Rausgehen und verstecken ?
Rausgehen und verstecken ? - # 6

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
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ExUserIn-2026-04-08
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 76 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Flora hat geschrieben: Fr 7. Feb 2025, 18:32 Mit so viel Kritik habe ich daher ehrlich gesagt nicht gerechnet.
Hallo Flora,

sehe es nicht als Kritik. Wie Du auftrittst und was Du machst, ist wirklich Deine Angelegenheit. Und Du hast Recht, Dein Betrag an anderer Stelle war der Auslöser, aber nicht der Grund für diesen Faden. Es tut mir immer so unendlich Leid, wie viele von uns sich so viele unnötige Gedanken und Sorgen machen. Um so schöner ist es zu sehen, dass sie es sich doch trauen, zu sich zu stehen. Es sind die Wandlungen im Kopf, die so wesentlich für ein gutes Leben sind. Mir hat der Satz in meinen dunklen Stunden geholfen:

"Ich sorge dafür, dass es in meinem Leben, mir immer besser geht".

Dazu musste ich hinschauen, wo es mir wirklich schlecht geht. Das nimmt uns niemand ab. Will ich raus aus meinem Loch, muss ich hinschauen, wo es weh tut. Die Ängste und die Scham in mir sind überwindbar. Und dann stehen die Türen offen. Vielleicht nicht die, die ich erwarte, aber es sind die, die zu mir passen. Natürlich kann ich scheitern, aber wenn ich nicht mein Leben lebe, scheitere ich mit Sicherheit.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Sophia69
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 77 im Thema

Beitrag von Sophia69 »

Sophia69 hat geschrieben: Fr 7. Feb 2025, 08:46 was deine innere Einstellung damit zu tun hat, dass du unbesorgt im Internet persönliches Preis gibst, wobei du zuvor eben darum auch Sorge hattest? Magst du das kurz erklären?
Es ist ähnlich wie im Ansatz oben. Früher hatte ich immer das Gefühl, ich mache etwas Unrechtes. Scham und Angst standen im Mittelpunkt. Ich habe in weiten Bereichen zu mir gefunden. Es ist nichts Falsches daran, mich weiblich zu fühlen. Das Grundgefühl durchzieht mich immer mehr. Warum sollte ich also heute Probleme damit haben, mich im Netz zu zeigen ? Im Gegenteil, je mehr ich das tue und auch in der Öffentlichkeit präsent bin, um so sicherer bin ich mir. Mit dem, was ich hier schreibe, bezwecke ich zweierlei. Zum einen weiß ich, dass viele noc Probleme haben, zu sich selber zu finden. Hier möchte ich durch Offenheit zeigen, dass daran gar nichts schlimmes ist. Und andererseits kann ich meine eigenen Thesen durch die Diskussion überprüfen. Dabei fällt mir immer wieder auf, wie sehr auch wir in Klischees verwoben sind. Einer meiner Fragen lautet: Was macht eine Frau aus ? Aber das ist ein anderes, sehr vielschichtiges Thema.
[/quote]

Hallo Vicky,
mit Scharm hat es bei mir gar nichts zu tun, nur dass ich in einer zunehmend queerefeindlichen Welt Anfeindungen mir ungern zusätzlich aufladen möchte.

Liebe Grüße
Sophia
Daniela04
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 78 im Thema

Beitrag von Daniela04 »

Liebe Vicky
Vicky_Rose hat geschrieben: Sa 8. Feb 2025, 09:11 "Ich sorge dafür, dass es in meinem Leben, mir immer besser geht".
Ich habe 45 Jahre gebraucht, um festzustellen, dass ich mich an meinen Partnerinnen teilweise extrem angepasst habe. Diese Erkenntnis war der Hauptschritt, um nun am mich zu denken. Schon das hat dazu geführt, dass es mir besser ging. Mein Prozess meine weibliche Seite zu entdecken und Sachen zu wagen, von denen ich vor weniger als einem Jahr nicht mal daran gedacht hatte, macht, dass es mir immer weiter besser geht. Ich schlafe in letzter Zeit oft durch, das ist auch ein Merkmal meines Wohlbefindens.

