüftpolster für unübersehbar weibliche Körperkonturen, Nylons, Pumps, Damenhandtasche. Nix schrilles, alles dezent im Rahmen seriöser Ästhetik, wie halt ältere Damen im Alltag herumlaufen, bloß durchweg Rock statt Hose.

Selbstverständlich erkennen mich die Leute als "Mann in weiblicher Kleidung" - vulgo "Tunte", sobald sie mich von vorne sehen; nur von hinten halten sie mich vermutlich wirklich für eine Frau. Trotzdem begegnen sie mir spürbar freundlicher als früher in der männlichen Rolle. Und nicht nur das: sie verhalten sich mir gegenüber auch deutlich so, wie sie es sonst gegenüber Frauen tun. Männer halten mir galant die Tür auf, nehmen mir schwere Sachen zum Tragen ab, bieten mir Hilfe an, wenn ich irgend ein technisches Problem habe, helfen mir als Nachbarn spontan beim Schneeschaufeln. Und Frauen zeigen sich mir seitdem viel kommunikativer, nehmen offen Blickkontakt zu mir auf, sprechen mich von sich aus auf irgend einen belanglosen Smalltalk an, was sie sonst gegenüber einem fremden Mann nie täten. Gerade letzteres ist für mich über die Jahre zu einem zusätzlichen, weiteren Motiv für das "Crossdressing" geworden: ich fühle mich darin nicht nur unmittelbar für mich selber wohler, es geht mir damit auch im alltäglichen, sozialen Umgang deutlich besser.
Herzliche Grüße
Wally
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 81 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Wally hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 11:23 Männer halten mir galant die Tür auf, nehmen mir schwere Sachen zum Tragen ab, bieten mir Hilfe an, wenn ich irgend ein technisches Problem habe, helfen mir als Nachbarn spontan beim Schneeschaufeln.
Ja, sowas passiert mir auch dauernd. Mich macht das aber eher stinkig. Als ob ich das (oder Frauen allgemein) nicht selbst könnten. So ein richtiges Paradebeispiel hatte ich vergangenes Jahr. Da kam ein technischer Assistent an meinem Büro vorbei und frug nach meinem Bürokollegen, ob er denn da sei, und wenn ja wo? Auf meine Nachfrage, was er denn bräuchte (weil wir uns teils in den Aufgaben gegenseitig vertreten haben) meinte der TA "ach, da ist so eine schwere Gasflasche und ich wollte ihn bitten, mir beim rumheben zu helfen" - und ich muss echt geschaut haben wie ein Pferd. Grob ein Jahr vorher hätte er mich gefragt, ob ich ihm mal eben fix helfen könnte...

Mir geht dieses "Männer verhalten sich Frauen gegenüber galant und höflicher" tierisch auf den Senkel. Warum können wir uns denn nicht gegenseitig, unabhängig von Alter und Geschlecht die Tür aufhalten, beim Schneeschaufeln helfen oder schwere Sachen zusammen tragen?

Wenn ich sehe, dass jemand Hilfe benötigt, dann biete ich Hilfe an - egal ob ich den Menschen vor mir als männlich oder weiblich lese.
Wally hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 11:23 Und Frauen zeigen sich mir seitdem viel kommunikativer, nehmen offen Blickkontakt zu mir auf, sprechen mich von sich aus auf irgend einen belanglosen Smalltalk an,
Wenn dich jemand spontan anspricht, dann sicher nicht wegen "belanglosem Smalltalk". Was auch immer da Thema ist, für dein Gegenüber ist es sicherlich relevant. Relevant genug, um dich "von sich aus" darauf anzusprechen.
Wally hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 11:23 was sie sonst gegenüber einem fremden Mann nie täten.
Wie schön! Frauen nehmen Dich nicht mehr als Bedrohung war. Das ist wie ein unausgesprochenes Kompliment!
Wally hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 11:23 ich fühle mich darin nicht nur unmittelbar für mich selber wohler, es geht mir damit auch im alltäglichen, sozialen Umgang deutlich besser.
Und das ist meiner bescheidenen Meinung nach eines der größten Problemfelder unserer Zeit: Es ist ja nicht so, dass Männer per se diesen sozialen Umgang nicht auch könn(t)en. Aber sie bekommen es von Kindsbeinen an aberzogen. Das ist ja auch eine der krassesten Erfahrungen, die ich so als Teil der FzM-Transition gehört habe: das Wegfallen dieser sozialen Interaktion, und dass ist wohl für einige Transmänner eine echt harte Nummer. Was ich, da ich deine Erfahrung zu 100% teile, sehr gut nachempfinden kann.
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 82 im Thema

