Sind MeToo und die Grünen jetzt entwertet?
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Marlene K.
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Sind MeToo und die Grünen jetzt entwertet?

Post 1 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ausgiebig wird der Fall nicht nur in der TAZ diskutiert.
https://taz.de/Gruenenpolitiker-Stefan- ... /!6059973/
...
Wochenlang hat der RBB zu angeblichen Belästigungsvorwürfen um den Berliner Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar recherchiert. Spätestens seit Freitag ist klar: Die schwerwiegendsten Vorwürfe sind wohl frei erfunden.Gerade wenn es um Vorwürfe sexueller Belästigung oder Gewalt geht, fehlt es häufig an Beweisen. Unabhängige Zeu­g:in­nen gibt es selten, direkte Belege, wie Videos oder Fotos, so gut wie nie. In solchen Fällen greifen Redaktionen zu eidesstattlichen Versicherungen: Darin versichert eine Betroffene, dass eine Situation genau so stattgefunden hat.
...
Auch wir in der taz nutzen sie, denn sie haben Gewicht: Wer in einer eidesstattlichen Versicherung lügt, macht sich strafbar – nicht vor einer Redaktion, aber dann, wenn diese Versicherung vor einem Gericht vorgelegt wird. Und MeToo-Berichterstattung landet häufig vor Gericht.

Der RBB hatte für seine Recherchen mehrere eidesstattliche Versicherungen vorliegen und sich auf sie verlassen. Das war fatal, denn die zentrale Versicherung scheint gefälscht zu sein. Die Frau, die sie geschrieben haben will, existiert wohl nicht. Der Tagesspiegel berichtet, die Redaktion habe mit der Frau offenbar nur telefoniert. Ein persönliches Treffen hat es demnach nicht gegeben, ihre Identität wurde nicht ausreichend überprüft.Besonders für Stefan Gelbhaar hat die Geschichte Konsequenzen, die wohl nicht wieder gutzumachen sind: Ob er noch eine Chance auf den Wiedereinzug in den Bundestag hat, ist aktuell unklar.
Doch auch MeToo-Recherchen werden sich dadurch verändern. Man kann das jetzt schon beobachten. Bei Twitter stellt ein renommierter Medienanwalt die Verlässlichkeit von eidesstattlichen Versicherungen prinzipiell infrage. Darin könne man gegenüber der Presse „straflos lügen, dass sich die Balken biegen!“, schreibt er und unterstellt, dass solche Versicherungen wertlos seien.
...
Es ist das klassische Argument, das Vertreter von Beschuldigten immer vorbringen. Er unterschlägt damit, wie schwer es bei MeToo-Recherchen meistens ist, Betroffene dazu zu kriegen, überhaupt so eine Versicherung zu unterschreiben. Denn damit gibt sich die Frau mit all ihren Vorwürfen und privaten Details gegenüber dem Beschuldigten vollumfänglich zu erkennen. Sie riskiert ein Gerichtsverfahren und jede Menge Anspannung, Ärger, Risiko. Es ist also mitnichten so, dass Informantinnen leichtfertig Versicherungen unterschreiben.

All jenen, die MeToo-Rercherchen prinzipiell ablehnen, kommt die Gelbhaar-Recherche extrem gelegen.
...
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
MiriamR
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Re: Sind MeToo und die Grünen jetzt entwertet?

Post 2 im Thema

Beitrag von MiriamR »

Solche "vermuteten" sexuellen Belästigungen sind schon immer ein schwieriges Thema gewesen.

Ich denke da an die Teenie-Mädchen die aus irgendwelchen Gründen die Karriere von Lehrern ruinieren (und nicht nur die Karrieren). Oder Frauen die mit solchen Anschuldigungen ihre "fünf Minuten" Ruhm beanspruchen.
Selbst russische Propaganda hat sich ja schon dieser Mittel bedient, die Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau die nie stattfand aber tagelang durch die deutsche Presse geisterte.

Wenn die Beschuldigten dann noch auf irgendeine Weise Prominent sind, ist die "Verurteilung" und das Karriereende mehr als wahrscheinlich. Zumal die wahrheitsgemäße Aufarbeitung solcher Fälle schwierig und langwierig ist. Und die Dauer ist dann der Grund das eine Entlastung des Beschuldigten dann gar nicht mehr zur Kenntnis genommen wird.

Und ja, man macht sich strafbar mit einer falschen "Versicherung an Eides statt". Aber wie lange dauert es denn bis ein solches Verfahren vor einem deutschen Gericht stattfindet??
Siehe Kachelmann....Verurteilt von der Presse und der Öffentlichkeit, Jahre später Rehabilitiert. Reputation und Karriere durch.
"Me too" hat einiges bewegt, aber dafür gab es dann auch Beweise.
Aber nicht gründlich recherchierte Anschuldigungen bewirken das Gegenteil. Denn, in unserer Zeit haben "Aufreger" und "Skandale" eine verdammt kurze Halbwertzeit.
Irgendwelche Entschuldigungen (wie diese in dem Artikel) kommen immer zu spät für das Leben des Anderen....

weiblich Grüße

Miriam
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Re: Sind MeToo und die Grünen jetzt entwertet?