Ich bin so froh dass so viel Erfahrung in diesem Forum steckt, die mir hilft auch das Thema "rausgehen" nach meinem Tempo anzugehen, meine Tagträume sind da schon viel weiter (gitli) )

Lieber Gruss
Daniela
Ich will einfach der sein, der ich wirklich bin: ein Mann, der seine mittlerweile erkannte sehr bedeutende Weiblichkeit vertieft kennenlernen möchte.
Rockundabsatz
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 79 im Thema

Beitrag von Rockundabsatz »

Um mal auf das ursprüngliche Thema von Vicky_Rose zurückzukommen:

Für mich, der ich "nur" im Hybrid-Modus unterwegs bin, stellt sich die Frage des Versteckens, hinter Makeup und Perücke nicht. Oder gar hinter dem nächsten Busch oder in der Dunkelheit.

Ich bin über die Jahre soweit gekommen, dass ich auch Nachbarn, Bekannten und Verwandten gegenüber, Rock/Kleid und Absatzschuhe trage.
Damit bin ich bisher, bis auf ganz wenige Ausnahmen, gut gefahren.

Im Gegenteil habe ich eher das Gefühl, das wenn ich Rock/Kleid/HH trage, ich meist deutlich freundlicher behandelt werde als im Mann-Modus.

Sicherlich auch aus diesen Erfahrungen heraus gehe ich gerne im Hybrid-Modus raus. Treffe mich zum Teil regelmäßig, leider mit abnehmender Tendenz, mit anderen Männern mit den Interessen an HH und/oder Rock/Kleid.
Inga
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 80 im Thema

Beitrag von Inga »

Rockundabsatz hat geschrieben: Sa 8. Feb 2025, 17:33 ...
Im Gegenteil habe ich eher das Gefühl, das wenn ich Rock/Kleid/HH trage, ich meist deutlich freundlicher behandelt werde als im Mann-Modus.
.....
Hi

Den Eindruck, rücksichtsvoller behandelt zu werden, habe ich auch und zwar dann, wenn ich Perücke und Makeup habe, aber sonst die total gleiche Kleidung inkl. Schuhe trage. (Ich habe die meisten. Sachen aus der Damen-Abteilung, die ich auch im "Männer'Modus" trage..)

Verstehe die Menschen ?!

Liebe Grüße
Inga
Maya
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 81 im Thema

Beitrag von Maya »

Inga hat geschrieben: Sa 8. Feb 2025, 23:30
Rockundabsatz hat geschrieben: Sa 8. Feb 2025, 17:33 ...
Im Gegenteil habe ich eher das Gefühl, das wenn ich Rock/Kleid/HH trage, ich meist deutlich freundlicher behandelt werde als im Mann-Modus.
.....
Hi

Den Eindruck, rücksichtsvoller behandelt zu werden, habe ich auch und zwar dann, wenn ich Perücke und Makeup habe, aber sonst die total gleiche Kleidung inkl. Schuhe trage. (Ich habe die meisten. Sachen aus der Damen-Abteilung, die ich auch im "Männer'Modus" trage..)

Verstehe die Menschen ?!

Liebe Grüße
Inga
Ich stimme da mal mit ein.
Das ist nämlich nicht nur ein Eindruck, sondern tatsächlich so.
Man muss noch nicht mal komplett gestylt sein.
Am Montag bin ich mit dunkelblau lackierten Fingernägeln als Mann unterwegs gewesen.
Überbleibsel vom Stammtisch am Samstag davor.
Ich musste zu 2 Kunden, zum Getränkefritzen und tanken.
Beide Kunden (Männer) keinerlei Regung. (Mal sehen was da noch kommt.......... :roll:)
Im Getränkeshop an der Kasse eine etwa 40 jährige Frau die mit einem freudigen Lächeln meinte: cooler Nagellack. Worauf wir noch 2/3 Sätze wechselten.
Dann beim Tanken eine etwa 25 jährige Frau, die mich anstrahlte und sagte: Das ist aber eine schöne Farbe. Worauf auch hier ein paar Sätze gewechselt wurden.
Im Sommer laufe ich in meiner Freizeit immer in offenen Sandalen im MM herum, wobei meine lackierten Fussnägel dann immer sofort zu sehen sind.
(zur Zeit im Avatar zu sehen)
In den letzten ca 4 Jahren , habe ich ausschliesslich positive Erfahrungen gemacht.
Allerdings auch ausschliesslich mit Frauen (oder schwulen Männern in der Stammikneipe, sie sich selbst als als solche outen). Da gab und gibt es reichlich nette Gespräche. Normale Männer interessiert das nicht, sie sehen es vielleicht gar nicht, oder sie trauen sich nix zu sagen, weil sie gerade damit überfordert sind.
Was auffällt bei den Frauen, wenn sie die lackierten Fussnägel entdecken, ist , dass sie sofort lächeln und schlagartig offener und umgänglicher werden.
Und das ist nicht nur mein Eindruck, sondern Tatsache.
Letzte Woche Samstag war Stammtisch, im Kattwinkel in Köln. Da sass am Tisch gegenüber ein lesbisches Päärchen. Die eine Frau lächelte mich eine ganze Zeit lang an. Ich winkte mal lächelnd zurück, als sie dann meinte, wie ich nur so selbstverständlich mit meinen Highheels laufen könnt, sie käme damit keine 3 Schritte. Schon war ein sehr nettes Gespräch im Gange. Dann kommt Marcella67 von draussen herein und meinte, dass deren Frau ihr gerade ein Kompliment für ihr tolles Outfit gemacht hätte.
Hallo? Das kam jedes Mal von DENEN! Niemand hat sie aufgefordert uns anzusprechen. Also müssen wir doch total positiv auf viele Frauen wirken.
Ähnliches passiert mir übers Jahr gesehen sehr oft.
Wenn ich im Aussendienst mit geschlossenen Schuhen unterwegs bin; also erkennbar als ganz "normaler Mann" wie die breite Masse da draussen, passiert mir sowas eigentlich nie.
Da bin ich dann wohl nur irgendein "alter Knacker". Nix Interessantes. Irgendwie ein Jeder.