Beitrag von Juliane »

Knäckebrötchen hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 13:43
Mir geht dieses "Männer verhalten sich Frauen gegenüber galant und höflicher" tierisch auf den Senkel. Warum können wir uns denn nicht gegenseitig, unabhängig von Alter und Geschlecht die Tür aufhalten, beim Schneeschaufeln helfen oder schwere Sachen zusammen tragen?

Siehste,
und so etwas ähnliches ist mir letztens auch passiert. Nur umgekehrt!

Ich gehe auf eine, wie ich weiß, sehr schwere Glastür zu, die außerdem noch durch den Unterdruck der Absaugeanlage im Gebäude, nur schwer zu öffnen ist.
Gleich hinter mir kommt eine junge Frau und ich halte ihr die Tür auf, weil ich eben ein höflicher Mann bin.

Da kommt ein zickiges. "Sie müssen mir nicht die Tür aufhalten nur weil ich eine Frau bin."
Trotzdem stolziert sie mit erhobener Nase vor mir durch. Drinnen bleibt sie stehen und meint noch immer schnippisch: "Das ist überholtes Rollenverhalten, sie Macho."

Ich hab dann freundlich gekontert: "Ich halte ihnen nicht die Tür auf, weil sie eine Frau sind! Ich halte ihnen die Tür auf, weil ich ein Gentleman bin."

:lol: Juliane

So etwas hebt dann die innerliche Stimmung. Warum nur wird Höflichkeit oft mit überholtem Geschlechterdenken gleichgesetzt?
Die mich kennen mögen mich. Die mich nicht mögen können mich. Frei nach Konrad Adenauer
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 83 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Ja, ich weiß ja auch nicht, Juliane \o/

Aber es ist doch alles noch so in unseren Köpfen drin, ich glaube manchmal stehen wir uns da selbst am meisten im Weg. Wärst Du als Juliane an selber Stelle gewesen, hätte sie sich vermutlich einfach nur bedankt.

Meine Vermutung: Höflichkeit, bzw. Galanterie hat doch auch häufig was mit einer Erwartungshaltung zu tun. Ich (als Mann) umsorge Dich hier (Tür aufhalten, Stuhl anbieten,...) und dafür unterhältst du (Frau) mich für den Abend. Das ist so eine archaische Sache. Aber irgendwann kommen wir vielleicht doch mal an den Punkt, wo Höflichkeit einfach Höflichkeit ist und als solche auch gerne angenommen wird.
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HeikeCD
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 84 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Juliane hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 14:42 Da kommt ein zickiges. "Sie müssen mir nicht die Tür aufhalten nur weil ich eine Frau bin."
Trotzdem stolziert sie mit erhobener Nase vor mir durch. Drinnen bleibt sie stehen und meint noch immer schnippisch: "Das ist überholtes Rollenverhalten, sie Macho."
Ja, sorry wenn man einfach nur nett ist. (Ironie off) :wink:
Ich denke diese junge Dame ist innerlich mit was auch immer unzufrieden. Du warst jetzt dieser Blitzableiter der ihr gerade recht kam, ging anderen an dem Tag mindestens, höchstwahrscheinlich an anderen Tagen auch, mit ihr wohl ähnlich.
Da fällt mir die Geschichte mit dem damaligen Batallionskommandeur ein. Wußte ja jeder das er ein Stinkstiefel war. Und die Wache morgens zwischen 6 und 8 Uhr an der Schranke war bei Neuen äußerst unbeliebt. Nun, der Idiot kommt kurz vor 7 angefahren, Soldat lässt Schranke unten geht an die Fahrertür und will den Truppenausweis sehen. Idiot kurbelt runter, wird lauter: "Sagen sie mal, wissen sie nicht wer ich bin?" Soldat mit einem Sprung zur Schranke und hoch den Balken.
Tags drauf, gleiche Zeit, gleiche Situation, Idiot kommt wieder angefahren, diesmal geht die Schranke gleich hoch. "WOLLEN SIE MICH NICHT KONTROLLIEREN?!" "Äh äh...ja...äh" usw. Nagel hieß der Idiot. Wurde einige Monate später in ein Depot versetzt, nur Zivilangestellte dort. :lol:

Deswegen, nicht ärgern über solche Menschen, nur bedauern. Einzig, dieses "Macho" finde ich etwas frech. Schnell noch was abwertendes hinterschieben um das eigene schwache Selbstwertgefühl vermeintlich aufzuwerten.