Post 3 im Thema

Beitrag von Slatjana »

1983 Reinhard Mey. "Was in der Zeitung steht"
Why don`t you knock it off with them negative waves? Why don`t you dig how beautiful it is out here?
Inga
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Re: Sind MeToo und die Grünen jetzt entwertet?

Post 4 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo.

Um auf die Frage zu antworten: Das kommt jetzt darauf an. Auf aussitzende und verharmlosende Grüne kann ich jedenfalls verzichten.

Aber hallo, sprechen wir jetzt wie die taz darüber, wie die Organisationen zu retten, die Täter:innen zu entschuldigen und dem erlegten Opfer noch nachzukicken?

Oder reden wir darüber, wie dem Opfer zu helfen, zu rehabilitieren und ihm die Würde wiederzugeben?

Reden wir darüber, wie die Politik vor solchen Täter:innen und ihren Untaten in und außerhalb der Parteien ab jetzt zu bewahren?

Liebe Grüße
Inga
Marlene K.
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Re: Sind MeToo und die Grünen jetzt entwertet?

Post 5 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Inga hat geschrieben: Do 23. Jan 2025, 00:21 ...

Reden wir darüber, wie die Politik vor solchen Täter:innen und ihren Untaten in und außerhalb der Parteien ab jetzt zu bewahren?

Liebe Grüße
Inga
Deine Kritik an TAZ und den Grünen teile ich deutlich so nicht.

Eine wirklich gerechte Lösung, die allen Opfern von Übergriffen und Gewalt durch Abwertung von Weiblichkeit absolute Sicherheit un Gerechtigkeit bietet und jeden fälschlich beschuldigten Menschen mit meist männlich gelesenem Geschlecht zu schützen wäre mur in einer perfekten Welt möglich.

Jede Partei/Institution steht vor der Frage:
Glaube ich der Person, die hinter verschlössenen Türen beleidigt, erniedrigt und sexualisiert wurde oder glaube ich ihr erst wenn sie fremde Körperflüssigkeiten und Wunden nachweisen kann?
Oder glaube ich dem Menschen, der seine Unschuld beteuert und behauptet, die Person habe ihn ermutigt, trug einen zu kurzen Rock, hat häufig wechselnde Partner, wolle nur seinen Posten?

Anders als viele habe ich hier keine allgemeingültige richtige Antwort, habe bisher nie wissentlich einen Übergriff begangen, war aber schon auf beiden Seiten als Tatopfer und Beschuldigte*r von angeblichen verbalen Übergriffen.
Marlene

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Inga
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Re: Sind MeToo und die Grünen jetzt entwertet?

Post 6 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo Marlene,

Ich glaube gerne den Leuten, denen echt wss passiert ist, die Aufdringlichkeit und Anmache empfinden. und die es thematisieren. Ihre Aussagen sind auch mir wichtig, auch wenn nicht "Beweise" zu sehen ist. Aber ehrlich und tatsächlich geschehen sein soll es, und dann eben von dem Motiv, darüber zu informieren. und nicht es als Waffe zu nehmen, um jemanden dadurch absichtlich schlecht zu machen.

Aber Stories erfinden und Gerüchte ausschmücken und weitertragen, um unliebsame Kandidaten rsuszukegeln, ist ein absolutes NoGo.
Das das Teile der Grünen aussitzen oder noch gar gutheißen wollen, finde ich absolut nicht gut.
Wer eine eidesstaatliche Erklärung für etwas Gesagtes abgibt, sollte dabei schon bei der Wahrheit bleiben, dazu stehen können und sich erklären, warum getan, wenn es doch nicht ganz ehrlich war.

Was ist da denn für ein Politikstil, der für Respekt und fairen Umgang wirbt? Aufarbeitung und Transparenz tut not Auf eine Partei der Grünen Intriganten, Heuchler und Stillehalter kann ich langsam auch verzichten.

Liebe Grüße
Inga
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Re: Sind MeToo und die Grünen jetzt entwertet?

Post 7 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo,

als Nachtrag zu meinem Beitrag gestern
möchte ich auf die ZEIT vom 23.1.2025 verweisen, die auf Seite 6 einen umfangreichen Artikel "Anatomie der Intrige" hat, wie die Affäre und deren recht halbherzige Aufarbeitung bei den Grünen bis jetzt abgelaufen ist.

Liebe Grüße
Inga
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