So erlebe ich das jedenfalls.

LG, Maya
Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.
Hakuna Matata
Wally
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 82 im Thema

Beitrag von Wally »

Rockundabsatz hat geschrieben: Sa 8. Feb 2025, 17:33 Im Gegenteil habe ich eher das Gefühl, das wenn ich Rock/Kleid/HH trage, ich meist deutlich freundlicher behandelt werde als im Mann-Modus.
Geht mir auch so - obwohl ich ja ebenfalls "hybrid" im Alltag herumlaufe: mit unverborgen männlichem Kopf (Halbglatze; keine Perücke, ohne jede Schminke, nur zwei große Perlmutt-Ohrhänger und eine Perlenkette um den Hals); auch die Stimme versuche ich gar nicht erst zu verstellen. Ansonsten aber konsequent und unmissverständlich weiblich: Kleid/Bluse/Rock, drunter Silis und Hüftpolster für unübersehbar weibliche Körperkonturen, Nylons, Pumps, Damenhandtasche. Nix schrilles, alles dezent im Rahmen seriöser Ästhetik, wie halt ältere Damen im Alltag herumlaufen, bloß durchweg Rock statt Hose.

Selbstverständlich erkennen mich die Leute als "Mann in weiblicher Kleidung" - vulgo "Tunte", sobald sie mich von vorne sehen; nur von hinten halten sie mich vermutlich wirklich für eine Frau. Trotzdem begegnen sie mir spürbar freundlicher als früher in der männlichen Rolle. Und nicht nur das: sie verhalten sich mir gegenüber auch deutlich so, wie sie es sonst gegenüber Frauen tun. Männer halten mir galant die Tür auf, nehmen mir schwere Sachen zum Tragen ab, bieten mir Hilfe an, wenn ich irgend ein technisches Problem habe, helfen mir als Nachbarn spontan beim Schneeschaufeln. Und Frauen zeigen sich mir seitdem viel kommunikativer, nehmen offen Blickkontakt zu mir auf, sprechen mich von sich aus auf irgend einen belanglosen Smalltalk an, was sie sonst gegenüber einem fremden Mann nie täten. Gerade letzteres ist für mich über die Jahre zu einem zusätzlichen, weiteren Motiv für das "Crossdressing" geworden: ich fühle mich darin nicht nur unmittelbar für mich selber wohler, es geht mir damit auch im alltäglichen, sozialen Umgang deutlich besser.
Herzliche Grüße
Wally
Knäckebrötchen
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 83 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Wally hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 11:23 Männer halten mir galant die Tür auf, nehmen mir schwere Sachen zum Tragen ab, bieten mir Hilfe an, wenn ich irgend ein technisches Problem habe, helfen mir als Nachbarn spontan beim Schneeschaufeln.
Ja, sowas passiert mir auch dauernd. Mich macht das aber eher stinkig. Als ob ich das (oder Frauen allgemein) nicht selbst könnten. So ein richtiges Paradebeispiel hatte ich vergangenes Jahr. Da kam ein technischer Assistent an meinem Büro vorbei und frug nach meinem Bürokollegen, ob er denn da sei, und wenn ja wo? Auf meine Nachfrage, was er denn bräuchte (weil wir uns teils in den Aufgaben gegenseitig vertreten haben) meinte der TA "ach, da ist so eine schwere Gasflasche und ich wollte ihn bitten, mir beim rumheben zu helfen" - und ich muss echt geschaut haben wie ein Pferd. Grob ein Jahr vorher hätte er mich gefragt, ob ich ihm mal eben fix helfen könnte...