Liebe Grüße Heike
"Es ist nicht die Zeit in deinem Leben, es ist das Leben in deiner Zeit." Bruce Springsteen
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 85 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Spannend, was Ihr so schreibt. Ich lese gerade Watzlawick. Nicht ganz leichte Kost. Aber mir fällt dabei auf, wir unterhalten uns hier über Kommunikation. Was transportieren wir und was wird zu uns transportiert. Bekannterweise beschrieb er die Sachebene und die Bezieungsebene. Ich denke, im FM senden wir verstärkt das Signal "wir machen uns verletzlich und sind keine Gefahr." Das steht übrigens in krassem Gegensatz zu den Ängsten, die von verschiedener Seite über "Männer, die in Frauenbereiche vordringen" verbreitet werden. Als "normale" Frauen sind wir vertrauenswürdiger und erhalten die entsprechenden Signale. Aber das ist nur eine These.

Es gibt eine Moral, die Watzlawik ansprach: "Logik verträgt sich nicht mit Vertrauen". Gesetzt den Fall, meine These trifft weitgehend zu, dann erklärt das auch die stärkere Akzeptanz, vor allem durch Frauen. Die klassische Logik "wenn A wahr ist, kann Nicht-A nicht wahr sein" oder konkret, ein Mann kann nicht gleichzeitig Nicht-Mann, also Frau, sein, wird durch das Vertrauen, dass wir en femme signalisieren, entschärft, wenn nicht gar aufgehoben. Auch hier gilt, für unsere Gegner, dass sie Angst vor uns schüren müssen, damit die die Logik zum tragen kommt.

Ok, das ist jetzt sehr knapp gefasst, aber ich lasse das jetzt einmal so stehen. Um den Bogen zum Thema zu spannen, würde ich sagen, je mehr wir uns sehen lassen, um so mehr tun wir für uns, da wir hierbei Verrtauen stärken. Und nein, damit will ich niemanden überreden, etwas zu tun, was gegen das eigene Fühlen verstößt. Aber vielleicht hilft die Moral von Watzlawick auch an dieser Stelle. Mein Kopfkino ist sehr häufig (immer?) von (vermeintlicher) Logik geprägt. Das gibt mir aber auch kein (Selbst-)Vertrauen. Setze ich aber Vertrauen in mich und mein Verhalten, lösen sich die vermeintlichen logischen Dinge auf. Der innere Widerspruch "Frau und doch nicht Frau" lässt sich viel leichter leben. Als radikaler Konstruktivist meint Watzlawick, dass wir nicht die Wahrheit, sondern nur ein Bild der Wahrheit haben können. Mein Kompass sind dabei meine Gefühle.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 86 im Thema

Beitrag von Rockundabsatz »

Wally hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 11:23 Und Frauen zeigen sich mir seitdem viel kommunikativer, nehmen offen Blickkontakt zu mir auf, sprechen mich von sich aus auf irgend einen belanglosen Smalltalk an, was sie sonst gegenüber einem fremden Mann nie täten. Gerade letzteres ist für mich über die Jahre zu einem zusätzlichen, weiteren Motiv für das "Crossdressing" geworden: ich fühle mich darin nicht nur unmittelbar für mich selber wohler, es geht mir damit auch im alltäglichen, sozialen Umgang deutlich besser.
Unter diesem Aspekt habe ich mein "Crossdressing" noch nie gesehen. Aber interessant.

Ich finde dieses Verhalten meiner Mitmenschen mir gegenüber auch als äußerst angenehm.
Wie oft ich auf der Straße von fremden Frauen angestrahlt werde, wenn ich Rock/Kleid/HH trage. Unglaublich! Habe ich im Mann-Modus noch nie erlebt.
Und Komplimente für meine Beine oder meine Bekleidung habe ich als Mann noch nie bekommen.