Mir geht dieses "Männer verhalten sich Frauen gegenüber galant und höflicher" tierisch auf den Senkel. Warum können wir uns denn nicht gegenseitig, unabhängig von Alter und Geschlecht die Tür aufhalten, beim Schneeschaufeln helfen oder schwere Sachen zusammen tragen?

Wenn ich sehe, dass jemand Hilfe benötigt, dann biete ich Hilfe an - egal ob ich den Menschen vor mir als männlich oder weiblich lese.
Wally hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 11:23 Und Frauen zeigen sich mir seitdem viel kommunikativer, nehmen offen Blickkontakt zu mir auf, sprechen mich von sich aus auf irgend einen belanglosen Smalltalk an,
Wenn dich jemand spontan anspricht, dann sicher nicht wegen "belanglosem Smalltalk". Was auch immer da Thema ist, für dein Gegenüber ist es sicherlich relevant. Relevant genug, um dich "von sich aus" darauf anzusprechen.
Wally hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 11:23 was sie sonst gegenüber einem fremden Mann nie täten.
Wie schön! Frauen nehmen Dich nicht mehr als Bedrohung war. Das ist wie ein unausgesprochenes Kompliment!
Wally hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 11:23 ich fühle mich darin nicht nur unmittelbar für mich selber wohler, es geht mir damit auch im alltäglichen, sozialen Umgang deutlich besser.
Und das ist meiner bescheidenen Meinung nach eines der größten Problemfelder unserer Zeit: Es ist ja nicht so, dass Männer per se diesen sozialen Umgang nicht auch könn(t)en. Aber sie bekommen es von Kindsbeinen an aberzogen. Das ist ja auch eine der krassesten Erfahrungen, die ich so als Teil der FzM-Transition gehört habe: das Wegfallen dieser sozialen Interaktion, und dass ist wohl für einige Transmänner eine echt harte Nummer. Was ich, da ich deine Erfahrung zu 100% teile, sehr gut nachempfinden kann.
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 84 im Thema

Beitrag von Juliane »

Knäckebrötchen hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 13:43
Mir geht dieses "Männer verhalten sich Frauen gegenüber galant und höflicher" tierisch auf den Senkel. Warum können wir uns denn nicht gegenseitig, unabhängig von Alter und Geschlecht die Tür aufhalten, beim Schneeschaufeln helfen oder schwere Sachen zusammen tragen?

Siehste,
und so etwas ähnliches ist mir letztens auch passiert. Nur umgekehrt!

Ich gehe auf eine, wie ich weiß, sehr schwere Glastür zu, die außerdem noch durch den Unterdruck der Absaugeanlage im Gebäude, nur schwer zu öffnen ist.
Gleich hinter mir kommt eine junge Frau und ich halte ihr die Tür auf, weil ich eben ein höflicher Mann bin.

Da kommt ein zickiges. "Sie müssen mir nicht die Tür aufhalten nur weil ich eine Frau bin."
Trotzdem stolziert sie mit erhobener Nase vor mir durch. Drinnen bleibt sie stehen und meint noch immer schnippisch: "Das ist überholtes Rollenverhalten, sie Macho."

Ich hab dann freundlich gekontert: "Ich halte ihnen nicht die Tür auf, weil sie eine Frau sind! Ich halte ihnen die Tür auf, weil ich ein Gentleman bin."

:lol: Juliane

So etwas hebt dann die innerliche Stimmung. Warum nur wird Höflichkeit oft mit überholtem Geschlechterdenken gleichgesetzt?
Die mich kennen mögen mich. Die mich nicht mögen können mich. Frei nach Konrad Adenauer
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 85 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Ja, ich weiß ja auch nicht, Juliane \o/

Aber es ist doch alles noch so in unseren Köpfen drin, ich glaube manchmal stehen wir uns da selbst am meisten im Weg. Wärst Du als Juliane an selber Stelle gewesen, hätte sie sich vermutlich einfach nur bedankt.

Meine Vermutung: Höflichkeit, bzw. Galanterie hat doch auch häufig was mit einer Erwartungshaltung zu tun. Ich (als Mann) umsorge Dich hier (Tür aufhalten, Stuhl anbieten,...) und dafür unterhältst du (Frau) mich für den Abend. Das ist so eine archaische Sache. Aber irgendwann kommen wir vielleicht doch mal an den Punkt, wo Höflichkeit einfach Höflichkeit ist und als solche auch gerne angenommen wird.
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 86 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Juliane hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 14:42 Da kommt ein zickiges. "Sie müssen mir nicht die Tür aufhalten nur weil ich eine Frau bin."
Trotzdem stolziert sie mit erhobener Nase vor mir durch. Drinnen bleibt sie stehen und meint noch immer schnippisch: "Das ist überholtes Rollenverhalten, sie Macho."
Ja, sorry wenn man einfach nur nett ist. (Ironie off) :wink:
Ich denke diese junge Dame ist innerlich mit was auch immer unzufrieden. Du warst jetzt dieser Blitzableiter der ihr gerade recht kam, ging anderen an dem Tag mindestens, höchstwahrscheinlich an anderen Tagen auch, mit ihr wohl ähnlich.
Da fällt mir die Geschichte mit dem damaligen Batallionskommandeur ein. Wußte ja jeder das er ein Stinkstiefel war. Und die Wache morgens zwischen 6 und 8 Uhr an der Schranke war bei Neuen äußerst unbeliebt. Nun, der Idiot kommt kurz vor 7 angefahren, Soldat lässt Schranke unten geht an die Fahrertür und will den Truppenausweis sehen. Idiot kurbelt runter, wird lauter: "Sagen sie mal, wissen sie nicht wer ich bin?" Soldat mit einem Sprung zur Schranke und hoch den Balken.
Tags drauf, gleiche Zeit, gleiche Situation, Idiot kommt wieder angefahren, diesmal geht die Schranke gleich hoch. "WOLLEN SIE MICH NICHT KONTROLLIEREN?!" "Äh äh...ja...äh" usw. Nagel hieß der Idiot. Wurde einige Monate später in ein Depot versetzt, nur Zivilangestellte dort. :lol:

Deswegen, nicht ärgern über solche Menschen, nur bedauern. Einzig, dieses "Macho" finde ich etwas frech. Schnell noch was abwertendes hinterschieben um das eigene schwache Selbstwertgefühl vermeintlich aufzuwerten.

Liebe Grüße Heike
"Es ist nicht die Zeit in deinem Leben, es ist das Leben in deiner Zeit." Bruce Springsteen
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 87 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Spannend, was Ihr so schreibt. Ich lese gerade Watzlawick. Nicht ganz leichte Kost. Aber mir fällt dabei auf, wir unterhalten uns hier über Kommunikation. Was transportieren wir und was wird zu uns transportiert. Bekannterweise beschrieb er die Sachebene und die Bezieungsebene. Ich denke, im FM senden wir verstärkt das Signal "wir machen uns verletzlich und sind keine Gefahr." Das steht übrigens in krassem Gegensatz zu den Ängsten, die von verschiedener Seite über "Männer, die in Frauenbereiche vordringen" verbreitet werden. Als "normale" Frauen sind wir vertrauenswürdiger und erhalten die entsprechenden Signale. Aber das ist nur eine These.

Es gibt eine Moral, die Watzlawik ansprach: "Logik verträgt sich nicht mit Vertrauen". Gesetzt den Fall, meine These trifft weitgehend zu, dann erklärt das auch die stärkere Akzeptanz, vor allem durch Frauen. Die klassische Logik "wenn A wahr ist, kann Nicht-A nicht wahr sein" oder konkret, ein Mann kann nicht gleichzeitig Nicht-Mann, also Frau, sein, wird durch das Vertrauen, dass wir en femme signalisieren, entschärft, wenn nicht gar aufgehoben. Auch hier gilt, für unsere Gegner, dass sie Angst vor uns schüren müssen, damit die die Logik zum tragen kommt.