Donnerstags vormittags kaufe ich für meine Mutter immer im gleichen Laden. So gut wie immer im Hybrid-Modus.
Zu vielen der Beschäftigten dort habe ich inzwischen ein so angenehmes Verhältnis, wie ich es Mann nie hatte.

Allgemein ist der Wiedererkennungswert wenn ich im Hybrid-Modus unterwegs bin unglaublich.
Selbst bei Ärzten, wo ich höchstens einmal im Quartal auftauche, kennt man/Frau mich mit Namen.
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 87 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo

Also. Ich bin ja techt viel mit öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs. Ich bin ganz begeistert, wenn mir im "Frauen-Modus" von anderen mehr Höflichkeit und weniger körperlnahes Gedränge zuteil wird als im " Männermodus".

Ich finde, da können auch Männer von Frauen und anderen Männern etwas freundlicher behandelt werden. Es geht ja.

Koffertragen helfen oder Kinderwagen mittragen muss ich im " Männermofus" wie im"Frauenmodus" ablehnen. Denn dabei geht mir etwas zu schnell die Puste aus. Tja, wo bekomme ich da wann vom Gegenüber Verständnis?!
Von so einem "zickigen Lieschen" wird Mann schnell an den Pranger gestellt.

Liebe Grüße
Inga
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 88 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Rockundabsatz hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 17:43 Und Komplimente für meine Beine oder meine Bekleidung habe ich als Mann noch nie bekommen.
Also wenn ich einen (aus meiner Sicht) schick oder anderweitig auffallend gekleideten Mann sehe, dann kann es schon vorkommen, dass ich ihm ein Kompliment mache. Auch wenn es deutlich seltener war, aber auch als Mann habe ich von anderen Männern Komplimente zu meinem Outfit oder meinem Bart bekommen.

Das geht schon. Allerdings hat man auch immer gemerkt, dass es auch für diese Männer echt kein selbstverständlicher Schritt war. Umso mehr hat es mich dann doch immer gefreut und ermutigt, da selber mutiger zu werden.

Am Ende ist es für Männer deutlich schwerer geworden, einer Frau ein Kompliment zu machen - ähnlich zu der offen gehaltenen Tür wird tendenziell erstmal eine Anmache vermutet. Umgekehrt, jede Frau die einem Mann ein Kompliment macht, suggeriert automatisch Interesse. Zumindest denken das viele, auf beiden Seiten. Alte Stereotype, die hoffentlich bald aussterben.
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 89 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Ahso, eine Sache würde mich dann doch mal interessieren:

erlebt ihr eigentlich nur die gesteigerte Höflichkeit, oder nehmt ihr auch die Kehrseite der Medaille war? Also, das übersehen/übergangen werden bei Entscheidungen. Die unnötigen Erklärungen zu Dingen, die ihr sehr wohl wisst (und euer Gegenüber das eigentlich auch wissen sollte, dass ihr das wisst)? Das nicht-genannt werden bei Team-Erfolgen (bei gleichzeitiger Nennung aller männlicher TN)?
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 90 im Thema

Beitrag von Wally »

Knäckebrötchen hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 13:43
Wally hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 11:23 Männer halten mir galant die Tür auf, nehmen mir schwere Sachen zum Tragen ab, bieten mir Hilfe an, wenn ich irgend ein technisches Problem habe, helfen mir als Nachbarn spontan beim Schneeschaufeln.
Ja, sowas passiert mir auch dauernd. Mich macht das aber eher stinkig. Als ob ich das (oder Frauen allgemein) nicht selbst könnten. So ein richtiges Paradebeispiel hatte ich vergangenes Jahr. Da kam ein technischer Assistent an meinem Büro vorbei und frug nach meinem Bürokollegen, ob er denn da sei, und wenn ja wo? Auf meine Nachfrage, was er denn bräuchte (weil wir uns teils in den Aufgaben gegenseitig vertreten haben) meinte der TA "ach, da ist so eine schwere Gasflasche und ich wollte ihn bitten, mir beim rumheben zu helfen" - und ich muss echt geschaut haben wie ein Pferd. Grob ein Jahr vorher hätte er mich gefragt, ob ich ihm mal eben fix helfen könnte...
Mir geht dieses "Männer verhalten sich Frauen gegenüber galant und höflicher" tierisch auf den Senkel. Warum können wir uns denn nicht gegenseitig, unabhängig von Alter und Geschlecht die Tür aufhalten, beim Schneeschaufeln helfen oder schwere Sachen zusammen tragen?
Weil's nun mal nicht unabhängig vom Geschlecht ist: Frauen sind tendenziell schwächer als Männer, sie tun sich mit solchen Dingen nun mal schwerer. Freilich ist das im Einzelfall erst mal eine Unterstellung, weil's individuell auch mal umgekehrt sein kann; aber letzteres ist die Ausnahme! Wenn jemand reglos draußen auf dem Gehsteig liegt, ist die Vermutung, dass dem was fehlt, auch eine "Unterstellung": er könnte ja auch einfach aus Jux und Tollerei dort mal chillen. Woher will ich das denn wissen? Trotzdem ist es doch sicherlich nicht falsch - und schon gar nicht irgendwie diskriminierend - hinzugehen und ihn zu fragen, ob und welche Hilfe er braucht. Er muss das ja nicht annehmen, er kann auch einfach "Nein, danke, ist schon okay" sagen.

Ich selber lehne die mir von Männern angebotene Hilfe gelegentlich auch mit einem freundlichen "Nein, danke, das kann ich selber" ab, wenn es mir gerade nicht wirklich hilft und bloß unpraktisch wäre. Trotzdem freue ich mich über das Angebot, ist doch nett... In der Mehrzahl der Fälle nehme ich aber erleichtert an und bin dankbar dafür, weil der betreffende Mann vermutlich wirklich kräftiger ist als ich: ich war nämlich schon als Junge immer der Schwächste in meiner Schulklasse, und bin's unter Männern auch mein ganzes Leben lang geblieben - obwohl ich gegenüber den meisten Frauen erfahrungsgemäß immer noch mehr Körperkraft hatte und habe. Als Junge - und später als Mann - war es eine Frage der Ehre, sowas "selber zu können"; ich habe darunter unsäglich gelitten, weil ich es allzu oft eben nicht konnte - und weil mir dann KEINER die benötigte Hilfe anbot, in der durchaus wohlgemeinten Sorge, mit so einem Hilfsangebot meine Mannesehre anzukratzen... Jetzt - als "Frau" - brauche ich da endlich nix mehr zu beweisen, und kriege Hilfsangebote - übrigens auch von Frauen - spontan angetragen, wenn ich's brauchen kann. Was, bitte, ist daran falsch?
Knäckebrötchen hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 13:43
Wenn ich sehe, dass jemand Hilfe benötigt, dann biete ich Hilfe an - egal ob ich den Menschen vor mir als männlich oder weiblich lese.
"Wenn ich sehe, dass jemand Hilfe benötigt, ..." Ja, eben: WORAN siehst Du das denn, ganz konkret? Siehst Du das im Baumarkt dem Halbzentner-Sack Gartenerde an, den da jemand aus dem Regal in seinen Einkaufswagen zu wuchten versucht - oder nicht doch eher der Tatsache, dass dieser Jemand ausnahmsweise (weil Frauen solche Situationen aus gutem Grund meiden) eine Frau ist? Freilich kann's auch einem Mann mal passieren, dass er mit sowas ein Problem hat - mir selber z.B., siehe oben. Dann hat's mich aber jedesmal erst eine ganze Reihe mühseliger, schiefgegangener Versuche gekostet, bis sich da mal jemand erbarmt hat, und selbst das i. d. R. erst auf meine ausdrückliche Bitte um Hilfe. Als Frau war's dann Gottseidank anders. Um gar nicht erst zu checken, dass eine Frau damit höchstwahrscheinlich ein Problem haben wird, muss man schon feministische Tomaten vor den Augen haben. (Ach ja: Tomaten sind rot - deshalb linksfeministisch. Vorher waren sie grün, zwischendurch sogar mal gelb... Sorry, couldnt resist :mrgreen: )
Knäckebrötchen hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 13:43
Wally hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 11:23 Und Frauen zeigen sich mir seitdem viel kommunikativer, nehmen offen Blickkontakt zu mir auf, sprechen mich von sich aus auf irgend einen belanglosen Smalltalk an,
Wenn dich jemand spontan anspricht, dann sicher nicht wegen "belanglosem Smalltalk". Was auch immer da Thema ist, für dein Gegenüber ist es sicherlich relevant. Relevant genug, um dich "von sich aus" darauf anzusprechen.
Mit belanglosem Smalltalk meine ich hier z.B. beim Einkaufen eine spontane Bemerkung über den Preis eines Päckchens Butter im Regal, oder über die Farbe eines Pullovers, den ich gerade prüfend in der Hand halte - und zwar nicht vom Personal, sondern von einer anderen Kundin, die gerade zufällig neben mir steht. Oder auf der Straße eine Bemerkung über das schöne (oder auch scheußliche) Wetter. Sicher nicht völlig irrelevant - aber auch nicht relevant genug, dass man nun unbedingt darüber reden müsste, und i. d. R. durch solche Gespräche auch nicht beeinflussbar - insofern eben doch "belanglos". Es geht dabei gar nicht wirklich um die Sache, sondern eher um die soziale Einbindung des Gesprächspartners in irgendeine Form von "wir". Eben Smalltalk.
Knäckebrötchen hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 13:43