Ok, das ist jetzt sehr knapp gefasst, aber ich lasse das jetzt einmal so stehen. Um den Bogen zum Thema zu spannen, würde ich sagen, je mehr wir uns sehen lassen, um so mehr tun wir für uns, da wir hierbei Verrtauen stärken. Und nein, damit will ich niemanden überreden, etwas zu tun, was gegen das eigene Fühlen verstößt. Aber vielleicht hilft die Moral von Watzlawick auch an dieser Stelle. Mein Kopfkino ist sehr häufig (immer?) von (vermeintlicher) Logik geprägt. Das gibt mir aber auch kein (Selbst-)Vertrauen. Setze ich aber Vertrauen in mich und mein Verhalten, lösen sich die vermeintlichen logischen Dinge auf. Der innere Widerspruch "Frau und doch nicht Frau" lässt sich viel leichter leben. Als radikaler Konstruktivist meint Watzlawick, dass wir nicht die Wahrheit, sondern nur ein Bild der Wahrheit haben können. Mein Kompass sind dabei meine Gefühle.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 88 im Thema

Beitrag von Rockundabsatz »

Wally hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 11:23 Und Frauen zeigen sich mir seitdem viel kommunikativer, nehmen offen Blickkontakt zu mir auf, sprechen mich von sich aus auf irgend einen belanglosen Smalltalk an, was sie sonst gegenüber einem fremden Mann nie täten. Gerade letzteres ist für mich über die Jahre zu einem zusätzlichen, weiteren Motiv für das "Crossdressing" geworden: ich fühle mich darin nicht nur unmittelbar für mich selber wohler, es geht mir damit auch im alltäglichen, sozialen Umgang deutlich besser.
Unter diesem Aspekt habe ich mein "Crossdressing" noch nie gesehen. Aber interessant.

Ich finde dieses Verhalten meiner Mitmenschen mir gegenüber auch als äußerst angenehm.
Wie oft ich auf der Straße von fremden Frauen angestrahlt werde, wenn ich Rock/Kleid/HH trage. Unglaublich! Habe ich im Mann-Modus noch nie erlebt.
Und Komplimente für meine Beine oder meine Bekleidung habe ich als Mann noch nie bekommen.

Donnerstags vormittags kaufe ich für meine Mutter immer im gleichen Laden. So gut wie immer im Hybrid-Modus.
Zu vielen der Beschäftigten dort habe ich inzwischen ein so angenehmes Verhältnis, wie ich es Mann nie hatte.

Allgemein ist der Wiedererkennungswert wenn ich im Hybrid-Modus unterwegs bin unglaublich.
Selbst bei Ärzten, wo ich höchstens einmal im Quartal auftauche, kennt man/Frau mich mit Namen.
Inga
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 89 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo

Also. Ich bin ja techt viel mit öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs. Ich bin ganz begeistert, wenn mir im "Frauen-Modus" von anderen mehr Höflichkeit und weniger körperlnahes Gedränge zuteil wird als im " Männermodus".

Ich finde, da können auch Männer von Frauen und anderen Männern etwas freundlicher behandelt werden. Es geht ja.

Koffertragen helfen oder Kinderwagen mittragen muss ich im " Männermofus" wie im"Frauenmodus" ablehnen. Denn dabei geht mir etwas zu schnell die Puste aus. Tja, wo bekomme ich da wann vom Gegenüber Verständnis?!
Von so einem "zickigen Lieschen" wird Mann schnell an den Pranger gestellt.

Liebe Grüße
Inga
Knäckebrötchen
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Re: Rausgehen und verstecken ?

Post 90 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Rockundabsatz hat geschrieben: So 9. Feb 2025, 17:43 Und Komplimente für meine Beine oder meine Bekleidung habe ich als Mann noch nie bekommen.
Also wenn ich einen (aus meiner Sicht) schick oder anderweitig auffallend gekleideten Mann sehe, dann kann es schon vorkommen, dass ich ihm ein Kompliment mache. Auch wenn es deutlich seltener war, aber auch als Mann habe ich von anderen Männern Komplimente zu meinem Outfit oder meinem Bart bekommen.

Das geht schon. Allerdings hat man auch immer gemerkt, dass es auch für diese Männer echt kein selbstverständlicher Schritt war. Umso mehr hat es mich dann doch immer gefreut und ermutigt, da selber mutiger zu werden.

Am Ende ist es für Männer deutlich schwerer geworden, einer Frau ein Kompliment zu machen - ähnlich zu der offen gehaltenen Tür wird tendenziell erstmal eine Anmache vermutet. Umgekehrt, jede Frau die einem Mann ein Kompliment macht, suggeriert automatisch Interesse. Zumindest denken das viele, auf beiden Seiten. Alte Stereotype, die hoffentlich bald aussterben.
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