Wally hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 11:23 was sie sonst gegenüber einem fremden Mann nie täten.
Wie schön! Frauen nehmen Dich nicht mehr als Bedrohung war. Das ist wie ein unausgesprochenes Kompliment!
Meinst Du das jetzt echt oder zynisch? Entschuldigung: rhetorische Frage, nicht als Vorwurf gemeint. Hier sind nämlich beide Sichtweisen richtig: es ist wirklich schön, dass sich Frauen von mir - im Gegensatz zu "normalen" Männern - tatsächlich nicht bedroht fühlen. Diese "Bedrohung" ist ja keine Einbildung, sie ist durchaus real: insbesondere für attraktive, junge Frauen ist die gläserne Wand um sie herum, mit der die gegenüber Männern herumzulaufen pflegen, schlicht notwendig. Sie könnten sich vor lauter Avancen männlicher Verehrer gar nicht mehr retten, wenn sie wahllos mit jedem Mann offenen Augenkontakt aufnähmen und von sich aus freundlich auf ihn zugingen; in sehr vielen Fällen würde das auch prompt missverstanden. Womit ich nix gegen männliche Annäherungsversuche gesagt haben will; die Männer dürfen ja gar nicht mehr offen sagen, welche Wünsche hinter ihren Annäherungsversuchen stehen, sie können das nur noch "durch die Blume" sagen, alles andere wird moralisch verurteilt und sogar strafrechtlich geahndet; insofern ist männliche Sexualität mittlerweile regelrecht kriminalisiert. Trotzdem würden nur wenige Frauen völlig darauf verzichten wollen; aber sehr, sehr viele Frauen kriegen halt mehr davon, als sie brauchen können, und müssen diese Überzahl dann irgendwie managen.
Knäckebrötchen hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 13:43
Wally hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 11:23 ich fühle mich darin nicht nur unmittelbar für mich selber wohler, es geht mir damit auch im alltäglichen, sozialen Umgang deutlich besser.
Und das ist meiner bescheidenen Meinung nach eines der größten Problemfelder unserer Zeit: Es ist ja nicht so, dass Männer per se diesen sozialen Umgang nicht auch könn(t)en. Aber sie bekommen es von Kindsbeinen an aberzogen. Das ist ja auch eine der krassesten Erfahrungen, die ich so als Teil der FzM-Transition gehört habe: das Wegfallen dieser sozialen Interaktion, und dass ist wohl für einige Transmänner eine echt harte Nummer. Was ich, da ich deine Erfahrung zu 100% teile, sehr gut nachempfinden kann.
Wir machen da zwar dieselbe Erfahrung; wir interpretieren sie aber wohl ziemlich unterschiedlich. Ich bin nicht der Meinung, Männern würde irgendeine Form sozialen Umgangs "aberzogen"; um das überhaupt tun zu können, müsste man ihnen dasselbe ja erst mal anerzogen haben - ein Widerspruch in sich. Männer kommunizieren untereinander in vieler Hinsicht anders als Frauen; das sind gewissermaßen zwei verschiedene Sprachen oder Dialekte, mit denen man sich über die Geschlechtergrenze hinweg nur noch eingeschränkt versteht. Körpersprache, Hierarchiebildung, Loyalitätsbezeugung, Fürsorge, Umgang mit Schutz/Schutzbedürfnis, Konfliktmanagement, Solidarität, Formen von Aggression, das konkrete Verständnis von "Fairness": das alles und noch viel mehr unterscheidet sich im internen Umgang miteinander zwischen Männern und Frauen gewaltig, auch völlig jenseits sexueller Aspekte. Teilweise beruhen diese Unterschiede darauf, dass Männer und Frauen emotional "unterschiedlich gestrickt" sind; möglicherweise spielen da auch angeborene Unterschiede in der Körpersprache eine Rolle. Ein weiterer, sehr großer Teil wird zwar kulturabhängig geschlechtsspezifisch in der Sozialisation erlernt. Aber auch das geschieht nicht unabhängig von den angeborenen Grundlagen, sondern in Anpassung daran. Nur ein geringer Teil solcher Unterschiede ist bloßer, kultureller Zufall oder gar böse Absicht irgendwelcher Unterdrücker.

Wer ins andere Geschlecht wechseln will, muss dazu diese andere, soziale Sprache erst mal erlernen. Manches davon geht ganz easy und wird individuell sogar als Erleichterung empfunden; manches davon ist mühsam und dauert Jahre, und manches ist sogar dauerhaft unmöglich, weil man die zugrundeliegenden, angeborenen Emotionen oder bestimmte Formen der Körpersprache eben schon von Natur aus hat oder nicht hat. Das nachträgliche Erlernen der sozialen Sprache des anderen Geschlechts ist nur begrenzt möglich, man bleibt darin immer irgendwie "Fremdsprachler". Wir Transsexuelle sind dabei sozusagen Naturtalente, wir können uns die Sprache des Gegengeschlechts sehr viel leichter und vollständiger aneignen als Andere - freilich um den Preis, dass für uns die Sozialisation im eigenen Geschlecht sehr viel mühsamer und weniger erfolgreich war. In der sozialen Sprache des Ursprungsgeschlechts bleiben wir zeitlebens eine Art Stotterer oder Legastheniker. Man kann halt nicht alles haben.

Das von Dir angesprochene Wegfallen sozialer Kommunikation für Transmänner gibt es tatsächlich, und es ist in der Tat eine "harte Nummer". Es hat zweierlei Ursachen: zum einen fallen Teile sozialer Kommunikation weg, weil sie im anderen Geschlecht einfach nicht üblich sind. Sie werden dort nicht etwa "aberzogen" oder unterdrückt, sondern durch andere Kommunikationsformen ersetzt, die man dann erst mal neu lernen muss. Inwiefern man die überhaupt lernen kann, muss man sehen... Das geht aber beiden Richtungen so, darin unterscheiden sich Transmänner von Transfrauen nicht grundsätzlich.

Richtig hammerhart wird's für Transmänner - und zwar nur für sie - an einer ganz anderen Stelle: das hat mit dem Themenkreis "Passing" zu tun. Die "Sprachen" der Geschlechter unterscheiden sich nicht nur darin, dass sie sich unterschiedlich ausdrücken; bestimmte Kommunikationsformen werden dem jeweils anderen Geschlecht auch verweigert. Gerade die Beziehungsanbahnung ist ein Paradebeispiel dafür. Frauen schirmen sich da gegenüber Männern weitgehend ab, sie verweigern ihnen bestimmte Kommunikationsformen, und zwar aus gutem Grund: weil sie diese Kommunikationsformen als praktisches Mittel zur Auswahl verwenden, und weil sie eben dadurch von Männern auch oft missverstanden werden, sobald sie diese Ausdrucksmittel anderweitig gebrauchen. Das ist zwar vermutlich nicht die einzige Einbahnstraße in der Geschlechterbeziehung; es wird da wohl auch Bereiche geben, in denen Männer mit Frauen Ähnliches anstellen. Aber genau da kommt das Passing als entscheidender Faktor ins Spiel.

Passing - also spontane, körperlich-soziale Einordnung ins Gegengeschlecht - ist für FzM sehr viel leichter und vollständiger erreichbar als für MzF: Transmänner schlucken dazu ein halbes Jahr lang Testosteron, kriegen davon Bartwuchs und Stimmbruch - und im Wesentlichen war's das schon; sie haben allein damit in der Öffentlichkeit bereits ein Ausmaß an Passing, von dem die meisten Transfrauen zeitlebens nur träumen können. In unserer (vermutlich angeborenen) Geschlechtswahrnehmung sind nämlich körperlich männliche Merkmale absolut dominant: wer auch nur eines oder zwei davon deutlich erkennbar hat, wird unweigerlich als Mann wahrgenommen, da kann alles andere noch so weiblich sein: Brüste, Hüften, weibliche Stimme etc. triggern die primäre Geschlechtswahrnehmung viel, viel weniger als jedes männliche Körpermerkmal; man kann damit den Eindruck "das ist ein Mann" kaum noch umdrehen. Eine nackte Frau mit männlichem Kopf wird immer als "Mann mit weiblichem Körper" identifiziert, niemals als "Frau mit männlichem Kopf".

In früheren Jahrzehnten, als ein perfektes Passing für uns Transsexuelle noch eine Existenzfrage war, haben wir Transfrauen die Transmänner sehr um diesen Unterschied beneidet. Das hat aber auch eine höchst problematische, andere Seite: während wir nämlich unsere soziale Transition notgedrungen langsam, in kleinen Schritten, über viele Jahre hinweg vollziehen, und dabei immer wieder ausprobieren, damit spielen, die neue Rolle lernen und uns fallweise auch wieder daraus zurückziehen können, wenn's nicht so klappt, wie wir uns das vorgestellt haben, müssen Transmänner praktisch von Null auf Hundert ins kalte Wasser springen - und da bleiben sie dann ein für allemal gefangen, sie können nur unter Riesen-Schwierigkeiten - und nie mehr vollständig - wieder zurück. Wollen sie wieder zurück ins Frau-Sein, dann geht's ihnen genauso wie uns Transfrauen schon von Anfang an: sie werden Bartwuchs und Stimmbruch nicht mehr los, sie können das im Alltag auch nur sehr schwer verbergen. Ein echtes Passing als Frauen bleibt ihnen damit lebenslang verwehrt. Sie werden auch von Frauen hartnäckig als Männer identifiziert und als solche ausgegrenzt; als solchen wird ihnen u. a. die frauenspezifische Kommunikation verweigert, siehe oben. Selbst wenn die Transition sich für sie letztlich als richtig erweist, ist das mangels Möglichkeiten zur Vorbereitung erst mal hammerhart; denn auch die Männer identifizieren und behandeln sie ja praktisch vom ersten Tag an konsequent als einen der ihren - und erwarten damit auch, dass "er" diese Sozialisation beherrscht und damit zurechtkommt, da gibt's dann kein Pardon mehr. Wer das als erwachsener Mann nicht kann, wird eben nicht mehr als Frau entschuldigt, sondern gilt als männlicher Versager. --- Vollends tragisch wird's, wenn so ein Transmann im männlichen Leben feststellt, dass "er" sich geirrt hat, dass das eben doch nicht zu ihr passt: sozial sitzt "sie" dann bis ans Lebensende kreuzunglücklich zwischen allen Stühlen und wird nirgendwo mehr vorbehaltlos integriert.

Sozial hat die Testosterongabe an Transmänner zehnmal gravierendere Folgen als alle Hormongaben und Operationen bei Transfrauen zusammen. Unsereins kann vor entscheidenden, körperlichen Schritten das Leben als Frau wenigstens ansatzweise schon mal ausprobieren; und selbst nach einer Totaloperation können wir sozial immer noch jederzeit in die männliche Rolle zurückkehren: wir haben diese Sozialisation von klein auf - wenn auch manchmal mühsam und unter großen Schwierigkeiten - gelernt, und unsere äußere Erscheinung im Alltag auf perfekt männliches Passing zu trimmen, ist für uns selbst dann noch eine leichte Übung. Im umgekehrten Fall - für einen Transmann - bedeutet dieselbe Situation den sozialen Tod. Das ist der Grund, warum ich gegenüber Testosterongaben für minderjährige FzM-Transsexuelle so skeptisch bin: transman sollte sich das vorher wirklich sehr, sehr gut überlegen, und sich allen nur irgendwie verfügbaren Rat von Fachleuten und erfahrenen, älteren Betroffenen holen. Für eine schnelle Entscheidung in jugendlichem Überschwang ist das nix.

Wurde mal wieder monströs lang, sorry; aber diese komplizierten Zusammenhänge kann man nun mal nicht in ein paar wenige Sätze quetschen.
Herzliche Grüße
Wally
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